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Album:Hoagascht
Genre:Avantgarde, Black Metal
Label:Cold Dimensions
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:02.03.12
CD kaufen:'Lunar Aurora - Hoagascht' bei amazon.de kaufen
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"Kauzig ohne Eulengesang"

Gute fünf Jahre musste die Metal-Welt auf ein Lebenszeichen der deutschen Black Metal Band LUNAR AURORA warten und zwischenzeitlich hat man wohl schon geglaubt, man würde niemals wieder neue Musik dieser Kombination erwarten können. Anfang März dieses Jahres war es aber soweit und LUNAR AURORA, inzwischen sind nur noch Whyrhd und Aran [TRIST] übrig, brachten mit „Hoagascht“ ein neues Album via Cold Dimensions heraus.

„Hoagascht“ bezeichnete ursprünglich einen Heimgarten, wird aber heute in Bayern auch dazu verwendet, um ein gemütliches Musizieren und Zusammensitzen verschiedener Musiker zu beschreiben. Damit sind wir gleich beim ersten auffälligen Detail der Scheibe angelangt – dem Heimatbezug. Sämtliche Texte sind im oberbayrischen Dialekt gehalten und thematisch beziehungsweise textlich bekommt man es auf „Hoagascht“ mit Brauchtum, Natur und Ähnlichem zu tun. Von der musikalischen Seite betrachtet liefern LUNAR AURORA hier ein starkes Black Metal Album ab, welches vor allem in den Mid-Tempo Parts und dem genialen Einsatz von Synthies seine Stärken ausspielen kann. Obwohl die Drums von einem Computer eingespielt wurden, wirken sie so dynamisch und „lebendig“, dass es einem normalen Hörer wohl kaum auffallen wird. Schon beim ersten Track „Im Garten“ entfalten LUNAR AURORA ihre ganzen Stärken – ein Sprechintro, welches Todessehnsucht vermittelt, dazu langsame Drums und wabernde Synthies führen in einen Black Metal Track ein, der die ganzen sieben Minuten von den sphärischen Elektroklängen getragen wird, ohne die Gitarren und die treibenden Drums zu überlagern. Genau so müssen Synthies im Black Metal eingesetzt werden, da gibt es keinen Zweifel! Dazu kommen die kräftigen Vocals, ich möchte fast sagen „Growls“, von Whyrhd, der hier kein schwarzmetallisches Gekreische vom Stapel lässt, sondern mit tiefer, kratziger Stimme singt. Die Charakteristika, die ich für den ersten Song angeführt habe, lassen sich auch auf fast alle anderen Tracks übertragen. Die meisten Titel bewegen sich im Mid-Tempo beziehungsweise kommen sehr gemächlich daher und werden nur hin und wieder schneller. Andererseits sind die Songs sehr abwechslungsreich gestaltet und es finden sich immer wieder ruhige Zwischenpassagen oder der Einsatz von diversen Samples, wie z.B. Glockenklänge („Habergoas“), Eulenschreie („Nachteule“) oder Wettereffekte („Wedaleichtn“), auf dem gesamten Album. Diese passen thematisch immer zu den Texten und machen so jeden Track zu einem organischen Ganzen. Dies trifft auch auf das Album an sich zu, welches durchgehend durch eine dunkle, sphärische und vor allem urige Atmosphäre bezaubert. Dazu kommt noch das stilvolle Artwork, das anspruchsvolle Booklet und auch der Dialekt, welcher den Vocals von Whyrhd noch einen ganz besonderen Charme verleiht. Es gibt nur wenige Kritikpunkte, die man zu diesem Album anführen kann. Manchmal sind die Songs vielleicht eine Spur zu lang geraten und manche Hörer werden sich vielleicht denken, dass die Titel sich untereinander nicht groß voneinander unterscheiden. Aber das ist kein Problem, denn gerade dadurch, dass die Unterschiede im Detail zu finden sind, wirkt die ganze Scheibe wie aus einem Guss und kann den Hörer 52 Minuten lang in eine eigene Welt entführen.

Ich habe in diesem Review ganz bewusst keine Vergleiche mit anderen Alben von LUNAR AURORA gezogen, weil ich der Meinung bin, dass dieses Album als komplett eigenständiges Machwerk angesehen werden muss. Es mag leichte Schwächen haben, aber es ist eines der authentischsten, ehrlichsten und künstlerisch anspruchsvollsten Black Metal Scheiben, die mir in letzter Zeit untergekommen ist. Comeback gelungen und Reinhören ist Pflicht!

Trackliste:
01. Im Gartn
02. Nachteule
03. Sterna
04. Beagliachda
05. Habergoaß
06. Wedaleichtn
07. Geisterwoid
08. Reng
Spielzeit: 00:52:28

Line-Up:
Whyrhd - Gesang
Aran - Gesang, Keyboard, Gitarre, Bass, Drum Programming
Jonathan Jancsary [Squiggofant]
14.04.2012 | 14:23
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