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Album:Monotheist
Genre:Avantgarde/Electronica, Dark Metal
Label:Century Media
Bewertung:(Mattaru): 3.5 von 7
(AirRaids): 6 von 7
Releasedatum:29.05.06
CD kaufen:'Celtic Frost - Monotheist' bei amazon.de kaufen
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"Frust statt Frost"

1986 hatte ich als 14-jähriger Pimpf ein wirklich erhebendes Erlebnis in Sachen erfolgreiche soziale Abgrenzung. Nachdem sich die dümmsten der vielen 08/15 Dumpfbrote aus der 9. Klasse schon ganz gut durch meine Affinität zu MAIDEN und Konsorten von ergiebiger Kontaktpflege abhalten ließen, brauchte es doch einen anderen Sound, um als völliger Freako durchzugehen und die schlimme Teenagerzeit möglichst unbehelligt von den vielen grauenhaften 80’er Jahre-Trends hinter sich zu bringen. Eines Tages sah ich auf einem dieser frühen Musikkanäle im TV mein erstes CELTIC FROST-Video. Das war’s. Vertonte Bosheit, kranke Riffs, Kälte, die unaussprechlich satanisch war und das Beste: Am Mikro stand der Imperator aus „Star Wars“! Keine Thrash-Band klang so fies und doch so majestätisch dabei.

Es wurden in Windeseile „Morbid Tales“, „Emperor’s Return“ und „To Mega Therion“ angeschafft, drei Klassiker, die bis heute unerreicht sind, den Grundstein für viele Extrem Metal-Genres gelegt haben und immer noch einen Spirit ausstrahlen, der die meisten heutigen Dunkelheimer zu Kinderzimmer-Lachnummern deklassiert. Die Zeit, in der man auf ein neues Lebenszeichen dieses Schweizer Ausnahme-Trios wartete, wurde mit der Suche nach dem Frühwerk der Höllenbrut verbracht. Nachdem die Enttäuschung über die stümperhafte HELLHAMMER-EP wieder verklungen war (die Scheibe war sogar den Erzeugern selbst ultrapeinlich und hat erst von späteren Generationen Kultstatus verliehen bekommen – in den 80’ern hat man über das Teil gelacht und es dann verschenkt), erschien „Into The Pandemonium“, bis heute die maßgebliche Avantgarde-Metal-LP.

Und damit waren CELTIC FROST am Ende ihrer Kreativität angelangt und hätten sich eigentlich auflösen müssen. Stattdessen trennten sich die Jungs nur von ihrem Drummer, ließen sich Dauerwellen in die Haarpracht wickeln, zogen sich Stonewashed-Jeans an, entdeckten ihr Faible für CINDERELLA und POISON und nahmen 1988 mit „Cold Lake“ eine der schlimmsten Poser-Platten des Jahrhunderts auf, die nach Geldgier stank und gnadenlos floppte. Mit dem ein Jahr später folgenden „Vanity/Nemesis“ konnte man zwar ein wenig Boden wieder gut machen, doch die Flamme war ein für allemal erloschen. 1992 wurde mit der Best Of ein Schlussstrich unter das Kapitel CELTIC FROST gezogen.

Nun erheben sie sich aus der Asche, nachdem jahrzehntelang sämtliche Death- und Black Metal Musiker dieses Planeten von der Einzigartigkeit und der Pionierarbeit der Schweizer geschwärmt hatten. Und wie bei den meisten herbeigesehnten Comebacks geht auch dieses voll in die Hose. „Monotheist" enthält mit dem heftigen „Progeny“, dem böse groovenden „Ground“, dem doomigen „Domain Of Decay“ und dem grandios gerifften „Ain Elohim“ genau vier Tracks, die an frühere Glanztaten erinnern (und diese durchaus weiterentwickeln), weil sich hier die Wucht der spartanischen Gitarrenarbeit Fischers mit dem Groove Martin Ains und dem halbwegs authentisch eingesetzten Organ des Warriors innerhalb einer ausgesprochen guten Produktion verbindet.

Der Rest ist Schnarchnasen-Gothic Dark Metal der üblen Sorte. Völlig belanglose Anfänger-Riffs treffen zu oft auf weinerlichen Alternative-Gesang, der nicht abgedreht krank wie z.B. bei „Mesmerize“ klingt, sondern nette easy listening-Atmo verbreitet. Die obligatorische Gastsängerin kommt ebenfalls zu zweifelhaften Ehren. Tom sieht inzwischen aus wie eine Pandabär-Version von XAVIER NAIDOO und sein Gesang versprüht über die Gesamtdistanz der Scheibe nicht mehr halb so viel Abgründigkeit wie früher ein einziges „Uh“. Die stellenweise eingestreute Brutalität wirkt geplant und aufgesetzt – ein Jammer. Mag sein, dass die Lyrics noch einige Türen öffnen, aber leider fehlt meiner Promo das Textblatt, sodass die Musik für sich sprechen muss.

Nee Freunde und Eidgenossen, das war’s nicht. Bin gespannt, ob der aktuelle Medien-Hype reicht, um diesen Durchschnittssilberling in den Metal Olymp zu hieven. Hätte man die vier oben erwähnten Songs als EP veröffentlicht, hätte ich wahrscheinlich Freudentränen vergossen und mir die von der ängstlichen Plattenfirma schön zugepiepste CD als Edel-Edition noch mal besorgt. So aber fliegt das Teil einfach in die Belanglos-Kiste.

Unabhängig, was man von „Comeback“-Alben halten mag...es war klar, daß keine Veröffentlichung in diesem Jahr mit solcher Anspannung erwartet werden würde, als dies bei „Monotheist“ der Fall war. Über fünf Jahre hinweg konnte man an der Entwicklung des Albums mehr oder minder „teilhaben“, immer wieder wurden Gerüchte gestreut und dementiert, das Line-Up der Band oder die Machart der Stücke betreffend. Alleine der unterhaltsame Weblog Tom Warriors (in Kombination mit den beiden verfügbaren Versionen der Stücke „Ground“ und „Progeny“) bot eine Menge Raum für Spekulationen. Gerade letztere schienen wenig dazu angetan, den alten Celtic Frost-Freund zu begeistern.

Doch das Endprodukt schließlich zerstreut jegliche Erwartungen, die man hätte aufbauen können – positiv, wie negativ. „Monotheist“ entpuppt sich nicht nur als eine der besten Alben der Bandgeschichte (und ich meine damit im direkten Vergleich zu den Klassikern: „Cold Lake“ und „Vanity/Nemesis“ zähle ich nicht); sondern auch als Meilenstein des modernen extremen Metal, der mit den Veröffentlichungen jeder zeitgenössischen Band konkurrieren kann. Statt ein halbgares „Tales Morbid“-Album zu veröffentlichen, wie es vielleicht mancher meiner Altersgenosse erwartet haben mag, bzw. der schlichten Anbiederung an kommerzielle Trends zu frönen, sind Martin Ain und Tom Warrior in den letzten Jahren am Ball geblieben. Am Ball, was extreme Musik betrifft – denn diese wird heute vorwiegend von modernen Doom-Spielarten wie beispielsweise Funeral- und Drone-Doom geprägt. Und ohne mit den Veröffentlichungen von Bands wie SunnO))), Khanate, Bunkur, Planet AIDS, Runemagick, Nortt, Cult Of Luna, ISIS oder auch den Vertretern des modernen Blackmetal konkurrieren zu wollen, erreicht „Monotheist“ deren Format in jeder Hinsicht. Kurzum, das Album ist in erster Linie ein Hybrid aus den avantgardistischeren Schaffensphasen der Band und dem puren Geist von Hellhammer! Gerade die beiden Eröffnungsstücke des Albums, „Progeny“ und „Ground“ (in ihren Endversionen), bieten dem geneigten Hörer genau jene Form primitiver Zerstörung, wie er sie von den Demos der CF-„Vorgängerband“ kennt. Dies allerdings (wie beinahe das komplette Album) in einem nahezu perfekten Drone-Doomsound eingespielt. In eine ähnliche Kategorie fallen dann Stücke wie „Os Abysmi Vel Daath“ (Only Death Is Real – sic!), „Ain Elohim“ sowie der Rest der Stücke, welche Kollege Mattaru bereits aufgeführt hat.

Aber wenden wir uns den Stücken zu, die nicht in dieser Machart ausgefallen sind. „A Dying God Coming Into Human Flesh” ist eine düster vor sich hinbrütende, zutiefst melancholische Hymne und alles andere als „Schnarchnasen-Gothic Dark Metal”. Gleiches gilt für das Sisters Of Mercy-lastige „Drown In Ashes“ oder auch das perfekte, sich in einer extatischen Klimax steigernde „Obscured“. Diese Stücke unter anderem sind selbstverständlich etwas ruhiger ausgefallen und auch mit Frauengesang versehen, ohne jedoch in die gleiche schräg/experimentelle Ecke abzudriften als wie manches Material auf „Into The Pandemonium“. Im Gegenteil, hier fügt sich alles viel besser in das Gesamtkonzept der Scheibe ein, jeglichen Spaß- und Unterhaltungs-Aspekt („Mexican Radio“, „I Won’t Dance“) sucht man glücklicherweise vergebens! „Monotheist“ überzeugt auf eine äußerst ernsthafte und bedächtige Art- und Weise, genau so, als wie man es auch von gesetzten Herren und Pionieren des extremen Metal erwarten sollte. Tom Warriors Stimme ist angenehm gealtert, doch immer noch charakteristisch. Auch wenn es nur noch etwa zweimal „Uhh!“ und kein einziges „Hey!“ gibt, Herr Fischer steht immer noch für das Wort selbst. Tom Warrior und Martin Ain sind immer noch Celtic Frost, und erfinden sich wieder einmal neu! Den krönenden Abschluß des Albums bietet die Trilogie „Triptych I – III“, ihrerseits Fortsetzung des Stückes „Rex Irae“. Nach der Einleitung „Totengott“, infernalisch von Tom eingekreischt, kriecht das über 14-minütige „Synagoga Satanae“ aus den Boxen. Ein infernales Monument der Zerstörung...doomig, bohrend, zersetzend; textlich gespickt mit Wahrheiten vom Pfad zur Linken.

Das gesamte Albumkonzept an sich erklärt sich nach mehrmaligen Hördurchläufen von selbst, und macht die Scheibe auf ihre Weise sehr zugänglich. „Monotheist“ profitiert ganz offensichtlich vom erworbenen Wissen der Vergangenheit, ohne dabei von retrospektiver Stagnation zu zeugen. Fazit: Kein halbgares „Spaßmetal-Album“ für regressive, prototypistische „Altmetaller“ in Bierlaune. Vielmehr ein Meilenstein für versierte Metal-Experten mit Erfahrung, deren Musikverständnis nicht davor zurückschreckt, die vertraute, liebgewonnene Basis vertonter Teufelskunst mit neuer Extreme zu bereichern.


Trackliste:
01. Progeny
02. Ground
03. A Dying God Coming Into Human Flesh
04. Drown In Ashes
05. Os Abysmi Vel Daath
06. Obscured
07. Domain Of Decay
08. Ain Elohim
Triptych:
09. Totengott
10. Synagoga Satanae
11. Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)


Marcus Italiani [Mattaru]
29.05.2006 | 17:46
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