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Das Artwork von Aura Noire

Aura Noir – Aura Noire

Das Artwork von Aura Noire

Wertung
4.5/7 Punkten


Info
VÖ: 27.04.2018
Label: Indie Recordings
Spielzeit: 00:32:33


Line-Up
Aggressor – Bass, Vocals
Apollyon – Drums, Vocals
Blasphemer – Gitarre


Tracklist
Dark Lung Of The Storm
Grave Dweller
Hell’s Lost Chambers
The Obscuration
Demoniac Flow
Shades Ablaze
Mordant Wind
Cold Bone Grasp
Outro

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Neulich saß ich während eines Festivals, auf dem auch AURA NOIR spielten, mit ein paar Leuten im Backstage-Raum, als die Tür aufging und Aggressor – auf Krücken! – in abnormer Geschwindigkeit durch den Raum stakste. Ich muss wohl ziemlich kindlich begeistert geschaut haben, jedenfalls fragte mich einer meiner Mitmusiker, wer zur Hölle das eigentlich sei. Da muss ich sicher noch blöder geguckt haben, und referierte darauf einen Abriss der wirklich einmaligen Geschichte dieser Band (werde ich hier aber nicht nochmal tun, keine Sorge). Nur eines: Dass der Mann nach seinem Sturz aus dem vierten Stock vor 13 Jahren überhaupt wieder stehen kann, ist ein Wunder, aber dass er weiter Musik macht, ist einfach nur fantastisch. Generell haben sich AURA NOIR ihren kleinen Legendenstatus verdient. Nicht nur, dass die Band mit Apollyon (u.a. DHG, ex-IMMORTAL usw.), Blasphemer (ex-MAYHEM) und eben Aggressor ohnehin nur aus altgedienten Recken der norwegischen Extreme Metal-Szene besteht. Auch die Herangehensweise an ihre Musik ist einzigartig.

 

„Man braucht ungefähr eine Minute, um zu kapieren, welche Band hier spielt.“

 

AURA NOIR sagen von ihrem sechsten Album, es klinge mehr denn je nach ihnen (deshalb heißt die Platte vermutlich auch, wie sie heißt). Mag sein, es kann ja keiner beurteilen, wie die drei gerne klingen möchten. Anhand der guten halben Stunde, an der das Trio drei Jahre lang gearbeitet haben will, würde ich sagen: Nach dreckigem 80er-Thrash, bevorzugt deutschem. Ganz frühe KREATOR oder SODOM sind nachwievor ein guter Anhaltspunkt, wobei „Aura Noire“ spielerisch astrein und nicht etwa retro-rumpelig ist. Auch die teilweise bewusst dissonanten Gitarren sind etwas, das man vor 30, 35 Jahren so nicht kannte und vielleicht ein Nebeneffekt der avantgardistischen Ader, die Aggressor mit VIRUS beweist.

 

Auffällig ist, dass die Band trotz eines gravierenden Line-Up-Wechsels (Apollyon ist vom Bass- und Gesangsposten mal eben ans Drumkit gewechselt und Aggressor macht stattdessen auf Lemmy) keinen Millimeter von ihrem Stil abgerückt ist, im Gegenteil ihre Trademarks sogar eher eingedampft und intensiviert hat. Die Riffs treffen zugegeben nicht alle immer voll ins Schwarze, großartige Songs wie das eröffnende „Dark Lung of the Storm“, „Grave Dweller“, „The Obscuration“ oder mein Favorit, das groovige „Demoniac Flow“ (klingt, wie es heißt!) sind trotzdem dabei. Alle anderen Stücke sind gutklassig, aber keine herausstechenden Meisterwerke. Die Produktion ist für moderne Ohren gewöhnungsbedürftig, weil extrem liveorientiert: Eher trockenes Drumkit, ein Gitarrensound wie aus der VENOM-Gedächtniskiste (gelegentlich auch mal mit einem bluesigen Solo), grummeliger MOTÖRHEAD-Bass und dazu ein teilweise echt nicht glattgezogener Gesang mit vielen lustigen Delayeffekten ergeben ein Klangbild, in dem sich vor allem die Generation Ü40 sofort zu Hause fühlen wird. Gefällt mir insgesamt deutlich besser als die letzten drei Alben, um’s mal stumpf zu formulieren.

 

Klingt insgesamt auffällig nach einem AURA NOIR-Album, oder? Sag ich doch!

Florian Dammasch / 23.04.2018

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