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Album:This Is No Fairytale
Genre:Black Metal, Symphonic / Epic Metal
Label:Season Of Mist
Bewertung:5 von 7
Releasedatum:23.02.15
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"Horror-Geschichten für Jung und Alt"

CARACH ANGREN aus Holland haben mit ihrem Horror Symphonic Black Metal schon fast ein eigenes Genres begründet. Keine andere Band verbindet Horrorgeschichten so organisch mit symphonischem Black [oder zumindest Extreme] Metal. Auch auf dem vierten Album „This Is No Fairytale“ setzen sie ihren Weg fort und nähern sich immer mehr einem soundtrackhaften Erzählen von Geschichten an.

Auf „This Is No Fairytale“ hat man das Gefühl, der Vertonung eines düsteren Märchenbuches oder, noch besser, einer Horror-Kurzgeschichtensammlung zu lauschen. Die Holländer gehen nämlich sehr straight forward zur Sache. Ihre Lyrics sind keine metaphorischen oder poetischen Beschreibungen von Horror, sondern Frontsau Seregor singt im Prosa detailgetreu über allerhand menschliche Abgründe. Dabei müssen zwei Punkte festgehalten werden. Erstens, CARACH ANGREN haben spätestens auf „This Is No Fairytale“ gelernt, wie man lyrische Geschichten und Metal perfekt miteinander kombiniert. Auf keinem [!] Song hat man das Gefühl, dass hier Musik und Lyrics separat voneinander entstanden sind. Vielmehr folgt die Musik genau der Dynamik der Texte und umgekehrt. Symphonische Elemente, soundtrackhafte Momente und metallische Raserei werden genau dann eingesetzt, wenn sie innerhalb der Geschichte gebraucht werden. Das ganze Album ist also ein Beweis für durchdachtes und wertvolles Songwriting. Zweitens, diese Prosa-Erzählungen wirken manchmal – und leider eher öfter als seltener – unfreiwillig komisch. Wenn Seregor voller Pathos ins Mikrofon schreit „His face seems friendly, but also kind of sick and... Ta-da!“ kann man das keine Sekunde erstnehmen. Es wirkt wie ein Trash-Horrorfilme, über den man sich im betrunkenen Zustand lustig macht. Auch Sätze wie „It's dinnertime in the residence of this psychopath” erinnern eher an die Kannibalismus-Szene aus der Fernsehserie "IT Crowd" als an einen brutalen und furchterregenden Horror-Streifen. Gleichzeitig gibt es aber auch Momente, in denen die Lyrics ideal formuliert sind und zusammen mit der Musik ein schönes Bild im Kopf entstehen lassen – so z.B. im Song „The Witch Perished In Flames“, in welchem es heißt, „she uses all her strength, to stab that fork deep into his neck“. Dieser Moment ist perfekt inszeniert. Letztlich lebt also „This Is No Fairytale“ von solchen Momente, die es natürlich – trotz der ungewollten Komik – immer wieder gibt. So gut diese Verbindung von Lyrics und Musik auch funktioniert, nicht jede musikalische Passage schafft es, eigenständig zu überzeugen. Gerade der Opener „There’s No Place Like Home“ klingt in den metallischen Phasen zu generisch [warum hat man eigentlich diesen Song an die erste Stelle gesetzt?]. Das Interlude „Dreaming Of A Nightmare In Eden“ könnte dafür, zumindest was den Beginn betrifft, auch von NIGHTWISH stammen, so süßlich mutet es an. Im Großen und Ganzen setzt man aber die symphonischen Elemente – gerade die Streicher – sehr gezielt und intelligent ein. Auch Sänger Seregor flüstert, schreit, singt und keift als gäbe es kein Morgen mehr und versucht, jedem Song seine ganz eigene Note zu geben. Die klare Produktion, die trotzdem Eier hat, tut sein übrigens.

CARACH ANGREN sind eine Band, die sich mit der äußeren Präsentation ihrer Musik unglaublich viel Mühe geben. Von den Promo-Fotos über das Cover-Artwork bis hin zu den Lyrics. Musik und visuelle und textliche Ästhetik verschmelzen zu einem Ganzen. Das ist ihre Stärke. Damit können sie über so manche generische musikalische Stelle hinwegtäuschen. Damit sind sie auch in der Lage, den Hörer/die Hörerin an das Album zu fesseln, weil man einfach von der Präsentation und von der Fusion von Kurzgeschichten und Musik begeistert ist. Wenn man das nächste Mal etwas weniger unfreiwillige Komik einbringt und die metallischen Teile noch etwas interessanter gestaltet, dann könnten CARACH ANGREN noch in die Metal-Geschichte eingehen. „This Is No Fairytale“ ist ein gutes und ein spannendes Album, aber kein Meilenstein. Fans von symphonischen Black Metal müssen die Scheibe trotzdem haben; einfach weil es momentan auf dem Markt nichts Besseres gibt.

Trackliste:
01. Once Upon A Time...
02. There's No Place Like Home
03. When Crows Tick On Windows
04. Two Flies Flew Into A Black Sugar Cobweb
05. Dreaming Of A Nightmare In Eden
06. Possessed By A Craft Of Witchery
07. Killed And Served By The Devil
08. The Witch Perished In Flames
09. Tragedy Ever After
Spielzeit: 00:44:13

Line-Up:
Seregor: - Gesang, Gitarre
Ardek - Keyboard, Orchestrierung
Namtar - Drums
Jonathan Jancsary [Squiggofant]
07.03.2015 | 16:00
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