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Cover von Unru -- Als Tier ist der Mensch nichts
Band: Unru bei Facebook Metalnews nach 'Unru' durchsuchenUnru
Album:Als Tier ist der Mensch nichts
Genre:Avantgarde, Black Metal, Post/Avantgarde Black Metal
Label:Supreme Chaos Records
Bewertung:4.5 von 7
Releasedatum:25.03.16
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"Inhalt trotz oder dank Hipstertum"

UNRU stammen aus Bielefeld und sind eine Entität, die einige Die-Hard-Schwarzwurzler wohl recht schnell als „Hipster Black Metal“ abtun würden. Das hängt zum einen mit dem Outfit der Herren zusammen [DEAFHEAVEN lassen grüßen], zum anderen aber auch mit den Lyrics und – bis zu einem gewissen Grad – der Musik selbst. Mit ihrem Debütalbum „Als Tier ist der Mensch nichts“ versuchen die Mannen dennoch, die kratzbürstige Szene zu überzeugen.

Und UNRU machen das ordentlich. Vier Tracks setzen sie uns vor, bei denen jeweils zwei die Sechs-Minuten-Marke und zwei die Zehn-Minuten-Marke sprengen. Als Black Metal-Fan weiß man damit schon, dass man sich auf meditative Gleichförmigkeit einstellen sollte. Ganz so einfach ist es aber zunächst nicht, denn der Opener „Zerfall & Manifest“ ist in erster Linie ein langes, zunächst fast ambienthaft scheinendes Intro, das ab Minute 03:00 Fahrt aufnimmt, scheppert, dröhnt und dank der Stimme des Frontmannes auch ordentlich „leidet“. Sphärische Elemente verleihen dem Spektakel noch eine leicht außerweltliche Atmosphäre, was dem Track gut zu Gesicht steht. Nahtlos geht es dann weiter mit dem Track „Das Anna-Karenina-Prinzip“. Es handelt sich dabei – wie die meisten wohl wissen – um eine Anspielung an Leo Tolstois Roman „Anna Karenina“, und bei diesem Prinzip geht es spezifisch darum, dass für das Gelingen einer Sache mehrere Faktoren stimmen müssen, während das Scheitern immer schon dann einsetzt, wenn nur ein Faktor nicht gelingt. Klingt kompliziert, ist es nur bedingt, für die Musik von UNRU hat das aber sowieso wenig Bedeutung, denn „Das Anna-Karenina-Prinzip“ ist ein typischer Black Metal-Meditationssong geworden – langgezogen, gleichförmig, ähnliche Riffstrukturen [wobei es gegen Ende etwas abwechslungsreicher wird] und wenig „störende“ Vocals, die den Sog der Soundwall aufhalten und die dankenswerterweise auch eher in den Hintergrund gemischt wurden. Man darf und man muss den Song für diese konsequente Umsetzung dieser musikalischen Form loben, einfallsreich ist das allerdings nicht. Für Einfallsreichtum haben UNRU aber die Lyrics am Start: „Der Stift ist mürbe und die Worte schal. In der Reflexion versiegt die Poesie.“ Noch Fragen? Wenn ja, dann geht es weiter mit „Hēdonée“, das noisig startet und damit einen gelungenen Kontrastpunkt zum vorhergehenden „Das Anna-Karenina-Prinzip“ bildet. Nach knapp drei Minuten setzen allerdings metallischere Töne ein, die doomig daherkommen und von den Vocals her an verschiedene Death Metal-Traditionen erinnern. Handwerklich gut gemacht, allerdings fehlt etwas der rote Faden beziehungsweise die Stringenz des Songs. Das bleibt auch die restlichen Minuten noch so, wobei gerade die Langsamkeit in Kombination mit der scheppernden Brutalität durchaus Spaß macht. So richtig mitzureißen vermag einen „Hēdonée“ aber nicht, da hat „Das Anna-Karenina-Prinzip“ mehr Spaß gemacht. Den Abschluss bildet dann „Totemiker“, das zunächst aufgrund der Lyrics ein paar Fragezeichen hervorruft: „Fühl dich für mich ein in eine junge Hirschkuh, das Brunftgeschrei. Mach mir den Herrscher des Waldes, der die Jungen seines Bruders frisst.“ Aber egal, musikalisch geben UNRU auf „Totemiker“ mächtig Gas und blasten sich durch die letzten sechs Minuten, um in ihren Hörern und Hörerinnen Energie freizusetzen. Gitarren und Drums werden so zu einer zwar mächtigen Soundwand, aber die Riffs an sich sind nicht herausragend und vermögen es kaum, Akzente zu setzen. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen.

Zusammenfassend kann sich das Debüt „Als Tier ist der Mensch nichts“ von UNRU aber durchaus sehen lassen und wird vor allem in dem zunehmend größer werdenden Bereich des offenen Schwarzmetalls seine Freude finden. An der Schnittstelle von Intellektualität und Black Metal fühlen sich die Bielefelder auf jeden Fall wohl und sie können sich in diesem Raum auch handwerklich sicher bewegen. Wer also entweder auf die Ästhetik steht oder zumindest über sie hinwegsehen kann, der kann musikalisch eine neue, starke Band aus Deutschland entdecken. Noch sind UNRU aber nicht so gut, dass man sie tatsächlich kennen muss.

Trackliste:
01. Zerfall & Manifest
02. Das Anna-Karenina-Prinzip
03. Hēdonée
04. Totemiker
Spielzeit: 00:36:01

Line-Up:
H. - Unbekannt
A. - Unbekannt
S. - Unbekannt
T. - Unbekannt
Jonathan Jancsary [Squiggofant]
22.05.2016 | 19:29
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