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Album:Mass V
Genre:Doomcore, Post Hardcore, Sludge
Label:Neurot Recordings
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:30.11.12
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"Vertonte Hoffnungslosigkeit"

Mit „Mass V“ taucht die belgische Post-Hardcore/Sludge-Truppe AMENRA ziemlich plötzlich wieder aus der Versenkung auf – inzwischen mit Neurot Recordings im Rücken – und legt fünf lange Jahre nach „Mass IIII“ einen tiefdüsteren und unglaublich starken Full-Length-Nachfolger vor.

Der vor allem wieder durch Minimalismus zu glänzen weiß, zumal „nur“ vier Songs enthalten sind, jedoch allesamt mit Überlänge und einer Atmosphäre, die den Hörer einfach nicht aus ihren Krallen entlassen will und diesen gut 40 Minuten lang in die Tiefe zu ziehen vermag. Denn auch wenn sich grundsätzlich nicht allzu viel bei AMENRA geändert hat, so kommt „Mass V“ nicht nur mit der bislang besten Produktion daher, sondern wirkt noch eine Spur [zäh-]flüssiger, wie aus einem Guss sowie detailreicher als die Vorgänger. Da wären der Opener „Dearborn And Buried“, der noch am ehesten an die ganz großen Vorbilder NEUROSIS etwa Mitte der Neunziger erinnert und bereits zu punkten weiß, während auf dem nachfolgenden „Boden“ deutlich ruhigere, aber nicht weniger bedrohliche Klänge vorkommen, z.B. das fiese und beharrliche Schleifen/Glockentönen, die einen neben den wuchtigen, schleppenden Riffwalzen schier zu erdrücken scheinen. Auf „À Mon Âme“ wird dann am meisten auf Laut-leise-Dynamik und Ambient-Einschübe gesetzt, bevor auf dem abschließenden „Nowena | 9.10“ leiser Klagegesang für einen zwar ruhigen Beginn sorgt, jedoch – unterstützt durch Scott Kelly von genau jenen NEUROSIS – werden im Verlauf noch einmal ganz kräftig die Daumenschrauben anlegt und gezeigt, dass AMENRA anno 2012 definitiv ihre Hausaufgaben gemacht haben und sich auf keinen Fall hinter den großen, eben auch nicht mehr jünger werdenden Vorbildern [siehe das eher gutklassige „Honor Found In Decay“] zu verstecken brauchen. Will heißen: „Mass V“ wäre auch ohne diesen Gastbeitrag sehr stark, und wer den Belgiern Hype aufgrund der Label-Heimat und der Affinität zu NEUROSIS unterstellen möchte, liegt schlichtweg daneben. Dafür sorgt allein schon der sehr emotionale Gesang von Colin H. Van Eeckhout, der zwar vorwiegend wieder mit heiserem und markerschütterndem Geschrei aufwartet, aber auch vermehrt z.B. Flüstern [„Boden“, „À Mon Âme“] einsetzt und somit für mehr Ausgewogenheit sorgt, während sich das Schlagzeug hingegen eher bewusst minimalistisch im Hintergrund hält.

Kurzum: AMENRA zeigen mit „Mass V“, dass sich die Wartezeit definitiv gelohnt hat und die fünf Jungs aus Kortrijk ein insgesamt äußerst schlüssiges Gesamtkunstwerk erschaffen haben, das aus 40 Minuten Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung besteht. „Mass V“ – ein Album, an dem die Post-Hardcore-/Sludge-/Doomcore-Fraktion nicht vorbeikommen wird und das perfekt zu der tristen, grauen Winterkälte vor der Haustür passt.

Trackliste:
01. Dearborn And Buried
02. Boden
03. À Mon Âme
04. Nowena | 9.10
Spielzeit: 00:40:38

Line-Up:
Colin H. Van Eeckhout – Vocals
Lennart Bossu – Guitars
Mathieu J. Vandekerckhove – Guitars
Levy Seynaeve – Bass
Bjorn J. Lebon – Drums
Alexander Eitner [soulsatzero]
09.12.2012 | 16:05
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