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Cover von Neal Morse -- Sola Scriptura
Band: Neal Morse Homepage  Metalnews nach 'Neal Morse' durchsuchenNeal Morse
Album:Sola Scriptura
Genre:Progressive, Rock
Label:InsideOut
Bewertung:5 von 7
Releasedatum:23.02.07
CD kaufen:'Neal Morse - Sola Scriptura' bei amazon.de kaufen
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"Warum es trotzdem Spass macht"

Eigentlich ist dieses Album ja doof. Schlecht. Naja, schlecht kann man nicht sagen. Irgendwie schwachsinnig vielleicht. Das trifft es auch nicht ganz, weil das klingt so nach Geisteskrankheit. Wenn ich es mir recht überleg, dann geht mir dieses Album auf die Nerven. Und doof ist es auf jeden Fall. Aber trotzdem fünf Punkte? Ja, die Progger machen es einem ja leider nicht immer leicht und weil NEAL MORSE so was wie ein Super-Progger ist, muss man bei ihm auch ganz neue Saiten aufziehen. Aber lest selbst:

Die Vorgeschichte ist bekannt. Nein? Kurzform: NEAL MORSE = SPOCK'S BEARD. NEAL MORSE trifft Gott => NEAL MORSE / SPOCK'S BEARD. Und seitdem gibt es jedes Jahr ein neues Album für den Herren [und die Fans]. Der neuste Erguss ist ein Konzeptalbum über den Reformator Martin Luther und trägt den Titel "Sola Scriptura" [entliehen aus der Formel "solus christus, sola fides, sola gratia, sola scriptura", welche so eine Art Zusammenfassung von Luthers Lehren darstellt], was soviel bedeutet wie "nur durch die Schrift". Auch das Cover soll wohl Luther zu der Zeit zeigen, als er sich auf der Wartburg versteckt hielt. Das Album besteht aus drei langen Rocknummern [29, 25 und 16 Minuten] sowie einer recht überflüssigen, aber netten fünfminütigen Klavierballade. Thematisch werden, wie gesagt, die wichtigsten und bekanntesten Stationen im Leben Luthers lyrisch abgeklappert. Dass so Ereignisse wie der Theseanschlag zu Wittenberg eigentlich ins Reich der Legenden gehören, scheint Mr. Morse eher peripher zu tangieren.
Musikalisch jedenfalls wird dies alles in Breitbild-Prog-Rock umgesetzt, der, im Vergleich zu den durchschnittlichen Werken von NEAL MORSE und SPOCK'S BEARD, eher hart ausfällt, wenn auch nicht so metallisch wie etwa bei DREAM THEATER oder THRESHOLD. Hier gibt es eigentlich auch grundsätzlich nichts zu bemängeln. Tolle Refrains und Gesangslinie fügen sich ein in rasante, aber nicht nervig Soli, mitreißende Riffs und tolle Klaviermelodien auf einem nahezu perfektem Schlagzeugfundament. Besonders gefällt mir ein mehrminütiges, lateinamerikanisch und jazzig inspiriertes Zwischenspiel in der Mitte von "The Conflict". Unglaublich wie man so etwas in einen Rocksong integrieren kann, ohne dass dabei der Song oder die Stimmung unterbrochen wird. Die Musik ist wunderbar eingängig und macht beim ersten Hören Spaß, offenbart jedoch nicht sofort alle Facetten. Sie lässt sich bewusst via Kopfhörer hören aber auch einfach im Hintergrund. Hier gibt es wirklich nichts auszusetzen, außer einer Sache: Irgendwo habe leider mindestens die Hälfte schon einmal gehört und zwar wahrscheinlich hauptsächlich bei SPOCK'S BEARD und Konsorten. Das ist ja eigentlich auch nicht so wild, weil die Musik trotzdem Spaß macht und hier in einen ganz neuen Kontext gesetzt wurde, aber gerade bei den Proggern, die sich immer Innovation auf die Fahnen schreiben, darf man auch etwas mehr von der selbigen erwarten.
Um seine Musik im Studio auch einwandfrei einfangen zu können, hat sich NEAL MORSE noch einige große Namen ins [Kirchen-] Schiff geholt: Mike Portnoy [DREAM THEATER] bedient das Drumset und lässt sich aber auch gleich von Paul Gilbert [ex-MISTER BIG] mit seiner Gitarre an die Wand spielen. Nicht falsch verstehen, Mike spielt einwandfrei, sogar mehr als das, aber was Paul Gilbert hier abliefert ist wirklich noch eine Nummer größer. So ein Hochgeschwindigkeitsspiel, akkurat und melodisch kriegt man selten zu hören. Die beiden tragen jedenfalls viel zu diesem Album und seiner musikalischen Klasse bei.

So, woher kommen jetzt die Punkte? Musikalisch lässt sich ja eigentlich nur die fehlende Innovation bemängeln. Einen Punkt muss das bei einer progressiven Gruppe schon kosten. Und dann ist da ja noch dies leidige Konzept. Ich finde ja den Großteil der Black Metaller schon äußerst albern und nervig, aber NEAL MORSE schafft es da mit seinem Luther gleichzuziehen. Mir zumindest würde das Album noch mal mehr Spaß machen, wenn mich nicht schon auf dem Cover ein Mönch erwarten würde, die Texte nicht voll von "Angels", "Killings in the name of god" historischer Ungereimtheiten wären. Ich gönne NEAL MORSE ja seinen Gott und seine theologischen Ideen, aber ich glaube die Fans wollen von ihm nur progressiven Rock und keine Bekehrungsversuche oder Glaubensbeweise.

Trackliste:
1. The Door
2. The Conflict
3. Heaven In My Heart
4. The Conclusion


Nicolas Freund [Nicki]
07.03.2007 | 01:43
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