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Album:Eventyr
Genre:Akustik, Folk
Label:Vardauger Productions
Bewertung:Keine Wertung
Releasedatum:14.12.14
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"Mit Byrdi durch die Hardangervidda"

Das Promoschreiben zum Debütalbum der norwegischen Folker von BYRDI stellt dem Rezensenten beziehungsweise der Rezensentin die Frage, ob dieser oder diese jemals durch das norwegische Hinterland gewandert sei? Nun, der Reviewer kann dies zumindest teilweise bejahen, hat er doch einen schönen Wandertrip durch die so genannte Hardangervidda hinter sich, einem großen Hochplateau im Süden Norwegens. Black Metal-Fans werden sich erinnern, dass ILDJARN dieser Wandergegend – vollkommen zu Recht – ein Album und eine EP gewidmet haben. Das norwegische Duo hinter BYRDI will nun mit „Eventyr“ auf acht Liedern sowohl eine körperliche als auch eine spirituelle Reise durch die norwegischen Weiten vertonen.

Manche mögen dies für kitschig halten, andere freuen sich darüber, dass es immer wieder KünstlerInnen im Metal-Umfeld gibt, die sich mit einem inneren Feuer und einer brennenden Leidenschaft ihrer Naturerfahrungen hingeben und diese sprachlich so schwer fassbaren Eindrücke mit Musik untermalen. BYRDI arbeiten mit akustischen Gitarren, einer Violine [eingespielt von Gast Saareta], einer bunten Mischung aus hymnischen, traurigen und düsteren Vocals, schamanistisch-anmutenden Drums und verschiedenen traditionellen Instrumenten [z.B. einer Knochenflöte]. Das Intro „Vardauger“ beginnt mit düster anmutenden und repetitiven Drums [vielleicht soll dies die Nacht vor der Wanderung darstellen?], bevor man in den ersten richtigen „Song“ namens „Skare“ einsteigt, der von wehmütigen Violinen und einer zärtlich gespielten Akustik-Gitarre dominiert wird. Verbunden mit dem hymnischen Klargesang hat man tatsächlich das Gefühl, einen Sonnenaufgang zu erleben, bei welchem sich die Sonne unendlich langsam über die Berge, Hügel und letztlich die ganze Landschaft schiebt. Zwar bedeutet das Wort „Skare“ eigentlich „harsch“, aber dafür scheint das Stück zu einfühlsam und melancholisch zu sein. Das nachfolgende „Tuntroll“ startet mit einer ritualhaften Beschwörung, bevor wieder die akustischen Gitarren [dieses Mal stärker im Vordergrund] und die Violine ihre Rolle einnehmen und durch traditionelle Instrumente unterstützt werden. Durch den verstärkten Einsatz der Drums und den härteren, ja schon fast wilden Vocals wirkt „Tuntroll“ jetzt tatsächlich harscher und „metallischer“ als der direkte Vorgänger. Ein schöner Kontrast, den BYRDI hier einbringen – erste Ähnlichkeiten zu ULVERs „Kveldssanger“ lassen sich auch erkennen. Freunde der Beschaulichkeit freuen sich auf „En Fullblods Byrde”, denn BYRDI werden wieder ruhiger und „freundlicher“ – sachte startet der Track, als würde man sich einem grasenden Rentier nähern, bevor mit dem hymnischen Gesang eine zauberhafte Melancholie das Ruder übernimmt und den Hörer, die Hörerin endgültig zu den kleinen Wasserfällen, den unberührten Graslandschaften, den Farnen, den Moosen und den umherziehenden Schafen des Nordens entführt. Ein wunderbares knapp fünfminütiges Stück, vielleicht das stärkste auf „Eventyr“. Das nachfolgende „Fanden Og Kvitekrist” könnte – wenn man E-Gitarren anstatt akustischer verwenden würde – schon fast auf einer schwarzmetallischen Scheibe zu finden sein, so dunkel und donnernd geben sich Gitarre und Drums und der im wahrsten Sinne des Wortes trollhafte Gesang. Allerdings geht es nicht lange und BYRDI lockern die Stimmung mit einer fröhlichen Flötenmelodie wieder auf, und die aufgeladene Atmosphäre entspannt sich und lädt sogar fast zum Tanzen ein. LÖNNDOMesk kommt „Hovslag“ daher [an die „Viddernas Tolv Kapitel“-Scheibe denken] – träumerische Akustik-Gitarre dominieren das Klangbild. Ab der Hälfte des Tracks setzt wieder dieser zerbrechliche Gesang ein, der einen jedes Mal packt und ans Herz geht – als nicht-Norweger versteht man zwar die Worte nicht, aber es scheint durchaus mehr um das Gefühl als um den eigentlichen Inhalten zu gehen. „Furer“ ist dann noch einmal einen Zacken fröhlicher und energiegeladener – so als hätte man bei einer Wanderung die Berghütte vor Augen und als laufe man munter und beschwingt auf ein schönes Abendmahl zu [oder – etwas profaner – auf eine längst notwendige Dusche]. In dem Song finden sich übrigens auch weibliche Vocals, die eine schöne Ergänzung darstellen. Den Abschluss bildet das von einer Flüsterstimme [John Haughm von AGALLOCH wäre stolz] und traditionellen Instrumenten getragene „Speilet“, das ohne es negativ zu meinen, ein würdiges „Outro“ einer starken Scheibe darstellt.

„Eventyr“ [„Abenteuer“] ist ein wahrlich magisches Album geworden. Man könnte sagen, BYRDI sind die etwas geerdeteren WARDRUNA – weniger luftig und abstrakt im Konzept, mehr an den Moosen und Wurzeln interessiert als an den Blüten und Blättern. In jedem Fall scheint es unmöglich, der Kunst dieser beiden Herren mit irgendeiner Punktezahl gerecht zu werden. Eine Musik, die sich – in gewissem Sinne – so sehr gegen eine Quantifizierung sträubt, sollte man nicht gezwungenermaßen in solche Kategorien einordnen. BYRDI musizieren auf ihren eigenen Pfaden – wer sie begleitet möchte, der muss tatsächlich das Abenteuer eingehen und ihrer Musik mit offenen Ohren lauschen.

Trackliste:
01. Vardauger
02. Skare
03. Tuntroll
04. En Fullblods Byrde
05. Fanden Og Kvitekrist
06. Hovslag
07. Furer
08. Speilet
Spielzeit: 00:33:44

Line-Up:
Nash Rothanburg - Gesang, Schlagzeug, traditionelle Instrumente
Jørn Øyhus - Gesang, Gitarre, traditionelle Instrumente

Gäste:
Saareta - Violine
Henning Ramseth - World Stick
Jonathan Jancsary [Squiggofant]
20.06.2015 | 13:07
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