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CD Review: 16 -  Deep Cuts From Dark Clouds

16
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Cover von Lou Reed & Metallica -- Lulu
Band: Lou Reed & Metallica Homepage  Metalnews nach 'Lou Reed & Metallica' durchsuchenLou Reed & Metallica
Album:Lulu
Genre:Psychedelic, Sludge, Southern Rock
Label:Universal
Bewertung:(Grim_Rieper): 0.5 von 7
(shilrak): 4.5 von 7
Releasedatum:28.10.11
CD kaufen:'Lou Reed & Metallica - Lulu' bei amazon.de kaufen
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"Glühende Avantgarde oder kochende Scheiße?"

Wie soll man eigentlich mit einem Album wie LOU REED & METALLICAs „Lulu“ fair umgehen? Soll man den Legendenstatus beider Parteien außen vor lassen? Sich allein auf die Musik konzentrieren? Soll man das grauenvoll selbstverliebte Gebrabbel diverser Beteiligter im Vorfeld dieser Veröffentlichung als Maßstab nehmen? Immerhin geht es hier, glaubt man Lars Ulrich, um nicht weniger als die Neuerfindung des Rades.

Und das ist bei Weitem nicht die einzige Steilvorlage, die aus dem gemeinsamen Lager von LOU REED und METALLICA kommt. Fair zu bleiben ist aber nicht nur eine Frage der Willenskraft, sondern auch eine der Erwartungen, die man als Metaller an eine Band wie METALLICA automatisch haben wird. Nachdem „Death Magnetic“, wenngleich keine Offenbarung, zumindest ein Schritt in die richtige Richtung war, machen sich METALLICA in ihrer Kollaboration mit LOU REED zu einer Zielscheibe, die ihrer Größe als Band-Konzern wunderbar entspricht. Denn stünden nicht genau die Namen auf „Lulu“, die nun einmal draufstehen, würden die meisten Hörer von halbgarem Schwachsinn mit mangelhaft ausgeführtem, ambitionierten Textkonzept sprechen, der Scheibe zwei, drei brauchbare Riffs und Melodien bescheinigen und sie nie wieder anhören. Denn genau das ist „Lulu“ geworden. Frank Wedekinds literarische Vorlage in allen Ehren – sie dient hier vor allem einem schräg vor sich hinleiernden LOU REED dazu, den schmierigen Märchenonkel zu spielen, während METALLICA sich im Hintergrund an einem beklagenswert tranigen Aufguss ihrer „Load/Reload“-Phase versuchen – das bisschen uninspirierte Lo-Fi-Aggression in „Pumping Blood“ oder „Mistress Dread“ mal ausgeklammert. Gesanglich hat dabei ganz klar Herr Reed das Sagen – James Hetfield kommt in schon im Eröffnungsstück „Brandenburg Gate“ lediglich als Hintergrundbegleitung zum Zuge und verstummt im weiteren Verlauf des Albums nahezu völlig. Und wer sich den hanebüchenen Schwachsinn anhört, den er in „The View“ von sich gibt, wird das nicht gerade für eine schlechte Idee halten. Aber LOU REED das Feld zu überlassen, ist definitiv auch keine gute Entscheidung – wie der Mann über fast die gesamte Albenlänge daran scheitert, Johnny Cash und Nick Cave gleichzeitig nachzuäffen, ist teilweise genauso peinlich, wie mit anzusehen, wie sich jemand in der Öffentlichkeit in die Hose pisst.

Was LOU REED & METALLICA hier versucht haben? Nun, versucht haben sie sich vielleicht an einem ausgefallenen Rockalbum, das eine düstere Geschichte voll sexueller Spannung erzählt. Gelungen ist ihnen eine überlange Kollage größtenteils langweiliger Zumutungen, die auf musikalischer Ebene teilweise so schlampig zusammengeschustert ist, dass man sich fragen darf, ob die Beteiligten sie überhaupt je am Stück gehört haben. Aber man soll ja nicht unnötig gemein sein. So gibt es durchaus positive Aspekte an „Lulu“! Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass hier tatsächlich METALLICA am Werk sind, hat dieses Album das Zeug dazu, eine zersplitterte Szene zu vereinen. Und zwar dazu, dieser Band ein für allem mal den Vogel zu zeigen, statt ihnen jeden Scheißdreck abzukaufen!
grim_rieper


Kollege Riepenhusen fragt im Anfang seiner Abhandlung von „Lulu“, wie man mit selbigem fair umgehen solle. Der meiner Meinung nach richtige Ansatz ist es, das Ganze einfach als zu betrachten, was es ist. Als ein Experiment.

Nach den ersten Auszügen auf diversen großen Shopping- und Video-Plattformen waren die Erwartungen an dieses von Beginn an kontrovers diskutierte werdende Stück Musikgeschichte bei den meisten wohl bereits gen Null gesunken. Und tatsächlich wirkte dieser erste Höreindruck in Form von „Brandenburg Gate“ sehr... eigen. In seiner Gesamtheit aber zeigt sich „Lulu“ als eine Einheit. Eine sehr verdrogte, verspulte, verstörende allerdings. Dissonanz, kaum klare Strukturen, das ständige, beinahe fragile Gebrabbel LOU REEDs, Reminiszenzen an die „Load/Reload“-Ära, sludgige Einflüsse und ein gewisses Südstaaten-Flair. Ja, bei „Mistress Dead“ kann man vermutlich gar das beste Speed-Riffing hören, das TALLICA in den letzten zehn Jahren abgeliefert haben. Insgesamt hört sich „Lulu“ aber stark danach an, als wäre es in der gleichen Sumpfhütte entstanden wie „Down II“ seinerzeit, als sich Anselmo und Co. wochenlang nur mit Drogen und Pornos einschlossen, um ihr zweites Werk einzukoksen. Allerdings noch eine ganze Kante psychedelischer. Und zugegeben, was uns Lou mit seinen oftmals von Hündchen oder auch mal Spermalosen Mädels handelden Geschichten sagen will, bleibt auch mir verschlossen. Aber ist das wichtig? Mit der oben beschriebenen Melange ruft „Lulu“ kranke, in Sepia getauchte Klangbilder vor das geiste Auge, die dank des erwähnten Südstaaten-Einschlages auch aus Jim Jarmuschs Meisterwerk „Dead Man“ stammen könnten. Einzig und allein Hetfields weiterhin weniger glückliche Versuche, zu singen, liefern hier echte Angriffspunkte.

Fest steht, „Lulu“ verlangt dem Hörer einiges ab. Fest steht auch, dass „Lulu“ die Geister scheiden wird. Und um das Phrasenschwein zu füttern: lässt man sich darauf ein, bietet „Lulu“ ein Erlebnis, wenn auch ein schwer verdauliches. „Lulu“ ist KEIN Album der vergötterten und auch oftmals zur Zielscheibe umfunktionierten Band METALLICA. Ich würde sogar behaupten, „Lulu“ ist gar kein Album, sondern ein Soundtrack zu einer noch nicht verfilmten Geschichte. Vor allem aber ist es ein Experiment, das nicht jeden ohne die Hinzunahme bewusstseinserweiternder Substanzen ansprechen wird. Und da derartige Geschichten zu 100% absolute Empfindungs- und Wahrnehmungssache sind, fällt in diesem Moment, bis auf die Feststellung des „Aggregatzustandes“ dieser Veröffentlichung, jegliche Objektivität von mir ab. Das hier ist nicht schlecht, es ist eigen und nicht jedem zugänglich. Ich persönlich habe einen gewissen Weg dazu gefunden - und jetzt seid ihr dran.
shilrak


Zum Special "Lulu & die Reaktionen der Redaktion" geht es hier!


Trackliste:
CD 1
01. Brandenburg Gate
02. The View
03. Pumping Blood
04. Mistress Dread
05. Iced Honey
06. Cheat On Me

CD 2
01. Frustration
02. Little Dog
03. Dragon
04. Junior Dad
Spielzeit: 01:27:05

Line-Up:
Lou Reed - vocals
James Hetfield - guitar, vocals
Kirk Hammett - guitar
Robert Trujillo - bass
Lars Ulrich - drums
Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper]
27.10.2011 | 22:01
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