Die aus dem kalifornischen San Diego stammende Symphonic Deathcore-Band CARNIFEX hat mit "Bury Me In Blasphemy" eine neue EP veröffentlicht.

Der frühere TWISTED SISTER-Frontmann DEE SNIDER hat ein Video zu seinem Song "For The Love Of Metal" vom gleichnamigen Album im Internet Veröffentlicht

Die finnischen Metal-Superstars CHILDREN OF BODOM haben mit "Under Grass And Clover" einen ersten Song von ihrem neuen Album "Hexed" veröffentlicht.

Die schwedischen Melodic Death Metaller ARCH ENEMY werden am 7. Dezember eine strikt limitierte 7"-Single mit dem Titel "Reason To Believe" veröffentlichen.

Die um den gleichnamigen Gitarristen versammelten HERMAN FRANK haben mit "Hail & Row" einen ersten Song mitsamt Lyric-Video veröffentlicht.

Die holländischen Death Metal-Grazien SISTERS OF SUFFOCATION haben ein Video zu ihrem Song "Humans Are Broken" ins Netz gestellt.

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Au-Dessus – Mantas, Simonas, Jokubas, Sarunas

Black Metal aus Litauen ist für gewöhnlich nur kundigen Szene-Feinspitzen ein Begriff, doch AU-DESSUS haben in diesem Jahr endgültig dafür gesorgt, dass auch das beschauliche Land aus dem Baltikum den Skandinaviern gleichgesetzt werden sollte. Das im Frühling veröffentlichte Debütalbum „End Of Chapter“ fehlte in fast keiner Bestenliste renommierter Experten und sorgt mit seiner einzigartigen Mischung aus Post Black Metal, großer Atmosphäre und nordisch-kühler Detailverliebtheit noch immer für wohliges Gänsehautfeeling. Während ihrer eindringlichen und enorm erfolgreichen Europa-Herbsttour schnappten wir uns das Quartett im schönen Wien, um mit ihm über den rasanten Erfolgslauf, die Notwendigkeit mystischer Kostümierung und unnötige Szeneblindheit zu sprechen.

Die letzte Tour im Herbst führte euch durch ganz Europa und war die bislang größte, die ihr als Band erfahren durftet. Wie lief es so und erfüllten sich eure Erwartungen?

Simonas: Wir wollten sie einfach überleben. [lacht] Wir haben in ganz Europa zunehmend mehr Konzerte, es war irgendwann ein logischer Schritt, dass eine richtig große Tour folgte. Wir haben unlängst das zweite Mal in Bratislava gespielt und die Leute sind völlig durchgedreht. Das war auch für uns sehr ungewöhnlich.

Jokũbas: Beim ersten Mal waren die Leute noch reservierter. Das kann daran liegen, dass sie uns letztes Jahr noch nicht so gut kannten, oder aber daran, dass wir damals stockbesoffen waren und uns falsch erinnern. [lacht]

Euer letzten Mai veröffentlichtes Album „End Of Chapter“ erfuhr in Underground-Kreisen einen regelrechten Hype und etablierte Online-Medien wie Cvlt Nation stürzten sich förmlich darauf. Macht euch das stolz?

Mantas: Wir haben das nicht einmal mitgekriegt, bis uns ein paar Freunde darauf aufmerksam gemacht haben.

Simonas: Natürlich ist es schön, wenn du für deine Arbeit geehrt wirst, aber von innen siehst du diese Dinge oft nicht.

Euer Bandname ist Französisch und bedeutet übersetzt so viel wie „oben“. Seht ihr euch als Künstler, die über den Dingen stehen?

Simonas: Unsere Musik steht bei uns über allen Dingen und fließt direkt in unsere Persönlichkeiten. Wenn wir die Bühne betreten, dann befinden wir uns über allem und fließen mit der Musik zusammen. Wir haben eine relativ dichte Soundwand, die uns total mitnimmt.

Jokũbas: Wenn wir live spielen, passiert etwas Abstraktes. Wir werden in eine Art Mahlstrom unserer eigenen Kunst gezogen und gehen völlig darin auf. Man darf den Namen aber nicht wortwörtlich übersetzen, so überheblich sind wir keinesfalls.

Vollzieht ihr eine Art von Transformation, wenn ihr euch in eure Mäntel mit den Kapuzen werft und von Privatperson auf Bühnenperson wechselt?

Simonas: Wir sind wie eine Gemeinschaft, die ganze schwarze Magie fließt auf die Bühne raus.

Mantas: Wir verlieren uns in unserer Musik und sind total fokussiert, anders kannst du diese Musik nicht spielen.

Habt ihr vor euren Konzerten ein spezielles Ritual oder etwas in der Art?

Jokũbas: Wir pflegen so einen rituellen Nackttanz, den wir von Indianern gelernt haben. [lacht]

Mantas: In Wirklichkeit stehen wir einfach zusammen und stimmen uns noch einmal auf die Show ein. Es geht darum, die Energien freizusetzen und sich der kommenden Aufgabe gewahr zu werden. Wir bereiten uns sehr intensiv, aber nicht besonders anders als andere auf ein Konzert vor.

Ihr seid aus Vilnius in Litauen. Eine Gegend, die nicht gerade für eine florierende Black-Metal-Szene bekannt ist. Wie wichtig ist eure Herkunft und eure geografische Umgebung für eure Kunst?

Simonas: Das ist schwer zu sagen, weil wir dort aufwuchsen und nichts anderes kennen. Wir denken auch nicht daran, dass ein bestimmter Wald oder ein bestimmtes Gebäude besonders wirksam für uns wären.

Šarũnas: Am liebsten kreieren wir unsere Musik im Herbst und im Winter – zumindest dieses Klischee des Genres können wir locker bedienen. In den Sommermonaten verbringen wir zu viel Zeit, um Partys zu feiern und uns zu betrinken. [lacht]

Ist es vielleicht leichter, einen eigenständigen Sound zu finden, wenn man nicht von den großen Idolen und Legenden beeinflusst wird, wie es natürlich in Norwegen, Schweden oder Frankreich der Fall ist?

Simonas: Das denke ich nicht. Es ist völlig egal, wie viele Bands es von wo gibt, du musst den Fokus ohnehin nur auf deine eigene Musik legen. Ich will diese Theorie aber nicht ausschließen, es kann schon sein, dass du damit Recht hast.

Mantas: Wir haben einige Freunde, die auch in Bands spielen und die litauische Szene sehr lebendig machen. Die Szene ist klein, aber sie wächst und ist sehr bemüht. Jetzt müssen wir einmal darauf schauen, dass wir selbst unseren Durchbruch auf diesem Kontinent schaffen, dann nehmen wir auch gerne andere mit.

Simonas: Gerade jetzt ist eine gute Zeit für junge Metalbands, denn viele Labels werden auf unsere Szene aufmerksam und sorgen dafür, dass die Musik vermehrt in die Welt getragen wird. Es ist viel in Bewegung und das hilft uns allen.

Was sind die wichtigsten Ingredienzien bei AU-DESSUS? Die instrumentale Wucht, die Texte, die Atmosphäre?

Simonas: Der Sound steht über allem. Das Gefühl muss einfach stimmen. Es ist egal, ob ein Riff mehr nach Black Metal, Sludge, Doom oder Blues klingt – es muss in unser Konzept passen und sich gut einfügen. Du fühlst ohnehin, wann etwas passt und wann nicht, aber wir limitieren uns nicht künstlich. Wichtig ist nur, über den Tellerrand zu schauen.

Das ist per se ja eigentlich die Definition oder der Ursprung von Black Metal – nur hat er sich über die Jahre hinweg selbst zu viele Regeln und Dogmen auferlegt.

Simonas: Da hast du Recht, die Szene hat ihre Grundsätze durchaus verraten, aber das ist uns auch egal.

Mit Bands wie ZEAL & ARDOR oder IGORRR haben wir aber eine gute Zeit, für abstrakte Black-Metal-Bands, die neue Territorien erforschen.

Simonas: Absolut, hier bewegt sich wahnsinnig viel und ich kann das nur gutheißen. Genau das ist die Idee des Black Metal – brich alle Regeln. Wir kennen auch keine Regeln.

Jokũbas: Wir kommen auch nicht in die Verlegenheit, uns in eine Ecke zu verrennen, die nicht zur Band passen würde. Schließlich schreiben wir die Songs gemeinsam und das kollektive Korrektiv funktioniert. Es ist egal, ob ein Song nach SÒLSTAFIR oder nach WATAIN klingt. Wir werden wahrscheinlich keinen Techno machen, aber wenn er mal für einen Song spricht, dann haben wir auch damit kein Problem.

Euer Sound ist ungemein intensiv und fordernd. Ihr achtet offensichtlich darauf, dem Hörer mit Musik, Artwork und Aufmachung ein komplettes Erlebnis zu bieten und ihn live zu hypnotisieren.

Simonas: Das siehst du schon am Artwork, dass wir jedes Detail sehr ernst nehmen. Am Wichtigsten sind natürlich die Songs, aber der Hörer kann, so er will, komplett in unsere Welt eintauchen.

Ist „End Of Chapter“ eine direkte Fortsetzung eurer selbstbetitelten EP aus dem Jahr 2015?

Simonas: Korrekt, deshalb sind die Songs auch nummeriert. Wir begannen auf der EP mit „I“ und endeten hier mit „XII“. Es ist eine zusammenhängende Geschichte, die wir auf zwei Teile aufgesplittet haben.

Mantas: Für die volle Reise brauchst du die EP und das Album. Die Stimmung, Atmosphäre und Instrumentierung unterscheiden sich natürlich, aber die Geschichte setzt sich über beide Werke hindurch fort.

Simonas: Live mischen wir die Songs natürlich durch, manchmal spielen wir sie aber auch nach der Nummerierung. In erster Linie hängt das davon ab, wie viel Spielzeit man uns pro Auftritt zugesteht.

Gibt es auch eine textliche Fortsetzung von EP zum Album?

Mantas: Es dreht sich um dasselbe Thema, zumindest grob. Es geht um meine persönlichen Erfahrungen und die Erlebnisse meines Lebens. Viel genauer will ich das aber auch nicht erklären, denn der Hörer kann sich ja selbst seinen Kopf darüber machen. Ich wüsste auch gar nicht, was ich dazu sagen soll. Die Texte der EP findet man auf Metal Archives.

Simonas: Ja, das habe ich zu meiner großen Verwunderung auch gesehen. Ich habe keine Idee, wie die dorthin gekommen sind, denn wir haben sie nie abgedruckt. Wahrscheinlich saß so ein irrer Nerd vor YouTube und hörte Wort für Wort aus Mantas‘ Gekreische heraus. Heute was man ja nicht mehr so genau, was alles passiert. [lacht]

Bands wie BATUSHKA oder MGLA, die zur Speerspitze der neuen Black-Metal-Welle gehören, setzten auch sehr stark auf optische Effekte und Kostümierungen. Ist euch euer Stage-Outfit auch so wichtig wie die Musik an sich?

Simonas: Das ist schwer zu sagen, aber da wir unsere Persönlichkeiten auf der Bühne beiseitelegen, hilft uns das natürlich. Wir sind keine Band, die ihre Gesichter in der Öffentlichkeit verbergen, aber wir unterscheiden Bühne von Privatleben. Es ist wie ein Schauspiel oder ein Theaterstück, wo wir auf der Bühne eine Rolle spielen.

Mantas: Es hilft uns, uns zu konzentrieren und die richtige Atmosphäre zu entfachen.

Simonas: Wir tauchen selbst in unsere Musik ein. Wenn wir mit einem Konzert beginnen, dann klickt etwas im Kopf und alles außerhalb der Bühne wird komplett ausgeblendet.

Gab es für euch bestimmte Vorbilder für eure Liveshows? Bands, die euch nachhaltig beeindruckten?

Šarũnas: Es gibt keine bestimmten Einflüsse, die wir dafür haben. Jeder von uns hat seinen bestimmten Geschmack, aber wir haben kein gemeinsames Idol, dem wir kollektiv nacheifern. Eigenständigkeit ist wichtig, wenn nicht sogar essenziell. Die Riffs müssen sitzen und der Sound muss massiv sein, aber dafür brauchen wir keine Idole – wir machen es so, wie wir es für richtig halten.

Simonas: Natürlich beobachtet man andere Bands, wir waren früher ja selbst mal Fans, die durch den Black Metal anderer Bands selbst zu Black-Metal-Musikern wurden. Früher hatten auch alle Bands Corpsepaint, mittlerweile ist das in der Szene bei Weitem nicht mehr so verbreitet.

Wie alles im Leben unterliegt aber auch das bestimmten Zyklen. Es gab den Corpsepaint-Trend, nun gehen halt alle mit Kapuzen oder Mönchskutten auf die Bühne, um Rituale abzuhalten.

Simonas: Exakt, man muss optisch schon sehr kreativ sein, um das Genre würdevoll zu repräsentieren, ohne aber blind in die Fußstapfen bereits bestehender Tatsachen zu tapsen.

Jokũbas: Als wir die Band vor drei Jahren starteten, war dieser enorme Trend noch gar nicht absehbar. Plötzlich stand jeder mit Kapuzen und Gesichtsverhüllungen auf der Bühne, das konnten wir anfangs gar nicht fassen. [lacht] Es ist mittlerweile so standardisiert.

Simonas: Das Witzigste daran ist, dass jede Band die nächste dafür verurteilt, sie kopiert zu haben. Im Endeffekt sind sie doch alle für sich Kopisten, niemand kann sich da aus der Affäre herausstehlen. Einen Kapuzenpulli in einem dunklen Wald zu tragen ist derzeit jedenfalls eher wenig aufregend. [lacht]

Mantas: Die Musik kommt bei uns aber klar an erster Stelle und wir sind ihr gegenüber verdammt selbstkritisch. Wir analysieren unsere Ergüsse eigentlich durchgehend, was schon mal anstrengend sein kann. Die Live-Umsetzung ist wichtig, aber das Songwriting und die Studioarbeit kommen klar vorher.

Jokũbas: Wir hatten noch nie einen perfekten Auftritt. Es wäre auch schlimm, würde man einen gefühlten perfekten Auftritt gehabt haben, denn dann gäbe es nichts mehr, wonach man live streben könnte. Wir waren ein paar Mal nah dran, bei Auftritten in Helsinki oder Budapest, aber perfekt war das alles noch lange nicht.

Als Band, die sich selbst keine Grenzen setzt, würdet ihr es sicher begrüßen, künftig noch bunter besetzt zu werden. Etwa in Doom-Metal-Line-Ups?

Simonas: Unbedingt, das würden wir sogar sehr begrüßen. Wir sehen uns selbst in der Mitte des Extreme Metal verortet, haben ja auch eine merkbare Sludge-Kante.

Šarũnas: Uns kannst du überall reinpacken. Wir haben auch schon mit Punk- oder Hardcore-Bands gespielt, es spricht überhaupt nichts dagegen. Irgendwie scheint das immer gut zu passen, auch wenn wir mal mit Death-Metal-Bands die Bühne teilen. Die Menschen sind auch offener und toleranter als früher, das erleichtert die Sache erheblich.

In Polen habt ihr 2016 zwei Konzerte mit MAYHEM und WATAIN gespielt, die vielleicht wichtigsten Flaggschiffe der gesamten Szene. Konntet ihr von diesen Konzerten etwas für euch mitnehmen?

Simonas: WATAIN haben eine beeindruckende Show abgeliefert, bei der ich nur mehr staunen konnte. Am Nachhaltigsten hat mich aber beeindruckt, dass sie nicht einfach auf die Bühne gehen und eine Show abliefern, sondern all das wirklich leben. Backstage kommt vor dem Auftritt niemand an sie rein, sie sind total fokussiert und ziehen ihre Riten durch, um in Showstimmung zu kommen. Da ist nichts aufgesetzt, nichts geschauspielert, sondern alles pur und echt. Die MAYHEM-Jungs sind einfach extrem witzig und angenehm, außerdem war ihr „De Mysteriis…“-Set beeindruckend.

Šarũnas: Ich war eigentlich nie der größte MAYHEM-Fan, aber das ganze Album als Liveshow zu erleben war einfach bahnbrechend. Davon kann jeder etwas lernen.

Wie geht es bei euch weiter, was steht als nächstes an?

Simonas: Wir haben schon viel neues Material geschrieben, aber ich kann noch nicht sagen, wann es rauskommt. Es klingt nicht so anders als das Bisherige, aber wir werden noch intensivere und atmosphärische Songs präsentieren. Wir hören auch auf, die Songs zu nummerieren, das wird langsam fad. [lacht] Deshalb haben wir mit „End Of Chapter“ auch einen Abschluss als Titel gewählt. Irgendwann wird es auch mühsam, noch weiter zu zählen. [lacht]

Fotos: Christoph Kaltenböck

Robert Fröwein / 30.12.2017

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