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.: CD-REVIEWS :: Ministry - Relapse
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"Willkommener Rückfall!" | ||||||||||||||||||
| Eigentlich ist es schon fast ein kleines Wunder, dass Bandchef Al Jourgensen überhaupt noch lebt bzw. geradeaus laufen und artikulieren kann, wenn man sich anschaut, wie oft der Musiker schon beinahe eine Begegnung mit dem Sensenmann hatte. Nachdem dann nach „The Last Sucker“ und der „C U La Tour“ dafür MINISTRY selbst im Jahr 2008 zu Grabe getragen wurden, kam die Nachricht eines weiteren Albums umso überraschender. Das Resultat: Das treffend betitelte „Relapse“. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Das Teil kann was und ist mitnichten ein letztes, aber harmloses oder gar peinliches Aufbäumen einer längst verblichenen Band. Denn die Jungs um Al haben richtig Dampf auf den Kesseln, wie das grandiose, aggressive und abartig schnelle „Double Tap“ – meiner Ansicht nach der beste Song auf „Relapse“ – eindrucksvoll beweist. Doch auch „Kleptocracy“ mit seinem eingängigen Refrain, das treibende „99 Percenters“ oder auch das Titelstück wissen sofort zu überzeugen, während der Opener „Ghouldiggers“, eine Abrechnung mit der Musikindustrie, mit seinen langen, teils etwas behäbigen Spoken-Word-Passagen nicht sofort zu zünden weiß. Hierzu gehören auch das etwas oberflächlich wirkende „Weekend Warrior“, das thematisch so gar nicht zum Rest passen will, aber musikalisch gut ist, während mit „Git Up Get Out 'N Vote“ noch ein sehr politisch motivierter Wahlkampfaufruf in bester MINISTRY-Tradition losgetreten wird. Überhaupt ist es gut zu sehen, dass Al Jourgensen wieder sehr fähige Musiker um sich geschart hat und gleichzeitig von der Bush-Thematik der letzten Alben, inzwischen sowieso Geschichte und auch damals schon streckenweise ausgelutscht, abgekommen ist, um sich wieder anderen Themen bzw. dem Gesamtbild von politischen Ungerechtigkeiten und Machtverhältnissen zu widmen. Zu dieser Veränderung zählt übrigens auch das Artwork, das zwar nicht gerade umwerfend ist, aber wenigstens nicht wieder dem Bush-Bashing dient. Hinzu kommt eine schön druckvolle, basslastige und transparente Produktion, das eine oder andere Sample bzw. Keyboard hier und dort – und fertig ist ein rundum gelungenes Album. Ach ja, die S.O.D.-Coverversion „United Forces“ nicht zu vergessen, die durch den MINISTRY-Häcksler gedreht wurde, dabei aber ihre ursprüngliche Identität nicht verliert. Gut so! Fazit: „Relapse“ ist eine kleine Überraschung geworden, denn MINISTRY zeigen sich hörbar motiviert und energiegeladen, sodass sie so manche junge Band ganz alt aussehen lassen und ihnen die Pause spürbar gut getan hat. Exemplarisch mag hier „Double Tap“ dienen, während überhaupt die ganze Scheibe erstaunlich stark geworden ist und auch musikalisch wieder deutlich mehr Richtungen von MINISTRY auslotet [z.B. „99 Percenters“, „Bloodlust“] als die letzten paar Alben der Band. An das wunderbare „Rio Grande Blood“ reicht „Relapse“ dann zwar doch nicht heran, aber das ist auch verdammt schwer, sodass wir es hier insgesamt mit einer richtig guten und kurzweiligen Comeback-Scheibe zu tun haben – die nun definitiv das letzte MINISTRY-Album sein soll. Oder? | ||||||||||||||||||
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