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Album:Atrophied In Anguish
Genre:Death Metal
Label:Apostasy Records
Bewertung:5.5 von 7
Releasedatum:14.09.12
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"Wieder auf Kurs"

Wenn eine Band mit ihrer 23-jährigen Geschichte wirbt und sich zugleich noch den Death Metal der alten Schule aufs Banner geschrieben hat darf man wohl weder ein soderlich innovatives Album erwarten noch musikalisch oder inhaltlich auf Große Neuerungen hoffen. Aber in einem Genre wie dem Old School Death Metal geht es ja auch nicht darum das Rad jedes mal neu zu erfinden, vielmehr gilt es einen überwältigend brachialen Sound auf Polycarbonat zu pressen und dabei noch das richtige Gespür beim Songwriting zu beweisen. Es ist vielleicht keine Kunst, eher ein Handwerk. Aber dieses – das sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen – beherrschen OBSCENITY.

Die angesprochenen 23 Jahre, die die Band schon auf dem Buckel sind zugegebenermaßen auch ein wenig beschönigt. Zwar wurde OBSCENITY tatsächlich anno 1989 in Oldenburg gegründet, fristet aber bis zum Plattendead mit "Morbid Records" und dem dort 1996 erschienen "The 3rd Chapter" eher ein Schattendasein im deutschen Untergrund. Seit 2006 wurde kein Album mehr veröffentlicht, ferner verließen Alexander Pahl [Bass] und Marc-Andree Dieken [Schlagzeug] die Band um ihre DEW SCENTED ihre volle Aufmerksam widmen zu können. Auch Oliver Jauch [Gesang] verfolgt seit einigen Jahren andere Pläne. Lediglich Gitarrist Hendrik Bruns verblieb und begann vor zwei Jahren wieder damit neue Mitstreiter um sich zu sammeln und Originalschlagzeuger Sascha Knsut [1989-2000] zurück ins Boot zu holen. So markiert "Atrophied In Anguish", das mittlerweile achte Studioalbum des Urgesteins, einen echten Neuanfang.

Ungeachtet dessen vereint der neue Silberling die besten Elemente der Vorgänger zu einem stimmigen Gesamtwerk. Schnelles Single Note Tremolo Picking an der Gitarre mit schwedisch anmutenden Melodien ist ebenso vertreten wie brutale Blast Beat Parts. Bereits beim Opener "Erase The Divine" gibt es von Beginn an mächtig auf die Zwölf. Vor allem aber Sänger Jeff Rudes den die Oldenburger Kombo extra aus Florida rekrutiert hatte liefert eine auf ganzer Linie überzeugende Leistung ab. Selten kommt es vor, dass ein Death Metal Sänger die Text so gut verst"ndlich (zumindest für geübte Ohren) rüberbringt, ohne dabei an der nötigen Aggressivität einzubüßen. Die Texte sind wie die Songtitel ["All You Can Kill", "Swine To The Slaughter", "From Heroic To Depraved"] schön brutal gehalten, wenn auch nicht ganz auf dem beinahe schon übertriebenen "Niveau" von Bands wie CANNIBAL CORPSE. Alles [inklusive des gelungenen Cover-Artworks] passt wirklich gut zusammen.

Während OBSCENITY im Kontext aktueller ähnlicher Veröffentlichungen – beispielsweise von GRAVE – nicht in der höchsten Liga spielen, so ist ihnen mit "Atrophied In Anguish" zumindest ein Platz im oberen Mittelfeld sicher. Und um die Matte mal wieder ordentlich kreisen zu lassen langt es allemal. Wenn die aktuelle Bandbesetzung Bestand hat, das nächste Album nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lässt, so dürfen wir von dieser quasi jungen Band noch Großes erwarten.

Trackliste:
01. Erase The Divine
02. All You Can Kill
03. Atrophied In Anguish
04. From Heroic To Depraved
05. Swine To The Slaughter
06. Perfect Pain
07. Neurotic Frenzy
08. Diary Of A Scapegoat
09. Monoistic Living
10. Hysterical Illusion
Spielzeit: 00:37:12

Line-Up:
Jeff Rudes – Gesang
Hendrik Bruns – Gitarre
Christoph Weerts – Gitarre
Jörg Pirch – Bass
Sascha Knust – Schlagzeug
Michael Klimczak [Sm62]
02.10.2012 | 02:03
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