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Album:Century Media. Do It Yourself – die Geschichte eines Labels [Buch]
Genre:Death Metal, Gothic Metal, Power Metal
Label:Eigenproduktion
Bewertung:Keine Wertung
Releasedatum:23.04.12
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"Gelungener Blick hinter die Kulissen"

Schon immer mal neugierig gewesen, wie so ein Plattenlabel entstehen kann, sich dann entwickelt und sogar international Fuß fasst bzw. wie es eigentlich hinter den Kulissen aussieht? Dann ist das von Christian Krumm, durch „Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet“ bereits bekannt, verfasste „Century Media. Do It Yourself – die Geschichte eines Labels“ definitiv eine gute Adresse.

Warum? Weil Century Media Records sich über die letzten mehr als 20 Jahre hinweg zu einem der wichtigen „Major Labels“ im Metal gemausert hat – neben z.B. Nuclear Blast, Metal Blade, Relapse Records oder auch Roadrunner – und in vielerlei Hinsicht am Puls der Zeit war und ist – man denke nur an die aktuellen Scheiben von NAPALM DEATH, ABORTED oder auch PARADISE LOST. Interessant ist an dieser Stelle auch, dass Robert Kampf eigentlich letztlich aus purer Not bzw. Misstrauen gegenüber der bestehenden Plattenindustrie bei der Etablierung seiner eigenen Band – DESPAIR – ein eigenes Label ins Leben rief, das dann nach anfänglichen Hindernissen recht schnell Fuß fasste. Schön ist hierbei, dass das in sechs Abschnitte aufgeteilte Buch diese Entwicklung von Anfang an begleitet und auch die diversen Stolpersteine schonungslos benennt. Seien es nun die quasi aus dem Wohnzimmer koordinierten ersten Schritte, die ersten „richtigen“ Büroräume, die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen sowie die Erweiterung des Mitarbeiterstabs bis hin zur immer professionelleren Ausrichtung, die sich natürlich zwangsläufig auch mit dem DIY-Gedanken biss und auch für Meinungsverschiedenheiten bzw. Wechsel sorgte, bis hin zu den anfänglichen Zwistigkeiten bzw. dem Konkurrenzdenken mit dem Schwesterbüro in den USA, wobei letztlich immer die Förderung der Bands und der Musik selbst im Vordergrund stand – der Einblick, der hier gegeben wird, ist stets interessant geschrieben, geht zum Glück auch ehrlich mit eigenen Fehlern an und kommt ohne große Selbstbeweihräucherung aus. In diesem Zusammenhang kommen natürlich die Protagonisten, die vom Autor in zahlreichen Interviews zum Werdegang des Labels bzw. zu ihrer eigenen Rolle dabei befragt wurden [Robert Kampf, Waldemar Sorychta, Axel Hermann, Markus Freiwald etc.; warum bei Leif Jensen, langjährigem Promoter/A&R sowie inzwischen freiberuflich bei Century Media, immer nur vom „Sänger einer international tourenden Thrash-Band“ und nie namentlich von DEW-SCENTED die Rede ist, ist mir allerdings ein Rätsel], ausgiebig zu Wort, sodass ein ziemlich umfassendes Bild entsteht. Angereichert werden die sechs Kapitel [Teil 1: „Punkrock 1989–1994; Teil 2: Professionalisierung 1995–2001; Teil 3: Eines der größten Independents weltweit 2001–2006; Teil 4: „Diversity in Extremes“ 2006–2011; Teil 5: Century Media heute; Teil 6: Outtakes] noch mit jeweiligen Band-Porträts, die so in Ordnung gehen, allerdings ein wenig oberflächlich gehalten sind und eher als Mini-Steckbrief durchgehen [z.B. „Black Metal“, „Death Metal“, „Power Metal“, „Pagan Metal“ etc. mit den entsprechenden CM-Bands].
Und natürlich wird einem bei der Lektüre von „Do It Yourself“ vor allem bewusst, wie viele gute bis sehr gute Bands das Label entdeckt, gefördert und ins Rennen geschickt hat und wie viele herausragende Veröffentlichungen hieraus resultierten; hier seien exemplarisch nur MORGOTH, UNLEASHED, GRAVE, NEVERMORE, TIAMAT, THE GATHERING, LACUNA COIL, ORPHANED LAND, EYEHATEGOD, DEMOLITION HAMMER oder auch ICED EARTH genannt, während gerade die Abschnitte zu den „alten Zeiten“ schnell dazu führen, die alten Klassiker wieder einmal aus dem Regal zu ziehen und ganz bewusst mit diversen unterhaltsamen Details zu deren Entstehung erneut oder auch etwas anders zu hören. Da stören dann auch nicht die wenigen, dafür aber etwas ärgerlichen Rechtschreibfehler wirklich – so wird aus ASPHYX' „Deathhammer“ dann „Deafhammer“, aus KATATONIA dann KATANONIA, Santura von DARK FORTRESS schlägt in die Seiten und nicht in die Saiten und KILLSWITCH ENGAGE wird kurzum noch ein weiteres D an den Bandnamen angehängt –, die aber hoffentlich mit der zweiten Auflage behoben werden, oder auch die Tatsache, dass natürlich einige der angekündigten Alben des Jahres 2012 bei Erscheinen des Buches bereits längst veröffentlicht waren. Schön ist dann vor allem auch der abschließende Einblick [„Outtakes“] in den Alltag bei einer Plattenfirma; so kommen Promoter, A&Rs sowie ein Praktikant ziemlich offen zu Wort und zeigen sehr gut auf, dass manchmal die nötige Distanz bei Bands eben doch besser ist, dass es eben doch ein „ganz normaler Job ist“ oder dass alle mehr davon haben, wenn man Bands promotet, die nicht gerade zu den eigenen Lieblingsbands gehören, um Enttäuschungen zu vermeiden. Die wirklichen Interna werden hier – natürlich – nicht einfach ausgeplaudert, und das ist auch verständlich. Hinzu kommen dann noch allgemeine Einschätzungen zur heutigen Musikindustrie sowie deren Entwicklungen bzw. wie man als Label heutzutage dazu gezwungen ist, am Puls der Zeit zu bleiben und sich in diesem Zusammenhang zwangsläufig auch mit dem Thema „Zwischen Leidenschaft und Kommerz“ befassen zu müssen.

Kurzum: „Century Media. Do It Yourself – die Geschichte eines Labels“ ist ein rundum gelungenes Buch mit kleineren, aber zu verschmerzenden Ecken und Kanten geworden, das einen guten Einblick in die Geschichte von Century Media Records bietet, sehr flüssig geschrieben ist, dem Musikfan einen prima Überblick über die Tätigkeiten innerhalb der Musikindustrie bietet und aufzeigt, was dabei herauskommen kann, wenn man als Mini-Label bzw. Musiker einfach mal die Fäden selbst in der Hand behalten möchte und die Musik selbst immer treibende Faktor ist – auch wenn natürlich die wirtschaftlichen Aspekte schnell nicht mehr zu ignorieren sind und dann auch nicht mehr von Kleinstlabel gesprochen werden kann. Neben den anderen Buchveröffentlichungen aus dem Musikbereich, wie z.B. den Musiker- und Bandbiografien der letzten Zeit [Ozzy Osbourne, Randy Rhoads, Dave Mustaine, KREATOR etc.] oder auch solchen Titeln wie „Choosing Death“ und „Precious Metal“, definitiv mal eine andere Herangehensweise, sodass ich mir sicher bin, dass die anderen „großen“ Plattenfirmen nicht lange zögern werden oder bereits ähnliche Pläne haben, ihre jeweiligen Entstehungsgeschichten ebenfalls in Buchform zu präsentieren. Man darf gespannt sein! „Do It Yourself“ gibt es übrigens direkt im Verlag Schmenk sowie bei CM Distro für faire 18,90 Euro zu erwerben – es lohnt sich auf alle Fälle!

Trackliste:
Spielzeit: 00:02:08

Alexander Eitner [soulsatzero]
05.08.2012 | 19:54
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