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Album:Köld
Genre:Avantgarde, Post Rock, Progressive
Label:Spikefarm Records
Bewertung:6.5 von 7
Releasedatum:13.03.09
CD kaufen:'Sólstafir - Köld' bei amazon.de kaufen
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"Gute Reise!"

Bei einem SÓLSTAFIR-Review kommt man wahrscheinlich nicht ungestraft davon, wenn man nicht mindestens einmal die paar verschrobenen Bands, bzw. Künstler erwähnt, die Island bisher so hervorgebracht hat und auch noch die geologischen Besonderheiten der schönen Insel anspricht. Was hiermit erledigt wäre. Unnötig Zeit verlieren ist nicht mehr drin, schließlich mussten eingefleischte Fans doch glatt vier Jahre auf den Wunderdreher warten und sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2008 immer wieder vertrösten lassen. Alles vergessen.

"Köld", das dritte Album der Band, ist definitiv keine plumpe Fortsetzung des unglaublichen Meisterwerkes "Masterpiece Of Bitterness" [2005], sondern eine astreine Weiterentwicklung. Das schon mal zum Positiven. Schade ist, dass SÓLSTAFIR nicht ganz das beängstigende Niveau des Vorgängers erreichen. Aber das konnte man auch nicht unbedingt erwarten. Hat man sich damit abgefunden, kann man sich uneingeschränkt über die acht Perlen freuen, die die Cowboys den Schweinen, pardon, Fans zum Fraß vorwerfen. Vor allem in Sachen Produktion haben SÓLSTAFIR mindestens drei Schritte vorwärts gemacht. Einerseits machte der Soundmatsch auf den beiden Vorgängern auch viel der Magie aus, andererseits ist es schön, Drums mit Bums zu hören und kein Mitleid mehr mit Sänger Ađalbjörn haben zu müssen, wenn er mit größtem Kraftaufwand gegen die Soundwände anzuschreien versucht. Differenziert, aber nicht zu sauber, das ist die Formel. Die Songs, bis auf eine Ausnahme zwischen sieben und 13 Minuten lang, brauchen sicherlich einige Durchläufe, um ihr vollstes Aroma zu verbreiten, bleiben aber dafür umso länger in den Gehörgängen. Hartnäckig wie Spermien überleben die spukigen Melodien tagelang in den Hirnwindungen - die Emotionalität steht wie gewohnt deutlichst im Vordergrund. Manche Parts laden zum Tagträumen ein, andere zum Selbstmord. Gänsehaut ist trotzdem immer angesagt. Über Schubladen ist man längst erhaben, wie schüchterne und bescheuerte Beschreibungen "Progressive Post Doom" zweifelsohne zeigen. SÓLSTAFIR sind ein Trip durch wunderschöne Soundlandschaften, die vor Melancholie zu zerbersten zu scheinen. Neu hingegen ist die abgefahrene, abgefuckte Americana-Atmosphäre, die sich wie ein dunkler Schleier über Songs wie "78 Days In The Desert", "Pale Rider" und mit Abstrichen "World Void Of Souls" legt. Und das stille Wasser nicht nur tief, sondern paradoxerweise auch verdammt laut sein können, haben SÓLSTAFIR schon auf "Í Blóđi Og Anda" [1999] bewiesen.

Das Besondere dieser Band kann man sowieso nur schwerlich mit Worten beschreiben, ohne ausgetretene Pfade zu betreten. Auch wenn gerade fast schon ein kleiner Hype um SÓLSTAFIR stattfindet: Selten war Euphorie zu begründet. Falls der Gral bisher an euch vorbeigangen ist und ihr auf der Suche nach wunderschönen neuen Grenzerfahrungen im Reich der Schwermetalls seid, dann solltet ihr euch ganz schnell die komplette Discografie des Quartetts aneignen.

Trackliste:
01. 78 Days In The Desert
02. Köld
03. Pale Rider
04. She Destroys Again
05. Necrologue
06. World Void Of Souls
07. Love Is The Devil [And I’m In Love]
08. Goddess Of The Ages
Spielzeit: 01:10:24

Line-Up:
Ađalbjörn Tryggvason – Vocals, Guitar
Sćţór M. Sćţórsson – Guitar
Svavar Austman – Bass
Guđmundur Óli Pálmason – Drums
Michael Siegl [nnnon]
13.03.2009 | 00:31
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