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Album:Iconoclast
Genre:Doom Metal
Bewertung:5 von 7
27. Mai 2002
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Etwas länger schon in den Läden steht „Iconoclast“, das 2. vollständige Werk der südamerikanischen Band POEMA ARCANUS, deren Stil man am besten mit Dark Progressive Doom Metal umschreiben kann. Da dieses Werk, wie auch die Band, sicher nur ganz wenigen Leuten ein Begriff ist, will ich Euch nun ein wenig aus der klanglichen Welt von „Iconoclast“ berichten.

Der Bandname ist hier Programm, POEMA ARCANUS bieten dem Hörer die gesamte Spielzeit hindurch vertonte Poesie, die, musikalisch geschickt und technisch lecker, eine große Bandbreite von düsteren Emotionen abdeckt, wobei der Hauptaugenmerk eindeutig bei Trauer, Verzweiflung und verletzten Gefühlen liegt. Inmitten von tiefschwarzen Momenten und starken Gefühlsausbrüchen glimmt aber immer wieder ein Funke von Wahnwitz, eine brilliant-kaputte Idee auf, die sich in teilweise recht merkwürdigen, immer aber ansprechend gestalteten instrumentalen Zwischenspielen und Breaks äußert. Es wird so viel mit Tönen gemalt und erzählt daß man durchgängig den Eindruck hat, ein Kunstwerk zu betrachten, zu lesen, zu hören und zu fühlen. Wer sich auf diese Musik einläßt, wird von ihr mit allen Sinnen verzaubert werden. Schon das einleitende Kurzinstrumental „Walls?“ erzeugt die Atmosphäre eines Film Noir, mit dunklen, kalten und angstvollen Klangbildern.

Ich persönlich betrachte dieses Album mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es instrumental wie produktionstechnisch sehr beeindruckend und emotional gesehen stellenweise überwältigend, andererseits komme ich mit der überwiegend theatralisch traurigen Ausrichtung und speziell der Stimme des Sängers nicht so gut zurecht. Fronter Claudio, dessen Gesang stellenweise an MOONSPELL’s „Irreligious“ Album erinnert, setzt seine Stimme zumeist clean ein, was auch bei einigen Songs soweit ganz gut funktioniert, meistens jedoch irgendwie störend auf mich wirkt. Den klagenden, langezogenen Worten, intoniert mit einer jammrigen, leicht brummend-vibrierenden Stimme, haftet teilweise eine gewisse Aufdringlichkeit an, die ich beim besten Willen nicht wegwischen kann. Bei manchen Songs, z.B. „Burnt“, geht das so weit, daß man sich an einen todunglücklichen, gregorianischen Mönch erinnert fühlt. Dabei geht es auch anders, wie der überaus fantastische Titelsong „Iconoclast“ zeigt, in dem Claudio stimmlich nicht ein einziges Mal aus einem angenehmen Rahmen fällt. Ebenfalls sehr gut läuft es bei „She burns us“, ein weiterer Anspieltip, bei dem geheimnisvoller Flüstergesang und apokalyptisches Gitarrenspiel eine tolle Atmosphäre aufbauen können. Einfach nur goldig ist das kurze Instrumental „Chaman“, welches, bewußt ohne schwere Zutaten, weitgehend relaxt aus der Hüfte kommt und eine fast schon fröhliche, sorglose Stimmung ausstrahlt. Mit "Distances" hat man sogar einen richtigen "Hit" auf der Scheibe, der schleppend, aber kraftvoll eine melancholisch-finstere Stimmung erzeugt und sich in so manchen Club gut als deftiger Sidekick von TYPE O NEGATIVE machen würde.

Da das komplette Werk aufgrund oben genannter Gründe bei mir leider nicht zündet, kann ich zusammenfassend selbst nach dieser positiven Kritik „nur“ gute 5 Punkte vergeben. Wer sich mit den Vocals und der meist weinerlichen Ausrichtung des Longplayers anzufreunden vermag, kann ohne weiteres noch ein bis zwei Punkte dazuaddieren. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall – nicht nur für MOONSPELL und Doom Metal Fans!

Trackliste:
1. Walls?
2. The Crawling Mirrors
3. Elegía
4. Chaman
5. Elixir
6. Iconoclast
7. She Burns Us
8. Rite
9. Distances
10. Impressions
11. Desintegración
12. Burnt
13. And Thou Shall Obey


Werner Heinz [sOULiON]
08.01.2003 | 18:56
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