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Album:Lusus Naturae
Genre:Doom Metal
Label:Rise Above Records
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:25.03.16
CD kaufen:'Beastmaker - Lusus Naturae' bei amazon.de kaufen
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"Hier kopuliert der behäbige Geist von BLACK SABBATH mit der Feinfühligkeit der NWoBHM."

Der Rock liegt im Sterben, munkelt man. Abgelegt ist sein rebellischer Charakter, fehl am Platze ist er in der digitalen Trance-Generation Z auch. Er ist an sich selbst zerbrochen, in abertausend belanglose Splitter, bar jedweder Innovation. Vergessen ist der Siegeszug, den er dereinst angetreten ist, zwar nicht – von der Hysterie der Beatlemania bis hin zum historischen Monsters Of Rock am 28. September 1991 am Militärflugplatz Tuschino im sowjetischen Moskau –, aber dieser wirkt heute, rückblickend betrachtet, beinahe so gestrig wie Wählscheibentelefonie und MySpace. Während sich meine Elterngeneration zu sphärischen Psych-Klängen durch die Landschaft vögelte – dieser Ficus ist nicht samenlos – schluckt die heutige Love-and-Peace-Generation Xtasy und schwitzt sich zu Dööp-Döööp-Döööööp die Seele aus dem Leib, „Electric Ladyland“ wurde zu „Electric Love“.
Unsere Zeit ist geprägt von Entertainment, Promigeilheit, Vergnügungssucht und Oberflächlichkeit – da ist der „Rockstar“, der irgendwelche Regeln verletzt, längst Teil der Regel geworden und wir, die Ewiggestrigen trauern mit Wehmut der guten alten Zeit nach, selbst wenn wir sie wie ich nur am Rande ihres Zenits mitbekommen haben. „I have nothing left to say, but I’m gonna say it anyway. Thirty years upon a stage and I hear the people say: Why won’t he go away?“, sang schon Randy Newman 1999. Da trifft es sich gut, mag die eine oder andere böse Zunge behaupten, wenn den Festivalgranden langsam aber sicher ihre großen rockenden Headliner wegsterben werden, in der Musikszene ein Umdenken passieren muss. „Wir töteten Rock’n’Roll“, sagte der Acid-House-DJ Fabio in einem Interview, und dabei ist er nicht der Einzige. Was heute „rockt“ – also Dinge wie der Eurovision Songcontest oder David Garrett oder Helene Fischer – ist im Grunde eine Verballhornung des Begriffes an sich, und ist wohl das letzte Festklammern an einem Antiquarium, gegensätzlich zur infantiler, gefälliger Minimalmusik, dem Sich-verlieren in Club- oder Schunkelatmosphäre.
Der Gott der Rockmusik – Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister – sitzt bekanntlich bereits zur rechten Hand Gottes und plaudert über ein, zwei Flascherl Jack (jetzt ist eh scho wurscht) mit Udo Jürgens und Tupac über ein Allstar-Projekt der etwas anderen Art. Und die letzten wirklich großen Headliner – die ROLLING STONES, U2 (allem üblen Kotzen zum Trotz), METALLICA, FOO FIGHTERS, IRON MAIDEN – werden in nicht allzu ferner Zukunft in Pension gehen, denn Rollator-Rock wirkt dann doch etwas unglaubwürdig. Ihre Kinder, die die Geschäftsübernahme antreten können, sind auch nicht gerade mehr juvenil oder gar zahlreich, spontan fallen da vielleicht noch die Enddreißiger MUSE ein. Tja, und der Ehrwürdigste der letzten Granden – BLACK SABBATH – begibt sich soeben auf seinen letzten Gang, Ozzy schreitet mit Glockengebimmel voran und seiert sein „Dead man walking!“-Lamento. „This is the end, beautiful friend. This is the end, my only friend, the end.”

Darf man nun, wenn die Gründerväter des Heavy Metals ihre schwerfälligen Sounderuptionen, die über Jahrzehnte hinweg durch die Düsternis waberten, zu Grabe tragen, Szenen befürchten, wie in den Folgetagen des 13. Februar 1996, als sich die Gerüchte bewahrheiteten: „TAKE THAT lösen sich auf!“? Nein.
Denn während wir uns Zeiten entgegenstellen, in denen im Marketingjargon so manches rockt, während die Granden sukzessive die Patschen wahlweise in der Hölle oder der Pratersauna von sich strecken, so befinden wir uns zeitgleich dieser Verwahrlosung gegensteuernd auch im Fokus des ersten Zenits, der wilden Siebziger – nur halt: kleiner, gemütlicher, amikaler. Dieser Fokus liegt ganz klar auf zwei Kinder der 68er, der „New JARDBIRDS“ LED ZEPPELIN und EARTH, die weniger später eben als BLACK SABBATH Geschichte schreiben sollten. So divers sich die Veröffentlichungen beider Briten auch anhören mögen – ein psychedelischer Blues auf der einen, ein Kokettieren mit satanischen Symboliken und basslastige Würgelaute auf der anderen Seite –, ihnen gemein ist: Auf jene Töne, die erklingen, wenn man (insbesondere die heute ikonischen Frühwerke) „I“ bis „IV“ und „Black Sabbath“ bis „Sabbath Bloody Sabbath“ übereinander legt, und womöglich noch rückwärts abspielt, fußt jene Vintage Welle der Rock Musik, die ab etwa 2005 mit THE ANSWER, ORCHID, GRAVEYARD und WITCHCRAFT anfangs zaghaft, in den letzten Jahren immer stärker an die Oberfläche, hinein in einen „reduzierten Mainstream“ drängte. Aus der einstigen Nischenmusik, mit ELECTRIC WIZARD und CATHEDRAL, entwuchs – wie Phönix aus der Asche – eine Modewelle, eine, in der wüste Gesichtsbehaarung („Grand Royal!“), fragwürdige Fetzenmode und verkehrte-Kreuz-Ketten wieder en vogue sind, die neue Schickeria riecht süßlich.
Maßgeblich beteiligt zeigt sich hier das britische Label Rise Above Records, das von niemand geringeren als Lee Dorian geleitet wird – Lee, der sich nicht nur bei NAPALM DEATH, sondern später auch bei eben benannten CATHEDRAL verdient machte, dieses Jahr das Prestigeprojekt des Roadburn Festivals im holländischen Tilburg mit seiner Expertise kuratieren wird, sondern auch mit seinem Untotenkollektiv WITH THE DEAD – mit Tim Bagshaw von ELECTRIC WIZARD an der Gitarre, Leo Smee von CATHEDRAL am Bass und Alex Thomas von BOLT THROWER am Schlagzeug – Premiere am europäischen Festland feiern wird. Er zeichnet für den Aufstieg von GHOST und WITCHCRAFT verantwortlich, war mit PURSON (und erst kürzlich LUCIFER) maßgeblich am Hype des wachsenden Frauenanteils in der Rockmusik beteiligt, ist Heimat von UNCLE ACID und seinen DEADBEATS – und schickt sich an, nun im Frühjahr gleich zwei der wohl stärksten Genreveröffentlichungen dieses Jahres vorzulegen: die altbekannten japanischen Serienkiller CHURCH OF MISERY, die verstärkt von EARTHRIDEs Eric Little und Scott Carlson (REPULSION und, wieder einmal die Wortwiederholung: CATHEDRAL), mit „And Then There Were None“ ihre vielleicht stärkste Veröffentlichung seit „Master Of Brutality“ vorlegen – und den Newcomern BEASTMAKER.
Im letztjährigen Sommer zog in Fresno, im sonnigen Kalifornien, plötzlich Düsternis auf. Sieben schlampig gezeichnete grünliche Fratzen geifern von einem Demo-Cover, darunter in schleimigen Lettern der beinahe an Troma erinnernde Schriftzug BEASTMAKER. Dazu die klangliche Untermalung von drei Stücken, die mit ihrem hypnotischen Timbre unweigerlich dazu verleiteten, den kosmogonischen Stier zu schlachten, sich an seinem warm tropfenden Blut zu laben und – Nero im Hinterkopfe habend – inmitten lodernder Flammen eines x-beliebigen Gotteshauses mit einer knackigen Nonne zu Ehren Luzifers unzüchtige Wollust zu betreiben. „Der in Leuchte Stehende erlebt dieses Strömen als kalte aus dem Kosmos herabkommende Schauer / während die Essenz / dem Blute vermählt / in seliger Wärme glüht.“ Dicht gefolgt wurde dieser erste Sündenfall dann mit „You Must Sin“, quasi einer rückwirkenden Bestätigung auf die Unzucht – geifern wir kollektiv gegen die christliche Moral, gegen die „christliche Degenereszenz“, wie Alfred Schuler sagen würde, geschandmarkt mit ihrer Pestnarbe Moral, mit ihrem Phallusekel und ihrer Scham! Wagen wir den coitus cumulatus!
Direkt aus diesem Sinnestaumel, gezeugt wie Freddy Krueger von hunderten schmutzigen, wahnsinnigen Samen und einer Dienerin Gottes, entspringt nun die wahre Saat des Bösen, betitelt mit „Lusus Naturae“ – einer ziemlich perversen „Laune der Natur“. Kein Wunder bei dem Schmelztegel nordöstlich der Stadt der (gefallenen?) Engel, Los Angeles: Hier, in Fresno, wurde Sid Haid geboren – er impersonierte mit grässlicher Fratze Captain Spaulding, und wahrlich: Spaulding for President! Aus Fresno stammt Slim Pickens, der in Kubricks „Dr. Strangelove“ als Major „King“ Kong auf einer Nuklearbombe gen sowjetischen Erdboden ritt, wild verrückt seinen Cowboyhut schwenkend. Ebenfalls in Fresno das Licht der Welt erblickte der Regisseur Sam Peckinpah, dem nicht zu Unrecht der Spitzname „Bloody Sam“ verpasst wurde – man denke an „Straw Dogs“, „Bring Me The Head Of Alfredo Garcia“ der auch „The Killer Elite“.
Aus diesem Boden nährt sich das Trio, gewissermaßen eine Neudichtung der Quasi-Kommune der Manson-Familie, mit ihrer Gitarrenpoesie und Mordfantasien. Hier kopuliert der behäbige Geist von BLACK SABBATH mit – gerade in der Leadfraktion – der Feinfühligkeit der NWoBHM, hier erigiert das Glied des Zombies und beweist: der tote Geist des Mannes sitzt doch nur im Kopf. „Lusus Naturae“ ist eine schiere Verzweiflungstat, mit einem Unheil verkündendem Schwelen, das forsch durch die Gehörgänge glost und unbarmherzig wie ein Lavastrom Hammer, Amboss und Steigbügel zu Asche werden lässt. Hier und da blitzt der Wahnsinn von PENTAGRAM auf – „looking around and what you see: a thousand souls and they’re ready to scream“ –, andernorts tanzt man in überbordender Manie mit WITCHFINDER GENERAL auf den Blocksberg und bekanntlich weiß selbst der tumbe Tor: „You witches are evil.“

BEASTMAKER ist mit ihrem Debüt eine bizarre Weltenordnung gelungen, eine akustische Dystopie, in welcher der Tod zum Leben wird – „the world is a dead carcass and the purpose of human beings is as maggots“. Bisher vermeinte der Nekrophile, der einzige Nachteil an seiner Lust – an den zärtlichen Berührungen kalten Fleisches, der geilen Starrheit der weit geöffneten, matten Augen – sei das Missen der Schreie, das Stöhnen in den Momenten der Lust – doch der Kadaver der Rockmusik beweist jedoch unter anderem durch BEASTMAKER das Gegentum jener Theorie, stöhnt jener hier versauter als dereinst die Übereva Sasha Grey. „La petite mort“ ist nicht umsonst das Synonym zum Orgasmus geworden, und „Lusus Naturae“ hierbei das unflätige Stöhnen zum Zenit des Koitus.

Trackliste:
01. Clouds in the Sky
02. Eyes Are Watching
03. Arachne
04. Skin Crawler
05. Find the Stranger
06. You Must Sin
07. Burnt Offering
08. Mask of Satan
09. It
10. Astral Corpse
11. Lusus Naturae
12. The Strain
Spielzeit: 00:46:49

Line-Up:
John Tucker - Bass
Andres Alejandro Saldate - Drums
Trevor William Church - Guitars, Vocals
Stefan Baumgartner [cosmogonos]
18.03.2016 | 12:07
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