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"Melancholie aus Italien Teil Drei"
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"Der irre Trip des Devin T." | ||||||||||||||||||
| Ach, wie ist das schön! Der berüchtigste, positiv bekloppte Mann des gesamten Metal-Business ist zurück. Zwar nicht ganz so schnell, wie noch gegen Ende 2009 angekündigt, dafür aber wenigstens gleich im Doppelpack. Soll heißen, dass das von Beginn an auf vier Alben ausgelegte DEVIN TOWNSEND PROJECT nun mit einem Jahr Verspätung auf einen Schlag vollendet wird. Der dritte Teil [und somit quasi der direkte Nachfolger von „Addicted“] hört auf den Namen „Deconstruction“ und sollte unbestätigten Gerüchten zufolge wieder um einiges härter ausfallen und in die gleiche Kerbe schlagen, wie Townsends vor wenigen Jahren aufgelöste Prügelcombo STRAPPING YOUNG LAD. Townsend selbst relativierte dieses Gerücht bereits Ende 2009 im Interview wieder und wies lediglich daraufhin, dass „Deconstruction“ ein paar vergleichbare Elemente enthalten werde und trifft damit den Nagel ziemlich auf den Kopf. Denn es gibt sie tatsächlich immer wieder, die aggressiven Momente, die man auch von den STRAPPING YOUNG LAD-Alben her kannte, dennoch laufen Townsend und seine Mitmusiker nie wirklich Gefahr, diese bloß zu kopieren. Es sind einzelne Elemente des Covers von „Deconstruction“, die einen auf die Fährte zu führen scheinen, wie man sich die Musik darauf vorstellen kann. Abgebildet ist dort unter anderem eine riesige futuristische Konstruktion mit einem Katzenkopf, die stark an die berühmte Grinsekatze aus „Alice Im Wunderland“ erinnert. Im Zusammenspiel mit der Dunkelheit und der tristen, beklemmenden Atmosphäre, wirkt das Ganze wie das Eingangstor zu einem Horror-Freizeitpark, geschaffen vom Meister des Morbiden und Düsteren, Tim Burton. Und während der wirklich herausragend gute, aber noch eher ruhige Opener „Praise The Lowered“ [mit Anleihen an die Frühwerke des PETER GABRIEL] wie die Autofahrt zu besagtem Park anmutet, bei der einem schon ein paar surreale Gestalten über den Weg laufen, hat man dann mit „Stand“ den Eintritt bezahlt und schaut sich mal um, was es so gibt. Man lugt überall mal vorsichtig rein und erhält einen ersten Eindruck davon, was einen noch so erwartet. Schließlich setzt man sich in eine Geisterbahn namens „Juular“, die einen vorbei an gespenstischen Abdrücken von kleinen Gesichtern führt, welche in einen Chor einstimmen und Unheilvolles ankündigen. Die Bahn nimmt immer mehr Fahrt auf und droht fast zu entgleisen. Gerade noch rechtzeitig ist der rasante Ritt vorbei und als man wieder nach draußen kommt, realisiert man erst, dass man zwar scheinbar der einzige Mensch im ganzen Park ist, alleine ist man aber definitiv nicht. Unerklärliche Dinge passieren fast im Minutentakt, egal wo man auch hinsieht und die Atmosphäre wird immer beklemmender. Auch wenn sich bei „Planet Of The Apes“ stellenweise ein Engelschor zu Wort meldet, kann auch dieser einem nicht wirklich aus der vermeintlich verzwickten Lage heraus helfen. So landet man wie von Geisterhand geschoben plötzlich in einer gnadenlosen Achterbahn namens „Sumeria“, die mächtig an Fahrt aufnimmt, um immer wieder völlig unvermittelt zum Stillstand zu kommen, sodass man mehrmals mit den Zähnen auf den Überrollbügel schlägt. Hochhausgroße Dämonen künden dazu vom Ende der Welt. Starr vor Schreck flüchtet man sich noch in eine Traumwelt, die einer Spieluhr entsprungen scheint und gleitet sanft in „The Mighty Masturbator“ über. Aber natürlich ist der Zustand der Trance nur vorübergehend und als man wieder seinen klaren Verstand zurückerlangt hat, findet man sich gefesselt auf einem Tisch als Zuschauer einer völlig überzogenen Dämonen-Musical-Revue wieder, die nach minutenlangem Zickzackkurs letztendlich in einem großen Finale mit Schunkelmelodie und Frauenchören mündet. Doch während man gerade - schmunzelnd ob des Endes - das Theater des Schreckens verlässt, bricht der unerbittliche Sturm „Pandemic“ über einen herein. Blitze zucken quer über dem Freizeitpark, der Regen peitscht einem mit voller Macht ins Gesicht, bis man völlig die Kontrolle verliert und schutzlos den Gewalten der Natur ausgesetzt ist. Plötzlich kurze Stille und dann dringt ein angestrengt in die Freiheit entlassener Leibwind ans Ohr. Angewidert läuft man nach links durch die nächste Türe und landet in „Deconstruction“ - einem völlig wahnsinnigen Spiegelkabinett, in dem man auch schon mal den Boden unter den Füßen verliert. Mit einem nicht minder ekligen Rülpsgeräusch kommt man schließlich zum Ausgang und beschließt, den Park zu verlassen und zum Auto zurückzukehren. Mit dem „Poltergeist“ im Nacken wird dieses Unterfangen allerdings zur anstrengenden Hetzjagd. Schweißgebadet und ausgezehrt erreicht man schlussendlich sein Gefährt und zwei Dinge sind sofort klar: auf der Heimfahrt läuft das entspannende „Ghost“, aber es wird dennoch gewiss nicht der letzte Besuch im „Deconstruction“-Park gewesen sein. Auch wenn ihm nicht jeder folgen kann [oder mag], mit „Deconstruction“ beweist Devin Townsend einmal mehr, dass er ein verdammtes Genie ist! Krank, spooky, völlig überdreht und over the top sind diese gut 70 Minuten, aber sie sind gewiss niemals langweilig, sondern immer enorm abwechslungsreich. Selbst die Tatsache, dass sich eine ganze Riege erstklassiger Gastmusiker auf dem Album verewigt hat [z.B. Mikael Akerfeldt [OPETH], Joe Duplantier [GOJIRA], Paul Masvidal [CYNIC], Greg Puciato [DILLINGER ESCAPE PLAN], Fredrik Thordenal [MESHUGGAH] und Floor Jansen [Ex-AFTER FOREVER]], ist zwar beeindruckend, verkommt aber zur Randnotiz, da man den einen oder anderen Gast zwar fraglos wieder erkennt, Townsend aber niemals auch nur für eine Sekunde die Zügel aus der Hand gibt. Er ist der große Zampano, er sagt wo es lang geht und das ist auch gut so, denn ohne ihn wäre die Welt ein großes Stück langweiliger! | ||||||||||||||||||
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Durchschnittliche Leserwertung: 7.0 / 7 Punkten
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Kommentar von: Lord Abort
Wertung: 7/7 | 22.06.2011 -- 11:29
Kommentar von: F
Wertung: 7/7 | 10.06.2011 -- 10:30








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