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Album:À l'âme enflammée, l'âme constellée...
Genre:Ambient, Avantgarde, Black Metal
Label:Sepulchral Productions
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:09.07.13
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"Kanadische Klangcollagen!"

Fast sechs Jahre haben Fans und Underground-Fetischisten auf den Nachfolger des grandiosen Debüts “ Il Était une Forêt...“ von GRIS gewartet. Und jetzt ist dieser in Form einer Doppel-CD, die auf den Namen „À l'âme enflammée, l'âme constellée...“ hört, endlich da. Interessanterweise war die Ankündigung nicht mit so einem großen Hype verbunden, wie man vielleicht hätte erwarten können – hat es nach nur einem Album doch zu lange gedauert, bis der Nachfolger gekommen ist? Sei es wie es sei, GRIS sind auf jeden Fall wieder da und setzen uns mit „À l'âme enflammée, l'âme constellée...“ ein knapp 80-minütiges Album vor. Das muss man erstmal verdauen.

Denn GRIS haben sich verändert und sich deutlich von ihren Wurzeln entfernt [man vergesse nicht die Scheibe, die die beiden Herren noch unter dem Namen NIFLHEIM aufgenommen haben]. Vom klassischen depressiven Black Metal sind nur noch Fragmente [vor allem der manchmal an Kvaforth erinnernde Gesang] übrig geblieben, stattdessen versucht man nun mit avantgardistischen Klangwänden, die mithilfe von Tribal-Drums, Neofolk-Gitarren, Chello und Violine erzeugt werden, zu überzeugen. Dabei soll natürlich immer die melancholische Grundstimmung erhalten bleiben [man höre sich zum Beispiel den ersten Track der zweiten Scheibe „Moksha“ an]. Durch diese künstlerische Vielfalt und durch den hohen Anspruch, den GRIS sich hier offensichtlich selbst auferlegt haben, ist „À l'âme enflammée, l'âme constellée...” kein einfaches Album geworden. Hin und wieder wirkt es zu langgezogen. Die Avantgarde-Spielereien können nicht immer darüber hinwegtäuschen, dass es an Spannungsbögen fehlt, welche die einzelnen Songs wirklich tragen können. Anders gesagt, es ist wichtig, dass die Songs von einem roten Faden zusammengehalten werden, so dass man nicht das Gefühl hat, dass man hier nur einer reinen Klangcollage lauscht. Allerdings macht natürlich gerade auch das Fehlen einer fixen Struktur die Stärke von „À l'âme enflammée, l'âme constellée...” aus, denn man wird ständig überrascht, man kann sich enorm treiben lassen und sich selbst in der Musik verlieren. Wenn man zum Beispiel dem letzten Track der ersten Scheibe „Dil“ lauscht und die AGALLOCHesken Momente [man denke an „Sowilo Rune“ und die gesamte „The White“-EP] in sich aufnimmt, dann ist das eine wunderbare siebenminütige Reise, die vieles in den Schatten stellt, was in der letzten Zeit in der Metalwelt so veröffentlicht wurde. Zärtliche Soundcollagen und gezupfte Sounds laden einen über das ganze Album verstreut ein, hängen zu bleiben, zuzuhören und diese Stimmung in sich aufzunehmen. Und auch wenn es auf beiden CDs zwei lange Songs gibt [„Les Forges“/„Igneus“ u. „Seizième Prière“/“Une Épitaphe de Suie“], so sind die restlichen Tracks, die um diese gebaut werden, keineswegs reine Unterstützung, sondern eigenständige Songs, welche die Atmosphäre noch weiterführen. „À l'âme enflammée, l'âme constellée...” erfordert dabei vor allem zwei Dinge – Geduld und Zeit. Es macht keinen Sinn, irgendeinen Hit-Song zu suchen oder das Album nur nebenbei zu hören. Hier muss man auf die Details achten und man muss sich in dieser Soundwand verlieren. Wenn einem das nicht gelingt, dann wird man Schwierigkeiten haben, diese Scheibe wirklich genießen zu können.

GRIS beweisen mit „À l'âme enflammée, l'âme constellée...” großen Mut und erinnern von ihrer Musik her irgendwie an eine Mischung aus AGALLOCH, alten Neofolk-Bands, FINNR’S CANE, SOMBRES FORÊTS, NEST und Shoegaze-Bands wie ARCTIC PLATEAU. Man könnte natürlich sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben. Und in der Tat scheint dies manchmal passiert zu sein – vielleicht hat man zu viel gewollt. Andererseits ist das so ein verdammt mutiges Album, das mit so wunderbaren Momenten und Songs aufwarten kann, dass man nur hoffen und beten kann, dass mehr Bands endlich einmal die Eier aufbringen würden, solche Musik zu veröffentlichen. Mit einem zugekniffenen Auge bekommen GRIS deshalb sechs Punkte, auch wenn einzelne Stellen von „À l'âme enflammée, l'âme constellée...” noch nicht ganz hinhauen.

Trackliste:
CD 1:

01. L'aube
02. Les forges
03. Samsara
04. Igneus
05. Dil

CD 2:

01. Moksha
02. Seizième prière
03. Sem
04. Une épitaphe de suie
05. Nadir
Spielzeit: 01:20:33

Line-Up:
Icare: Gesang, Drums, Chello
Neptune: Gitarre, Bass, Violine
Jonathan Jancsary [Squiggofant]
03.08.2013 | 15:37
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