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Album:In Memoriam
Genre:Melodic Black Metal
Label:Dark Essence Records
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:29.04.16
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"Auf keinen Fall das Review lesen, gleich kaufen!"

Ich werde langsam alt, und man sagt immer, im Alter würde man milder. Kann ich nicht behaupten. Ich find's von Jahr zu Jahr beschissener, dass - ich zitiere einen Freund - "der Typ von WINDIR sich in der Wettervorhersage vertan hat". Noch beschissener finde ich nur noch, dass ausgerechnet die mit Abstand schwächste der WINDIR-Nachfolgebands, nämlich VREID, gleichzeitig die erfolgreichste geworden und leider auch geblieben ist. Dass es noch zwei andere (weit bessere) Bands aus dem WINDIR-Dunstkreis gibt, wissen die meisten gar nicht. Das sind zum einen COR SCORPII und zum anderen: MISTUR.

Und ich schwöre bei allen nordischen Götter: Wer einmal MISTURs 2009er Erstling "Attende" gehört und spätestens beim unfassbaren Schlussriff im Titelsong in Tränen ausgebrochen ist, der will nie, nie wieder "Pitch Black Brigade" hören. Deshalb treten MISTUR nach sieben Jahren mit dem Zweitwerk "In Memoriam" bei mir ein schweres Erbe an. Auf den ersten Blick ist das nämlich nicht so recht das, was ich mir erhofft hatte, sondern ein ganz derber Schritt vorwärts in der Evolution des Sognmetal. Nach Wochen des Hörgenusses steht dann aber doch fest: MISTUR sind immer noch so beseelt wie 2009, und sie haben es geschafft, das Beste aus der WINDIR-Ära zu bewahren und trotzdem kein Stück nach Plagiaristen oder Traditionalisten zu klingen.

Wie sie das anstellen? Mit ungeheurer Musikalität, unbändiger Kreativität, großartigem Instrumentalkönnen, sensationellen Spannungsbögen, krachigem, modernisiertem Sound. Mit den für WINDIR typischen singenden Folk-Leadgitarren, die aber nie zwanghaft eingesetzt werden, sondern immer sehr songdienlich und wohldosiert. Mit unverwechselbaren, gelegentlich bangkompatibel rhythmischen, stets überaus einprägsamen Riffs, die trotzdem in ihrer Komplexität gelegentlich am Prog-Genre kratzen. Mit wuchtigem, treibendem Schlagzeug, mit wunderbaren Breitwandkeyboards ohne jeden Symphonic-Touch (dem Herrn sei Dank!), aggressivem und manchmal klangend-hymnischem Gesang. Alleine beim Listen der Einzelbestandteile gehen einem die passenden Adjek- und Superlative aus.

Noch schwerer ist es zu beschreiben, was MISTUR aus diesen Bestandteilen gemacht haben. "In Memoriam" ist so voller Spielfreude, so dynamisch, so zugedonnert mit herzergreifenden, mitreißenden Momenten, dass es schwer ist, da etwas herauszugreifen. Einzelne Songs, erst recht als Youtube-Videos, werden der Gesamtwirkung des Albums nicht gerecht. Jedes der sechs langen Stücke ist für sich schon ein Meisterwerk, und wirklich keine Minute fällt qualitativ ab. Das Sextett hält die Spannung über fast eine Stunde konstant aufrecht und pendelt mühelos zwischen klassischer nordischer Aggression ("Distant Peaks"), einem angenehmen modernen Rockappeal ("The Sight"), Epik und Majestizität, dezenten Folkeinflüssen (ohne jeden Pagan-Touch! Nochmal danke, Herr!), und unterlegt alles mit einer bittersüß melancholischen Note. Besonders die behutsam eingesetzten Clean Vocals wie im Opener "Downfall", im unfassbar traurigen "Matriarch's Lament" oder im Schlussakkord "Tears of Remembrance" sind sagenhaft schön. Und dann die genialen Keyboards und Hammondorgeln und die vor Pathos triefenden Sologitarren - zum Niederknien.

Das Spielchen mit den Lobhudeleien könnte ich noch ewig so weitertreiben, aber das ersetzt nicht ansatzweise, sich "In Memoriam" entspannt auf dem Sofa mit einem Bierchen in der einen und dem Booklet in der anderen Hand anzuhören, ganz genussvoll. Einmal, zweimal, immer wieder. Wahnsinnig toll, dass es solche Alben gibt. Wahnsinnig beschissen, dass MISTUR mit "In Memoriam" alle anderen Sognametal-Bands und ganz nebenher auch die etwas eierlose letzte BORKNAGAR nass machen - und es wieder kaum einer mitbekommen wird. Sage ich ganz ehrlich, in aller Altershärte.

Trackliste:
1. Downfall
2. Distant Peaks
3. Firstborn Son
4. Matriarch's Lament
5. The Sight
6. Tears of Rememberance
Spielzeit: 00:55:14

Line-Up:
Espen Bakketeig (synth, vocals & programming)
Andre Raunehaug (guitar)
Oliver Øien (vocals)
Stian Bakketeig (guitar)
Ole Hartvigsen (bass guitar)
Tomas Myklebust (drums)
Florian Dammasch [Alboin]
22.04.2016 | 20:17
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