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Album:Tango Umbrella
Genre:Industrial, Nu Metal
Label:Napalm Records
Bewertung:4 von 7
Releasedatum:25.03.16
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"Weißt du noch, wie es früher war?"

Mit Verlaub, aber NuMetal war Ende der 90er-, Anfang der 2000er-Jahre nun einfach echt der heißeste Scheiß seit der Grunge-Welle: tiefergestimmte Gitarren, fette Bässe, pumpendes Schlagzeug, psychopathischer Gesang und Texte, die jedem Heranwachsenden aus der pubertären Seele sprachen. Im Fahrwasser von vor sich hingröhlender Acts wie KORN und SLIPKNOT mitschwimmend, sorgten AMERICAN HEAD CHARGE 1999 mit ihrem Independent-Debüt „Trepanation“ für so viel Alarm in der Szene, dass Knöpfchenmogul Rick Rubin auf das Krachbumm-Kollektiv aufmerksam wurde und deren Nachfolger „The War Of Art“ produzierte. Mit seinem American-Recordings-Label im Rücken ging es für das Septett steil bergauf, lukrative Slots bei Ozzy Osbournes „Ozzfest“ inklusive. Nach dem schnellen Aufstieg kam aber der plötzliche Fall, Drogen übernahmen weitestgehend die Kontrolle – inklusive des tragischen Todes von Gitarrist Bryan Ottoson durch Medikamentenmissbrauch – und AMERICAN HEADCHARGE gerieten wieder in Vergessenheit. Elf Jahre nach ihrem letzten Werk „The Feeding“ möchten es die Urmitglieder Cameron Heacock (Vocals) und Chad Hanks (Bass) noch einmal wissen und veröffentlichen ihr Comeback-Album „Tango Umbrella“.

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Die neue Langrille ist nicht unbedingt ein Album, auf das die Musikwelt nun dringend gewartet hat. Bereits zu ihren Hochzeiten waren AMERICAN HEAD CHARGE eher ein putziges „nice to have“ im CD-Regal als ein Objekt stolzer Sammelbegierde. Zumal ihr augen- und ohrenscheinlicher Hurrapatriotismus nach 9/11 für das alte Europa doch arg befremdlich war. Umso mehr überrascht „Tango Umbrella“ dann doch mit einer angenehmen Frischzellenkur, das sich im Grundkern zwar immer noch auf dicke Siebensaitige und knarzende Basslines stützt, den Millenniumssound aber gekonnt in die zweite Dekade der 00er-Jahre rettet. Das latent Wahnsinnige im Songwriting wich differenzierteren Klangbögen und drückt nicht mehr auf Teufel komm raus auf die Gewalttube. Und siehe da: Lieder wie das im letzten Drittel schon fast an Neurosis erinnernde „Perfectionist“ und das darauffolgende „Sacred“ zeugen von einem geläuterten Reifungsprozess.

Im Grunde machen AMERICAN HEAD CHARGE da weiter, wo sie vor ihrer Pause aufgehört haben, Industrial-angehauchter NuMetal funktioniert auch noch 2016. Unbestreitbar ist aber, dass „Tango Umbrella“ ein paar Jahre zu spät veröffentlicht wurde. Vor wenigen Jahren hätte die Band noch ein bisschen mehr im heißen Scheiß mitmischen können. Heute erfreut sich zumindest die Ü30-Generation am Klang ihrer Jugend.

Trackliste:
01. Let All The World Believe
02. Drowning Under Everything
03. Perfectionist
04. Sacred
05. I Will Have My Day
06. A King Among Men
07. Suffer Elegantly
08. Antidote
09. Prolific Catastrophe
10. Down And Depraved
11. When The Time Is Never Right
Spielzeit: 00:51:57

Line-Up:
Cameron Heacock – Vocals
Chad Hanks – Bass
Chris Emery – Drums
Justin Fowler – Samples
Karma Singh Cheema – Guitar
Ted Hallows – Guitar
Lorenz von König [LvK]
18.03.2016 | 15:04
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