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Cover von Grift -- Arvet
Band: Grift bei Facebook Metalnews nach 'Grift' durchsuchenGrift
Album:Arvet
Genre:Atmospheric Rock, Black Metal
Label:Nordvis
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:08.09.17
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"Black Metal von 1870"

In einer Welt, in der auch Black Metal immer mehr gut geplantes Entertainment ist, in dem so viele Musiker von Einsamkeit und Depressionen sprechen, aber nach jedem Konzert mit 50 neuen Fans bei Facebook befreundet sind und man nie genau weiß, was Image und was Show ist, ist ein Projekt wie GRIFT eine echte Wohltat. Erik Gärdefors, der hier alle Zügel von der Komposition über die Aufnahme bis zur Gestaltung seiner Veröffentlichungen selbst in der Hand hält, ist kein Showmaster. Er ist tatsächlich der zurückgezogene, introvertierte, aber auch eigensinnige Musiker, als den man ihn auf seinem Erstling "Syner" ebenso wie auf dem neuen Album "Arvet" erleben kann. Ein Mensch, der unter der Last moderner Existenz hörbar leidet, sich in ein Holzhaus ohne Toilette und warmes Wasser zurückgezogen hat (es handelt sich um das Gebäude auf dem Cover) und sogar - als Schwede - auf die zweifelhaften Annehmlichkeiten von IKEA-Klimbim verzichtet.

Und so klingt "Arvet" noch mehr als "Syner" wie die vertonte Notwendigkeit, einem kalten, melancholischen südschwedischen Winter einen kreativen Sinn zu geben. Noch mehr als der Vorgänger ist "Arvet" ein Album wie aus einem anderen Jahrhundert. Es ist hölzern, es knarrt, riecht nach Harz, Kerzenwachs und dem Staub auf alten Büchern. Es klingt nach dem nächtlichen Wald von Kinnekulle, ist düster, beängstigend und bewegend. Dabei kommt zwar noch immer melancholischer, erdiger Black Metal als Grundsubstanz des Sounds zum Tragen (wunderschön und berührend zum Beispiel in "Utdöingsbygd"), wird aber mehr als zuvor durchzogen von folkigen Elementen und Akustikgitarren ("Flyktfast"), den uralten Klängen eines Psalmodikons zu Naturgeräuschen ("Morgon på Strömsholm" zum Beispiel ist sooo ein schauriges Stück Musik) oder verhallten Percussiongeräuschen. Mitunter würde ich sagen, dass der GRIFT-Sound bis weit in den Atmospheric Rock-Sound erweitert wurde. Damit schafft es Erik, seinem Grundgefühl einer ungreifbaren Nostalgie nicht nur in Worten und geschmackvollen Bildern, sondern auch in eindringlichen Kompositionen Ausdruck zu verleihen. Das gelingt hier mehr als auf vorigen GRIFT-Veröffentlichungen auf eine einzigartige Art und Weise, die mit keiner mir bekannten Band vergleichbar ist.

Obwohl "Arvet" mit seinen knapp 35 Minuten kein langes Album geworden ist, ist es ein reichhaltiges, abwechslungsreiches, atmosphärisches und vor allem authentisches Stück Kunst, mit dem man viel erleben kann. Es macht den Sonnenschein der frühen Herbsttage ein bisschen sanfter, das Gefühl des schwindenden Sommers wehmütiger, der Herbst riecht ein Stück süßlicher, und der Wind, der die Blätter von den Bäumen weht, scheint ein Stück willkommener, wenn man es hört und anschaut. Wer irgendein Interesse daran hat, Black Metal mal wieder abseits der Unterhaltungsindustrie ganz still und nachdenklich zu erleben, darf an "Arvet" nicht vorbeigehen.

Trackliste:
1.Flyktfast
2.Den stora tystnaden
3.Glömskans järtecken
4.Morgon på Strömsholm
5.Utdöingsbygd
6.Nattyxne
Spielzeit: 00:34:56

Line-Up:
Erik Gärdefors - alles
Florian Dammasch [Alboin]
10.09.2017 | 15:09
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