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Band: Semargl Homepage Semargl bei MySpace.com Metalnews nach 'Semargl' durchsuchenSemargl
Album:Satanic Pop Metal
Genre:Gothic, Industrial Metal, Pop
Label:Twilight
Bewertung:3 von 7
Releasedatum:17.02.12
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"Was ist mit denen passiert?!"

Ich habe nichts dagegen, wenn sich eine Band weiterentwickelt. Warum sollte man ihr auch verbieten zu neuen Ufern aufzubrechen oder ungewöhnliche Einflüsse zu verarbeiten? Einem Musiker wird es schließlich irgendwann langweilig nur mit Scheuklappen auf den Kopf zu komponieren oder seine Musik monoton runter zu zocken. Erfrischendes Jammen im Proberaum führt vielleicht zu kreativen Ideen oder witzelndes Rumprobieren am PC zu geilen Klanglandschaften, hin und wieder lenkt dies die eine oder andere Gruppe in eine visionäre Richtung. Als vor über 20 Jahren Chuck Schuldiner irgendwie mehr Bock auf progressivere Strukturen hatte, erhob das ihn und DEATH zu Göttern. In Frankreich kam ein kleiner Typ der Einfall, diesen coolen Post-Rock mal mit seinem Black Metal zu kreuzen, um als ALCEST unter dem Synonym Neige als Vorreiter für eine eigene Nische zu stehen. Allerdings muss man noch immer unterscheiden zwischen Entwicklung oder totalen Mist fabrizieren. Als perfektes Beispiel kann man MORBID ANGEL´s letzte Scheibe zu Rate ziehen, die dem einen oder anderen meiner Kollegen noch heute zur sofortigen Diarrhö-Sitzung verdonnert. Warum ich euch den ganzen Firlefanz vorpredige? Irgendwie versuche ich mir selbst das neue Album von SEMARGL „Satanic Pop Metal“ zu rechtfertigen.

Doch wer versteckt sich hinter dem wenig klangvollen Namen? Das ist eine einstige Black Metal-Truppe aus der Ukraine, die mit ihrem Debüt „Attack On God“ oder „Manifest“ unbekannte Geheimtipps rausgehauen hat, die wegen der Vielzahl an Einflüssen [ein wenig Avantgarde, ein wenig Groove, ein wenig Thrash] ziemlich interessant waren. Nun was verbirgt sich hinter dem [Aufmerksamkeits-]erregenden, neuen Cover? Bitte einmal am Schreibtisch festhalten: Disco-Pop-Synthies treffen auf RAMMSTEIN-Riffs mit mal gegrowlten und feminin-cleanen Vocals, irgendwo in einer Sphäre zwischen Pop, Gothic, Industrial und Metal. Diese 180°-Wendung wird darin begründet, dass sich SEMARGL aufgelöst hat und sich eine gleichnamige Band mit gleichem Line-Up formiert hat. Na dann erstmal den musikalischen Schock abschütteln und auf die neue Situation vorbereiten.
Als Leitmotiv hat man sich beliebte Combos wie DEATHSTARS oder THE KOVENANT auf die Fahne geschrieben, allerdings ohne die Atmosphäre von Ersterem oder die Güte von Letzterem zu erreichen. Stattdessen geht man höchst melodisch und eingängig vor, statt auf Industrial-Electro werden auf äußerst poppige Disco-Synthies zurück gegriffen, die meistens verdammt penetrant den Ton angeben. Das wäre noch nicht einmal schlimm, wenn häufiger mal der Rhythmus variiert werden würde und die Klangbandbreite nicht so sehr limitiert wäre. Die Gitarren dürfen darüber hinaus über den Großteil der Spielzeit nur Nuancen setzen, mehr gibt die glatt polierte und sterile Produktion nicht her. Fragwürdig finde ich bisweilen auch den Einsatz von spacigen Keyboard-Spielereien, die stellenweise absolut fehl am Platz sind und deren Sinn sich mir einfach nicht erschließen will. Aber trotz der Kritik bis hierhin, so verdammt schlecht machen die neuen SEMARGL ihren Job nicht. Der Fuß wippt bei einem „Sweet Suicide“, „I Hunger“ oder „Labyrinth“ schon mal mit, die coolen Leads eines „God Is Not Love“ oder eines „Tak, Kurwa“ gehen direkt ins Ohr und „I Hate You“ zeigt sich von seiner aggressiven Seite. Wie gelungen die neue Ausrichtung sein kann, wird vor allem gegen Ende ersichtlicher. Insbesondere „Loneliness“ schafft eine tolle Atmosphäre, anstatt nur auf die Tanzfläche zu bitten weckt man endlich Emotionen und selbst die schon angesprochenen Space-Elemente setzen die richtigen Akzente.

Um oben wieder anzuknüpfen, SEMARGL haben sich nicht nur weiterentwickelt oder eine neue Kutte übergeworfen, sie haben sich so ziemlich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Ob man den Schritt von interessanten Black Metal zum poppigen Industrial/Gothic-Act gut heißen will oder nicht, die Entscheidung der Künstler wird nicht von ungefähr kommen. Auch hierbei wurde sich was gedacht und der Mix funktioniert an der einen oder anderen Stelle ungemein gut. Aber insgesamt gesehen gibt es eben doch zu viel zu mäkeln, zu viel ist durchwachsen und zu viel überzeugt einfach nicht. Jedoch besitzen die Ukrainer noch immer Potenzial, wie sie an einzelnen Tracks beweisen können. Diese Stärken ausbauen und wir haben es beim nächsten Album mit wirklich gutklassigem „Satanic Pop Metal“ zu tun … außer die neue Spielform ist ihnen schon zu öde geworden.

Trackliste:
01. I Hunger
02. Sweet Suicide
03. Drag Me To Hell
04. God Is Not Love
05. Tak, Kurwa
06. Suck My Dick
07. Labyrinth
08. Join In Fire
09. I Hate You
10. Opium
11. Anti I Am
12. Loneliness
13. Redire
Spielzeit: 00:44:12

Line-Up:
Rutarp - vocals
Shaddar - guitar
Hannibal - bass, guitar
Anna - drums
Nico Carvalho [Champ]
10.02.2012 | 18:40
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