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Album:Shin-Ken
Genre:Melodic Death Metal, Progressive
Label:Kolony Records
Bewertung:5.5 von 7
Releasedatum:05.02.10
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"Die Künste des Schwertes"

Es bedarf einiges an Können, um eine Musikrichtung auf die viel zitierte "nächste Stufe" zu hieven - sei es in Form von Einbringen von Elementen anderer Stile oder dem Schaffen noch nie gehörter Klangdimensionen. Im Falle des Melodic Death Metal allerdings greifen Nachwuchs-Combos immer wieder zu den selben Mitteln wie auch Sounds, welche schon ihre Vorbilder bis an ihre Grenzen ausgeschöpft haben. Dass man bei intensiverer Suche durchaus noch auf Ausnahmen stoßen kann [BE'LAKOR!], bestätigt leider lediglich die Regel "Abguckerei vor Innovation". Die uns hier vorliegenden PERSEFONE wollen diesem unsäglichen, schon seit langem anhaltenden Trend eine Gegenantwort liefern, die in "Shin-Ken" seine Manifestation findet. Soviel sei gesagt: Sie wirkt überzeugend!

Dabei gestaltet sich der Einstieg in das Konzeptalbum zum "wahren Schwert" [Übersetzung des Album-Titels] alles andere als einfach. Man kann zwar über die gesamte Platte hinweg im melodischen Tod die Basis für das vorliegende Material ausmachen, jedoch geht das Sextett seinen komplett eigenen Weg. Progressivität steht nicht nur auf dem Programm, sondern dient hier sogar als Überschrift: Wo es gerade passt, findet man den Einwurf von japanischem Folklore-Gezupfe, das jedoch im hochkomplexen, aber mit der Zeit immer schlüssiger erscheinenden Songfluss fast schon untergeht. Die soundmäßig crunchig abgestimmten sowie fleißig ratternden Gitarristen vollführen aberwitzige Saiten-Stunts, welche zwar manchmal abgehackt oder einfach "draufgeklatscht" wirken, in Verbindung mit den Texten jedoch wieder einen Sinn ergeben, da die Hochzeit von Musik und Lyrik harmonisch vollzogen wurde. Zusammen mit dem präzisen Schlagzeug-Spiel, Keyboard-Attacken à la Tony Carey [oder von mir aus auch KALMAH] sowie dem sehr variablen Gesang ergibt das eine explosive Mischung, welche weit weg von allem ist, was einem sonst so ins Gehör kommt.

Die Tatsache, dass hier verdammt viel passiert, schließt hingegen keineswegs das Fehlen von qualitativen oder logischen Zusammenhängen aus, ganz im Gegenteil. "Natürlich" kommen die Andorraner in ihren Nummern nicht um Hauptthemen herum, die sie stets graduell variieren. Davon zeugen das gigantische "Fall To Rise" mit seinem mächtigen Mittelteil, genauso wie das letzte Drittel der Platte. PERSEFONE beweisen ihre kompositorischen Fähigkeiten auch bei der Vereinbarkeit von verschiedenen Sounds: Besonders der Song am anderen Ende der hier vorherrschenden Härte-Skala, "Purity", beweist, dass bluesige Einflüsse mit vielen wehmütigen Licks ebensowenig verkehrt sind wie die in anderen Stücken gegebenen Einsätze von japanischen Gastsängerinnen oder eingeschobene, wirklich stimmige Zwischenstücke [die "Book"-Reihe].

Der einzige wirkliche Wehrmutstropfen ist das Fehlen von zusätzlichen Gitarren-Spuren an Stellen, die sie benötigt hätten, um noch druckvoller daher zu kommen. Manche dürften den manchmal etwas schiefen Klargesang ankreiden, doch verleiht dieser [wenn er denn mal in Erscheinung tritt] den jeweiligen Stücken einen eigenwilligen, irgendwo unbeschreibbar sympathischen Charakter - was "Shin-Ken" zu einem ganz besonderen Album macht, das in Sachen Abwechslung, Fingerfertigkeit und Quantität toller Melodien noch seine Konkurrenten suchen muss, welche dieses Jahr erscheinen.

Trackliste:
01 - The Ground Book
02 - Fall To Rise
03 - Death Before Dishonour
04 - The Water Book
05 - The Endless Path
06 - The Wind Book
07 - Purity
08 - Rage Stained Blade
09 - The Fire Book
10 - Kusanagi
11 - Shin-Ken Part I
12 - Shin-Ken Part II
13 - The Void Book
14 - Japanese Poem
Spielzeit: 01:01:13

Line-Up:
Marc Martins Pia - Gesang
Carlos Lozano Quintanilla - Gitarren, Gesang
Jordi Gorgues Mateu - Gitarren
Toni Mestre Coy - Bass
Miguel Espinosa - Keyboards, Gesang
Marc Mas Marti - Schlagzeug
Michael Bambas [Micha]
28.01.2010 | 20:36
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