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Album:Need To Believe
Genre:Hard Rock
Label:Nuclear Blast
Bewertung:5 von 7
Releasedatum:04.09.09
CD kaufen:'Gotthard - Need To Believe' bei amazon.de kaufen
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"Der schönste Anachronismus des 21. Jahrhunderts"

GOTTHARD sind ein kleines Phänomen: Obwohl völlig rückwärtsgewandt, eilen sie in der Welt des Hard Rock von Erfolg zu Erfolg, haben wie kaum eine andere Combo ein Gespür für zwingende Melodien und sind nicht umsonst die national erfolgreichste Band der Schweiz.

Daran wird sich auch mit dem neuen Output „Need To Believe“ nichts ändern. Einmal mehr lautet die Frage: Wie viele Hits befinden sich auf der Scheibe? Hat man das nächste „Anytime, Anywhere“ oder „Top Of The World“ am Start? Mal sehen: Die Hookline im Opener drückt schon mal mächtig. Die zweite Nummer „Unspoken Words“ ist Easy Listening – US Rock, nichts Berühmtes, tut aber auch nicht weh. Der Titeltrack „Need To Believe“ markiert die typische GOTTHARD-Ballade mit Riesen-Chorus, bei der die Mädchen weinen würden, wenn die Combo Fans unter 35 hätte [Scheiße, das war natürlich nur Spaß, liebe GOTTHARD-Teenies]. Hier standen AEROSMITH deutlich Pate, was die Struktur und den Spannungsbogen des Songs angeht. Das Popliedchen „Unconditional Faith“ hätte man sich mit seiner BON JOVI-Kleistertechnik gerne sparen können. „I Don’t Mind“ ist dagegen der erste Über-Hit des Albums. Locker-flockiger Rocker mit großer Hookline im Chorus und der berechnenden, aber sympathischen Coolness der Poser-Tradition großer vergangener Tage. Das folgende „Break Away“ ist mir persönlich ein bisschen zu deutlich aus dem Tyler/Perry-Kanon geklaut worden – hat vielleicht etwas damit zu tun, dass Star-Produzent Rich Chicky seine Finger im Spiel hatte. Dafür kann „Don’t Let Me Down“ wieder mit allem glänzen, was man 1989 für einen weltweiten Nummer 1-Hit gebraucht hätte: Balladen schreiben können sie einfach, die Jungs aus dem Alpenländle. Und mit Steve Lee hat man auch die Stimme, die einfach alles umsetzt, was man als Musiker so an Vorgaben für vokalakrobatische Höhenflüge parat hat: ein ewig junger Coverdale, der Kerl. Härter geht’s in „Right From Wrong“ zur Sache, das mit ein paar Überraschungen aufwartet, gut vorantreibt und insgesamt etwas sperriger wirkt. Nächster Anwärter auf eine Single-Auskopplung und in der Dramaturgie starker WHITESNAKE-Hymnen verwurzelt, ist der Earcatcher „I Don’t Know You Know“, bevor mit „Rebel Soul“ der härteste Song des Albums das große Finale einläutet. „Tears To Cry“ ist der perfekte Schmachtfetzen, den man mit Herz, Hirn und erneut großartiger Gesangsleistung umsetzt.

Fazit: GOTTHARD schielen wieder in Richtung US-Markt, sprich „Human Zoo“ und Konsorten, sind dabei aber nicht so dumm, die Härte vollkommen zu den Akten zu legen wie noch vor einigen Jahren. Die Produktion drückt, und die Hitdichte der Kompositionen ist deutlich höher als auf dem direkten Vorgänger. Das Meisterwerk „Lippservice“ wird damit zwar nicht vom Thron der „Post-D-Frosted-Ära“ gestoßen, aber auch so bleiben GOTTHARD der schönste Anachronismus des 21. Jahrhunderts.

Trackliste:
01. Shangri-La
02. Unspoken Words
03. Need To Believe
04. Unconditional Faith
05. I Don't Mind
06. Break Away
07. Don't Let Me Down
08. Right From Wrong
09. I Don't Know, You Know
10. Rebel Soul
11. Tears To Cry
Spielzeit: 00:44:10

Line-Up:
Steve Lee – Vocals
Leo Leoni – Guitar
Freddy Scherer – Guitar
Marc Lynn – Bass
Hena Habegger - Drums
Marcus Italiani [Mattaru]
11.09.2009 | 19:52
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