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"Der Soundtrack zur Selbstaufgabe" | ||||||||||||||||||
| Aus einem seit 1974 politisch geteilten Land melden sich die nahezu unbekannten DICTATOR, deren einziges Band-Mitglied mittlerweile sein Heimatland satt hat und ausgewandert ist. Ob es vielleicht daran lag, dass die Arbeiten zu "Dysangelist" enorm anstregend gewesen sein müssen? Jedenfalls klingt das in seiner Form sicherlich beispiellose Debüt so, als ob der Mann hinter dem Projekt nach mehr als nur einem bloßen Ventil für seine Gemütszustände gesucht hat. So etwas wie einen "schnellen Einstieg" gibt es bei vier Stücken, die durchschnittlich zwanzig Minuten dauern, nur auf dem Papier. Viel mehr sinkt man ein und harrt der Klänge, die da kommen mögen. Zähflüssigste Funeral-Doom-Lava mit einem schön schwarzen, depressiven Anstrich fließt [am besten] aus den Kopfhörern, welche entfernt an spätere NORTT, DISEMBOWELMENTs "Transcendence Into The Peripheral", "Into Darkness" von WINTER oder an all die "musikalischen" Machenschaften von Pseudo-Selbstmördern erinnern, wenn letztere denn nur die Ideen hätten, um Songs solcher Länge auch ansprechend zu gestalten. Im langsamsten Kriech-Tempo läuft das Geschehen in fast schon surreal deprimierenden Dimensionen ab, dass es einem das Herz zerreißt, wenn diese alles zerschmetternden Melodien auf einen einschlagen und jede andere Scheibe vergessen lassen. Was für das von so genannter Professionalität gebeutelte Ohr als "kakophonisch" gelten mag, klingt hier genau richtig. Das Damokles-Schwert in Form der Megatonnen wiegenden Klavier-Begleitung hängt über jedem Schritt des Protagonisten; in jedem Stück trifft es ihn immer dann, wenn er zum Finale ausholt und es die Brustmitte treffen lässt. Jeder Aufschrei erschüttert das Mark, insbesondere weil solche Authenzität, vor allem aber so viel Hingabe im Black-Metal-Bereich keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Was allerdings noch viel erstaunlicher sein dürfte: Alle vier Epen hier basieren auf demselben Grundrezept, derselben zermürbenden Atmosphäre sowie ungefähr denselben Aufbauten, werden aber dennoch nie langweilig. Auf wie viele verschiedene Art und Weisen monoton dahin rollende Musik noch begeistern kann, zeigt jedes Stück für sich. "Sanctus" zerstört einen ganz anders als zum Beispiel "Phantom Cenotaphium", auch wenn sie rein oberflächlich sehr viel gemeinsam haben. Die Songs verhalten sich zueinander eher wie vier Brüder, welche einzeln zwar unglaublich massiv wirken, aber erst im Kollektiv die wahre Apokalypse vom Zaun lassen. Unterschiede in Sachen Qualität sind auf so einem hohen Niveau daher praktisch nicht mehr auszumachen. Davon abgesehen wundert es mich jedoch keineswegs, warum "Dysangelist" auf einem Label veröffentlicht worden ist, das vor kurzem schon wieder dicht gemacht hat: Diesem Monstrum widerstrebt es einfach, bloße "Hörer" oder "Fans" zu finden und versperrt diesen Leuten mit seiner unendlichen Düsternis, epischen Spielzeiten sowie dem absolut kompromisslosen Geschleiche den Zugang zu seinem Inhalt. Und gerade wegen dieser Eigenschaft lege ich dieses Album gerne noch hunderte Male auf. | ||||||||||||||||||
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