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Album:Naishikyo-Sekai
Genre:Avantgarde, Death Metal, Progressive
Label:Season Of Mist
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:14.11.08
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"Schwindelanfälle inklusive"

Jeder weiß, dass Japaner einen an der Klatsche haben. Auch im Metal-Bereich haben sich japanische
Bands oft durch ihre Extravaganz ausgezeichnet – man denke nur an C.S.S.O. oder SIGH. Das nächste Glied in dieser Kette: GONIN-ISH. Deren zweites Album "Naishikyo-Sekai" erfreut sich dieser Tage endlich seinem weltweiten Release. In ihrem Heimatland erschien der Dreher schon im Jahre 2005 und ist somit zumindest für die Band und absolute Insider ein alter Hut. Wer auf abgedrehte Musik steht, kann sich jetzt jedenfalls ein drittes/erstes Ei in die Hose freuen, denn "Naishikyo-Sekai" hat es wirklich in sich.

Die Band geht die Sache nicht sehr zimperlich an: Gleich mit dem Intro "Tokoyami Kairou" wirbeln die quirligen Kerle und die Frontfrau/Gitarristin derart los, dass einem doch glatt ein wenig schwindelig werden könnte. Pfeilschnelle Gitarrenduelle, dominante, ebenfalls flotte Keyboard-Läufe und allerlei Chaos. Progressiv ist das auf jeden Fall. Puh. Dabei sparen die Japaner die gewöhnungsbedürftigste Komponente zuerst aus: Der Gesang von Anoji. Die Frau mit den sehr langen Haaren durchlebt während dieser Platte wahrlich viele Gefühlslagen und wechselt zur Untermalung zwischen leisem Flüstern, normalem Gesang, tiefen Grunts, hektischen Kreischern und anderen Stilen hin und her. Trotzdem klingt das Ganze zum Glück weder nach Trällerelsen-Metal noch nach ARCH ENEMY. Sagen wir es so: Ich kann verstehen, wenn jemand vor Anoji kapituliert. Mir persönlich gefällt es – oft auch gerade wegen ihr, denn fast in jedem der sechs Songs gibt es einen Moment der Klarheit in denen Anoij für die Schönheit des großen Ganzen verantwortlich ist. Musikalisch gibt es eine Reise in die letzten paar Jahrzehnte verqueerer Musik: Normaler Prog, ein wenig Jazz, bzw. Fusion, Art Rock, aber auch eine satte Prise Death- und Thrash Metal addieren sich zu einer konsequenten Schubaldenverweigerung auf. Das Besondere an GONIN-ISH ist auf jeden Fall, dass die Band so gut wie niemals still steht: Es gibt kaum Ruhepausen, immer passiert irgendwas. Typisch japanisch also, grell und bunt. Mit anderen Bands kann man GONIN-ISH nur mit der Brechstange vergleichen, also lass ich es besser gleich sein. Unter den Stücken [im Schnitt Spielzeiten von sieben bis zwanzig Minuten] gibt es jedenfalls keine Ausfälle zu verzeichnen, aber es fällt auch gleichzeitig sehr schwer, ein Highlight auszuwählen, da jeder Song durch seine doch sehr individuellen Höhepunkte glänzt.

Wer jetzt immer noch keine Ahnung hat, wie GONIN-ISH klingen: Ich selbst kann das nach mehrmaliger Einfuhr der Platte auch nicht so genau sagen. Für manche sollte das schon Kaufargument genug sein. Halten wir fest: Wer es bunt, progressiv, wechselbadig, originell, abgefahren, zuweilen psychedelisch, wirr, virtuos und irgendwie japanisch mag, der kann mit "Naishikyo-Sekai" eigentlich nicht viel falsch machen. Klarer Fall von zu Hause ausprobieren.

Trackliste:
01. Tokoyami Kairou
02. Narenohate
03. Shagan No Tou
04. Jinbaika
05. Muge No Hito
06. Akai Kioku
Spielzeit: 00:55:34

Line-Up:
Anoji Matsouka – Vocals, Guit
Fumio Takahashi – Guitar
Oyama Tetsuya – Bass
Masashi Momota – Keyboard
Gaku Yamaguchi – Drums
Michael Siegl [nnnon]
11.11.2008 | 23:40
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