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Album:Gotten Gains
Genre:Rock, Stoner Rock
Label:Glassville Records
Bewertung:5 von 7
Releasedatum:02.03.12
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"Dicke Eier und Liebeskummer"

Das man als zusätzlicher Tourgitarrist das spielt, wofür man bezahlt wird, auch wenn es vielleicht nicht immer einhundertprozentig den eigenen Vorlieben entspricht, ist ja bekannt. Und so gesehen ist es gar nicht so verwunderlich, dass ILL-Frontmann Ryan Waters mit seiner Hauptband ganz anders zu Werke geht, als wenn er mit der Smooth Jazz-Legende SADE auf der Bühne steht.

Denn wo im Verbund mit der nigerianisch-britischen Schmusecombo um die hinreißende, namensgebende Sängerin Sade Adu die sanften, unaufdringlichen Töne regieren, spielen ILL auf ihrem zweiten Album „Gotten Gains“ schmutzigen, räudigen Rock, der am besten klingt, wenn die Verstärker bis zum Anschlag aufgedreht sind. Die ersten drei Songs steht die Band dann auch ununterbrochen auf dem Gaspedal und zelebriert mit herrlich monotonen Riffs die unbändige Kraft des Stoner Rock der Marke QUEENS OF THE STONE AGE und vor allen Dingen SOUNDGARDEN. Zweitere sind dabei nicht nur in puncto Gitarrenarbeit ein Referenzpunkt, es ist in erster Linie auch Water's Stimme, die sich mitunter täuschend ähnlich wie die von Chris Cornell anhört. Und obwohl ILL über weite Strecken des Albums Vollgas geben, können sie auch anders, wie sie sowohl im angenehm langsamen und fast achtminütigen Stück „Christine“, als auch in „Gold And Opal“ eindrucksvoll beweisen. Hier klingt das Quartett einmal nicht nach dicken Eiern, sondern nach schmerzhaftem Liebeskummer – glücklicherweise ohne dabei schmalzig zu werden. Das krasse Gegenteil folgt dann noch in dem im Stile von DANKO JONES gehaltenen „Castration“: ein Stück so feinfühlig, wie ein Mähdrescher.

„Gotten Gains“ ist sicher kein unfassbares Wunderwerk geworden, es ist aber auf jeden Fall eine sehr gut zu hörende Platte, bei der das Wörtchen „Rock“ noch groß geschrieben wird. Wer Bands wie SOUNDGARDEN und die QUEENS OF THE STONE AGE mag, also nicht gerade an einer Stoner-Allergie leidet, dem dürften die kurzweiligen vierzig Minuten definitiv Freude bereiten.

Trackliste:
01. One Time
02. A
03. There Are Worse Things Than Being Alone
04. Christine
05. Bitch
06. Castration
07. Finches
08. Gold And Opal
09. Interlude
10. Pearls
Spielzeit: 00:40:19

Line-Up:
Ryan Waters - Vocals, Guitar
Damion Goodpaster - Synth, Piano, Vocals
Marlon Patton - Drums
Timo Beisel [kaamos]
09.04.2012 | 20:03
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