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Genre:Thrash Metal
Label:American Recordings
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:04.08.06
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"Still haunting the chapel"

Jawoll – danke, wem auch immer. SLAYER sind zurück. Zurück in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist natürlich Urtrommler Dave Lombardo wieder zurück an den Kesseln, zum anderen haben die Songs eine dermaßen offensichtliche Retro-Schlagseite, dass wirklich alle Kritiker des letzten Albums „God Hates Us All“ zum Klugscheißen auf das nächste schalldichte Wüstendixi geschickt werden können.

Natürlich könnte man den kalifornischen Totschlägern nun Stagnation, Kohlegeilheit usw. vorhalten, aber mal Butter bei die Fische: Genauso muss die beste Thrash-Band aller Äonen eben klingen, basta. Genauso – das bedeutet: tendenziell hohes Grundtempo, präzises Halbtongeriffe, megalaute Drumfills in Serie, Soli, die fast immer chaotisch von oben nach untern gniedeln und Arayas perverses und unverkennbares Organ odendruff – platsch!

Kerry King meint, das Ergebnis sei eine Kreuzung aus „Seasons In The Abyss“ und „God Hates Us All“. Ich persönlich glaube musikalisch da eher einen Bastard aus “Divine Intervention” und “Diabolus In Musica” mit wärmerem Drumming zu vernehmen. Denn seien wir ehrlich: Paul Bostaph hatte den klar brutaleren Punch, aber die Flüssigkeit und die völlige Harmonie mit den Klampfen, kurz den klassischen, unverkennbaren und Tränen der Dankbarkeit in die roten Augen treibenden SLAYER-Vibe, bekommt nur Mr. Lombardo hin.

Die Songs im Einzelnen: „Flesh Storm“ und „Catalyst“ gehen gleich in die Vollen. Letzteres wartet mit zig Leads auf, von denen die meisten zwar schon in fünf anderen Nummern verbraten worden sind, die aber zum Song passen, wie der Hühnerarsch auf Tweetys Hütte. Insgesamt ein prima Auftakt – nicht spektakulär, aber dafür ordentlich straight nach vorne gehauen und die Moshparts an den richtigen Stellen platziert.
„Skeleton Christ“ ist ein Thrasher, der in den schnelleren Parts an die „Seasons In The Abyss“-Phase angelehnt ist, diese archaischen Wurzeln aber zwischendurch mit moderneren Hardcore-Rhythmen paart.

Experimenteller wird es dann bei „Eyes Of The Insane“, das ruhig anfängt, dann leicht anzieht und in ein Riff übergeht, das dem von „Death’s Head“ ziemlich ähnlich ist, mit dem Unterschied, dass Araya nicht sofort hysterisch losbrüllt, sondern ein Höchstmaß an Verachtung und Arroganz in seine Stimme legt, die den Song permanent am Boden halten - wie einen sprungbereiten Tiger an der ganz kurzen Kette.

Der modernste und ungewöhnlichste Track ist aber „Jihad“. Die Lyrics erzählen von den Anschlägen des 11. September 2001 – aus der Perspektive eines Terroristen. Allein dafür werden die Sunnyboys aus Kalifornien von vielen ihrer Landsleute geliebt werden. Musikalisch kommen ein paar der Nu Metal-Versatzstücke des letzten Albums zum Tragen, nerven aber nicht so gewaltig wie noch zuletzt. Außerdem kann man die Monotonie der Gitarrenriffs auch als Unterstützung des textlichen Konzepts auslegen.

„Consfearacy“ bietet neben dem cleveren Wortspiel einen Aggro-Track wie man ihn vor allem auf „Divine Intervention“ im Rudel finden konnte. Kein wirklicher Ohrwurm, aber auch nicht völlig chaotisch – Durchschnitt eben.

Bis hierher lauscht man einem netten, ja einem guten SLAYER-Album, das aber zu keiner Zeit am Thron der Klassiker wackeln kann. Doch mit den verbleibenden vier Songs bekommt „Christ Illusion“ seine Turboinjektion (nein, Ihr verdammten Lästerer – das ist jetzt nicht auf JUDAS PRIEST gemünzt). In „Catatonic“ zeigen die alten Herren erst mal, dass sie auch ganz vortrefflich doomen können – so was hab ich im Zusammenhang mit SLAYER ja überhaupt noch nicht gehört. Hier überrollt man im wahren Sinnen des Wortes alles gaaaaanz langsaaaaam, aber dennoch flüssiger als beispielsweise in "Spill The Blood" oder "Seasons In The Abyss".

„Black Serenade“ ist einer der größten Thrash-Songs, die mir überhaupt je zu Ohren gekommen sind. Hier ziehen SLAYER alle Register ihrer songwriterischen und technischen Fähigkeiten. Die Nummer ist dramaturgisch durchdacht, spannungsgeladen, enthält alle nur möglichen SLAYER-Geschwindigkeiten, ist nachvollziehbar, intelligent-aggressiv und einfach nur Kult.

Zu „Cult“ muss man dann auch nicht mehr viel sagen, er läuft ja schließlich seit Tagen auf der SLAYER-Homepage: Voll auf die Ömme: „Ditohead“ meets METALLICAS „And Justice For All“, der Song, der die Rückkehr zu alten Tugenden ankündigte. „Supremist“ lässt mit seinem Grundriff WHIPLASH ganz herzlich grüßen, deren Schlagzeuger Tony Scaglione ja Lombardos Ersatzmann während der „Reign In Blood“-Tour war. Ebenfalls ein ganz starkes Stück mit einprägsamen Passagen, genialen Dynamikwechseln und einem chaotischen Ausklang – eben so wie’s sich für das letzte Stück einer SLAYER-Scheibe gehört.

Ich bin noch nicht sicher, wo ich die Platte zwischen den anderen Alben der Thrash-Giganten einordnen soll, aber eins weiß ich hundertprozentig: Seit sehr vielen Jahren habe ich nicht mehr so gerne eine aktuelle SLAYER-CD aufgelegt. Die Hölle hat euch wieder, Jungens!

Trackliste:
01. Flesh Storm
02. Catalyst
03. Eyes Of The Insane
04. Skeleton Christ
05. Jihad
06. Consfearacy
07. Catatonic
08. Black Serenade
09. Cult
10. Supremist


Marcus Italiani [Mattaru]
11.08.2006 | 09:42
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