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Album:Unlearned
Genre:Noisecore, Sludge, Thrash Metal
Label:Cupcakerecords
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:31.03.11
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"Friede dem Noiserock!"

Warum fiebert in den letzten Jahren denn alle Welt bei den Hochzeiten irgendwelcher Königshäuser mit? Was soll denn eigentlich das krampfhafte Festhalten an irgendwelchen adeligen Knalltüten als „nationalen Symbolen“? Was ist denn aus der schönen, alten Formel „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ geworden? Und was hat eine so gute Band wie NEVER MY QUEEN mit einem solch käsigen Namen im Sinn?

Alles Fragen, die sicherlich eine Überlegung wert sind, die angesichts von „Unlearned“ aber auch ziemlich flott unwichtig werden. Denn egal ob halb Europa den Illustriertenmarkt indirekt durch Finanzierung von Königshäusern subventioniert – die Berliner Band wird mit ihrem neuen Album auch noch den hartnäckigsten Royalisten überzeugen und fesseln können. Vorausgesetzt, dieser bringt eine zumindest rudimentär ausgeprägte Neigung zum Noiserock-Genre mit. Solchen spielen NEVER MY QUEEN, wenngleich nicht in seiner aggressivsten und krachigsten Ausführung. Vielmehr legen sie jederzeit spürbaren Wert darauf, aus den dröhnenden, krachenden Riffs immer wieder Melodien zu schälen, die ins Ohr gehen. Wobei die Riffs klar im Vordergrund stehen. Und das ist auch gut so, denn meine Fresse, was sind das für geile Kracher! NEVER MY QUEEN gehen meist in mittleren Geschwindigkeiten ans Werk und schaffen in den kürzeren Songs bis einschließlich „Cold Sun“ den Spagat zwischen UNSANE, SLAYER und BARONESS mit einer Spielfreude und Intensität, dass es eine schiere Freude ist. Das der Vokalist über seinem Geschrei dabei manchmal fast die Stimme zu verlieren droht, dürfte Perfektionisten ebenso sauer aufstoßen wie der bisweilen gut identifizierbare deutsche Akzent. Gerade ersteres jedoch verstärkt den Eindruck, den man von jedem guten Rockalbum hat: Das hier jemand an seine Grenzen geht und im Namen der Intensität gern auch mal Schmerzen in Kauf nimmt. Zäher und doomiger, aber keinesfalls weniger packend geht es bei „Never My Queen“ zu, welches mit achteinhalb Minuten das längste Lied auf „Unlearned“ stellt. Zum Schluss gibt’s noch eine Überraschung in Form des ebenfalls mit Überlänge gesegneten Instrumental „The Dark Star“, in welchem über einer prägnanten Basslinie und hintergründig gniedelnden Stoner-Gitarren ein Saxofon die Akzente setzt und dabei angenehm an die aktuelle Scheibe von FATSO JETSON denken lässt.

NEVER MY QUEEN ist damit, einem doofen Bandnamen zum Trotz, ein verdammt fetter Brocken von einem Album gelungen, das mir und hoffentlich auch vielen anderen zu weit mehr dienen kann als nur dazu, das Hurrageschrei/Jammergeheul um Königshochzeiten und Adelsbegräbnisse auszublenden. Fans von HIGH ON FIRE, VOLT und BURST sollten sich „Unlearned“ auf keinen Fall entgehen lassen. Und eigentlich auch sonst niemand. Friede dem Noiserock, Krieg dem Radiogedudel!

Trackliste:
01. Unlearned
02. Shadows
03. Between The Lines
04. Forget Her Smile
05. Cold Sun
06. Never My Queen
07. The Dark Star
Spielzeit: 00:39:48

Line-Up:
Mario Bender - Gitarre, Gesang
Wolfgang Bühler - Schlagzeug
Andreas Pauschke - Bass

Gäste:
Heiko Bender & Oliver Röhrig - Hintergrundgesang bei "Cold Sun"
Bertram - Saxofon bei "The Dark Star"
Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper]
13.04.2011 | 11:43
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