Die U.S.-amerikanische Metalcore-Formation UNEARTH hat mit "Extinction[s]" den Titel ihres nächsten Albums enthüllt.

SLASH FEATURING MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS haben mit „My Antidote“ einen weiteren Song von ihrem kommenden Album "Living The Dream" vorgestellt.

Die New Yorker Hardore-Vorreiter MADBALL haben einen Videoclip zu ihrem Song „Freight Train“ von ihrem Album "For The Cause" ins Netz gestellt.

Die U.S.-amerikanische Metalcore-Band ALL THAT REMAINS hat mit dem brutal "Fuck Love" betitelten Song eine neue Nummer ins Netz gestellt.

Die griechisch-amerikanischen Hard Rocker OUTLOUD haben mit "My Promise" einen neuen Song nebst Lyric-Video veröffentlicht.

Die finnischen Power Metal-Pioniere STRATOVARIUS haben ein Lyric-Video zur orchestrierten Version ihres Songs "Unbreakable" vorgestellt.

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Ein Foto von Metal Queen Doro Pesch

Doro Pesch – Einfach mal ein Doppelalbum

Ein Foto von Metal Queen Doro Pesch

Foto: Nuclear Blast

Unermüdlich – das trifft es vermutlich perfekt. DORO PESCH ist auch Anno 2018 in vorderster Linie zu finden, wenn es um die Beständigkeit im Heavy Metal geht. Dreieinhalb Jahrzehnte auf der Bühne, das wurde in Wacken groß gefeiert. Nun gibt es auch in Sachen neues Album etwas zu vermelden. „Forever Warriors – Forever United“ ist gerade eben als Doppelalbum erschienen. Grund genug also, sich in Donzdorf, dem Sitz der Plattenfirma Nuclear Blast, sich mit DORO zu einem Gespräch zusammen zu setzen.

 

 

Hallo Doro. Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, hast du ja bereits angedeutet, dass es neue Songs geben würde. Jetzt ist es ein Doppelalbum geworden. Du hast auch dieses Mal wieder mit Andreas Bruhn zusammen gearbeitet.

 

Ja, seit 1996 sind wir ein gutes Team. In diesem Falle begann alles eigentlich mit der Idee zum Song „Living Life To The Fullest“. Die Melodie dazu war plötzlich da, als ich im Flugzeug saß, auf dem Rückweg von Lemmys Beerdigung. Ich habe den Andreas sofort angerufen, denn er hat bereits das Duett „It Still Hurts“ produziert. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Mit meinem alten Songwriter-Kumpel Joey Balin, der auch „Triumph And Agony“ produziert hat, habe ich ebenfalls zwei Songs ausgearbeitet, nämlich „Turn It Up“ und „1000 Years“.

 

 

Einen Song, den ich hier herausgreifen möchte, ist „Lift Me Up“. Beim Hören dieses Tracks war mir klar, hier hat DORO alles reingelegt, was sie hat. Dieser Song geht absolut in die Tiefe. Überhaupt sind es die ruhigeren Songs wie auch „It Cuts So Deep“, die mich nach dem ersten Hördurchlauf beeindrucken.

 

Jeder hat ja einen anderen Geschmack. Manch einer mag eher die härteren Songs, beim anderen Hörer kommen die Balladen gut an. Das kann man nie vorhersagen. „Lift Me Up“ liegt mir sehr am Herzen. Das war übrigens der letzte Song, den wir aufgenommen haben. Wir hatten schon an die dreißig Titel, als ich Andreas bat, noch ein paar Tracks aufzunehmen. „Caruso“ zum Beispiel, der in italienischer Sprache noch als Bonus Track erhältlich sein wird. Dazu kamen eben noch „Lift Me Up“ und die Cover-Version von „Don‘t Break My Heart Again“.

 

 

Ich glaube, bei dieser Version des WHITESNAKE-Songs sind sich alle Kritiker einig, das ist ganz stark gemacht. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, der Song ist extra für dich geschrieben worden. Warum hast du dir gerade diesen Titel ausgesucht? Was verbindet dich damit?

 

WHITESNAKE war 1980 das allererste Rockkonzert, was ich je besucht habe. Da es mein erstes Konzert war, hat es mich total umgehauen und ich dachte damals, alle Konzerte wären von dieser Klasse. Doch es hat viele Jahre gedauert, bis ich wieder einen Gig von solcher Intensität erleben durfte. Das waren dann Konzerte von meinen anderen Helden JUDAS PRIEST oder DIO. Ich habe Andreas drum gebeten, diesen Song aufzunehmen, weil ich damit eben groß geworden bin. Wir haben mit dem Song im Studio ein paar Sachen ausprobiert, verschiedene Tonlagen zum Beispiel. Doch was wir auch gemacht haben, die ersten Takes haben jeweils auf Anhieb gesessen. Wir haben ja schon diverse Cover-Versionen gemacht. Ich liebe es einfach, Songs aufzunehmen, zu denen ich eine ganz besondere persönliche Beziehung habe.

 

 

Reden wir mal über „If I Can‘t Have You, No One Will“.

 

Das werden wir auch als Single auskoppeln. Die Ur-Version zum Beispiel entstand nach dem Gig beim Sweden Rock in einer Jam Session mit meinem WARLOCK-Gitarristen Tommy Bolin. Andreas hat den Song in eine Form gegossen und ich habe dann den Johan angerufen, er war sofort Feuer und Flamme, als er das Demo gehört hat und die Lyrics ausgearbeitet.

 

 

 

„Ich liebe es, Songs aufzunehmen, zu denen ich eine ganz persönliche Beziehung habe.

 

Einen Song hast du Lemmy gewidmet. Was ist deine persönliche Einschätzung, welche Lücke hat er hinterlassen?

 

Ich habe Lemmy ja in ganz frühen WARLOCK Zeiten getroffen. Kennen gelernt haben wir uns dann offiziell beim Monsters Of Rock 1986 in England, wo neben uns auch MOTÖRHEAD aufgetreten sind. Er hat mir damals einen Kuss auf den Kopf gegeben und jemand hat das fotografiert. Als ich irgendwann später eine aktuelle MOTÖRHEAD LP hörte und mir das Innencover anschaute, entdeckte ich eben dieses Bild. Ich beschloss darauf hin, ihm einen Brief zu schreiben in der Hoffnung, er würde sich noch an mich erinnern. Das festigte dann den Kontakt und ich habe ihn in L.A. besucht. Wir haben dann für die „Call Of The Wild“ im Jahre 2000 ein Duett eingesungen.

 

Lemmy hat mit „Lost In The Ozone“ ja auch einen gebührenden Platz auf dem Album bekommen. Ihr habt euch also immer gut verstanden?

 

Dazu muss ich dir eine ganz besondere Geschichte erzählen. Als mein Vater starb, hat mich das total herunter gezogen. Ich war mit meiner Mutter unterwegs, weil wir für sie Trauerkleidung kaufen mussten. Im Gegensatz zu mir trägt sie üblicherweise kein Schwarz. Als wir in einem Geschäft ankamen, rief mich jemand auf Handy an und ich wollte gar nicht rangehen, da ich zu der Zeit echt down war und wir mit der Beerdigung zu tun hatten. Doch der Anrufer war hartnäckig und das Klingeln nervte alle im Laden. Meine Mutter überzeugte mich schließlich, ich solle unbedingt ans Telefon gehen. Das war gut, denn am anderen Ende der Leitung war Lemmy. Er hatte den Brief gelesen und wollte unbedingt einen Song mit mir aufnehmen. Ich lehnte spontan ab, weil mein Vater kurz zuvor gestorben war. Doch er meinte, gerade dann sollte ich zu ihm zusammen arbeiten, das würde mir sehr helfen. Wir haben dann nicht nur die zwei Songs damals aufgenommen, sondern er hat mich mental aufgebaut und mir den Lebensmut zurück gegeben. „Lost In The Ozone“ ist ein Titel, den wohl nur die Die-Hard Fans kennen. Lemmy hatte eine sensible Seele, die kaum jemand so wahrgenommen hat. Jeder denkt, er konnte nur dieses „Raubein“ darstellen. Wenn man sich die Lyrics von diesem Song vornimmt, kann man erahnen, wie einsam Lemmy sich manchmal gefühlt hat.

 

 

 

Auf dem aktuellen Album geben sich mal wieder diverse Gastmusiker die Klinke in die Hand. Unter anderem Helge Schneider. Wie kam es dazu?

 

 

Ich habe Helge in der Vergangenheit des öfteren auf unseren Konzerten gesehen, auch in Wacken. Wir haben im letzten Jahr in Mannheim auf dem Maimarkt Gelände gespielt. Dort treten eine Woche lang viele Künstler aus völlig verschiedenen Genres auf. Während unseres Gigs dort ging ich kurz hinter die Bühne, als das Drumsolo einsetzte. Man muss ja zwischendurch mal eine kleine Pause einlegen und etwas trinken. Da habe ich dann Helge entdeckt, der am nächsten Tag dort auftrat und sich unsere Show ganz aus der Nähe ansah. Wir haben uns im Anschluss dann sehr nett unterhalten und er hat mir angeboten, im Falle eines neuen Albums mal als Gastmusiker auszuhelfen. Da wir tatsächlich einen Part mit Saxophon drin haben, war er sofort Feuer und Flamme und hat zugesagt. Ich kann sagen, wir lagen während der Produktion am Boden vor lachen, er hat so eine ganz eigene Art von Humor. „All For Metal“ entstand im letzten Jahr in Wacken. Da ich diesmal keine eigene Show, sondern nur einen Gastauftritt bei AMON AMARTH, konnte ich mich dort in aller Seelenruhe mal umschauen und habe viele Leute getroffen. Warrel Dane zum Beispiel, den ich noch von unsere ersten USA-Tour kannte, die wir 1988 mit MEGADETH und SANCTUARY gemacht haben. Er hat spontan zugesagt, wie auch Jeff Waters und Johan Hegg. Da war an unser Duett übrigens noch gar nicht zu denken. Beim Summer Breeze ging es dann weiter, da habe ich zum Beispiel Mille von KREATOR gewinnen können. Doug Aldridge haben wir den File zu „Heartbroken“ geschickt, er hat ein Solo dazu beigesteuert. Ich mach das unheimlich gern, mit Gästen zusammen zu arbeiten, ob es Lemmy war oder Udo Dirkschneider. Der Einzige, wo es nicht mehr geklappt hat, war Ronnie James Dio, obwohl wir es uns vorgenommen hatten, als wir gemeinsam auf Tour waren. Ich hoffe, ich kann das noch zwanzig Jahre weiter machen und noch mit so vielen Gastmusikern arbeiten. Das macht mir immer noch richtig Spass.

 

 

 

Da hast du das Schlusswort schon vorweg genommen. Ich danke dir für das Gespräch und wünsche euch viel Erfolg für die Platte[n].

 

 

Ich habe zu danken und hoffe, wir sehen uns auf der Tour im Herbst.

 

 

 

 

Frank Wilkens / 20.08.2018

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