Die walisischen Modern Metaller BULLET FOR MY VALENTINE haben den ersten Teil einer Reige von "Making Of"-Videos zu ihrem neuen Album "Gravity" veröffentlicht.

Die portugiesischen Black Metaller MOONSPELL haben einen Live-Clip von ihrem Song "Alma Mater" ins Netz gestellt.

Teutonenstahl-Veteran Udo Dirkschneider hat ein EPK, ergo einen Trailer, zum neuen Album seiner Band U.D.O. ins Netz gestellt.

Die Saarländer Power Metaller POWERWOLF haben ein Video zu ihrem Song "Fire & Forgive" online gestellt.

Das Allstar-Projekt METAL ALLEGIANCE, an dem u.a. TESTAMENT-Gitarrist Alex Skolnick, der ehemalige DREAM THEATER-Drummer Mike Portnoy und MEGADETH-Bassist Dave Ellefson beteiligt sind, wird am 7. September ein neues Album mit dem Titel "Volume II - Power Drunk Majesty" veröffentlichen.

Die Hard Rock-Supergroup THE DEAD DASIES, in der u.a. ehemalige Mitglieder von MÖTLEY CRÜE, WHITESNAKE und JOURNEY versammelt sind, hat ein Video zu ihrem Song "Dead And Gone" veröffentlicht.

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Das Cover von Prequelle

Ghost – Prequelle

Das Cover von Prequelle

Wertung
6.5/7 Punkten


Info
VÖ: 01.06.2018
Label: Spinefarm
Spielzeit: 00:42:09


Line-Up
Cardinal Copia – vocals
Papa Nihil – saxophone

Nameless Ghouls:
Fire – lead guitar
Water – bass
Aether – rhythm guitar
Air – keyboards
Earth – drums


Tracklist
Ashes
Rats
Faith
See the Light
Miasma
Dance Macabre
Pro Memoria
Witch Image
Helvetesfönster
Life Eternal

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Lange habe ich nicht verstanden, was alle mit GHOST haben. Die ersten beiden Alben fand ich eher verschroben als zugänglich, wenn auch interessant. Mit „Meliora“ habe ich mich ein Stück vorgewagt an das Phänomen, dem so ziemlich jeder in meinem musikalischen Umfeld schon vor Jahren erlegen ist. Die „Popestar“-EP und vor allem „Square Hammer“ (für mich vielleicht der beste Rocksong des Jahrzehnts) haben mich dann kalt erwischt. Seitdem kann ich nur wiederholen, was mir jahrelang alle meine Freunde gesagt haben: Hör‘ es dir an. Es ist nichts anderes als großartig.

 

„…ein bis in den hintersten Winkel durchdesigntes Popprodukt.“

 

Seit letztem Jahr hat sich aber etwas verändert im GHOST-Lager – nicht nur, dass die Band in den USA gefeiert wird, als wenn Burger King 5$-All-you-can-eat-Wochen hätten. Tobias Forge, immerhin fast eine Dekade lang der heimliche Strippenzieher im diabolischen Kasperletheater seines Projektes, ist in seiner bürgerlichen Identität enttarnt. Genau im richtigen Moment, denn direkt nach der Musik selbst hat nichts dieser Band so viel Aufmerksamkeit verschafft wie ihre Anonymität und ihre so humorvollen wie atmosphärischen Kunstfiguren. Das hat dem vierten Album „Prequelle“ ganz sicher noch einmal einen enormen Popularitätsschub verschafft und mag, wenn man etwas kritisch ist, einer von vielen wohlüberlegten Schachzügen gewesen sein.
Über eines muss man sich nämlich absolut im Klaren sein: So genial Forges Fähigkeiten auch sind – GHOST ist eine gut geölte Maschine, ein bis in den hintersten Winkel durchdesigntes Popprodukt. Ich prophezeie: Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, dann wird diese Band binnen der nächsten sechs Jahre die größte, teuerste und unterhaltsamste Sensation in der modernen Rockmusik sein, auch in Europa. GHOST werden die altersschwachen Dinosaurier des Stadionrocks mit allem gebührenden Respekt in den Ruhestand verabschieden. 2025 wird kein Hahn mehr nach den ROLLING STONES, AC/DC oder den SCORPIONS krähen. GHOST aber werden die Stars auf jedem Festival vom Donauinselfest bis zum Wacken sein.

 

Wer „Prequelle“ gehört hat, der wird mir vorbehaltlos zustimmen. Vom bereits vor Wochen live und als überaus augenzwinkerndes Video irgendwo zwischen „Thriller“-Hommage und den Reitenden Leichen veröffentlichten „Rats“ bis zum sehnsuchtsvollen „Life Eternal“ ist das vierte GHOST-Album zum Bersten gefüllt mit fantastischen Songs. Auch wenn der Auftakt am Metal kratzt („Rats“ und auch „Faith“ zielen klar Richtung GHOST-Stammpublikum und sind beides Kompositionen, für die jeder Songwriter seinen kleinen Finger geben würde), so entfaltet „Prequelle“ im weiteren Verlauf behutsam, aber sehr deutlich eine ungeheure stilistische Bandbreite, die man einem einzelnen Musiker kaum zutrauen würde. Von balladesken Rocksongs im 80er-Stil („See The Light“ oder das ziemlich proggige „Miasma“ mit Jazz-Saxophonsolo) über schmissigen ABBA-Pop in dem thematisch fast barocken „Dance Macabre“ und die zu Tränen rührende Orchestralballade „Pro Memoria“ bis hin zum instrumentalen „Helvetesfonster“ (das einige Grundmotive des Albums wieder aufnimmt) macht allerdings kein Element des Albums den Eindruck, nur aus Prinzip eingesetzt zu sein.

 

Wohl aber ist diese Musik für das große Format entstanden und für Stadien und große Hallen geradezu prädestiniert. Forge bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit und beneidenswerter Eleganz, da muss ich dem im Übrigen überaus treffsicheren Infoschreiben Recht geben, durch Jahrzehnte Pop- und Rockkultur. Und er hat von den Besten gelernt – Kiss, Andrew Lloyd Webber oder Queen haben in der Konzeption sicherlich Pate gestanden. Er vereint damit Geschmäcker, Interessen und Szene-Affinitäten, er überwindet Generationshürden und verwischt sogar die Grenzen zwischen Konzert, Theater und Musical. Alles das verdeutlicht „Prequelle“ in nicht einmal einer Dreiviertelstunde. Kein einziger mauer Track findet sich auf der Platte, wenn auch mehr und weniger zugängliche, und selbstverständlich haben Tom Dalgety und Andy Wallace das in großer Selbstsicherheit dargebotene Album tadellos inszeniert und produziert. Man kann „Prequelle“ als unterhaltsames Rockalbum hören, man könnte aber sicherlich auch eine popkulturwissenschaftliche Dissertation über die vielen subtilen Querverweise schreiben, die darin verborgen sein mögen und an denen Forge bestimmt seinen Spaß hatte. Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: Dieser Band gehört die Rockzukunft, und wenn man sich überlegt, wieviel Talent, Hingabe und Arbeit darin steckt, dann ist auch alles davon verdient.

Florian Dammasch / 25.05.2018

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