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Album:Jumalten Aika
Genre:Black Metal, Pagan Metal
Label:Century Media
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:01.04.16
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"Scheiße, die haben ja gar keine Dudelsäcke!"

Mal ganz ehrlich. Ich habe MOONSORROW sehr lange für eine typische Pagan-Metal-Band gehalten, mit Flöten, Dudelsäcken, "Oooohohoooo"-Chören und dem ganzen Fellträger-Krimskrams. Das ist was, von dem ich mindestens ein Jahrzehnt lang schon auf Fernglasdistanz Brechreiz bekomme habe. Wäre gar nicht nötig gewesen, denn wie ich später - und umso beeindruckter - festgestellt habe, nutzen MOONSORROW zwar tatsächlich Chöre, hier und da mal irgendwas flötenartiges, und heidnische Thematiken bearbeiten sie auch - aber eine verflucht geile Band sind sie trotzdem! Hab' mir dann in kurzer Zeit die ganze Diskographie zugelegt und rauf und runter gehört, und da ist wenig dabei, das auch nur mittelmäßig klingt. Bis auf die letzte Scheibe "Varjoina kuljemme kuolleiden maassa", die mich nicht so richtig packen konnte, weil sie einfach zu düster, zu dissonant und dabei zu wenig packend war.

Fünf Jahre nach dieser Scheibe veröffentlichen MOONSORROW mit "Jumalten Aika", dem "Zeitalter der Götter", das siebte Album, und werden damit eine Menge alter Fans zünftig versöhnen. Vom Fleck weg begeistert der Titelsong mit kernigen, bandurtypischen Riffs, in denen auf der einen Seite so viel rohe Metalkraft, auf der anderen Seite aber auch ungeheuer viel volkstümliche Kunst mitschwingt. Der Song, natürlich auch eine Viertelstunde lang, macht sich hervorragend als Opener nicht nur der Scheibe, sondern auch zukünftiger Liveshows, weil er alles vereint, was diese Band groß gemacht hat. Vom nicht zu leugnenden BATHORY-Erbe über die wunderschönen melancholischen Melodien und irre gekonnt gemachten Arrangements bis hin zu einer subtilen Aggression ist alles enthalten, was an MOONSORROW auch schon auf "Suden Uni" und "Voimasta Ja Kunniasta" geil war. Und so geht's weiter: "Ruttolehto" schlägt etwas ruhigere Töne an und zeigt verstärkt eine Seite der Band, die so auffällig noch nicht zum Vorschein gekommen ist: Die des sehr schlichten, authentischen skandinavischen Folks, der hier so gar nichts Fröhliches oder Beschwingtes an sich hat, sondern die düstere metallische Seite um eine ergänzt, die zwar unterschwelliger funktioniert, aber ebenso finster ist.

Wie weit "Jumalten Aika" in den Black Metal reicht, beweist "Suden Tunti" als das nicht nur kürzeste, sondern wahrscheinlich auch roheste Stück der über zwanzigjährigen Karriere der Finnen. Ungeniert zieht die Band das Tempo bis zum Anschlag an, die Drums blasten, die Gitarren kreischen, das Keyboard hat Pause, und Ville Sorvali keift sich ungewohnt brutal die Seele aus dem Leib, was der Platte neben dem Chorschwerpunkt der Arrangements ausnehmend gut steht. "Mimis Brunn" ist verglichen damit ein Epos für sich und so abwechslungsreich und vielfältig, dass andere Bands daraus ein ganzes Album gezimmert hätten - vielleicht nicht auf den ersten Blick begeisternd, aber dafür ungeheuer spannend komponiert. Das schließende "Ihmisen Aika" kann als weniger auffälliges, aber in der Qualität keinesfalls abfallendes Stück durchgehen, in dem vor allem die verträumten Keyboards durchgehen, die der damit entstehenden Atmosphäre schon fast an die ersten drei ENSLAVED-Alben erinnern.

Vermutlich haben sich MOONSORROW einen dicken Gefallen damit getan, auf "Jumalten Aika" zu tun, worauf sie Lust hatten - und auch, was sie am besten können. Es handelt sich um ein Album, das so unverkennbar die Handschrift der Sorvali-Cousins trägt, das viel zugänglicher, emotionaler und wärmer ist als sein Vorgänger, und dem die thematische, musikalische und auch produktionstechnische Zeitlosigkeit geradezu ins Gesicht geschrieben steht. Eine tolle, kraftvolle Platte einer sympathischen, versierten und vor allem authentischen Band. Manchmal lohnt es sich doch, genauer hinzuhören, auch mit 35.

Trackliste:
1. Jumalten Aika (12:43)
2. Ruttolehto incl. Päivättömän Päivän Kansa (15:21)
3. Suden Tunti (7:06)
4. Mimisbrunn (15:55)
5. Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen) (16:00)
Spielzeit: 01:07:05

Line-Up:
Ville Sorvali - Bass & lead vocals
Henri Sorvali - Guitars, keyboards & vocals
Mitja Harvilahti - Guitars & vocals
Markus Eurén - Keyboards
Marko Tarvonen - Drums & vocals
Florian Dammasch [Alboin]
25.03.2016 | 19:04
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