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CD Review: Iron Maiden - The Book Of Souls: Live Chapter

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Cover von Iron Maiden -- A Matter Of Life And Death
Band: Iron Maiden Homepage  Metalnews nach 'Iron Maiden' durchsuchenIron Maiden
Album:A Matter Of Life And Death
Genre:Heavy Metal
Label:EMI
Bewertung:7 von 7
Releasedatum:25.08.06
CD kaufen:'Iron Maiden - A Matter Of Life And Death' bei amazon.de kaufen
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"Der Todestanz konnte Eddie nix anhaben"

Die Eisernen Jungfrauen scheinen auf ihre alten Tage tatsächlich noch mal was begriffen zu haben: Die 08/15 Füllerrocker der Marke „Wildest Dreams“, „From Here To Eternity“ oder „Holy Smoke“, von denen es auf den letzten sechs Studioalben noch wimmelte, machen auf „A Matter Of Life And Death“ beinahe zur Gänze den großen Epen Platz. Die waren es schließlich, die auch insgesamt schwächere Alben wie „Fear Of The Dark“ oder „Dance Of Death“ noch in den Metal-Olymp hieven konnten.

Auf der neuen MAIDEN-Langrille gibt es mit dem Opener „Different World“ gerade mal einen Song, der es nicht über die magische Fünf-Minuten-Grenze bringt. Aber was soll’s, die Nummer ist ein richtig cooler Gassenhauer geworden, der in der Strophe die klassischen MAIDEN-Harmonien abarbeitet, um dann in einen recht ungewöhnlichen Chorus überzugehen. Ein Lied, das hängen bleibt, längst nicht so plump wie die Opener der letzten beiden Scheiben daherkommt und daher als nächste Singleauskopplung geradezu prädestiniert ist. Dann aber legen ‚Eddie and the boys’ richtig los: „These Colors Don’t Run“, musikalisch eine Mischung aus „Seventh Son….“ und „Alexander The Great“ geht mit dem Soldatendasein ins Gericht und hinterlässt nach knapp sieben Minuten, vielen Dramatik- und Tempowechseln sowie dem feinen Einsatz von ungeraden Beats auch in Friedenszeiten keine Gefangenen.

„Brighter Than A Thousand Suns“ erinnert an manchen Stellen stark an Dickinson-Nummern aus der „Balls To Picasso“-Ära. Der Shouter zeigt einmal mehr, dass er denselben Nickname wie Metalnews-Kollege AirRaids völlig zu Recht trägt, denn hier wird in den ganz hohen Tonlagen gewildert. Die Nummer ist düster und hält in beinahe neun Minuten jede Menge Überraschungen bereit. Ständig wechseln akustische Strophen- oder Zwischenparts mit „Paschendale“-mäßigem Bombast. Zwischendrin hat man kurz das Gefühl, mitten in einem nie veröffentlichten Song des „Piece Of Mind“- Albums zu stecken – eine echte Achterbahnfahrt. „The Pilgrim“ ist dann wieder straighter. Das Stück beginnt schleppend und wird von einer typischen MAIDEN-Guitar-Melodie verziert. Dann geht’s ab: „Lord Of The Flies“ mit besserer Grundmelodie, gepaart mit einem Parallelen zu LED ZEPPELIN aufweisendem Zwischenpart, der ein wenig an „Fear Is The Key“ erinnert. Der Chorus ist zum Sterben schön und das Thema – religiöser Fanatismus – aktueller und wichtiger denn je. Schon jetzt liebe ich diese Scheibe.

„The Longest Day“ thematisiert die Landung der Alliierten in der Normandie aus der Sicht der armen Teufel, die in den ersten Invasionsbooten saßen und: kein Scheiß – Mr. McBrain setzt seine Toms im Intro so über die unterdrückt dahinrauschende Gitarrenfraktion, dass das Schaukeln des Meeres in Küstennähe, kurz bevor die Landungsklappe der Boote aufgeht, fühlbar wird. Dann geht der Sturm los und es gibt kein Entkommen. Eine ganz dunkle Nummer, die von Beginn bis Ende fasziniert, mit langsamem Galopp daherpumpt, immer wieder aufbricht, seltsame Breaks mit den obligatorischen Twin-Guitars einfügt und verschiedene Tempi benutzt, nur um sich erneut zusammenzusetzen.

„Out Of The Shadows“ geht in Richtung „Wasting Love“, Children Of The Damned“ oder auch „Tears Of the Dragon“ aus Dickinsons Solo-Phase und ist demzufolge eine schöne, wenn auch vorhersehbar typische IRON MAIDEN-Powerballade. Neu ist jedoch der auf Akustikgitarren basierende Mittelteil. „The Reincarnation Of Benjamin Breeg“ ist ja mittlerweile bekannt. Am Anfang denkt man: ‚Was soll der Scheiß?’ und dann bekommt man das Riff einfach nicht mehr aus dem Schädel. „For The Greater Good Of God“ zieht in Sachen Dramatik alle Register. Das beginnt beim ruhigen Intro, dem wütend hämmernden Hochgeschaukel, dem alle Probleme dieser Welt lösenden Chorus mit einem erneut brillanten Bruce Dickinson und dem von slawischer Folklore angehauchten Mittelteil, der an historische Monumentalfilme denken lässt und speziell die Gitarrenfraktion zu Kabinettstückchen am Fließband herausfordert. Ich sag nur eins: erlesen!

„Lord Of Light“ ist eine verflucht progressive Ode an den Gehörnten geworden, die wiederum ruhig beginnt und dann unvermittelt von Adrian Smiths Les Paul zugebraten wird. Viele der unzähligen Parts in dem Stück besitzen einen „X-Factor“-Touch, was verwundert, da zwei der drei beteiligten Komponisten damals nicht in der Band waren. Vielfalt ist Trumpf, manchmal wirkt’s gar etwas zerfahren – definitiv ein Stück, das Aufmerksamkeit erfordert. Dass „The Legacy“ am Ende des Albums steht, verwundert nicht, eine solch seltsame Nummer hat es von MAIDEN nämlich noch nie gegeben. Ein bisschen Seventies-Flair hier, ein BLACK SABBATH-Riff dort, etwas Soundtrack-Bombast, wer sagt denn, dass man nach 30 Jahren nicht noch mal ein paar Dinge anders machen könnte? Im Ernst: Würde Steve Harris hier nicht auf unverwechselbare Art den Viersaiter bedienen – kein Mensch würde bei dem Song auf IRON MAIDEN tippen, trotzdem sehr abgefahren.

Kurz zum Sound: Kevin Shirley ist sicherlich vielen Fans ein Dorn im Ohr, aber so fett wie auf „A Matter Of Life And Death“ haben die Klampfen auf den letzten beiden Studioalben lange nicht geklungen.

Was bleibt als Fazit? Wir haben es mit einer Band zu tun, die es noch nicht mal nötig hätte, solche gigantischen Songs zu schreiben. IRON MAIDEN müssten theoretisch nur alle drei Jahre ein Album mit einer Anzahl „Fear Of The Dark“-Klone veröffentlichen und schon würde die Kasse klingeln. Dennoch tauchen die sechs Briten in Bereiche ihrer Kreativität ab, die vorher kein Licht gesehen hatten und veröffentlichen das beste Album seit „Seventh Son Of A Seventh Son“ – vorausgesetzt, man gibt der Platte die Zeit, die sie braucht: easy listening ist nämlich definitiv anders.

Die Scheibe kommt übrigens in der limitierten Erstauflage mit Bonus-DVD für gesalzene 5-9 Euro mehr. Geboten wird ein ganz sehenswertes Making Of, auch wenn die zwischendurch immer wieder eingestreuten „das ist unsere beste Platte, weil unser Bühnensound konserviert worden ist“-Phrasen zumindest mir ganz schön auf die Eier gehen. Außerdem befinden sich auf dem Silberling noch das ziemlich armselige Video zu „The Reincarnation Of Benjamin Breeg“, die im Studio gefilmte Darbietung von „Differnt World“ und eine Foto-Gallerie. Zusammen bringt es die DVD auf eine Dreiviertelstunde. Nur für Hardcore-Fans zu empfehlen.

Trackliste:
01 Different World
02 These Colours Don't Run
03 Brighter Than A Thousand Suns
04 The Pilgrim
05 The Longest Day
06 Out Of The Shadows
07 The Reincarnation Of Benjamin Breeg
08 For The Greater Good Of God
09 Lord Of Light
10 The Legacy


Marcus Italiani [Mattaru]
05.09.2006 | 21:26
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