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Cover von Amplifier -- The Octopus
Band: Amplifier Homepage Amplifier bei MySpace.com Metalnews nach 'Amplifier' durchsuchenAmplifier
Album:The Octopus
Genre:Alternative, Progressive, Rock
Label:Ampcorp.Industries
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:18.02.11
CD kaufen:'Amplifier - The Octopus' bei amazon.de kaufen
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"Hartes Weichtier mit vielen Armen"

Man konnte schon ein wenig euphorisch werden, wenn man die auf der Homepage der Band wunderbar dokumentierte Entstehungsgeschichte dieses Oktopoden verfolgt hat. Erst das jahrelange Harren der Dinge, während die Briten aus Manchester versuchten dieses zweistündige Monster auf den Weg zu bringen, ohne Plattenfirma im Rücken [SPV kümmerte sich zuvor um die Belange der Band, dieses Mal beschloss die Band alles selbst zu machen], immer am Rande des finanziellen Ruins und Nervenzusammenbruchs. Dann, kurz nach der Vollendung, die wenig bescheidenen Äußerungen seitens der Band, dass „The Octopus” das Potential hat mindestens genauso groß wie „The Wall” [PINK FLOYD] oder „Operation: Mindcrime” [QUEENSRŸCHE] zu werden und zu guter Letzt die nervenaufreibende Vorbestellungsphase Ende 2010 und das Gezerre um die superlimitierte Buchedition des Werkes [500 Stück], die innerhalb von wenigen Stunden komplett ausverkauft war.

Jetzt kommt dieser Brocken über die eigens gegründete Plattenfirma der Band, Ampcorp.Industries, auch regulär in den Handel – als nettes Digisleeve. Wer allerdings das fette Digipak im DVD-Format mit tollem Artwork haben möchte, der sollte seinen Octopus direkt im Shop der Band bestellen. Aber warum sollte man „The Octopus” überhaupt kaufen? Schließlich war das letzte Album von AMPLIFIER, „Insider” [2006], eigentlich gar nicht mal so gut. Ihren guten Ruf hat sich das Trio durch sein immer noch grandioses, selbstbetiteltes Debütalbum [2004] geschaffen. Da gab es verwaschenen, trockenen Rock, psychedelisches Gewaber, progressive Anleihen und laute, großartige Songs, die sich irgendwo im Spannungsfeld von SOUNDGARDEN, LED ZEPPELIN, PINK FLOYD, BLACK SABBATH, TOOL und ruppigem Alternative bewegten. Auch AMPLIFIER mögen „Insider” nicht sonderlich und wollten mit „The Octopus” einiges wieder gut machen. Und das haben sie, auch wenn dieses Doppelalbum alles andere als die nahtlose Fortsetzung des Debüts ist. „The Octopus” geht seinen eigenen Weg - zwei Stunden lang, 16 Songs [die meisten mit Überlänge] massiv. Obwohl der gemeine Krake im Wasser lebt, scheint er sich auf diesem Werk eher in den Weiten des Alls wohlzufühlen, denn AMPLIFIER schlagen hier atmosphärisch die Brücke zwischen „2001: A Space Odyssey” und „Vingt mille lieues sous les mers” [dt. „20.000 Meilen unter dem Meer”]. Das macht insofern Sinn, als dass in den Tiefen beider Orte fremde Wesen hausen könnten, von denen wir nichts wissen. Musikalisch lassen AMPLIFIER wenig unversucht. Sie zitieren QUEEN im Einstiegsdoppel „The Runner”/”Minion's Song”, zollen überdeutlich David Gilmour [PINK FLOYD] im Solo von „Trading Dark Matter On The Stock Exchange” Tribut, wabern sich fett durch einige Sphären in „Interstellar” [einer der besten Songs der letzten Jahre - Post Rock meets MONSTER MAGNET], präsentieren in „Fall Of The Empire” das Riff des Jahres [2010 und 2011!] und machen auch sonst so ziemlich alles richtig. Lediglich das balladeske „Oscar Night // Embryo” kann nicht mit der eigenen Konkurrenz mithalten, aber das sei überhört. Ja, „The Octopus” ist ein Prog-Album, aber keines, bei dem rücksichtslos gefrickelt wird. Die Arrangements sind verschachtelt, wirken aber recht eingängig, so dass „The Octopus” hauptsächlich durch seine Masse erdrückend wirkt. Längen haben AMPLIFIER geschickt vermieden, im Gegenteil, man hat wohl selten einen so kurzweiligen, außergewöhnlich gut produzierten Doppeldecker vernommen. Ganz wichtig: „The Octopus” ist ein Grower. Von „geht so” bis zum „Album des Jahres 2010” - und wer weiß, vielleicht holt sich das Werk dank der schizophrenen Veröffentlichungspolitik seitens der Band auch 2011 den Thron. Würde mehr oder weniger zu einem Doppelalbum passen.

„The Octopus” ist ein sehr ambitioniertes, außergewöhnliches Album, das jeden Freund anspruchsvoller [Hart-]Musik ansprechen kann und auch sollte. Ein zweistündiger Trip durch wunderbare Soundwelten, in denen man sich zwangsläufig verliert und freiwillig verharrt. Ein Werk, das aufgrund seiner Detailfülle und Vielseitigkeit mehre Monate lang Freude bereitet und immer neue Entdeckungen zulässt. In diesem Album steckt Herzblut, Intelligenz und unglaublich viel Seele. Das darf man sich einfach nicht entgehen lassen, wenn man noch nicht tot ist.

Trackliste:
CD1:
01. The Runner
02. Minion`s Song
03. Interglacial Spell
04. The Wave
05. The Octopus
06. Planet Of Insects
07. White Horses At Sea // Utopian Daydream
08. Trading Dark Matter On The Stock Exchange

CD2:
01. The Sick Rose
02. Interstellar
03. The Emperor
04. Golden Ratio
05. Fall Of The Empire
06. Bloodtest
07. Oscar Night // Embryo
08. Forever And More
Spielzeit: 02:00:17

Line-Up:
Sel Balamir – Vocals, Guitar
Neil Mahony – Bass
Matt Brobin – Drums
Michael Siegl [nnnon] | 12.02.2011 | 14:58

Durchschnittliche Leserwertung: 6.8 / 7 Punkten

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Kommentar von: grim_rieper
Wertung: 6.5/7 | 09.03.2011 -- 17:23
In der Tat ein Brecher, der wächst und wächst. Gefällt mir ca fünfmal so gut wie die letzte Tool...
Kommentar von: Rocknorb
Wertung: 7/7 | 15.02.2011 -- 18:02
Man muß es oft hören .... nein, man kann es oft hören ..... immer wieder hören ... laut hören, sehr laut. Welch ein wunderbares Kunstwerk. Dank an Amplifier für ein (weiteres) zeitlos geniales Album, daß auch in 10,000 Days noch Freude bereitet.
Kommentar von: Ich
Wertung: 7/7 | 13.02.2011 -- 11:43
Das Album ist einfach nur ein Meisterwerk. Das limitierte Digi habe ich auch in einem deutschen Shop erhalten können. Fans von Porcupine Tree, Tool, Muse, oder aber auch Queen MÜSSEN zumindest reinhören, aber wie Michael schon schrieb, die Platte braucht Zeit. Aber man wird belohnt, wenn man bereit ist sie zu opfern.
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