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Album:Periphery II
Genre:Djent, Modern Metal, Prog-Metal
Label:Century Media
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:13.07.12
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"In allen Punkten besser!"

Neuerdings scheint eine weitere Nische der weit gestreckten Metal-Welt immer mehr im Fokus der Zeit zu stehen: Der „Djent“. Die Diskussion beiseite, ob die Bezeichnung angemessen sei oder überhaupt eine Existenzberechtigung besitze, haben Vorreiter wie MESHUGGAH und SIKTH das Genre um tiefgetonte Siebensaiter populär gemacht und mit zahlreichen Bands wie TESSERACT oder VILDHJARTA gibt es eine Vielzahl von Nachwuchsbands, die ihren Vorbildern hinterher eifern. PERIPHERY hingegen sind mit ihrer Gründung 2004 schon fast als alte Haudegen anzusehen in der vergleichsweise noch jungen Spielart und präsentieren mit dem pragmatisch betitelten „Periphery II“ das zweite Langeisen, auf dem nach dem gefeierten Debüt natürlich hohe Erwartung liegen.

Die Amerikaner aus Maryland sind schon seit jeher nicht die klassischen Vertreter der Djent-Spielart und auch auf dem Zweitling ändert sich kaum etwas an der Rezeptur. Anstatt sich auf das alleinige Hantieren mit polymetrischen und polyrhythmischen Taktakrobaten zu beschränken, reichen PERIPHERY ihren Sound mit elektronischen Spielereien, Pop-Charme, jazzigen Intermezzi und tiefgehender Emotionalität an. Im Vergleich zum bereits sehr gut geratenen Vorgänger geht das Sextett mit „Periphery II“ dabei noch einen Schritt weiter und gestaltet die Chose in fast jedem Gesichtspunkt besser als 2010. Allen voran Sänger Spencer Sotelo hat Quantensprünge am Mikro gemacht und leistet hervorragende Arbeit, insbesondere am Klargesang hat der gute Mann extrem geschraubt. Selbst höchste Töne trifft er mit voller Kraft, mit absoluter Sicherheit variiert Herr Sotelo zwischen verschiedensten Tonlagen und singt mit voller Inbrunst und Leidenschaft. Natürlich wird es einigen zu „emo“ sein wie er sich inzwischen gibt, aber Talent kann man dem Sänger beileibe nicht absprechen. Durch den höheren Anteil an cleanen Vocals profitiert das Album ungemein von seiner positiven Entwicklung.
Wie bereits angedeutet ist nicht nur das Goldkehlchen besser geworden, über die komplette Spielzeit macht PERIPHERY einfach einen kompletteren Eindruck. Häufiger als sonst lockern sie mit Elektronik-Parts ihre komplexen Chaosformeln auf und sprechen eingängigen Melodien mehr Bedeutung zu. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten gehen die sechs Kerle nicht so klinisch-mathematisch an die Kompositionen heran und gewähren dem Sound mehr Wärme. Dadurch wird die Musik auch für Nicht-Diplom-Mathematiker ohne allzu großes Kopfzerbrechen genießbar und die Tracks wirken deutlich homogener und nachvollziehbarer. Wer jetzt eine Abwanderung richtig Mainstream erwartet, der sei beruhigt: Obwohl „Periphery II“ eindeutig emotionaler und ergreifender geworden ist, besitzen die Songs noch ein hohes Maß an Tiefe und ausgeklügelten Arrangements. PERIPHERY heben sich von den Genre-Mitstreitern insofern ab, dass sich trotz der ganzen Taktakrobatik und der Djent-Wucht noch Zeit und Platz für starke Hooklines und melodiöse Refrains finden lassen können. Anstatt atmosphärische Einspieler und die harten Riffs wie zwei verschiedene Formeln konsequent voneinander zu trennen, vermengt es der amerikanische Sechser zu einem dynamischen Gesamtkunstwerk, das wie aus einem Guss wirkt und zu nahezu keiner Zeit den Zuhörer mit einem Fragezeichen zurücklässt. Die Suche nach den zahlreichen Details in dem schönen Mosaik bleibt für gewiefte Genre-Kenner beileibe nicht aus, das Album wächst mit jeder weiteren Spielzeit. Abgerundet wird „Periphery II“ von einer grandiosen Produktion ohne Makel, transparent und wuchtig schallt es aus den Boxen, wodurch die Gastauftritte von John Petrucci [DREAM THEATER] in „Erised“, Wes Hauch [THE FACELESS] in „Mile Zero“ und Guthrie Govan [THE ARISTOCRATS] in „Have A Blast“ noch besser werden.

Facettenreich, tiefgängig und ergreifend, PERIPHERY machen auf ihrem zweiten Rundling verdammt vieles richtig. Neben dem Prog-Gefrickel und Dampf machenden Djent finden sich auf „Periphery II“ äußerst starke Melodien und ein Sänger in absoluter Topform, der die mit Details gespickten Kompositionen entsprechend veredelt. Die transparente Produktion setzt das dynamische Album schick in Szene und spätestens die Gastauftritte sorgen für den letzten Kick. Wer halbwegs offen für Experimente ist, sich nicht an der Klangfarbe von Spencer Sotelo stört und seinen Djent nicht zu 100% klinisch haben will, kann hier fast nichts falsch machen. Da bereits der Vorgänger mit einer 6 bedacht worden ist und die aktuelle Scheibe in so ziemlich jedem Bereich die Nase vorn hat, zücke ich die 6,5!

Trackliste:
1] Muramasa
2] Have a Blast [feat. Guthrie Govan]
3] Facepalm Mute
4] Ji
5] Scarlet
6] Luck as a Constant
7] Ragnarok
8] The Gods Must Be Crazy!
9] MAKE TOTAL DESTROY
10] Erised [feat. John Petrucci]
11] Epoch
12] Froggin’ Bullfish
13] Mile Zero [feat. Wes Hauch]
14] Masamune
Spielzeit: 01:08:54

Line-Up:
Spencer Sotelo - vocals
Misha Mansoor - guitars
Jake Bowen – guitars
Mark Holcomb - guitars
Adam "Nolly" Getgood - bass
Matt Halpern - drums
Nico Carvalho [Champ]
16.07.2012 | 23:42
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