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Album:Hard Times And Nursery Rhymes
Genre:Punkrock, Rock, Rock'n'Roll
Label:Epitaph
Bewertung:5.5 von 7
Releasedatum:17.01.11
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"Das reife Alterswerk"

Mike Ness und sein Baby SOCIAL DISTORTION sollte man niemandem mehr vorstellen müssen, denn wer sich in den letzten 30 Jahren auch nur annähernd für Punkrock interessiert hat, dürfte an diesem Namen schwerlich vorbei gekommen sein. Mit „Hard Times And Nursery Rhymes“ lässt das Quartett aus Orange County nach mehr als sechs Jahren [zwischendurch hatte es nur eine Best Of mit einem neuen Song gegeben] sein nunmehr siebentes Full Length-Album vom Stapel.

Wie nicht anders zu erwarten, bleibt beim SOCIAL D-Sound [fast] alles beim Alten und doch ist manches anders: nach wie vor reichlich vorhandenes Outlaw- und Underdog-Gefühl, Melancholie, Country-, Blues-, Psychobilly- und Rock'n'Roll-Einflüsse, verbrämt mit Punkrock-Attitüde und von Mainman Mike Ness immer noch mit hörbar viel Herzblut und seiner unnachahmlichen Mischung aus Schnoddrigkeit und Larmoyanz interpretiert.
Dennoch dürfte man hiermit durchaus nicht nur die anvisierte, klassische Schwalbentattoo-, Hot Rod-, Grease-, Jeans- und Motorrad-Lederjacken-Klientel aufhorchen lassen, denn Ness und Co. nähern sich z.B. mit „Diamond In The Rough“ noch mehr als früher schon an BRUCE „The Boss“ SPRINGSTEEN oder TOM PETTY an oder gemahnen mit „California“ an THE BLACK CROWES und die ROLLING STONES [deren „Under My Thumb“ ja bekanntlich bereits auf dem SOCIAL D-Klassiker „White Light, White Heat, White Trash“ von 1996 zu Cover-Ehren kam] und befinden sich damit zwar fraglos in guter Gesellschaft mit u.a. Kollegen wie THE GASLIGHT ANTHEM, dennoch gelingt es den Altpunkern neben all' dem – ohnehin seit jeher gepflegten - „Working Class“-Image, Blues und Rock'n'Roll ihre trotzig-punkige Attitüde weitgehend zu bewahren.
„Far Side Of Nowhere“ allerdings klingt beinahe nach einer Kooperation von R.E.M. mit dem „Boss“, wäre da nicht der etwas zu kantige Sound der Gitarren. Nach den Ness'schen Solo-Alben, auf denen der SOCIAL D-Chef bereits unverhohlen seiner Vorliebe für Country und Bluegrass hatte frönen können, verwundert das auf „Hard Times And Nursery Rhymes“ vertretene, düster-bluesige HANK WILLIAMS-Cover „Alone And Forsaken“ nicht mehr wirklich, auch wenn Outlaw-Gitarren, Farfisa-Orgel und sein charakteristischer Gesang ziemlich zügig den Schwenk in Richtung Punk'n'Roll vollziehen.
Überhaupt: so richtig zackig punkig geht es eigentlich nur noch bei dem surfigen Instrumental-Intro „Road Zombie“ und dem „Machine Gun Blues“ zu, die beide auf o.g. Album, „White Light...“, auch keine schlechte Figur abgegeben hätten.
Die traurige und doch irgendwie zum Durchhalten motivierende Ballade „Writing On The Wall“ [fast ein neues „Untitled“], „Can't Take It With You“, das gekonnt mit Soul und Frauenchören kokettiert, dabei aber allemal noch einen hochmelodischen, allerdings nur noch sehr marginal angepunkten, Rock'n'Roll-Stomper abgibt oder der sehnsüchtige „Still Alive“-Rausschmeißer sind letztlich typisch SOCIAL DISTORTION. Dafür langt „Bakersfield“ beinahe etwas zu tief in den Schmalztopf, wird aber durch die, erneut ziemlich soulige, BLACK CROWES-Atmosphäre, dezentes Honky Tonk-Klavier und Georgel gerade noch vor der Skiptaste gerettet.

Auch auf die Gefahr hin, Phrasen zu dreschen: „Hard Times And Nursery Rhymes“ stellt den Prototyp des „reifen Alterswerks“ dar; statt Rebellion und Wut regiert mittlerweile Vernunft und Abgeklärtheit, klanglich stilsicher umgesetzt mit ordentlich Orgel, mehr Melodie, Refrains und Hooks, weniger Punk-Härte, dafür noch mehr Nostalgie, Harmonie und Melancholie.
Damit entfernt man sich zwar deutlich von seinem bereits vielzitierten „White Light...“-Klassiker, aber das hatte sich letztlich auch schon auf dem Vorgänger „Sex, Love And Rock'n'Roll“ etwas abgezeichnet.
Wer mit dieser Band alt geworden ist, wird diese Entwicklung wahrscheinlich längst mitvollzogen haben bzw. sie problemlos nachvollziehen können. Allen anderen und den jungen Wilden bleiben ja immer noch die SOCIAL DISTORTION-Frühwerke...

Trackliste:
01. Road Zombie
02. California [Hustle And Flow]
03. Gimme The Sweet And Lowdown
04. Diamond In The Rough
05. Machine Gun Blues
06. Bakersfield
07. Far Side Of Nowhere
08. Alone And Forsaken [HANK WILLIAMS-Cover]
09. Writing On The Wall
10. Can't Take It with You
11. Still Alive

Spielzeit: 00:45:00

Line-Up:
Mike Ness - Gesang, Gitarre
Brent Harding - Bass
Jonny „Two Bags“ Wickersham - Gesang, Gitarre
David Hidalgo, Jr. - Schlagzeug
Dirk Konz [dkay]
21.01.2011 | 21:36
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