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Cover von And Then They Run -- The Core And The Shell
Band: And Then They Run Homepage And Then They Run bei MySpace.com Metalnews nach 'And Then They Run' durchsuchenAnd Then They Run
Album:The Core And The Shell
Genre:Death Metal, Hardcore
Label:Tief in Marcellos Schuld Records
Bewertung:7 von 7
Releasedatum:15.07.11
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"DIY statt Einheitsbrei"

Würden heutige Musikrezensionen quantitativ durch Checklisten erhoben, dann wäre für viele moderne Nachwuchsbands die Sache, im wahrsten Sinne, schnell abgehakt. Ganz nach dem Muster „Nebensatz als Bandname? Check. Auffälliges Design? Check. Abstrakte Albumtitel? Check.“ könnte man sich den Hörgenuss [der auch mal ein Hörfrust werden kann] sparen und diesen lieber ganz schnell an eine Zielgruppe abtreten, die dafür am zugänglichsten erscheint. Wahrscheinlich wirkt dieser Gedanke auf so manchen vom Trend gemarterten Rezensenten sehr verführerisch. Manchmal kommen jedoch Bands vor, die beweisen, dass die qualitative Einzelbegutachtung ihre Arbeit wert ist. Könnten AND THEN THEY RUN so eine Band sein? Wenn man die Checkliste heranzieht wohl eher weniger. Doch wenn man den Blick darüber hinaus wagt...

Seit gerade mal ein paar Jahren aktiv, hat sich der Fünfer aus Kiel mit seinem Hardcore metalischer Prägung schon überregional einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erspielen können. Mit „The Core And The Shell“ kommt nun die erste Langrille der Gruppe auf den Markt. Diejenigen, deren Hirne bereits jetzt den Mix aus Metal und Hardcore zu einer handlichen Metalcore-Schublade vermengt haben, darf ich damit beruhigen, dass es zu selbigem genauso wenig kommt wie zum Muckibude-Hardcore, der sich seit mehreren Jahren auf dem Vormarsch befindet. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Von Happy Hardcore fehlt hier ebenfalls jegliche Spur. Ernst, Melancholie und Frustration zeichnen die Grundstimmung des Albums aus, das sich musikalisch irgendwo im Niemandsland zwischen PROPAGANDHI und MISERY INDEX bewegt. Traditionelle Hardcore-Passagen stehen so neben ausgefeilten Blasts, die wiederum melodischen Mid-Tempo-Parts weichen, wobei jeder Einfluss nur soweit eingebracht wird, wie es dem musikalischen Kontrast dienlich ist und so dem Hörer ein dem Zeitgeist entsprechendes Übermaß erspart bleibt. Im Gegensatz zu manch anderem Genrevertreter wirkt auch der Blick in die Songtexte nicht desillusionierend. Nicht nur Lügen, Widersprüchen und Repressionsmechanismen der gesichtslosen Mehrheitsgesellschaft wird der Kampf angesagt, sondern auch den bereits erwähnten Anhängern der alles verschlingenden und vereinheitlichenden Musikschublade, welche der Gruppe wohl zur Genüge bekannt sind. Entsprechend der Themenpalette verfällt der Gesang mal in wildes Geshoute, verzweifeltes Krächzen oder voluminöses Gegrowle, das allem Unglauben zum trotz nur von einem Sänger stammt. Ab und zu führen AND THEN THEY RUN einen mit einem retardierenden Moment a la „Rain“ in die Irre, von dem sie sich aber schnell abwenden um mit Hymnen wie „Red Clouds“, „Leviathan“ oder „The Core And The Shell“ das zu machen, was ihnen auf diesem Album am besten gelingt: Den angefressenen Soundtrack zum sozialen Drama unserer Tage spielen.

Fazit: Statt nach der Checkliste zu pulverisieren, lohnt sich doch das Analysieren. Und überhaupt: Am Schluss dieser Rezension haben sich wahrscheinlich schon potenzielle Hörer von Nicht-Hörern getrennt. Falls noch Unsicherheiten bestehen, hier noch ein paar klare Schlussworte: Wer auf ehrlichen Hardcore/Metal in bester DIY-Manier steht (das Album wurde komplett in Eigenregie bei den örtlichen Blastbeat Productions erstellt), sollte sich diese Platte nicht entgehen lassen. Freunde der Checkliste sollten sich dagegen entweder das Album hier reinziehen oder in die Muckibude zurückgehen!

Trackliste:
1. Learning Curve
2. In One Blood We Drown
3. Grey
4. Rain
5. Red Clouds
6. No Names, No Lives
7. Becoming The Owl
8. For Those Who Cannot Feel
9. Antagonist
10. Leviathan
11. The Core And The Shell
12. A Mouthful Of Scorn
13. The Jaded Empire
Spielzeit: 00:45:05

Line-Up:
Pete - Vox
Niles - Trommeln
Daniel - Bass
Olli - Gitarre
Svend - Gitarre
Oleg Pronitschew [John Gorerilla] | 23.11.2011 | 22:19

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