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Album:Woods 5: Grey Skies & Electric Light
Genre:Doom Metal, Gothic Rock, Melodic Black Metal
Label:Earache
Bewertung:6 von 7
Releasedatum:31.01.12
CD kaufen:'Woods Of Ypres - Woods 5: Grey Skies & Electric Light' bei amazon.de kaufen
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"Posthumes Meisterwerk"

Das Leben/Schicksal spielt bisweilen zweifellos ein gar grausames Spiel, denn kurz vor Veröffentlichung des mittlerweile fünften Albums der kanadischen Dark- bzw. Doomrocker/Melodic Black Metaller von WOODS OF YPRES, „Woods 5: Grey Skies & Electric Light“, verstarb deren Mastermind und Frontmann, David Gold, Ende Dezember 2011 bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Barrie, Ontario im Alter von gerade einmal 31 Jahren.

Ironischerweise hatte sich Gold mit dem zweiteiligen Track „Kiss My Ashes [Goodbye]“ unwissentlich bereits lange vor seiner Zeit sein eigenes musikalisches Denk- bzw. vielmehr Grabmal errichtet, ein Umstand/Song, der nachdenklich stimmt und berührt...
Dabei hätte „Woods 5: Grey Skies & Electric Light“ durchaus den „großen Durchbruch“ für die Kanadier bedeuten können, denn die Platte bietet ein wahres Füllhorn an unterschiedlichen Metal- bzw. Rockstilen, sämtlich geprägt durch die durchgehend düstere, intensive, melancholische Atmosphäre und das tiefe, eindringliche Timbre des verstorbenen Sängers, das an eine Mischung aus Pete Steele [R.I.P.] von TYPE O NEGATIVE, Nick Holmes [PARADISE LOST], Michelle Darkness [END OF GREEN] und MOONSPELLs Fernando Ribeiro erinnert.
Das versuchsweise kategorisierende Promo-Schlagwort, „Downbeat Doom Rock“, trifft es dennoch erstaunlich gut, denn ein Korsett, das lediglich Black oder Doom Metal zugelassen hätte, wäre WOODS OF YPRES' fünftem Werk und der hier - mit traumwandlerischer Sicherheit - präsentierten/umgesetzten Bandbreite an Musikstilen/Genres wohl kaum gerecht geworden, denn wie der verblichene Mainman bereits im Vorfeld hatte verlauten lassen, gibt es hier "[...] Black Metal, Doom, Balladen, Pop, Gitarrensolos, Doublebass, Blasts, Techno, schwarzen Humor, Ironie, Realität, Harmonien, Hoffung [...] und [...] Traurigkeit".
Hardliner und Fanatiker lassen also besser die Finger hiervon, alle anderen sinken seufzend hernieder bzw. lassen sich in die opulenten Melodien/Kompositionen [wie „Travelling Alone“, irgendwo zwischen PARADISE LOST und SEIGMEN] fallen...
Los geht’s mit dem dynamisch rockenden „Career Suicide [Is Not Real Suicide]“ und treibend-melodischem Darkrock, doch bereits „Alternate Ending“ nimmt bereits wieder das Tempo heraus und bietet den Prototyp einer beinahe zu Tränen rührenden Doompop-Ballade, wenn es so etwas denn überhaupt gibt.
Deutlich moderner, vehementer und fast schon progressiv geht es auf „Lightning & Snow“, mit schwarzmetallisch angerautem Gesang zu, gefolgt von der nächsten Düsterpop-Akustik-Ballade, „Finality“, die einem ebenfalls einen Schauer über den Rücken schickt.
Die Electro- bzw. Dark Romantic-Phase von PARADISE LOST hat dagegen auf „Death Is Not An Exit“ mehr als Eindruck hinterlassen, macht nichts, denn auch diese Adaption hat Hand und Fuß.
Elektronische, fast schon technoide Sounds und Beats clashen dann bei „Adora Vivos“ mit Black Metal-Riffs und kreieren eine mitreißende, fast schon tanzbare Mixtur aus E-Beat und Hartmetall, allerdings vermutlich mit mehr Seele, als FRONTLINE ASSEMBLY/FEAR FACTORY das jemals hinbrächten.
„Silver“ mag es dagegen melodramatischer im Black-Doom-Rock-Kontext, „Modern Life Architecture“ flirtet mit dissonanten Keyboards, bevor doch noch die schweren Doomriffs bzw. Geschütze aufgefahren werden, um die nötige Härte nicht vermissen zu lassen.
Der traurige Höhepunkt von WOODS OF YPRES' „Woods 5: Grey Skies & Electric Light“ ist aber ohne Zweifel besagtes „Kiss My Ashes Goodbye“, ein quasi "prähum" veröffentlichter Begräbnissong vom/für den Bandleader, wobei „Pt. 1“ eher rockig/metallisch, „Pt. 2“ mit mehr Schmelz und weniger Schwere umso rührseliger vertont wurde. Wie David Gold da so im tiefsten Bass „When I Die/Just Kiss My Ashes Goodbye“ intoniert, möchte man fast schon von selbsterfüllenden Prophezeiungen schwadronieren, lässt es dann aber vor lauter Rührung doch besser.

Der Sound ist sauber und dennoch organisch, satt und druckvoll, kein Wunder, denn gemixt hat John Fryer [NINE INCH NAILS, PARADISE LOST].
Auch wenn das Werk eines Künstlers die Kritiker posthum gemeinhin zu haltloser Lobhudelei veranlasst und man die Tragödie dieses Albums schwerlich ignorieren kann: „Woods 5: Grey Skies & Electric Light“, das fünfte und - wohl finale - Werk von WOODS OF YPRES, vereint nichtsdestotrotz sämtliche Qualitäten in sich, die ein rundum gelungenes, zeitloses Album im Spannungsfeld von Dark/Black/Doom und Gothic Metal benötigt und hat schon alleine deswegen durchaus das Zeug zum Klassiker...
R.I.P., David.

Trackliste:
01.Career Suicide [Is Not Real Suicide]
02.Travelling Alone
03. Alternate Ending
04. Lightning & Snow
05. Finality
06. Death Is Not An Exit
07. Adora Vivos
08. Silver
09. Modern Life Architecture
10. Kiss My Ashes [Goodbye] [Pt.1]
11. Kiss My Ashes [Goodbye] [Pt.2]
Spielzeit: 00:56:00

Line-Up:
David Gold [R.I.P.] - Vocals/Guitar
Evan Madden - Drums
Shane Madden - Bass
Joel Violette - Lead Guitar
Dirk Konz [dkay]
14.02.2012 | 12:09
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