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Cover von Zinnschauer -- Hunger.Stille
Band: Zinnschauer Homepage  Metalnews nach 'Zinnschauer' durchsuchenZinnschauer
Album:Hunger.Stille
Genre:Experimental, Folk, Screamo
Label:Kapitän Platte
Bewertung:3.5 von 7
Releasedatum:05.12.14
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"Mutig"

Auch mit ihrem inzwischen dritten Release bleiben die Hamburger ZINNSCHAUER eine Art Anomalie in der deutschen Musiklandschaft. Das Trio bezeichnet ihre Musik selbst als „Märchenemo“, was allerdings mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Im Grunde spielen ZINNSCHAUER progressiven Screamo, der ungewöhnlicherweise lediglich mit Akustikgitarre und Gesang umgesetzt wird. Kopf des Ganzen ist Sänger/Gitarrist Jakob Amr [ex-AND THE WAVES WILL CARRY US HOME], der hier quasi fast alleine performt, seine Kollegen Sjard Fitter und Jonatan Lux steuern gelegentlich Gesang, Spoken Words und Schreie bei, sind aber eigentlich dazu da, um live für die richtige Atmosphäre, was Sound und Licht angeht, zu sorgen.

„Hunger.Stille“ ist ein Konzeptalbum, das aus zwei Teilen/Stücken besteht, die in ihrer Reihenfolge beliebig sind, aber sowohl textlich [Zeit] als auch musikalisch [kommt erstmals in „Hunger ist ein einsames Gefühl“ vor] von einem Thema getragen werden, das im Laufe der Spielzeit wiederholt wird. Atmosphärisch erinnert das Album durch die Instrumentierung natürlich eher an Folk-Klamotten als an klassischen Screamo, durch die bisweilen prätentiösen Texte bekommt das Ganze einen deutschlandigen Indie-Rock-Anstrich. Die großen Vorbilder Jakobs sind THE MARS VOLTA, die hier höchstens bei den falsettigeren Gesangs-Parts durchkommen, während ZINNSCHAUER oftmals als Akustik-Version von THE HIRSCH EFFEKT [mit denen die Band auch schon eine Split aufgenommen hat] bezeichnet werden. Vor allem erinnern die verqueren Songstrukturen, die überraschenden Wendungen und die Art der Gesangseinsätze [abgesehen von den Screams natürlich] aber an JOANNA NEWSOMs „Ys“-Wunderwerk [2006], womit die Brücke zum [Weird] Folk wieder geschlagen wäre. In Theorie klingt das alles wunderbar, in der Praxis funktioniert die mutige Mischung leider nur als Stückwerk. Manche Parts sind zum Schreien schön und groß, während andere auch nach zig Durchläufen Fremdkörper bleiben, was dazu führt, dass die Stücke als Ganzes nicht funktionieren. Anders als auf dem Cover visualisiert, greifen die Zahnräder auf „Hunger.Stille“ leider nicht ineinander: die Arrangements wirken löchrig, willkürlich und ausbaufähig. Das reicht trotzdem, um von Zeit zu Zeit wieder zu „Hunger.Stille“ zu greifen, aber ein Meisterwerk haben ZINNSCHAUER hier leider [noch] nicht veröffentlicht.

Trotz aller Kritik muss man festhalten, dass ZINNSCHAUER eine der originelleren deutschen Bands sind und Mastermind Jakob Amr ein sehr talentierter Musiker ist, der uns hoffentlich in welcher Form/Band auch immer noch lange erhalten bleibt.

Trackliste:
V. Hunger:
01. Klamm
02. Hunger ist ein einsames Gefühl
03. Echolalie
04. Das Zahnen allein

V. Stille:
05. Tau
06. Stille ist nur das Warten auf
07. Echolot
08. In Zahlen zu zweit
Spielzeit: 00:36:50

Line-Up:
Jakob Amr – Vocals, Guitar
Sjard Fitter – Vocals
Jonatan Lux – Vocals
Michael Siegl [nnnon]
24.01.2015 | 16:12
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