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.: CD-REVIEWS :: Tesseract - One
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"Maulsperre" | ||||||||||||||||||
| Immer wieder zieht sich die Erde zusammen, dehnt sich unter Ächzen wieder aus und spuckt dabei einen musikalischen Wunderbrocken aus, der den gemeinen, kleinen Musikhörwicht aus Respekt erstmal verstummen lässt. „One” von den Briten TESSERACT ist so ein Ding. Zwar kommt die Band nicht komplett aus dem Nichts, aber da ihre Debüt-EP „Concealing Fate” [2010] zumindest physisch nur in den Staaten veröffentlicht wurde [begleitend zur dortigen Tour mit DEVIN TOWNSEND PROJECT und PERIPHERY], dürften die meisten Europäer unbedarft in Sachen TESSERACT sein. Das Fünfpack um Gitarrist Acle Kahney [ex-FELL SILENT] kommt aus dem Djent-Umfeld, hebt den Stil [sofern man Djent wirklich als eigene Schublade anerkennen möchte] aber leichtfüßig in eine neue Dimension und lässt selbst die Initiatoren PERIPHERY [die ohne die Wegbereitung von MESHUGGAH und SIKTH natürlich deutlich anders bis gar nicht klingen würden] stellenweise verdammt alt aussehen. Im Prinzip kann man „One” relativ unfallfrei als unglaubliche Mischung aus MESHUGGAH, DEVIN TOWNSEND, TEXTURES und COHEED AND CAMBRIA mit der ganz gewissen eigenen Note umschreiben. TESSERACT frickeln zwar so gewaltig, dass unkundige Ohren möglicherweise drei bis sieben verschiedene Songs zur gleichen Zeit zu vernehmen glauben, umspülen das Ganze allerdings mit einer gehörigen Prise Sphäre, die dem ganzen eine smoothe, gar melodische Oberfläche verleihen, die zum verweilen und nicht zum wegrennen einlädt. Großen Anteil daran hat der flächige Melodie-Gesang von Daniel Tompkins, der aber auch fies schreien kann, wenn ihm die mechanischen, sautiefen Staccato-Riffs auf den Fuß fallen. TESSERACT haben jedenfalls den Bogen genau studiert, denn trotz aller Extremität überspannen sie ihn nie. Das Herzstück von „One” stellt, und das ist für Besitzer der besagten Debüt-EP ein kleiner Dämpfer, der Sechs-Song-Zyklus „Concealing Fate” [knapp 28 Minuten] dar, der aber natürlich viel zu gut ist, um auf einer nicht weltweit veröffentlichten EP zu versauern. Hier ziehen TESSERACT alle und noch mehr Register und liefern ein großes, weites, progressives Opus ab, das mehr als nur einmal einen wohligen Schauer samt Gänsehaut parat hat. Dass die Briten unfassbar gute Musiker sind braucht nicht extra zu erwähnen, aber ihre Qualitäten als Songwriter kann man gar nicht genug loben. Gerade wenn im späteren Verlauf des Werkes so dezent und geschickt wieder Parts vom Anfang aufgegriffen werden, dann will man förmlich, entschuldigt die plumpe Wortwahl, abspritzen. Als Rahmen für dieses Meisterwerk gibt es noch fünf Einzelsongs, die allesamt ebenfalls zu dem Besten gehören, das in den letzten Jahren veröffentlicht wurde. Der Opener „Lament” saugt ein, „Nascent” und „Sunrise” streicheln die aggressive Facette des menschlichen Daseins, während „April” und vor allem „Eden” ernsthaft die Frage aufkommen lassen, was DEVIN TOWNSEND diesen Prachtstücken auf seinem „Ghost”-Album entgegnen möchte. Besagtes „Eden”, neun Minuten lang, teleportiert den Hörer wahrhaftig an einen besseren Ort von dem man eigentlich nicht mehr wiederkehren möchte. Und wenn doch, dann nur, um die Repeat-Taste zu betätigen. „One” hat jetzt schon einen Spitzenplatz in der Jahresabrechnung sicher und wird sich im Langzeittest höchstwahrscheinlich noch als höchstnotentauglich erweisen. Bis dahin gibt es fast die volle Packung und ein glückliches, entrücktes Lächeln, das sich langsam aber sicher zu einem irren Gelächter steigert. | ||||||||||||||||||
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