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"Special Effects-Metal" | ||||||||||||||||||
| Aus eins mach zwei: Vor nicht allzu langer Zeit gaben die Italiener RHAPSODY OF FIRE eine der befremdlichsten Business-Entscheidungen aller Zeiten bekannt, denn die beiden einstigen Bandköpfe Luca Turilli und Alex Staropoli ließen verlauten, man habe sich in Freundschaft getrennt und werde künftig – wohlgemerkt separat – unter Namen RHAPSODY weitermachen. Frei nach dem Motto “wer zuerst kommt, malt zuerst“ veröffentlicht Saitenhexer Turilli nun mit „Ascending To Infinity“ das erste Album nach dem Split. Dabei sind zwei maßgebliche Neuerungen zu verzeichnen: Unter dem Kommando des Herrn Turilli macht man künftig nicht mehr „Epic Symphonic Hollywood Metal“, sondern „Cinematic Metal“ und anstelle von Frontmann Fabio Linone, der es vorzog, die Zusammenarbeit mit Kollege Staropoli fortzusetzen, hat man mit dem nicht minder begabten Alessandro Conti einen würdigen Ersatz in die Band geholt. Von derlei Details mal abgesehen dürfe es vermutlich selbst eingefleischten Fans der Truppe schwer fallen, gravierende Unterschiede zum frühren Schaffen der Bande festzustellen, denn schon der das eröffnende Instrumental-Intro „Quantum X“ macht deutlich, dass der Hase bei RHAPSODY auch nach sämtlichen personellen Veränderungen noch ziemlich in die gleiche Richtung läuft: Nach wie vor paaren sich überladene Chöre und Streicher aus der Konservendose mit dem begnadeten Riffing des Herrn Turilli und hier und da darf mal ein Sprecher vermeintlich bedeutsame Textschnippsel vorlesen – wenn nicht von Sir Christopher Lee inszeniert sind derlei Momente übrigens hochgradig peinlich. Prinzipiell geht alles, was die Italiener auf ihrem neuen Album zu bieten haben, auch in Ordnung, wenn man denn mit derlei überinstrumentierter Musik etwas anfangen kann und im Falle von „Dark Fate Of Atlantis“ kann es ja für RHAPSODY-Verhältnisse auch mal ziemlich metallisch zugehen, allerdings werfen Stücke wie der Titeltrack, „Excalibur“ oder auch das abschließende, über 15-minütige Mammutwerk „Of Michael The Archangel And Lucifers Fall“ ähnlich den Vorgängerwerken die Frage auf, wann man derlei Musik denn eigentlich hören soll – denn so aufwändig und in gewisser Weise sperrig, wie die Kompositionen nun mal ausfallen, wird man ein solches Album kaum nebenbei hören können. Zwei Möglichkeiten seien an dieser Stelle vorgeschlagen: Da sich RHAPSODY nach eigener Aussage stets von Filmsoundtracks aller Art inspirieren lassen, dürfte sich ein Album wie „Ascending To Infinity“ bestens als musikalischer Hintergrund für ambitionierte Rollenspiel-Gruppen eignen, denn irgendeine finale Schlacht zwischen Gut und Böse bedarf immer der richtigen Untermalung. Auch dürften nicht weniger passionierte Musikstudenten ihre Freude an der in Frage stehenden CD haben, denn hier bietet sich allerhand Gelegenheit, den Einsatz des freien Kontrapunktes, “den die Italiener ja seit barocken Meistern wie Tomaso Albinoni oder Allessandro Marcello schon immer gern verwendet haben“ zu diskutieren. Während „Ascending To Infinity“ also die gleichen Tugenden wie sämtliche Alben von Turilli und Co. innewohnen, leidet die Platte leider auch unter den gleichen Schwächen, vornehmlich der kunststoffartigen Produktion, die das Orchester nach Synthesizer und die Gitarren nach Plastik klingen lässt. Wer sich auf RHAPSODY einlässt, den stört das allerdings meistens sowieso nicht. Aus den genannten Gründen fällt es etwas schwer, ein Album wie „Ascending To Infinity“, ja die Musik von LUCA TURILLI’S RHAPSODY allgemein, nach den im Heavy Metal üblichen Standards zu beurteilen. Das hat jedoch Vorteile, denn die Italiener firmieren auch mit ihrer neuen Platte noch derart weit abseits des Schaffens irgendeiner anderen Band, dass sie schlicht außer Konkurrenz sind. Wer mit dem barocken Bombast-Kitsch vom Stiefel etwas anfangen kann, erhält mit „Ascending To Infinity“ ein weiteres Album, das in jeder Hinsicht nur den Superlativ kennt. | ||||||||||||||||||
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