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Album:Screamworks: Love In Theory And Practice
Genre:Alternative, Gothic Rock
Label:Warner Music
Bewertung:4.5 von 7
Releasedatum:12.02.10
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"Die Rückkehr der schwulen Keyboards"

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit HIM mit „Venus Doom“ ihr sechstes Studioalbum unter das Volk gebracht haben, nun steht mit „Screamworks: Love In Theory And Practice“ ihr neuestes Werk in den Startlöchern.

Mit ihrem 1998 in Deutschland veröffentlichten Debüt „Greatest Lovesongs Vol. 666“ ist HIM seinerzeit nicht nur ein bemerkenswerter Einstand gelungen, sie haben sich mit dieser Platte auch gleichzeitig die qualitative Messlatte recht hoch gesetzt, woran sie bislang [nach Meinung des Rezensenten] ausschließlich gescheitert sind. Lediglich der direkte Nachfolger „Razorblade Romance“, der hierzulande Anfang des Jahres 2000 in die Läden kam, konnte mit der - fortan konsequent durchgezogenen – wesentlich poppigeren Ausrichtung, aber durchweg starkem Songmaterial überzeugen. Nach drei weiteren Alben, auf denen sich HIM nur noch als Schatten ihrer eigenen Glanztaten präsentierten nahmen sie sich zuletzt auf „Venus Doom“ bewusst vor – so Valo damals – die „schwulen Keyboards“ dezenter zum Einsatz bringen. Der Plan ging damals gut auf, das Album wirkte rauer und konnte das im Laufe der Jahre mit Nachdruck „erarbeitete“ Heulbojen-Image der Band wieder etwas abstreifen. Umso weniger ist die Entscheidung nachzuvollziehen, warum man in dieser Beziehung jetzt so konsequent zurückrudert und fast jede der 13 neuen Nummern nur so mit klebrig-käsigen Keyboards zukleistert. Vermutlich ist der Grund dafür aber einfach so banal wie aus künstlerischer Sicht unromantisch: das etwas sperrigere „Venus Doom“ diente HIM zwar dazu, sich in Kreisen der Kritiker und der Fans der ersten Stunde zu rehabilitieren, die Verkaufszahlen entsprachen aber wohl nicht den durch die vorangegangenen Erfolge geweckten Erwartungen. So sind die Stücke auf „Screamworks: Love In Theory And Practice“ nun nicht nur wieder wesentlich leichter zugänglich komponiert, auch in puncto Länge hat die Band sie wieder auf das radiotypische Format getrimmt. Lediglich die Ballade „Disarm Me [With Your Loneliness]“ überschreitet die obligatorische Vier-Minuten-Marke, allerdings auch nur um eine einzige Sekunde. Aber a propos Ballade: obwohl selbstverständlich mal wieder die Themen Liebe, Tod und Trauer den Stoff liefern, aus dem Ville Valo's Texte größtenteils geschneidert sind, hält sich der Balladenanteil doch ziemlich in Grenzen. Vielmehr scheinen HIM sich auf die Fahnen geschrieben zu haben, das Gaspedal wieder etwas mehr durchzutreten und ordentlich loszurocken, was sie gleich im knackigen Opener „In Venere Veritas“, aber auch in der ersten Single „Heartkiller“ oder im Albumhighlight „Ode To Solitude“ mit Nachdruck unter Beweis stellen.

Man kann HIM nicht absprechen, dass sie auf „Screamworks: Love In Theory And Practice“ Einiges richtig gemacht haben, die Songs strotzen vor Eingängigkeit und die rockige Ausrichtung des Albums sorgt für reichlich Laune. Trotzdem setzen die Finnen zu sehr auf die sichere Karte und agieren mit etwas zu viel Kalkül. Es regiert die leichte Kost, die mit einer unüberhörbaren Prise 80er-Pop gewürzt und perfekt aufs Formatradio zugeschnitten wurde. Total überflüssig und albern ist zudem, dass die Band auf dem Backcover zu jedem Song die BPM-Anzahl aufgelistet hat, schließlich handelt es sich hier weder um eine Dance- noch um eine Aerobicplatte. Mit Blick auf ihr gesamtes Schaffen platziert sich die Scheibe dennoch exakt im Mittelfeld, da man die Band – wie erwähnt - schon in besserer Form gehört hat, sie aber auch ganz gewiss schon schlechtere Scheiben abgeliefert hat.

Trackliste:
01. In Venere Veritas
02. Scared To Death
03. Heartkiller
04. Dying Song
05. Disarm Me [With Your Loneliness]
06. Love, The Hardest Way
07. Katherine Wheel
08. In The Arms Of Rain
09. Ode To Solitude
10. Shatter Me With Hope
11. Acoustic Funeral [For Love In Limbo]
12. Like St. Valentine
13. The Foreboding Sense Of Impending Happiness

Spielzeit: 00:47:10

Line-Up:
Ville Valo - Vocals
Mikko Viljami Lindström - Guitars
Mikko Heinrik Julius Paananen - Bass
Jani Purttinen - Keyboards
Mika Kristian Karppinen - Drums
Timo Beisel [kaamos]
25.02.2010 | 23:13
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