.: SUCHE
    Erweiterte Suche
CD Review: Shrapnel - Raised On Decay

Shrapnel
Raised On Decay


Thrash Metal
5 von 7 Punkten
"Ein Schritt nach vorne"
CD Review: Iron Savior - Reforged - Riding On Fire

Iron Savior
Reforged - Riding On Fire


Power Metal, True Metal
Keine Wertung
"Klassiker auf Hochglanz"
CD Review: Eisley / Goldy - Blood, Guts And Games

Eisley / Goldy
Blood, Guts And Games


AOR, Hard Rock
5 von 7 Punkten
"Gediegen, nicht seicht"
CD Review: Pretty Boy Floyd - Public Enemies

Pretty Boy Floyd
Public Enemies


Glam Rock, Sleaze Rock
4 von 7 Punkten
"Wenn die Spandex spannt..."
CD Review: Hittman - Hittman [Re-Release]

Hittman
Hittman [Re-Release]


US-Metal
Keine Wertung
"Die richtige Band zur falschen Zeit"
CD Review: Pink Cream 69 - Headstrong

Pink Cream 69
Headstrong


Hard Rock, Heavy Metal
6 von 7 Punkten
"Halsstarrige Hard Rock-Hymnen"
CD Review: Destruction - Thrash Anthems II

Destruction
Thrash Anthems II


Thrash Metal
Keine Wertung
"Griff in die Mottenkiste"
CD Review: Evertale - The Great Brotherwar

Evertale
The Great Brotherwar


Power Metal
5 von 7 Punkten
"Weltraum-Gardinen"
CD Review: Beast In Black - Berserker

Beast In Black
Berserker


Heavy Metal, Power Metal
4 von 7 Punkten
"Fragwürdige Halbwertszeit"
CD Review: The Unguided - And The Battle Royale

The Unguided
And The Battle Royale


Melodic Death Metal, Modern Metal
6 von 7 Punkten
"Schwedisch durch und durch"
CD Review: Haemorrhage - We Are The Gore

Haemorrhage
We Are The Gore


Death Metal, Grindcore
5 von 7 Punkten
"Sind wir nicht alle ein bisschen Gore?"
CD Review: Almanac - Kingslayer

Almanac
Kingslayer


Heavy Metal, Power Metal, Symphonic / Epic Metal
6 von 7 Punkten
"Lang lebe der König"
CD Review: Iron Maiden - The Book Of Souls: Live Chapter

Iron Maiden
The Book Of Souls: Live Chapter


Heavy Metal, NwobHM
Keine Wertung
"Für jeden was dabei"
CD Review: Evanescence - Synthesis

Evanescence
Synthesis


Ambient, Atmospheric Rock
5.5 von 7 Punkten
"Alte Songs in neuen Kleidern?"
CD Review: Emil Bulls - Kill Your Demons

Emil Bulls
Kill Your Demons


Alternative, Modern Metal
5 von 7 Punkten
"Den Dämonen an den Kragen"
CD Review: National Suicide - Massacre Elite

National Suicide
Massacre Elite


Thrash Metal
5.5 von 7 Punkten
"Neues von der Schnetzel-Elite"
CD Review: Cripper - Follow Me: Kill!

Cripper
Follow Me: Kill!


Thrash Metal
4.5 von 7 Punkten
"Mir nach, ich folge euch!"
Share:




Chuck Schuldiner gilt gemeinhin als einer der – wenn nicht gar DER – Begründer des Genres Death Metal. Innerhalb von elf Jahren veröffentlichte seine Band DEATH, deren einzige Konstante Chuck selbst war, von den brutalen Anfängen auf „Scream Bloody Gore“ bis hin zum technisch höchst ausgereiften, progressiven „The Sound Of Perseverance“ sieben Studioalben. 1983 gründen der damals 16-jährige Chuck Schuldiner, Gitarrist Rick Rozz [mit bürgerlichem Namen übrigens Frederick DeLillo] und Schlagzeuger Barney „Kam“ Lee, inspiriert von ihren Vorbildern VENOM und SLAYER, die Band MANTAS. Bevor die Formation nur ein Jahr später wieder zerbricht, nimmt sie neben weiteren Tapes auch das in der damaligen Underground-Szene Beachtung findende Demo „Death By Metal“ in der Garage von Chucks Mutter auf. In Ermangelung von Kontakten tut Schuldiner sich auch bei der Gründung seiner nächsten Band wieder mit den Herren Rozz und Lee zusammen – DEATH sind geboren. Nachdem in den folgenden Jahren Schlagzeuger Lee durch Chris Reifert [„Scream Bloody Gore“, 1987] und dann durch Bill Andrews ersetzt sowie Terry Butler als Bassist hinzugezogen wird, hat Chuck ein Line-Up zusammengestellt, das zumindest von „Leprosy“ [1988] bis hin zu den Aufnahmen des inzwischen dritten Albums, „Spiritual Healing“, im Jahr 1989 bestehen bleibt. Noch bevor besagte Platte jedoch aufgenommen wird und dann 1990 in die Regale kommt, nimmt Gitarrist Rozz seinen Hut. Nach kurzen Intermezzi diverser Gitarristen [u.a. James Murphy, ex-AGENT STEEL] droht DEATH gar vollends zu zerbrechen, als die übrigen Bandmitglieder sich gegen Schuldiners Willen für eine Europatour entscheiden und den DEVASTATION-Fronter Louie Carrisalez als neuen Vokalisten rekrutieren.

Trotz ausgiebigen Waschens schmutziger Wäsche in den Medien seitens der bisherigen DEATH-Musiker erhält Chuck seine Band am Leben und veröffentlicht bereits 1991 „Human“, diesmal unterstützt von CYNIC-Klampfer Paul Masvidal, SADUS-Basser Steve DiGiorgio und Drummer Sean Reinert [ebenfalls CYNIC]. Als sich Masvidal und Reinert nach ausgedehntem Touren wieder stärker CYNIC widmen wollen, rekrutiert der Bandchef u.a. den durch seine Arbeit mit DARK ANGEL bekannt gewordenen Schlagzeuger Gene Hoglan für die Alben „Individual Thought Patterns“ [1993] und „Symbolic“ [1995]. Nach dem letztgenannten Release liegen DEATH vorerst auf Eis, da Chuck mit seiner neuen Band CONTROL DENIED beschäftigt ist. Erst 1998 reaktiviert der Visionär DEATH, um das nunmehr siebte Album, „The Sound Of Perseverance“, einzuspielen. Dies sollte auch das letzte Mal sein, dass Chuck Schuldiner mit DEATH ein Studio betritt, denn nach der zugehörigen Tour wird bei Schuldiner im folgenden Jahr ein Gehirntumor diagnostiziert. Da Chuck, wie viele Amerikaner, über keine Krankenversicherung verfügt und seine Karriere als Musiker nie wirklich Geld abwarf, besteht nur wenig Aussicht auf Heilung. Trotz umfangreicher Spendenaktionen reicht im Jahr 2001 das Geld nicht mehr aus, um Chucks Behandlung weiter zu finanzieren, weshalb er am 13. Dezember 2001 aus dem Krankenhaus entlassen wird. Er stirbt nur eine Stunde später an den Folgen seines Tumors.

Es ist nicht zu leugnen, dass DEATH durch ihre einzigartige, von musikalischem Weitblick gekennzeichnete Herangehensweise an das Genre Death Metal und ihren Zusammenhang mit Formationen wie CYNIC oder auch dem Nachfolgeprojekt C-187 einen der Eckpfeiler dieser Musikrichtung darstellen. Angesichts des siebten Todestages von Mastermind Chuck Schuldiner möchten wir im Folgenden einen Überblick über das musikalische Schaffen der Band DEATH – und somit auch den Hauptteil des Lebenswerkes des Bandchefs – in Form von Rezensionen der einzelnen Alben sowie Statements der damals beteiligten Musiker bieten, wobei natürlich auch die erste und bislang einzige Veröffentlichung von CONTROL DENIED, „The Fragile Art Of Existence“, Erwähnung finden soll. [metalviech]


-------DEATH & Chuck Schuldiner – Scream Bloody Gore-------


Als Mitte der Achtziger das erste Mal der Name DEATH in Tapetrader-Kreisen kursierte, war noch nicht die Rede von technischen Kabinettstückchen, progressivem Touch und intelligent-sozialkritischen Lyrics. Man sprach von der bösesten und härtesten Band aller Zeiten. Eine Band, gegen die SLAYER wie ein paar Poser-Clowns wirkten; eine Band, die sogar härter war als POSSESSED und CELTIC FROST. Einschlägige Radioshows spielten ab und an Songs aus dem berüchtigten Demo „Reign Of Terror“, die erahnen ließen, welch abartig unmenschlicher Pickel Geräusch dem Hörer ins Gesicht gedrückt würde, hätte man erst ein ganzes Album dieser Lärmfetischisten in der Hand.

Dieser Traum erfüllte sich im Frühling 1987. Weil das Taschengeld schon für eine HOLY MOSES-Scheibe draufgegangen war, besorgte ich mir den heiligen Gral der Düsseldorf Death Thrasher [so nannten sich die wirklich coolen Kuttenträger rund um die ASSASSIN/DEATHROW-Connection in der NRW-Hauptstadt früher] halt als Kassetten-Kopie von ’nem Kumpel. Während das Vinyl unter der zerschundenen Nadel bedrohlich vor sich hinkratzte, betrachteten wir voller Andacht das Cover, das für uns damals den Inbegriff aller Evilness darstellte. Kurz zuvor hatten wir das Wort „Gore“ im Langenscheidts nachgeschlagen. Dann erklang das Intro von „Infernal Death“: vier Akkorde inklusive mächtig böser Halbtonschritte, ein Stampfbeat setzte ein, dann plötzlich drei Schreie aus der Hölle: diiiiiiiiiiiiiiiiiiie – diiiiiiiiiiiiiiieyiiiiiiiiii – diiiiiiiiiiiiiiiiiiiyeeeeeeeeeeeer. Danach brach die Hölle los und ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich mich glücklicher als je zuvor gefühlt habe, weil ich gerade im Begriff war, das brutalste Stück Musik aller Zeiten in meine Sammlung zu packen. Das hier konnte einfach kein Spießer jemals tolerieren. Das hier war die Kriegserklärung an Abend- und Morgenland! Kurze Zeit später erwachte ich aus dem Koma.

Hört man sich „Scream Bloody Gore“ streng analytisch an, fällt auf, dass DEATH tatsächlich schon auf dem Weg vom Thrash zu neuen Ufern waren, obwohl sie phasenweise wie KREATOR zu „Pleasure To Kill“-Zeiten wüteten. Zumindest im Gitarren-Bereich war hier vieles anders. Nach dem sehr thrashigen „Zombie Ritual“ folgt beispielsweise das von vielen Tempowechseln und – später würde man sagen – typischen Death Metal-Licks getragene „Denial Of Life“. Klar war man in Sachen Geschwindigkeit noch nicht über einen flotten Polka-Beat hinaus. Außerdem klang Schuldiner noch verdammt nach Jeff Becerra. Dennoch wurde genau hier der Grundstein für viele spätere Großtaten gelegt, die sich vom Thrash Metal-Einheitsbrei abspalten und fortan unter dem Zeichen des Todes firmieren sollten. Ein Pflichtkauf für jeden Anhänger der dunklen Seite der Macht. [mattaru]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitar, Bass
Chris Reifert – Drums


Chris Reifert über Scream Bloody Gore


Wie bist Du damals zu DEATH und deren Musik gekommen?

Chris Reifert: Ich hatte schon ab 1984 die Demos gesammelt, sodass ich die Musik schon seit Anbeginn kannte. Wie ich dann zu DEATH kam? Eine Freundin aus der Schule erzählte mir, ich war damals 17, dass sie eine Anzeige über das Schulradio ausstrahlen würde. Diese Anzeige stammte von Chuck, der nach neuen Mitgliedern für seine Band suchte. Ich rief ihn sofort an und erzählte ihm, dass ich SODOM, BATHORY, ARTILLERY, POSSESSED und das ganze brutale Zeug mag. Wir trafen uns dann bei ihm, das war ungefähr 20 Minuten von mir entfernt, und unterhielten uns. Er zeigte mir dann die Songs für „Scream Bloody Gore“. Eine Bandprobe später war ich dann schon in der Band. Die Band heißt: Chuck und ich. Wir konnten niemals einen Bassisten finden!


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen zu „Scream Bloody Gore“?

Chris Reifert: Wir haben bei mir zu Hause in Kalifornien geprobt und dann im April 1986 das „Mutilation“-Demo aufgenommen. Ich finde, dass das damals höllisch heavy war. Danach zogen wir nach Florida, nachdem der Plattenvertrag mit Combat unterzeichnet war, und probten in der Garage von Chuck, wo es sicherlich tausend Grad heiß war. Eine brutale Hitze und brutale Songs! Wir nahmen dann die erste Version von „Scream Bloody Gore“ auf, aber das klang so beschissen, dass Combat das Teil – zu Recht – verwerfen und von vorne, d.h. mit Randy Burns in Los Angeles, beginnen wollten. Wir waren dann in den Music Grinder und Rock Steady Studios und das Resultat war ein riesengroßer Unterschied. Die Studios waren riesig; das hat mich als Teenager komplett umgehauen. Wir hatten eine prima Zeit und das Album war ein echtes Monster. Anekdote am Rande: Wir hatten eine Version von „Legion Of Doom“ auf der ersten Aufnahme, die dann verworfen wurde. Ich wünschte, ich hätte noch ein Tape davon!


Was bedeutet Dir „Scream Bloody Gore“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du mit der Scheibe?

Chris Reifert: Das ist für meine malträtierten Ohren immer noch ein klasse Teil. Ich bin total froh, dass ich zum damaligen Zeitpunkt ein Teil der Band war. Ich habe etliche großartige Erinnerungen an diese Zeit. Es war cool, dass es in dieser Phase von DEATH kaum Druck gab, sodass es vielmehr so war, dass sich ein paar Teenager zusammengesetzt haben, um ihre Träume zu verwirklichen und ihr erstes Death-Metal-Album aufzunehmen.


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Chris Reifert: Wenn ich mich an Chuck erinnere, dann verbinde ich das größtenteils mit dem guten Freund, der er war. Wir hatten eine tolle Zeit und kamen großartig miteinander klar. Er war fast allen im Death Metal weit voraus, was natürlich ein wichtiger Aspekt ist. Ich erinnere mich vor allem an die witzigen Begebenheiten, die sich zutrugen, und die schönen Zeiten, in denen wir herumgelärmt und die ganzen neuen brutalen Bands entdeckt haben.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht?

Chris Reifert: Ich bin viel mit ABSCESS beschäftigt. Momentan stehen eine Split-CD/12“ mit POPULATION REDUCTION und eine Split-CD/10“ mit BONESAW an, die beide ungefähr Ende 2008 erscheinen werden. Außerdem werden wir im Frühjahr 2009 eine neue Scheibe über Tyrant Syndicate Productions veröffentlichen. Dann werden wir noch das Maryland Death Fest 2009 spielen, also passiert einiges. Und für all diejenigen, die immer noch AUTOPSY vermissen: Es wird Anfang 2009 eine Special Edition, die den 20. Geburtstag von „Severed Survival“ markiert, herauskommen. Diese wird eine Bonus-CD mit einigen bisher ungehörten und raren Überraschungen enthalten. Das wird ein fettes Biest! Grüße von dieser Seite des Planeten! Chris

-------DEATH & Chuck Schuldiner – Leprosy-------


Nachdem bereits das im Jahr 1987 erschienene Debüt „Scream Bloody Gore“ großen Anklang gefunden hatte, standen im Hause DEATH zunächst einmal wieder Besetzungswechsel ins Haus, ehe das Nachfolgewerk „Leprosy“ mit – von Evil Chuck einmal abgesehen – vollkommen umgekrempelter Mannschaft eingespielt wurde.

Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum „Leprosy“ so anders klingt als sein Vorgänger, selbst wenn mit Rick Rozz an der zweiten Gitarre ein alter Bekannter aus Demotagen in die Band zurückgeholt wurde. Der Hauptgrund liegt aber in den Stücken selber, die von Chuck Schuldiner wiederum weitestgehend im Alleingang geschrieben wurden und mit denen sich erstmals zart abzuzeichnen beginnt, welche Richtung dem Kopf von DEATH vorschwebte. Die Riffs sind differenzierter und lassen die Thrash-Wurzeln der Band deutlicher zu Tage treten. Hinzu kommt, dass es im Vergleich zum Vorgänger „Scream Bloody Gore” auch ein paar mehr pro Song sind und außerdem mehr verschiedene Tempi zum Einsatz kommen – kurz gesagt, Chucks Wunsch nach abwechslungsreicherer Musik scheint auf DEATHs Zweitling erstmals durch die Brutalität des Old School Death Metal hindurch. Das gilt auch für einige der Gitarrensoli, die auf „Leprosy“ schon um einiges strukturierter daherkommen – so sie denn nicht von Rick Rozz gespielt werden, dessen zerstörerisch-chaotische Soli eindeutig in den Thrash der frühen 80er gehören, und die mit ihrer Attitüde zwar noch gut auf dieses Album passen, jedoch auch deutlich machen, weshalb sich die musikalischen Wege auf Dauer trennen mussten.

Doch auch wenn „Leprosy“ im Vergleich zu seinem Vorwerk ausgefeilter und abwechslungsreicher gestaltet ist und auch der Sound auf dem Album klarer ist, so darf man das Wort „technisch“ dennoch nur in Anführungszeichen verwenden. Auch der Schlagzeugstil von Bill Andrews ist grundlegend verschieden von dem eines Chris Reifert, der nach seinem Mitwirken an „Scream Bloody Gore“ mit den [übrigens auch von mir] kultisch verehrten AUTOPSY eine weniger musikalische, sondern vielmehr kranke und düstere Facette des Death Metal betonen sollte. All dies jedoch ändert nichts daran, dass DEATH mit „Leprosy“ vor allem eines geschaffen haben: einen weiteren Klassiker des frühen Death Metal, den logischen Schritt nach dem prägenden Debüt. Wozu sich DEATH mit den nachfolgenden Alben noch aufschwingen sollten, das lässt sich an „Leprosy“ vor allem im Rückblick ablesen. Doch ohne dieses Album wäre nicht nur der Werdegang eines der einflussreichsten Metal-Musiker unvollständig, sondern die Metal-Welt auch um zeitlose Death Metal-Kracher vom Schlage „Leprosy“, „Born Dead“, „Pull The Plug“ und „Open Casket“ ärmer. [grim_rieper]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitar
Rick Rozz – Guitar
Terry Butler – Bass
Bill Andrews – Drums


Terry Butler über Leprosy


Wie bist Du zu DEATH und deren Musik gekommen?

Terry Butler: Ich hatte Chuck bereits ein paar Jahre vorher getroffen. MANTAS hatten gerade ihre Demo fertig aufgenommen und er hat es auf einer Show von NASTY SAVAGE in Tampa, Florida, verkauft. Ich kaufte die Demo und wurde davon völlig umgehauen. Die Gelegenheit zu einem Gespräch ergab sich allerdings nicht, sodass das erst passierte, als ich dann selbst ein Teil von DEATH wurde.


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen und die Touren zu den Alben?

Terry Butler: MASSACRE hatten im Januar 1987 gerade eine kleine Tour abgeschlossen. Wir hörten daraufhin, dass Chuck wieder von San Francisco nach Orlando umgezogen war. Chris Reifert ist dort geblieben und hat dann AUTOPSY gegründet. Ich glaube, es war Rick, der ihn anrief und herausfand, dass er erneut keine Mitstreiter hatte, sodass er ihn fragte, ob wir es nicht zusammen probieren wollen. Also haben wir zusammen geprobt und es klang großartig. Chuck war deshalb sehr aufgeregt, dass DEATH jetzt auch offiziell das erste richtige Line-up hatten. Wir waren wie eine gut geölte Maschine und haben uns für die alle drei Alben echt den Arsch abgetourt. Wir waren zudem eine Band, an der jeder einen gleichberechtigten Anteil hatte. Davon ist Chuck dann später abgewichen. Die Aufnahmen an sich liefen damals völlig anders ab! Da gab es kein Pro Tools, um Dinge auszubügeln. Man musste da wirklich fit sein.


Was bedeutet Dir „Leprosy“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du damit?

Terry Butler: Ich verbinde großartige Erinnerungen mit „Leprosy“. Teil einer Band zu sein, die so viel Einfluss ausübt, ist ein tolles Gefühl. 1987 gab es nur eine Handvoll tourende Bands [POSSESSED, DARK ANGEL], die Death Metal oder heftige Musik gespielt haben. Heutzutage gibt es pro Abend fünf Konzerte in jeder Stadt. Ich denke, dass die besten Erinnerungen mit den Aufnahmen zum „Ultimate Revenge 2“ [Anmerk.: Live-Split aus Philadelphia mit FORBIDDEN, FAITH OR FEAR, DARK ANGEL und RAVEN] verbunden sind.


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Terry Butler: Für mich bestand Chucks größtes Gut in seinem Songwriting. Er liebte Tempowechsel und Melodien. Er hatte seine guten Momente, als er Soli spielte, aber das war nicht seine größte Stärke. Er wollte sich stets mit jedem neuen Album weiterentwickeln sowie technischer und melodischer werden. Wir kamen prima zurecht; einige der besten Erinnerungen, die ich von dieser Zeit habe, drehen sich darum, einfach zusammen abzuhängen, Horrorfilme anzuschauen oder die Plattenläden zu durchstöbern. Dinge, die nichts mit der Musik zu tun hatten. Er hat sich einige Feinde geschaffen und etliche Brücken hinter sich abgebrannt, aber fast immer hatte es damit zu tun, dass er stets das Beste für die Band wollte.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht? Bist Du, abgesehen von SIX FEET UNDER, noch anderweitig aktiv?

Terry Butler: Oh ja, ich bin immer noch im Geschäft. SIX FEET UNDER haben mit „Death Rituals“ eine neue CD am Start, die gerade erst erschienen ist. Ich freue mich schon, die Tour zu der Scheibe zu spielen. Außerdem bin ich noch in einer Band namens DENIAL FIEND, die eine neue CD auf Ibex Moon veröffentlicht hat. Wir schreiben gerade an den Songs für die zweite Scheibe. Ich habe also momentan jede Menge zu tun. Vielen Dank für das Interview! Terry Butler

-------DEATH & Chuck Schuldiner - Spiritual Healing-------


Zwei Jahre nach „Leprosy” holen DEATH zu ihrem dritten Schlag aus, haben nun Saitenhexer James Murphy, der später noch bei OBITUARY, CANCER und TESTAMENT in Erscheinung treten sollte, in ihren Reihen und präsentieren mit „Spiritual Healing” ihr bislang ausgereiftestes Werk.

Schon optisch ist trotz des erneut kultigen Artworks von Edward J. Repka eine deutliche Abkehr von den Horror- und Gore-Themen der Vergangenheit auszumachen, da sich DEATH auf „Spiritual Healing“ vielmehr mit Themen wie Wunderheilung, Genmanipulation und sozialen Missständen beschäftigen. Allein schon „Living Monstrosity“ zeigt, wo im Jahr 1990 der Hammer in Sachen Death Metal hängt, denn die Band um Schuldiner präsentiert sich ungemein spielfreudig und abwechslungsreich. Zudem wird der nahezu perfekte Mittelweg zwischen brutalen Riffs und fiesen Doublebass-Attacken, bei denen eine Nähmaschine vor Neid erblassen würde, sowie melodischen Zwischenparts bzw. Soli des Duos Schuldiner und Murphy gefunden, sodass sich ein Knaller an den nächsten reiht. Zusätzlich werden mit den orientalisch anmutenden Melodien in „Within The Mind“ neue Wege gegangen, während mit dem Titelstück das bisher längste Lied in der Geschichte der Truppe am Start ist. Egal ob „Defensive Personalities“ oder das furiose „Genetic Reconstruction“ – DEATH liefern ein Highlight ab, das zudem die zunehmend progressivere Ausrichtung der Musik bereits erahnen lässt. Rein handwerklich und in Sachen Produktion, für die Tausendsassa Scott Burns verantwortlich zeichnet, gibt es außer der Tatsache, dass Terry Butlers Bassspiel ein wenig unspektakulär und zu weit in den Hintergrund gemischt ist, nichts zu beanstanden, wobei sowieso ganz klar die Gitarren und die prägnante Stimme von Chuck Schuldiner bei DEATH im Vordergrund stehen.

„Spiritual Healing“ ist eine wegweisende Veröffentlichung, die bereits im Jahr 1990 zeigte, dass Härte und Melodie perfekt miteinander zu vereinen sind und sich nicht zwangsläufig im Weg stehen müssen. Außerdem offenbart sich hier mehr als deutlich, und erstmals mit einem transparenten Sound versehen, das riesige Potential von DEATH, das auf den kommenden Scheiben noch wesentlich mehr ausgeschöpft werden sollte. Für mich persönlich eine der wichtigsten CDs im Death-Metal-Bereich überhaupt, da mich „Spiritual Healing“ damals nicht nur vollkommen vom Hocker gehauen hat, sondern gleichermaßen neugierig auf die gesamte Sparte namens Death Metal gemacht hat. [soulsatzero]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitars
James Murphy – Guitars
Terry Butler – Bass
Bill Andrews – Drums



Terry Butler über Spiritual Healing


Was bedeutet Dir „Spiritual Healing“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du mit diesem Machwerk, nachdem Du Dich bereits ausführlich zum Vorgänger, „Leprosy“, geäußert hast?

Terry Butler: „Spiritual Healing“ war die Phase, die ich am meisten mochte. Das war das letzte DEATH-Album, auf dem neben Chuck auch andere am Songwriting beteiligt waren. Also das letzte Mal, dass man von einer Band im eigentlichen Sinne sprechen konnte. Wir haben quasi für vier Monate zusammengelebt, als wir das Album aufgenommen haben. Wir hatten uns musikalisch weiterentwickelt und James Murphy hat einige wirklich großartige Soli darauf abgeliefert. Wir hatten zwei sehr gute Touren für die Scheibe in den Vereinigten Staaten; die erste davon war mit DEVASTATION und die zweite dann mit CARCASS und PESTILENCE. Wir haben übrigens zwischen diesen Touren mit den Proben für „Human“ angefangen. Ich habe noch ein Tape, das vier Songs von einer dieser Proben enthält. Es gab dann noch eine Europatour mit KREATOR. Dahinter steckt eine große Geschichte, da Chuck in diese Tour nicht involviert war, aber die werde ich mir für einen anderen Tag aufheben, da sie etliche Nuancen und Details beinhaltet. Aber „Spiritual Healing“ war wirklich ein bahnbrechendes Albm. Ich höre heutzutage immer noch Einflüsse davon in der Musik, die heutzutage erscheint. Der schwedische Death Metal zu Beginn der 90er Jahre wurde außerdem sehr von „Spiritual Healing“ beeinflusst.

-------DEATH & Chuck Schuldiner - Human-------


Als im Herbst 1991 das vierte Album von DEATH erscheint, steht die noch junge Death-Metal-Szene Kopf. Derartig vielfältig und sauber instrumentierte Gewaltorgien gibt es bisher schlicht und ergreifend nicht. Chuck hat seine Truppe erneut reformiert und sich die Top-Musiker Steve DiGiorgio [AUTOPSY, SADUS], Paul Masvidal und Sean Reinert [CYNIC] an Land gezogen. Mit derartig hochkarätigen Musikern im Gepäck gibt es zumindest auf technischer Ebene keinerlei Einschränkungen mehr. Man wählt erneut Scott Burns als Produzent und begibt sich in die Morrisound Studios in Florida.

Weihnachten 1991 liegt das fertige Album dann also endlich bei meinen Eltern unterm Weihnachtsbaum und ich ziehe mich – nach hektischem Öffnen des Päckchens – sofort zurück, um mir den musikalischen Gnadenschuss verpassen zu lassen. Und das ist es dann auch. Fast durchgängig getretene Doublebass, brutale Riffs und gereifte Vocals direkt aus der Tiefe der schwärzesten Hölle. Ausgeklügeltes Songwriting, das ich bis dato in dieser Vielschichtigkeit im harten Sektor noch nicht vernommen hatte, rundet das Ganze ab. Zu guter Letzt thront über allem die melodische Vielfalt eines begnadeten Gitarristen – Mr. Schuldiner –, der sich mal wieder selbst übertroffen hat. Es ist also alles gegeben, wonach es mich dürstet. Atmosphärische, treibende Kraft, Brutalität, nachvollziehbare Songstrukturen, Moshparts und düstere Grundstimmung. Des Weiteren wird mir von Lauf zu Lauf immer mehr klar, wie viel an Feinheiten es weiterhin zu entdecken gibt. Das Werk entfaltet sich in meinen Gehirnwindungen immer mehr und ich komme nicht umhin, dieses Wunderwerk in meine Alltime-Favourites aufzunehmen. Tatsächlich geht es nicht nur mir so: Songs wie „Suicide Machine“, „Together As One“, „Lack Of Comprehension“, ach, das komplette Album wird in meiner Bekanntschaft genauso wie in den rar gesäten Metal-Medien gefeiert, und es herrscht große Einigkeit, dass man den Release eines unsterblichen Meisterwerks erleben darf, welches das Genre für immer verändern würde.

„Human“ betrachte ich als großen Schritt für DEATH – größer als alle zuvor –, da hier erstmalig in der Diskografie die progressive Ausrichtung von Chucks Vision klar ausgearbeitet wird. Es lässt sich also im Nachhinein als musikalische Wende im Schaffen Schuldiners bezeichnen und markiert den Punkt, an dem er sich endgültig nicht mehr um genrespezifische Muster kümmert, sondern grenzenlos eigene Wege geht. Dieser Trend würde sich mit den folgenden Alben weiter fortsetzen. Dies allerdings war mir natürlich damals noch nicht klar. [shub]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitars
Paul Masvidal – Guitars
Steve DiGiorgio – Bass
Sean Reinert – Drums


Sean Reinert über Human


Wie bist Du mit DEATH und deren Musik in Kontakt gekommen?

Sean Reinert: Nun ja, Paul hatte Chuck mehrfach geschrieben, als wir ungefähr 15 Jahre alt waren und er gerade seine Demos veröffentlicht hatte. Wir sind damals oft nach Altamonte Springs, wo Chuck lebte, gefahren und haben dort ein Hotelzimmer gebucht, mit Chuck abgehangen und uns die Proben von DEATH angeschaut. Chuck mochte CYNIC und somit kam der Kontakt eigentlich zustande. Erst viele Jahre später hat es sich ergeben, dass wir dann tatsächlich zusammengearbeitet haben. Paul hat sogar Rick Rozz für einige Shows in Mexiko ersetzt, auch wenn „Human“ erst zwei Jahre später aufgenommen wurde. Als Chuck später nach neuen Mitstreitern suchte, hat er uns als Erstes angerufen.


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen zu „Human“?

Sean Reinert: Chuck ist oft nach Miami gekommen, wo wir gelebt und geprobt haben. Wir hatten dort eine große Lagerhalle, in der es sogar eine Art Bühne gab. Wir haben dann Song für Song geschrieben und zusammen gezockt. Chuck hat mir vor den Proben dann immer Tapes mit Riff-Ideen geschickt, während wir die Arrangements ausarbeiteten, wenn er dann vor Ort war. Für etliche meiner eigenen Ideen zeigte er sich unglaublich offen.
Nach den Proben haben wir uns in die Morrisound Studios in Tampa, Florida, begeben, um die Songs aufzunehmen. Das war das zweite Mal, dass ich mit Scott Burns gearbeitet habe. Das erste Mal war unter sehr widrigen Zeitumständen für eines der CYNIC-Demos, sodass es ein großartiger Luxus war, auf einmal einen kompletten Monat Zeit für ein Album zu haben! Ich habe jeden Augenblick davon genossen! Ich erinnere mich daran, dass circa fünf oder sechs Tage für die Schlagzeugaufnahmen eingeplant waren, und nach zwei Tagen war ich mehr oder wenig schon fertig mit allem. Ich weiß noch, dass wir genau deshalb noch den KISS-Coversong „God Of Thunder“ aufgenommen haben, da wir so viel Zeit übrig hatten. Wir dachten uns dann: „Hey, lasst uns ein wenig Spaß haben und einfach mal einen Song von KISS aufnehmen.“ Sowohl Chuck als auch ich waren riesige KISS-Fans. Ich weiß noch, dass ich meine Mutter dazu gebracht habe, mir die „Hotter Than Hell“-Kassette zu kaufen, als ich fünf Jahre alt war. Das war das erste Stück Musik, das ich überhaupt erworben habe.
Nach den Aufnahmen begannen dann die Touren. Das hat ebenfalls sehr viel Spaß gemacht und ich habe etliche Dinge dadurch gelernt. Die meisten der Konzerte waren ausverkauft, sodass es beeindruckend war, jeden Abend solch ein tolles Publikum zu haben.


Was bedeutet Dir „Human“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du mit der Scheibe?

Sean Reinert: Ich habe nur großartige Erinnerungen an die Entstehungszeit von „Human“. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn ich immer noch Leute sagen höre, dass sie durch dieses Album inspiriert wurden. Ich glaube, das war wirklich das erste Mal, dass Chuck ausgesprochen fähige Musiker um sich geschart hatte und uns somit auch seine Musik ohne Bedenken anvertrauen konnte.


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Sean Reinert: Wenn ich an die Summe der einzelnen Komponenten denke, die Chuck betreffen, dann war er damals vermutlich der beste ‚Song’-Writer im ‚Death’ Metal. Es gab bei ihm immer Strophe, Refrain, Solo und die nötigen Übergänge etc. Und er hat aus Überzeugung eingängige Lieder geschrieben. Ich finde, dass er diese Anerkennung verdient.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht? CYNIC haben ja beispielsweise ein neues Album veröffentlicht.

Sean Reinert: Ich mache immer noch Musik, ja. Seit „Human“ bin ich sowohl in Sachen Touren als auch Aufnahmen sehr aktiv gewesen – mit CYNIC, PORTAL, AEON SPOKE, AGHORA, GORDIAN KNOT etc. Ich habe außerdem noch die Musik für Kurzfilme und Werbespots geschrieben. Wenn ich nicht an einem Album arbeite oder auf Tour bin, dann schreibe ich. Momentan bin ich in Europa auf Tour, um die neue Veröffentlichung von CYNIC, „Traced In Air“, live vorzustellen. Alles Gute, Sean!

-------DEATH & Chuck Schuldiner – Individual Thought Patterns-------


1993 konnte Chuck Schuldiner mit den Kollegen Andy LaRocque [Guitar], Steve DiGiorgio [Bass] und Gene Hoglan [Drums] eine wahre Supergroup um sich scharen. Kein Wunder, dass „Individual Thought Patterns“ als komplexestes DEATH-Album in die Geschichte eingehen sollte.

Im Vergleich zu „Human“ standen vor allem noch vertracktere Rhythmen auf dem Plan. Ballerte der Opener „Overactive Imagination“ mit straighten Doublebass-Beats und den wunderschönen Gitarren-Melodien im Mittelteil noch ziemlich eingängig los, so war schon „In Human Form“ eine ganz andere Hausmarke. Kaum ein Beat, der mal länger als zwei Takte durchgespielt wurde. Dazu kleine atmosphärische Anleihen progressiverer Früh-KREATOR-Werke. Als Fan der ersten Stunde verstand man kurzzeitig die Welt nicht mehr. Aber der gute Gene Hoglan konnte all dies einigermaßen überzeugend und zusammenhängend über die Zielgerade bringen. Allerdings wusste der Hörer nun, dass hier ein wenig mehr Stress auf ihn zukam als bislang. Der nächste Track, „Jealousy“, ist nicht nur in Sachen Bassläufe sensationell zu nennen, sondern auch bezüglich der Seelenöffnung des Herrn Schuldiner. „You want what is not yours“ brüllt er den Lästerern und Neidern entgegen – und legt damit gleich die textliche Linie für das gesamte Album fest. Es geht um Scheinheiligkeit, Neid, Gedankenmanipulation, Verletzlichkeit und betrogenes Vertrauen. Der Titelsong spricht Bände: „So quick to judge, so easily we forget, What it’s like to be dissected, Where feelings are tossed aside, Like a drug it feeds the imagination of minds that go unparalyzed, Followers to the leaders of mass hypnotic corruption, That live their lives only to criticize”, heißt es da. Unterlegt mit den ständig beschleunigenden, dann wieder tempomäßig zurückfallenden Attacken an der Klampfen- und Schlagzeugfront, den spleenig-jazzigen Versatzstücken und der durch LaRocques einzigartig visionäres Leadgitarrenspiel immer wieder einkehrenden Ruhe im scheinbaren Chaos, erfährt man eine Zerrissenheit, die wirkliche menschliche Züge trägt und daher bis heute interessant ist. Die „Fuck Chuck“-Phase, das Entlaufen der vielen Mitmusiker, die dann mit ähnlich klingenden Bands des Meisters Ideen und Ideale verwursteten, klingen in jedem Song an. Dabei kann man die Lyrics natürlich auch ab von den persönlichen Verwicklungen des Chuck Schuldiner auf immer aktuelle Themen wie Verrat, Massenmedien und Opportunismus beziehen. Die deutsche Fachpresse aber belächelte den sensiblen Amerikaner seit „Spiritual Healing“ für seine Texte und nahm ihn daher auch bei diesem Album wenig ernst. Ein Fehler, denn das Werk atmet Musik und Botschaft im völligen Gleichklang!

„Individual Thought Patterns“ gehört beileibe nicht mehr zu den vertracktesten Death Metal-Alben der Welt, war aber zum Zeitpunkt seines Erscheinens eine Eruption, die sogar Chuck Schuldiner selbst eine Spur zu überladen geklungen haben mag – auf dem Nachfolgealbum „Symbolic“ [1995] klangen DEATH wieder deutlich eingängiger. Für jeden, der sich mit progressivem Death Metal beschäftigen will, ist und bleibt dieses hektisch-versponnene, brutal-konsequente, aber gleichwohl immer melodische Album der definitive Einstieg. [mattaru]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitars
Steve DiGiorgio – Bass
Andy LaRocque – Guitars
Gene Hoglan – Drums


Steve DiGiorgio über Individual Thought Patterns


Wie bist Du zu DEATH und deren Musik gekommen?

Steve DiGiorgio: Ich glaube, ich habe Chuck und Chris 1986 getroffen, als DEATH ihre Basis noch in Kalifornien hatten. Sie hingen zusammen herum, haben sich das Demo-Tape von SADUS angehört und haben uns eingeladen, ein wenig Party mit ihnen zu machen. Es stellte sich dann heraus, dass sie auch ein neues Demo, „Mutilation“, am Start hatten und wir verstanden uns total prima. Damals hatten sie keinen Bassisten, also bin ich eine Zeit lang eingesprungen, zumal wir uns auch den Proberaum teilten. Später ist Chuck dann wieder nach Florida gezogen und hat die Band umstrukturiert, aber wir sind stets in Kontakt geblieben, was dann auch zu meiner häufigen Beteiligung innerhalb und außerhalb von DEATH im Laufe der Jahre führte.


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen und die Touren zu den Alben, an denen Du beteiligt warst?

Steve DiGiorgio: Chuck rief mich 1991 an, um mich einzuladen, das „Human“-Album mit aufzunehmen. Ich bin dann nach Südflorida gefahren und habe dort Zeit mit Chuck und den Jungs von CYNIC verbracht. Das war eine sehr coole Erfahrung, dort zu lernen, zu komponieren, zu üben und aufzunehmen. Ich musste vor dem Mix jedoch leider wieder abreisen, da eine Tour mit SADUS auf dem Programm stand. 1992 wurde ich dann aber erneut angesprochen, um mit Chuck und Gene Hoglan auf der nächsten CD, die den Titel „Individual Thought Patterns“ bekam, zu spielen. Andy LaRoque ist ebenfalls für ein paar Tage dazugekommen. Ich habe sämtliche Touren zu diesem Album mitgespielt; wir haben überall in den Vereinigten Staaten und in Europa gezockt, und außerdem waren noch ein paar große Festivals dabei. Für die nächste Scheibe wurde ich erneut rekrutiert und bin auch für die Vorproduktion nach Florida gereist, aber aufgrund von organisatorischen Problemen konnte ich nicht die Studioaufnahmen zu Ende bringen. Das ist auch beim nachfolgenden Album geschehen, sodass ich zwar erneut nach Florida für die Vorproduktion fuhr, aber letztlich nicht die Bassspuren im Studio eingespielt habe. Schließlich war ich dann im Jahr 1999 vor Ort, um das letzte Album mit Chuck unter dem Namen CONTROL DENIED unter Dach und Fach zu bringen.

Was bedeuten Dir „Human“ und „Individual Thought Patterns“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du damit?

Steve DiGiorgio: Sämtliche Aufnahmen, an denen ich teilnahm, waren großartige Erfahrungen. Zu „Human“-Zeiten habe ich die Jungs von CYNIC gut kennen gelernt und auch Scott Burns zum ersten Mal getroffen. Ich habe außerdem etliche Dinge darüber gelernt, was man während Studioaufnahmen vermeiden sollte. „Individual Thought Patterns“ war in meinem Alter eine wunderbare Zeit und eine geradezu explosive Entfaltung meiner Kreativität für mich, während ich durch die Tourneen an Orte auf der Welt gekommen bin, an denen ich bisher noch nie gewesen war. Die vorhin erwähnten CDs, bei denen ich nur im Rahmen der Vorproduktion involviert war, waren großartig, um neue Freunde zu treffen und Chuck beim Ausarbeiten von neuen Ideen zu helfen. Das letzte Album, „The Fragile Art Of Existence“, hat natürlich eine ganz besondere Bedeutung, da es den Zeitpunkt markiert, als ich das letzte Mal mit Chuck im Studio war. Mit allen verbinde ich jedoch gute Erinnerungen, aber die Gemeinsamkeiten, an die ich mich immer erinnere und die alle verbindet, bestehen darin, dass wir immer eine gute Zeit zusammen hatten, wenn ich dort war, um an den neuen Songs mitzuarbeiten. Jetzt habe ich nur diese Erinnerungen, aber ich bin froh, dass wir das Leben so sehr genossen haben, wie es nur möglich war.


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Steve DiGiorgio: Es ist merkwürdig, dass ich niemals daran gedacht habe, dass sein Einfluss und seine Arbeit solch eine große Wirkung auf die Welt der Musik haben würden. Ich dachte nur, dass das einfach nur er war. Ich hätte es aber erkennen müssen, da er so hart daran gearbeitet hat… Und das ist eigentlich ein sehr einfaches Klischee, da ich finde, dass alle von sich denken, dass sie hart arbeiten. Im Falle von Chuck hat ihn das jedoch regelrecht verzehrt. Manchmal verursachte ihm das viel Stress in seinem Leben, aber er übte diese Dinge so leidenschaftlich und auf diese Art und Weise aus. Das Resultat ist nun das, wie es heute aussieht. Es kommt selten vor, dass sich jemand einer Sache so sehr widmet und dafür Opfer begeht, um dann der Musikwelt ein derart lang anhaltendes Vermächtnis zu bescheren. Damals hätte ich dies nicht erahnen können. Er war einfach nur mein Freund, und irgendwie ist das schon interessant, dass ich nun diese Verehrung und diese Andenken sehe, nachdem er vor sieben Jahren verstorben ist – und ich erinnere mich trotzdem nur an den Menschen, der mein Kumpel war.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht? Du bist bekanntlich noch bei SADUS aktiv?

Steve DiGiorgio: Ja, ich ackere mir immer noch einen mit SADUS ab. Außerdem stehen noch ein paar Studioprojekte und einige Session-Aufnahmen an. Ich habe glücklicherweise ständig neue Ideen und Möglichkeiten, sodass ich stets versuchen werde, weiter zu spielen, etwas zu erschaffen und so viel zu trinken wie möglich. Vielen Dank, dass Ihr mich hierzu befragt habt; ich hoffe, dass es den Lesern gefallen wird. Ich bin auf alle Fälle stolz, ein Teil der DEATH-Familie zu sein, und ich kann mich glücklich schätzen, mit einem der besten Musiker auf dieser Welt befreundet gewesen zu sein. Cheers! Steve DiGiorgio

-------DEATH & Chuck Schuldiner – Symbolic-------


Zwei Jahre nach „Individual Thought Patterns“ schließlich kam mit „Symbolic“ das sechste Album von DEATH auf den Markt. Die neuerlichen Wechsel in der Besetzung – Andy LaRoque wurde durch Bobby Koelble, Steve DiGiorgio durch Kelly Conlon ersetzt – dürften zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr sonderlich überrascht haben, der den Werdegang dieser Band auch nur mit einem Auge verfolgt hatte.

Überrascht haben dürfte jedoch „Symbolic“ selbst. Denn obwohl dem Death Metal der alten Machart spätestens seit „Human“, eigentlich jedoch schon seit „Spiritual Healing“, nur noch marginal verpflichtet, so hatten sich DEATH doch mit dem sechsten Werk so weit von ihren Ursprüngen entfernt wie nie zuvor und nie mehr danach. Keineswegs jedoch zum Schlechten hin, denn auf „Symbolic“ sitzt schlicht und ergreifend jeder einzelne Ton GENAU da, wo er hingehört. Messerscharfe, auf den Punkt gespielte Riffs in Chucks ureigenem Stil treffen auf Gene Hoglans ebenso rasante wie komplexe Schlagzeugarbeit; dazu kommen atemberaubende Soli. Gut, dies alles gab es auch auf früheren DEATH-Alben, aber die Art und Weise, in der es hier präsentiert wird, unterscheidet sich dennoch. Wo „Individual Thought Patterns“ eine Verneigung vor den technischen Fähigkeiten der Beteiligten war und bisweilen jazzige Extravaganzen in der Struktur eine gewisse Eingewöhnungszeit erforderten, dient „Symbolic“ ganz dem Song. Die ausgesprochen melodische Gestaltung erfasst jede Sekunde dieses Albums; sie erstreckt sich bis in jeden Winkel der virtuosen Gitarrensoli und macht „Symbolic“ damit zum eingängigsten Album in Chuck Schuldiners Schaffen, sein progressives Power Metal-Projekt CONTROL DENIED eingeschlossen. Interessanterweise, und auch das macht dieses Album in meinen Augen zum besten Werk von DEATH, geht dies nicht zu Lasten des Anspruchs und der Komplexität, die sich hier lediglich ein wenig mehr im Hintergrund abspielt.

Auf „Symbolic“ einen einzelnen Song hervorzuheben, fällt mir persönlich sehr schwer. Es ist ein 50-minütiger Hit, vom Einstiegsriff des Titelsongs und Openers bis hin zum akustischen Ausklingen des epischen „Perennial Quest“. Keines der neun Stücke hat in all den Jahren, in denen ich sie immer wieder gehört habe, etwas von seiner Brillanz eingebüßt. „Symbolic“ zeigt den Höhepunkt von Schuldiners Streben, mit DEATH Grenzen im Metal einzureißen und metallische Kunst ohne Scheuklappen zu schaffen. [grim_rieper]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitar
Bobby Koelble – Guitar
Kelly Conlon – Bass
Gene Hoglan – Drums


Kelly Conlon über Symbolic


Wie bist Du zu DEATH und deren Musik gekommen?

Kelly Conlon: Chuck hatte damals nach einem Bassisten gesucht und eine lokale Band, die sowohl mit ihm als auch mit mir befreundet war, kannte die Szene, die Leute und etliche der Bands sowie die Musiker, die aktiv waren. Diese Band war PAIN PRINCIPLE. Sie erzählten dann Chuck von mir, woraufhin dieser mich kontaktierte und zum Vorspielen einlud. Daraufhin habe ich sofort angefangen, mir die Songs anzueignen; zum Teil bis zu sechs Stunden pro Tag.


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen und die Touren zu dem Album, an dem Du mitgewirkt hast?

Kelly Conlon: Das ist alles sehr schnell abgelaufen. Ich hatte zwei Tage Zeit, um die Songs zu lernen. Sobald ich dann vorgespielt hatte, bekam ich tags darauf einen Anruf von Chuck, der mir den Posten anbot, falls ich Interesse hätte. Ich sagte zu und sofort schickte er mir einige Aufnahmen der Songs, und ich begann dann, diese zu lernen. Ich kam in einem Hotelzimmer unter, wo ich abends die Lieder lernte, während ich tagsüber im Studio war und darauf wartete, dass Chuck die Rhythmusgitarren einspielte. Daraufhin habe ich das Ganze dann mit einigen fetten Basslinien versehen! Sobald das Album dann veröffentlich war, haben wir uns auf die Full Of Hate Festivals in Europa vorbereitet. Wir haben etwa zwei Wochen lang geprobt, ehe wir auf Tour gingen. Wir haben zudem ein Konzert hier in Florida als eine Art Aufwärmübung gespielt, ehe wir dann nach Europa gereist sind. Ich habe in Europa tolle Leute und auch großartige Bands getroffen!


Was bedeutet Dir „Symbolic“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du damit?

Kelly Conlon: „Symbolic“ selbst bedeutet eine ganze Menge. Das war meine erste große Veröffentlichung und auch die Chance, von Leuten auf der ganzen Welt gehört zu werden. Ich habe etliche Dinge zwischen dem Studioaufenthalt und dem Beginn der Tour gelernt. Mit Chuck, Bobby und Gene zu spielen, war die Chance, mit einigen der besten Musiker zu spielen. Jeden Tag spielten wir entweder live oder probten zusammen, was eine großartige Zeit war! Außerdem war es klasse, viele Orte in Europa zu besuchen, die ich noch nicht gesehen hatte. Und Fans auf der ganzen Welt zu treffen, die das schätzen, was Du als Musiker machst, ist einfach unbezahlbar!


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Kelly Conlon: Nun, Chuck hat im Metal einfach die Messlatte gesetzt. Sein Gitarrenspiel und sein Songwriting haben sich mit jedem einzelnen Album immer weiter verbessert. Wenn man eine Scheibe von DEATH hörte, wusste man, dass Chucks fantastisches Gitarrenspiel es war, das einen auf jeder Scheibe etliche verschiedene Emotionen in seiner Musik durchleben ließ. Bis heute haben Chuck und DEATH viele Menschen auf dieser Welt beeinflusst, und das wird auch noch viele Jahre so bleiben. Seine Musik war brutal, aber beinhaltete trotzdem jede Menge Gefühl. Für jeden Hörer gab es etwas, das man an seinem Stil und an seiner Musik mögen konnte.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht? Bist Du in diesem Bereich noch aktiv?

Kelly Conlon: Auf alle Fälle! Ich bin schon seit langer Zeit Musiker und ich liebe es einfach zu spielen, unabhängig vom Musikstil. Habt Ihr nicht von der aktuellen Veröffentlichung von FIRES OF BABYLON gehört? Das Teil kam am 25. April über das deutsche Label Metal Heaven Records heraus und ist ein richtig fettes Album! Das ist ein Projekt von mir mit Lou St. Paul [WINTERS BANE], Rob Rock [IMPELLITTERI] und Bob Falzano [ANNIHILATOR, SHATTER MESSIAH]. Außerdem arbeite ich gerade mit PESSIMIST an einer neuen Veröffentlichung. – Vielen Dank an alle Fans und alles Gute. Let the metal flow! Kelly Conlon

-------DEATH & Chuck Schuldiner – The Sound Of Perserverance-------


Spätestens seit „Human“ hielt bei DEATH nicht nur der progressive Stil und der merkliche Einfluss des Power Metal Einzug, auch die Probleme der Band in Sachen Besetzung nahmen seit dem Stilwechsel mit jedem Album zu. Nach „Symbolic“ eigentlich schon halb aufgelöst, begann Chuck Schuldiner an seinem neuen Projekt CONTROL DENIED zu arbeiten und DEATH vorerst auf Eis zu legen. Es sollte aber dann doch noch ein Abschiedsalbum von DEATH geben: „The Sound Of Perseverance“.

Noch stärker als bei dem Vorgänger „Symbolic“ hört man nun die starken Einflüsse des Power Metal und die inzwischen im Vordergrund stehende progressive Attitüde der Band. Genauso wie das Logo hat man den Sound nochmals radikal entschlackt und entrümpelt. Von Death Metal lässt sich hier teils gar nicht mehr sprechen. Progressive Metal beschreibt die Musik wesentlich besser und umfassender. Man geht virtuos ans Werk und schreckt auch vor Akustikgitarren nicht zurück. Der harsche Gesang und die typischen Riffs sind noch immer klar vorhanden, werden aber in ein oft wahnwitziges Songgerüst eingebettet, das bis heute im [Death] Metal seinesgleichen sucht. Ein überlanger Song wie „Flesh And The Power It Holds“, das Instrumental „Voice Of The Soul“ oder das fest zum Album gehörende JUDAS PRIEST-Cover tragen einiges zu dem eigenständigen Charakter dieses Machwerks bei, besonders im Vergleich zum Rest der DEATH-Diskografie.

Chuck Schuldiner wollte das Kapitel DEATH nicht ohne einen Knall beenden und das ist ihm gelungen. Der Name der Platte hat sich bewahrheitet und „The Sound Of Perseverance“ ist, genauso wie alle DEATH-Alben, ein Death Metal-Klassiker geworden, braucht sich aber dazu auch vor keiner Prog Metal-Platte zu verstecken. Da sieht man über das etwas oberflächliche Nietzsche-Konzept gerne hinweg. Denn die Wiederkehr des Immergleichen wird es zumindest hier leider nicht geben. Das letzte Album ist so einzigartig wie die Band. [nicki]

Chuck Schuldiner – Vocals, Guitar
Shannon Hamm – Guitar
Scott Clendenin – Bass
Richard Christy – Drums


Richard Christy über The Sound Of Perserverance


Wie bist Du zu DEATH und deren Musik gekommen?

Richard Christy: Ich war schon ein großer Fan von DEATH, als ich noch in Kansas zur High School ging. Als meine Metal-Band BURNING INSIDE dann 1995 beschloss, von Missouri nach Florida umzusiedeln, bestand einer meiner Träume darin, nach diesem Umzug gen Florida den großartigen Chuck Schuldiner zu treffen! Nun ja, als ich eines Tages mit Steve Childers, dem Gitarristen von BURNING INSIDE, durch das Einkaufszentrum ‚Altamonte Mall’ in Altamonte, Florida, schlenderte und dort in die Buchhandlung ‚B Dalton’ ging, las Chuck dort gerade ein Magazin über Aufnahmetechnik. Wir waren beide sehr aufgeregt, ihn anzusprechen, da wir beide große Fans von DEATH waren, aber wir begrüßten ihn dann und Chuck war wahnsinnig nett! Wir haben uns dann ungefähr 20 Minuten lang unterhalten, und als wir daraufhin aus dem Buchladen gingen, riefen wir sofort alle unsere befreundeten Metaller in Missouri an, um ihnen zu erzählen, dass wir gerade dem legendären Chuck Schuldiner über den Weg gelaufen waren!


Wie hast Du die Zeit mit DEATH damals erlebt? Wie waren die Studioaufnahmen und die Touren zu dem Album, an dem Du beteiligt warst?

Richard Christy: Die Metal-Szene im Orlando der neunziger Jahre war sehr klein, sodass sich alle untereinander kannten, und ich sah Chuck auf etlichen Metal-Konzerten und Partys, nachdem ich nach Orlando gezogen war. Zwei gute Freunde von mir, Rick Renstrom und BC Richards, die zusammen in der Band WICKED WAYS spielten, erzählten mir, dass Chuck zum damaligen Zeitpunkt auf der Suche nach einem neuen Schlagzeuger war, also sprachen sie auch ihn an und erzählten ihm von mir. Ich rief dann Chuck an, um einen Termin für das Vorspielen zu vereinbaren. Ich war furchtbar nervös bezüglich dessen, aber ich hatte die Musik von DEATH schon seit meinen High-School-Zeiten auf dem Schlagzeug gezockt, also war ich auch ziemlich zuversichtlich. Der erste Song, den wir jemals zusammen gespielt haben, war „Flattening Of Emotions“ von der „Human“-Scheibe. Das war im Juli 1997. Und danach sagte mir Chuck dann, dass ich den Zuschlag bekommen würde. Das war ein Traum, der auf einmal wahr wurde, da DEATH meine Lieblingsband ist – damals wie heute. Wir haben dann sofort mit den Proben für „The Sound Of Perseverance“ begonnen und ungefähr drei bis vier Stunden pro Tag an den Songs gearbeitet.


Was bedeutet Dir „The Sound Of Perseverance“ heute? Welche Erinnerungen verbindest Du damit?

Richard Christy: „The Sound Of Perseverance“ ist das, was ich als musikalischen Höhepunkt meines Lebens bezeichnen würde, und ich bin sehr stolz darauf. Ich fühle mich unglaublich geehrt, dass mir selbst zehn Jahre danach immer noch Fans schreiben und mir mitteilen, wie sehr sie das Album und auch mein Drumming darauf mögen. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war ich zweifellos in Bestform und habe meine insgesamt beste Leistung als Schlagzeuger abgeliefert. Ich habe ungefähr zwei Stunden täglich alleine geübt und dann noch mal drei Stunden zusammen mit DEATH, sodass wir sehr gut vorbereitet waren, als dann der Studioaufenthalt vor der Tür stand. Es hat auch jede Menge Spaß gemacht, das Album aufzunehmen, und mit Jim Morris von den Morrisound Studios konnte man ganz ausgezeichnet arbeiten.


Was verbindest Du heute mit dem Namen Chuck Schuldiner? Immerhin geht es dabei ja um einen DER Protagonisten härterer Sounds.

Richard Christy: Für mich ist Chuck Schuldiner die wichtigste Person im Metal-Bereich. Er war ein überragender Songwriter, Sänger sowie der absolut beste Gitarrist, den ich jemals gesehen habe. Ich bin sehr froh, dass ich mit ihm in einer Band und sein Freund sein konnte. Chuck hat so viele Bands und Musiker beeinflusst, die heute im Metal aktiv sind. Er war zudem der größte Fan von Metal-Musik, den ich jemals getroffen habe. Nach jeder DEATH-Probe sind wir zu Chucks Haus gegangen und haben uns Metal auf Vinyl angehört. Er hatte eine riesige Sammlung von Metal-Platten, und wir haben uns dann WATCHTOWER, RIOT, IRON MAIDEN und andere Bands angehört, die Chuck sehr mochte.


Was machst Du heute, vor allem in musikalischer Hinsicht? Bist Du in diesem Bereich noch aktiv?

Richard Christy: Oh ja, ich schreibe tonnenweise Musik, habe in letzter Zeit sehr viel Gitarre gespielt und hoffe, dass ich Anfang nächsten Jahres mit einem guten Freund von mir, Jason Suecof, der ein überragender Produzent und Gitarrist ist, ein Album aufnehmen werde. Ich spiele außerdem immer noch sehr viel Schlagzeug und ich übe hier in New York City an einer Schule für das Drumming, die The Drummers Collective heißt. Ich werde zudem bei einer Band namens CANINUS das Schlagzeug übernehmen; die haben einen Pitbull als Sänger und sind gleichzeitig heavy und witzig! Außerdem hoffe ich sehr, dass wir bald dazu kommen werden, die zweite Scheibe von CONTROL DENIED fertig zu stellen. Etliche Fans haben bereits danach gefragt und ein letzter Wunsch von Chuck bestand darin, dass dieses Album erscheinen soll, also hoffe ich, dass es irgendwann nächstes Jahr aufgenommen und veröffentlicht werden kann. – Vielen Dank und alles Gute, Richard Christy.

-------CONTROL DENIED & Chuck Schuldiner – The Fragile Art Of Existence-------


Nur wenige Monate nach dem – leider – letzten DEATH-Release erscheint das CONTROL DENIED-Album „The Fragile Art Of Existence“, auf dem Chuck Schuldiner eine andere musikalische Vision umsetzt und mit dem nicht sonderlich bekannten Tim Aymar auf Klargesang setzt. Zunächst wird laut, Warrel Dane [NEVERMORE] wäre für den Posten vorgesehen, jedoch lehnt dieser ab, da er mit seiner Stammkombo an deren neuem Album feilt. Soundtechnisch geben sich „The Sound Of Perseverance“ und „The Fragile Art Of Existence“ die Klinke in die Hand, da sie sehr ähnlich sind. Auch musikalisch gibt es enorm viele Parallelen, jedoch bekommt das Werk durch eine etwas eingängigere Grundstruktur und natürlich durch die cleanen Vocals einen anderen Anstrich und weiß nach einigen Durchläufen zu begeistern, kann jedoch nicht als großer Schritt in neue Sphären der Musik gewertet werden.

Der hier zelebrierte technische Power Metal bietet die von DEATH gewohnte Vielschichtigkeit, richtet sich aber gerade durch die leicht an NEVERMORE erinnernde Gesangsarbeit anders aus und macht solche technisch-epischen Songs wie das geniale „Expect The Unexpected“ und das atmosphärische und virtuose „Consumed“ zu absoluten Highlights. Spekulationen darüber, dass das Album vermutlich mit Warrel Dane am Mikro mehr an Tiefe bekommen hätte, sind hinfällig, da Tim Aymar einen exzellenten Job macht und nichts missen lässt. Ebenso verhält es sich mit Richard Christy, der bereits auf „The Sound Of Perseverance“ zum Einsatz kam, sowie dem altbekannten Steve DiGiorgio. Es wird auf höchstem Level gearbeitet, jedoch zu keinem Moment der Song als solcher aus den Augen verloren.

Für heutige Verhältnisse kommt der Sound etwas dünn daher, aber das sollte trotzdem in keinem Fall dazu führen, dass das Album ignoriert wird. Man hat es zwar nicht mit einem ausgewachsenen Meilenstein zu tun, aber dennoch mit einem Meisterwerk eines der vermutlich innovativsten und weitsichtigsten Musiker der gesamten Metal-Landschaft. Leider geht mit diesem Werk die Ära Chuck zu Ende, da er wenig später seinem Krebsleiden erliegt. Zwar nimmt er noch einige Demoversionen für ein zweites CONTROL DENIED-Album auf, kann die Arbeiten aber nicht mehr beenden. Die verbleibenden Mitglieder von CONTROL DENIED beteuern seitdem, sie würden Chuck zu Ehren das zweite Werk vollenden, jedoch kommen rechtliche Streitigkeiten zwischen der Familie Schuldiner und dem Label immer wieder dazwischen. [shub]

Tim Aymar – Vocals
Chuck Schuldiner – Guitar
Shannon Hamm – Guitar
Steve DiGiorgio – Bass
Richard Christy – Drums


Richard Christy über CONTROL DENIED – The Fragile Art Of Existence


Wie hat sich Deine Teilnahme bei CONTROL DENIED ergeben, wie verliefen die Aufnahmen und was verbindest Du mit „The Fragile Art Of Existence“?

Richard Christy: Damals spielte ich bei DEATH, als Chuck mit den Proben für CONTROL DENIED begann, also hatte ich das Glück, an den Aufnahmen der CONTROL DENIED-Scheibe mitzuwirken. Wir haben für diese CD ewig viel geprobt. Ich konnte außerdem einige Zeit von meinem Job als Elektriker frei nehmen, sodass wir ungefähr fünf Stunden pro Tag in Chucks Haus für das Album geübt haben. Chuck war unglaublich aufgeregt, Tim Aymar als Sänger gewonnen zu haben, da er schon immer ein großer Fan von melodischen Metal-Sängern war. Ich mag das CONTROL DENIED-Machwerk sehr gern und ich bin sehr stolz auf mein Drumming auf der Scheibe. Dazu kommt noch, dass ich ein großer Fan von Steve DiGiorgio bin, sodass ich natürlich sehr begeistert davon war, dass er ebenfalls an der CD mitwirkte.





Chuck Schuldiner
* 13. Mai 1967, † 13. Dezember 2001

Autoren: grim_rieper, mattaru, metalviech, nicki, shub, soulsatzero

Kommentare
HOME |  IMPRESSUM |  RSS |  FACEBOOK |  TWITTER |  DISCLAIMER
@Metalnews_de folgen

METALNEWS.DE - Metal-Magazin