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Album:Sonic Boom
Genre:Hard Rock
Label:Roadrunner Records
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:02.10.09
CD kaufen:'Kiss - Sonic Boom' bei amazon.de kaufen
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"Existenzberechtigung"

Leute, ist das schön. Es gibt ’ne neue KISS-Scheibe und verdammt: Das Teil ist sogar richtig gut geworden. Trotz aller Beteuerungen, nur noch mit dem alten kram ab und an touren zu wollen, um dann irgendwann nur noch Schauspieler zu engagieren, die in die Kostüme und Masken der unglaublichen Vier schlüpfen und den Planeten betouren werden, hauen die echten Gene, Paul, Tommy und Eric ausgerechnet jetzt ein frisches und den Spirit älterer Glanztaten atmendes Werk auf den Markt.

Besonders froh macht den alten KISS-Fan, dass man in Sachen Sound und Arrangement wieder in die goldenen Siebziger zurückkehren konnte: Schwere Gitarren, große Chöre – so wollen wir die ewig jung wirkenden Herren auch im Rentenalter hören. Das letzte Album „Psycho Circus“ muss also gar nicht als Vergleich herhalten – zwischen den beiden CDs liegen Welten. Vor allem Paul Stanley legt gesangsmäßig einen verdammt guten Job ab. Hört man sich Nummern wie den Opener „Modern Day Delilah“ oder „Stand“ an, ist man sogar geneigt, von einer musikalischen Weiterentwicklung zu sprechen – und das ist absolut positiv gemeint. Natürlich gibt es auch Nummern, die eher Füller denn Killer sind – so zum Beispiel das beliebige „Never Enaugh“ oder das etwas zu gezwungen klingende „Yes I Know“. Das Gro der Songs ist aber perfekt austarierter Hardrock der Güteklasse A+. Im Ohrwurm „Hot And Cold“ steckt der Teufel im Detail – die Klampfen sind auf subtile Art arschcool genial und Schlabberzunge Simmons geht der besungenen Dame ausgesprochen glaubhaft an die Wäsche – ein Hit. Genauso wie das von Drummer Eric Singer gesungene „All The Glory“, das dank seiner starken Melodie zum Album-Highlight gerät. Bei diesem Song fällt das Selbstverständnis der Band, alle Nummern ausschließlich für eine Performance in den größten Arenen dieses Erdballs zu komponieren, besonders deutlich auf. Schließt man die Augen, sieht man nur noch vollkommen ausrastende Tausendschaften der KISS-Army vor sich.
„Danger Us“ geht ein wenig in Richtung Achtziger – aber ohne Keyboard-Schmalz. KISS wissen genau, wo sie dieser Tage stehen müssen, um nicht allmählich unterzugehen, sondern irgendwann mit einem spektakulären „Sonic Boom“ gewohnt legendär abzutreten. Keine Ballade, nur harte Stampfer und flockige, manchmal flotte Rocker befinden sich auf dem Album. „I’m An Animal“ höre ich ehrlich gesagt lieber Blackie Lawless protzen – der gute alte Gene bringt seine Testosteron-Hymne dann doch etwas hüftsteif rüber. US-Rock von der Stange bietet das von Tommy Thayer höchst durchschnittlich gesungene „When Lightning Strikes“. Geiler Rausschmeißer, Stadion-Rock-Anschauungsunterricht und Abschlussglanzlicht ist dagegen die Stanley-Nummer „Say Yeah“ mit geilem Refrain, phantastischem Solo und der richtigen Mischung aus Schwere und Lockerheit, die diese band so groß gemacht hat.

Fazit: Die beste KISS-Scheibe seit_______ . Bitte selber eintragen. Für mich ist es ihr bestes Album seit mindestens 20 Jahren [ja, ich mag auch „Crazy Nights“] und ein sehr wichtiger Teil der Existenzberechtigung dieser Wahnsinns-Kapelle für das 21. Jahrhundert.

Trackliste:
01. Modern Day Delilah
02. Russian Roulette
03. Never Enough
04. Yes I Know (Nobody’s Perfect)
05. Stand
06. Hot And Cold
07. All The Glory
08. Danger Us
09. I’m An Animal
10. When Lightning Strikes
11. Say Yeah
Spielzeit: 00:43:17

Line-Up:
Paul Stanley – Vocals Guitar
Gene Simmons – Vocals, Bass
Tommy Thayer – Guitar, Vocals
Eric Singer – Drums, Vocals
Marcus Italiani [Mattaru]
15.10.2009 | 23:17
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