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Album:Kadavar
Genre:Progressive, Psychedelic, Rock
Label:This Charming Man Records
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:02.03.12
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"Kraut-TRAUM"

Berliner mit wetterfestem Geschmack wie auch Kenner der Hauptstadt-Szene tauschen sich schon längst über ihre neue Infektion aus. Zu den Hauptmerkmalen zählen gepflegte Bärte, 1972 und plattgepresstes, mit 33 1/3 Umdrehungen in der Minute rotierendes Schwarzgold. Die Türen der Zeitmaschine öffnen sich zischend-dampfend und heraus steigen drei junge Herren, die in Wahrheit alle schon mehr als sechzig Lenze auf dem Buckel haben, es aber erst jetzt irgendwie fertig brachten, Mutter Erde mit ihrer Existenz, vor allem aber ihrem musikalischem Schaffen zu beglücken - ekstatisches Spontan-Erblühen aller mit ihr verwachsenen Gestrüppe sind die Folge. Schaut doch mal nur aus dem Fenster: Alles Konsequenz der Veröffentlichung von "Kadavar"!

Hochtrabende Worte? Großartiges Album! Authenzität bis ins letzte Detail verkörpernd, wird dankenswerterweise nicht auf die Grundlage eines jeden tollen Stückes in der großen, weiten Welt der U-Musik vergessen: Treibende Melodien. Entfernt erinnert das Gebotene an spätere ELECTRIC WIZARD minus allumfassender Doom-Schwere, SCORPIONS' "Lonesome Crow" sowie deutschen Krautrock. Dieser Fundus erfährt sodann eine inversive Frischzellenkur: Jugendlicher, sauber zur Schau gestellter Vorwärtsdrang trifft auf staubtrockene Instrumentalisierung. Knackig die Wände abklopfende Bässe, sägend coole Sechssaiter, ein hochtönig abgestimmtes Kessel-Kit - Stoff, in dem Träume ihren Ursprung finden. Hört Euch doch nur mal das in mehrere, locker-leicht von Abschnitt zu beseeltem Solo zu inbrünstig gesungenem Chorus schwingende "Goddess Of Dawn", den mit göttlichen Gesangslinien bedachten Opener oder wahlweise gleich das komplette Album an, um eine ungefähre Ahnung von der qualitativen Vergletscherung unseres alltäglichen Akustikbrotes zu bekommen.

Vielleicht kommt ihr noch an ein Exemplar der auf 700 Einheiten reduzierten Erstauflage heran. Die Betonung liegt bei "vielleicht", versprühte der Dreier über die letzten Jahre genug "Eau de Über-Kult", das auf eifrige Massenbesteller und vorrangig wirtschaftlich tickende "Fans" betörend wirkt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Label-Betreiber kein ähnliches Desaster wie Rise Above Records bei deren Schützlingen UNCLE ACID AND THE DEADBEATS leisten und Zahlungswillige über gefühlte Jahrtausende auf dem Trockenen sitzen lassen...

Trackliste:
01 - All Our Thoughts
02 - Black Sun
03 - Forgotten Past
04 - Goddess Of Dawn
05 - Creature Of The Demon
06 - Purple Sage
Spielzeit: 00:33:50

Line-Up:
Wolf Lindemann - Gesang, Gitarren
Mammut - Bass
Tiger - Schlagzeug
Michael Bambas [Micha]
28.03.2012 | 22:30
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