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Album:Lost Signal (EP)
Genre:Post Rock, Post/Avantgarde Black Metal
Label:Agonia Records
Bewertung:Keine Wertung
Releasedatum:25.01.17
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"Werkschau, mal anders"

Ja nö. Natürlich ist das hier nicht das neue CODE-Album, wie ich anfangs selbst vermutet hatte. Die Band um Gitarrist Aort ist zwar produktiv und fix, aber so schnell nach der letzten und bei mir ungeliebten Platte "Mut" wieder was Neues auf die Beine zu stellen, das wäre vielleicht doch zuviel verlangt.

Stattdessen toben sich CODE mit "Lost Signal" in ihrem eigenen Studio so richtig aus und haben quasi ein halbstündiges Liveset auf eine 12" gebannt. Konkret heißt das: Songs aus allen Schaffensphasen und allen vier Alben der Band bekommen auf dieser Vinyl-EP grob denselben Sound verpasst und gleichen sich damit stilistisch aneinander an. Für "On Blinding Larks", "Cocoon" und "Affliction" vom doch sehr postrockig-sphärischen "Mut"-Album heißt das, dass die Gitarren jetzt durch einen anständigen Metalamp gejagt werden, die Texte auch mal gekreischt werden, das Arrangement deutlich gestrafft wurde, die Drums treiben dürfen und allen drei Songs auf einmal ganz beträchtliche Eier gewachsen sind. Ich bleibe dabei, dass "Mut" einfach hinsichtlich des Songwritings kein Meisterwerk ist, aber die drei Stücke gewinnen für meinen Geschmack durch ihr neues Gewand deutlich.

Jetzt möchte man vermuten, dass die zweite Hälfte der EP, nämlich "The Rattle Of Black Teeth" vom zweiten Album "Resplendent Grotesque", "The Lazarus Chord" vom Drittwerk "Augur Nox" und "Brass Dogs" vom "Nouveau Gloaming"-Debüt, im Umkehrschluss qualitativ durch einen softeren, rockigeren Sound abfallen müsste. Das ist tatsächlich nicht der Fall. "The Rattle Of Black Teeth" ist in seiner neuen Version eine überraschend spannende Sache. Das neue, luftigere und gezähmtere Arrangement, zudem der saubere, analoge Sound der EP sorgen dafür, dass man Details und Stimmungen in dem Song wahrnimmt, die vorher durch die recht eindimensionale Black-Metal-Interpretation zu kurz kamen. Für "The Lazarus Chord" gilt das nicht so sehr, der Song ist meinem Geschmack nach ohnehin etwas zerfahren und wenig zielführend. Das klug an den Schluss gesetzte "Brass Dogs" zeigt dann aber noch einmal: Einen guten Song kann man so wenig durch eine andere Interpretation versauen, wie man einen schlechten durch eine aufgedonnerte Produktion rettet. In diesem Fall trifft ersteres zu - einer der großen Songs des vor Flair überquellenden Debütalbums, die auch den Weggang des damaligen Sängers Kvohst überstanden haben, ist auch heute noch groß. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Durch den grummeligen Sound, das walzende Tempo und die düsteren Effekte wirkt der Song im Grunde fast intensiver als das Original.

CODEs relativ kluger Schachzug, mit "Lost Signal" alte und neue Verehrer miteinander zu versöhnen, ist für mein Dafürhalten also aufgegangen. Es bleibt die große Erkenntnis: Jetzt fehlen den "neuen" CODE nur noch die genialen neuen Songs. Wünschen wir ihnen, dass sie ihr Signal demnächst wiederfinden.

Trackliste:
1. On Blinding Larks
2. Cocoon
3. Affliction
4. The Rattle of Black Teeth
5. The Lazarus Cord
6. Brass Dogs
Spielzeit: 00:30:10

Florian Dammasch [Alboin]
18.01.2017 | 11:36
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