Die kalifornischen Thrash Metal-Urgesteine BLOOD FEAST haben mit "Chopped, Sliced And Diced" die Veröffentlichung einer neuen EP in Aussicht gestellt.

Die U.S.-amerikanischen Punk Rock-Legenden BAD RELIGION haben mit "My Sanity" einen weiteren neuen Song als Single veröffentlicht.

Die reformierten U.S. Metaller FIFTH ANGEL haben es mit ihrem Comeback-Album "The Third Secret" auf Platz #48 der Deutschen Albumcharts geschafft.

Packt die pinke Leggins aus und setzt den schlüpfrigsten Blick auf, den ihr auf Lager habt: Die US-amerikanischen Glam Metaler von Steel Panther haben mitgeteilt, dass sie am 13.11.2018 das Studio geentert haben, um den Nachfolger ihres 2017 erschienen Album „Lower The Bar“ einzuspielen.

Bei den finnischen Death-Doomern von SWALLOW THE SUN geht es nun Schlag auf Schlag. Ihr neues Studioalbum trägt den Titel „When A Shadow Is Forced Into The Light“ und wird am 25. Januar 2019 durch Century Media veröffentlicht.

Die britischen Heavy Metal-Veteranen und Black Metal-Erfinder VENOM haben drei Jahre nach ihrem letzten Album "From The Very Dephts" eine neue Platte in Aussicht gestellt.

HomeReviewDimmu Borgir – Eonian
Das Artwork des Dimmu Borgir-Albums Eonian

Dimmu Borgir – Eonian

Das Artwork des Dimmu Borgir-Albums Eonian

Wertung
Florian Dammasch: 5/7 Punkten
Frank Wilkens: 6,5/7 Punkten


Info
VÖ: 05.04.2018
Label: Nuclear Blast
Spielzeit: 00:55:00


Line-Up
Shagrath – Vocals
Silenoz – Guitar
Galder – Guitar

Session Mitglieder:
Gerlioz – Keyboards
Daray – Drums


Tracklist
The Unveiling
Interdimensional Summit
ÆTheric
Council of Wolves and Snakes
The Empyrean Phoenix
Lightbringer
I Am Sovereign
Archaic Correspondence
Alpha Aeon Omega
Rite of Passage

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DIMMU BORGIR hat, glaube ich, der RAMMSTEIN-Virus infiziert. Ewig lange Pausen zwischen den Alben, seltenere Konzerte, die aber in jeder Hinsicht umso opulenter ausfallen, und zudem eine sicherlich abnorm große Erwartungshaltung seitens Fans, Presse und Markt. Dass das nicht das beste Beet ist, um Kreativität wachsen und ein neues Album erblühen zu lassen, weiß jeder, der sich einmal mit Kunst in die Öffentlichkeit gewagt hat. Sicherlich auch deshalb hat sich die Band bewusst so gut wie komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und auch kein Wort zu einem neuen Album verlauten lassen, bis es dann tatsächlich fertig war. Acht Jahre lang, und das ist in einem schnelllebigen Geschäft wie dem Metalbusiness eine verflucht lange Zeit – und DIMMU BORGIR eine von sehr wenigen Bands, die sich das ohne großen Image- und Marktanteilverlust erlauben darf. Oder?

 

„Egal, wie man das alles findet – ein Mammutwerk ist die Platte allemal.“

 

Für die Renzension dieses langerwarteten Albums habe ich mich entschieden, eine relativ nüchterne Bestandsaufnahme zu machen, anstatt entweder in einen unreflektieren Freudentaumel oder ein „klingt gar nicht wie 1997“-Alt-Sack-Gejammer auszubrechen. Beginnen wir mal mit allem, was mir nach ein paar Wochen Hörkonsum positiv aufgefallen ist.

Auf der Habenseite steht zunächst, dass es diese Platte überhaupt gibt, und dass das Songwritertrio aus Shagrath, Silenoz und Galder die Arbeit daran ganz sicher sehr ernstgenommen hat. Die zehn Stücke sind ein Meisterstück der Komposition und des Arrangements – auch wenn die Chorarrangements wie schon auf frühere Alben Gaute Storås übernommen hat. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist „Eonian“ ein opulentes, im wahrsten Sinne des Wortes episches Werk, dessen roter Faden vor allem in den überbordenden Choreinsätzen und dem omnipräsenten Orchester besteht. Trotzdem, und das finde ich sehr erfreulich, entpuppt es sich nach einigen Hördurchgängen dann doch noch als Metalalbum, bei dem die Gitarren nicht nur noch begleitende Wirkung haben. Gerade die fixen, durchaus finsteren Stücke wie „ÆTheric“, „Lightbringer“ oder „Alpha Aeon Omega“ sind düstere, aber stets eingängige Extreme-Metal-Songs mit echten Riffs, Blastbeats, treibender Doublebass und viel von dem Kreischgesang, an dem man Shagrath sofort erkennt. Überhaupt ist bei allem Bombast und einem offenbar ziemlich komplexen philosophischen Konzept überraschend, wie eingängig die mitunter großartigen Refrains geraten sind, und wie schnell sie sich im Ohr festsetzen – von genanntem „ÆTheric“, „I Am Sovereign“ und sogar der von „Interdimensional Summit“, das ich aus dem Albumkontext gerissen zunächst absolut fürchterlich fand.
Zudem hat Jens Bogren dem Album den mit Abstand besten Sound verpasst, den je ein DIMMU BORGIR-Album hatte – ein Schlagzeug, das nach Schlagzeug klingt, saftige Gitarren, und überhaupt bei der Komplexität der Stück eine erstaunlich transparente und druckvolle Produktion ergeben einen Klang, der mir deutlich besser gefällt als der sehr sterile Andy Sneap-Mix auf „Abrahadabra“.
Summa Summarum: Was sich auf „Eonian“ an Material befindet, klingt alles in allem schlüssig und zusammengehörig, und es klingt unverkennbar nach DIMMU BORGIR – wenn auch nach Musikern, die hörbar um dieses Material gerungen haben und die mittlerweile mehr an Filmmusik als an echtem Metal einen Narren gefressen haben. Aber das ist ja nicht per se etwas Negatives.

Negativ sind andere Dinge. Zurecht wird sich die Band den Vorwurf gefallen lassen müssen, dieses Album vollkommen überfrachtet zu haben, und zwar so weit, dass es der gängige Metalfan absolut nicht mehr erfassen kann. Das gilt nicht nur für das meinem Empfinden nach (ohne Textblatt) verkopfte und vielleicht sogar verstiegene Albumkonzept, sondern auch für alles, was man ohne Masterabschluss in Philosophie sehen und hören kann: Die Stücke in sich sind mitunter sehr komplex, aber in ihrer Fülle kaum wahrnehmbar, und das gilt in gesteigertem Maße für das Album in Gänze. Auch das Cover, die Videos oder die Kostüme deuten darauf hin, dass sich DIMMU BORGIR immer weiter in ihre eigene Welt vergraben und den künstlerischen Kontakt zu ihren Hörern allmählich verlieren, ähnlich wie ich das auch bei NIGHTWISH wahrnehme. Natürlich ist es Kunst, wenn man sich nicht nach Erwartungen richtet – aber das heißt nicht automatisch, dass das Publikum das auch zu schätzen weiß. Es stellt sich für mich schon die Frage, an welches Publikum sich die Band 2018 eigentlich wendet.
Subjektiv finde ich darüber hinaus lange nicht alles auf diesem Album wirklich gut. „Council of Wolves and Snakes“, auf YouTube für mich unverständlicherweise als typisches und sensationell gutes DIMMU BORGIR-Stück abgefeiert und von der Band als für sie sehr wichtiges Stück hervorgehoben, ist für mich mit seinen esoterischen Schamanen-Chants, seltsamen Effekten auf einer völlig banalen Gitarrenlinien und seiner kaum nachzuvollziehenden Struktur eine Vollkatastrophe, auch wenn der Refrain wunderschön ist. Das ist symptomatisch für das Problem, das ich mit „Eonian“ habe. Das mag alles ganz großartig gemacht sein. Dasselbe habe ich über „Abrahadabra“ vor acht Jahren auch schon geschrieben und würde das noch immer so unterzeichnen. Wie oft aber habe ich seitdem die völlig überkandidelte „Abrahadabra“-Box aus dem Schrank geholt und eingelegt? Vielleicht einmal – beim Umzug. Stattdessen habe ich lieber Musik gehört, die mich auch auf Gefühlsebene so richtig packt, und das tut „Eonian“ leider so gut wie nicht.

 

Ich zitiere mal Shagrath, der über den Entstehungsprozess des Albums sagte: „Die größte Herausforderung besteht darin, das innere Biest zurückzuhalten. Manchmal ist man von seinen Ideen so getrieben, dass man leicht vergisst, wie man sich dem Untier nähern muss, ohne es zu wecken, denn es könnte ausbrechen und vollkommen unkontrolliert toben.“ Ich würde mir persönlich wünschen, dass das Biest mal wieder toben dürfte und nicht all seine Ungezügeltheit an der Garderobe abgeben muss.

Deshalb teilt sich mein Fazit auch in zwei Teile: Objektiv kommt man nicht umher zu sagen, dass „Eonian“ eine positive Überraschung ist und ganz sicher ein großartig gemachtes Album, in dem unglaublich viel Arbeit stecken muss. Wer DIMMU BORGIR in den letzten 15 Jahren mochte, wird seine helle Freude daran haben. Subjektiv muss ich sagen: Es hat mich auch in Wochen emotional nicht erreicht, und trotz aller Komplexität ist „Eonian“ eine Scheibe, die ich lieber im Auto „nebenher“ hören würde, als dass ich sie in einer intensiven, dunklen Stunde mit Kopfhörern genießen möchte. Egal wie man das alles findet – ein Mammutwerk ist die Platte allemal, und ich denke, das rechtfertigt allemal ein Probehören.

Florian Dammasch

DIMMU BORGIR haben der Metal-Gemeinschaft stets genug Anlässe zur Unkerei gegeben. Egal, was diese Band anstellte, so richtig rechtmachen konnten sie es seit Mitte der 2000er Jahre niemandem. Das letzte Album „Abrahadabra“ kam 2010 dann auch mit viel Getöse auf den Markt, die Band trat von nun an als Trio in Erscheinung und überhaupt sollte alles besser werden.

 

„Hier verbindet sich Heavy Metal mit Weltmusik…“

 

Nun kommt es anders als man manchmal denkt. Das Album „In Sorte Diaboli“ zeugte bereits davon, dass man krampfhaft versuchte, den Spagat zwischen Kitsch und Trueness hin zu bekommen, ein durchschnittliches Album. Auch „Abrahadabra“ konnte nicht komplett überzeugen, der Anschluss an die glorreichen Zeiten schien in weite Ferne gerückt. Und so kam es, dass die Band in eine Art Schockstarre verfiel und es gab beileibe nicht wenige Experten, die der Band das Ende prophezeiten. Doch nun melden sich die Norweger mit „Eonian“ mehr als nur eindrucksvoll zurück. Klar, die Erwartungen sind enorm und zugegeben, nach dem ersten Genuss zeigen sich diverse Fragezeichen auf der Stirn. „Eoinian“ braucht mehrere Durchläufe, dann aber knallt es gewaltig. Dazu noch eine unglaubliche Dynamik, die das ganze Album antreibt, als ginge es um das Leben der drei Protagonisten. Klassischer Bombast gehört seit Ewigkeiten zu DIMMU BORGIR, auch wenn man dies auf „Abrahadabra“ dezent übertrieb. Hier jedoch wird das Orchester so eingebunden, dass im Ansatz sogar das Feeling von „Enthrone Darkness Triumphant“ aufblitzt. „Eomian“ ist als Gesamtkunstwerk zu verstehen, einzelne Songs heraus zu greifen, wäre der Sache nicht gerecht. Einen Leckerbissen jedoch möchte ich als Appetitanreger mit auf den Weg geben. Die aktuelle Single „Council Of Wolves And Snakes“ ist für mich grandiose und zeitlose Kunst. Hier verbindet sich Heavy Metal mit Weltmusik, alles auf der Grundlage der DIMMU BORGIRschen Düsternis.

 

Man sollte zwar mit Superlativen vorsichtig umgehen, derzeit allerdings läuft „Eonian“ auf Dauerrotation, weil es einfach kein Entrinnen vor der mystischen Wucht dieser Scheibe gibt. Ich persönlich halte „Eonian“ trotz solcher Spitzenalben wie „Puritanical Euphoric Misanthropia“ und „Death Cult Armageddon“ für das beste Werk seit eben „Enthrone Darkness Triumphant“.

Frank Wilkens

01.05.2018

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