.: SUCHE
    Erweiterte Suche
Reviews von Sólstafir
CD Review: Sólstafir - Berdreyminn

Sólstafir
Berdreyminn


Post/Avantgarde Black Metal, Psychedelic, Trip Rock
6 von 7 Punkten
"Sonnenschein und Suizid!"
CD Review: Sólstafir - Ótta

Sólstafir
Ótta


Post Rock, Post/Avantgarde Black Metal, Psychedelic
6 von 7 Punkten
"Die Reise geht weiter!"
CD Review: Sólstafir - Svartir Sandar

Sólstafir
Svartir Sandar


Post/Avantgarde Black Metal, Psychedelic
6 von 7 Punkten
"Schwarzer Sandkasten der Verzweiflung!"
CD Review: Sólstafir - Köld

Sólstafir
Köld


Avantgarde, Post Rock, Progressive
6.5 von 7 Punkten
"Gute Reise!"
CD Review: Sólstafir - Masterpiece Of Bitterness

Sólstafir
Masterpiece Of Bitterness


Progressive
7 von 7 Punkten
"Sigur Rós goes Metal!"
Live-Berichte über Sólstafir
Mehr aus den Genres
CD Review: Mekong Delta - Intersections [Best Of]

Mekong Delta
Intersections [Best Of]


Prog-Metal, Progressive, Thrash Metal
Keine Wertung
"Zeitlose Klassiker im neuen Gewand"
CD Review: Malpractice - Triangular

Malpractice
Triangular


Hard Rock, Progressive
6 von 7 Punkten
"Muss man gehört haben"
CD Review: The Soundbyte - Trilogy

The Soundbyte
Trilogy


Ambient, Avantgarde
6.5 von 7 Punkten
"Eine atemberaubende Reise mit unbestimmtem Ziel"
CD Review: Various Artists - Zombie Driftwood - Soundtrack From The Movie

Various Artists
Zombie Driftwood - Soundtrack From The Movie


Black Metal, Death Metal, Post/Avantgarde Black Metal
Keine Wertung
"Netter Candlelight-Records-Labelsampler"
CD Review: Admiral Sir Cloudesley Shovell - Check 'Em Before You Wreck 'Em

Admiral Sir Cloudesley Shovell
Check 'Em Before You Wreck 'Em


Blues / Bluesrock, Hard Rock, Psychedelic
5.5 von 7 Punkten
"Volldampf Richtung Rock N' Roll"
CD Review: Iron Maiden - The Book Of Souls: Live Chapter

Iron Maiden
The Book Of Souls: Live Chapter


Heavy Metal, NwobHM
Keine Wertung
"Für jeden was dabei"
CD Review: Evanescence - Synthesis

Evanescence
Synthesis


Ambient, Atmospheric Rock
5.5 von 7 Punkten
"Alte Songs in neuen Kleidern?"
CD Review: Emil Bulls - Kill Your Demons

Emil Bulls
Kill Your Demons


Alternative, Modern Metal
5 von 7 Punkten
"Den Dämonen an den Kragen"
CD Review: National Suicide - Massacre Elite

National Suicide
Massacre Elite


Thrash Metal
5.5 von 7 Punkten
"Neues von der Schnetzel-Elite"
CD Review: Cripper - Follow Me: Kill!

Cripper
Follow Me: Kill!


Thrash Metal
4.5 von 7 Punkten
"Mir nach, ich folge euch!"
Share:
Band: Sólstafir Homepage Metalnews nach 'Sólstafir' durchsuchen Sólstafir
Interviewpartner: Aðalbjörn Tryggvason und Guðmundur Óli Pálmason

Hört man das Wort „Metal“ im Zusammenhang mit „Skandinavien“, kommen einem sofort die herrlichsten Assoziationen in den Sinn: Reudiger Black Metal aus Norwegen à la Darkthrone und melodischer, schwedischer Death Metal wie er von den Pionieren Entombed oder Dismember zelebriert wird, dürften wohl die ersten Gedanken sein. Daneben stehen noch eine handvoll finnischer und dänischer Bands. Aber wer denkt beim Stichwort „skandinavischer Metal“ bitteschön an Island? In Sachen harter Gitarrenmusik ist Island eine große Unbekannte, weit draußen im Atlantischen Ozean, fernab des europäischen Festlands. Doch auch hier auf der „Insel der Extreme“ (was sowohl Natur und Wetter als auch die Preise angeht) hat der Virus, extreme Musik zu machen, einige Menschen infiziert und so existiert auch unter den nur rund 284.000 Einwohnern eine Mini-Szene, deren Speerspitze ohne Zweifel die Gruppe Sólstafir (deutsch: „Sonnenstäbe“ / „Sonnenstrahlen“) bildet. Grund genug also, endlich einmal Licht in die dunklen Island-Kenntnisse des deutschen Musikfreunds zu bringen und sich ein wenig über Land, Band(s) und Leute mit den beiden Sólstafir-Mitgliedern Aðalbjörn Tryggvason (Gitarre, Gesang) und Guðmundur Óli Pálmason (Schlagzeug) zu unterhalten.





Hallo ins ferne Island! Wie geht’s euch denn und was macht die Heimat?

Guðmundur: Die Russen kommen!! Ihre Kriegsschiffe sind nur zwölf Meilen von Ost-Island entfernt!

Da ihr in Deutschland nicht gerade sehr bekannt seid, stellt euch doch bitte mal vor und gebt einen kurzen, obligatorischen Überblick über die Band-Geschichte.
G.: Da gebe ich doch mal weiter an Addi.
Aðalbjörn: Also, unser erstes Demo spielten wir 1995 ein und die Resonanz darauf im Untergrund war gut. Die 100 Stück, die es davon gab, waren schnell ausverkauft und kurz darauf nahmen wir die „Til Valhallar“ Maxi-CD auf, welche 1996 bei View Beyond Records erschien. Von da an bis 1999 spielten wir einige andere Demo/Promo-Sachen ein und schließlich endeten wir bei Ars Metalli, die unser erstes Full-Length-Album herausbrachten. „Í Blóði Og Anda“ kam 2002 raus, über zwei Jahre nach dem ersten Tag, an dem wir das Studio betraten. Ebenso erschien 2002 die „Black Death“ 7“ via Ketzer/Neodawn.
Ja, wir mögen vielleicht nicht so bekannt sein in Deutschland (und generell sonst irgendwo) aber unser Name spricht sich rum durch die ganze Underground-Sache. Und vor allem aus Deutschland habe ich viele Magazine daheim mit Interviews oder Reviews von uns.

Meines Erachtens ist die Musik von Sólstafir ziemlich einzigartig und es ist schwer jemandem zu beschreiben wie ihr klingt, der euch noch nie gehört hat. In meinen Ohren klingt das ganze wie eine wilde Mischung aus extremem Black und Death Metal, einigen Folk-Elementen, Screamo (speziell die Vocals) und Teilen aus anderen Richtungen (wie z.B. Jazz). Würdet ihr da zustimmen? Wie würdet ihr eure Songs denn selbst beschreiben?
G.: Wenn du erst unsere neuen Songs hörst, wirst du wahrscheinlich noch größere Schwierigkeiten haben, die Musik zu beschreiben. Ich denke, ich würde das ganze Atmospheric Epic Metal mit ein bisschen Psychedelia nennen.
A.: Es ist Metal, das ist sicher – und es ist Rock, in einer eigenen Form. Viele haben desöfteren diesen Death-Metal-Einfluss erwähnt aber ich muss sagen, dass ich da nicht zustimme. Ich meine, ich liebe Death Metal (zumindest den, den ich persönlich mag – Welchen auch sonst? Anm. d. Verf.) und ich denke auch, dass jede Art von Musik, die man sich reinzieht, sich in irgendeiner Form in der Musik, die man macht, wiederfindet. Aber Death Metal... Davon höre ich irgendwie keinen Einfluss raus. Es ist vielmehr Black Metal, gemischt mit Rock-Musik und Athmo-Indie-Kram, wenn du mich fragst. Und heute, haha, da haben wir es noch weiter getrieben! Nicht mehr viel Folk – oder sollte eher sagen überhaupt keinen Folk mehr? – und definitiv keinen Jazz. Einfach Metal, Rock und noch mehr Indie. Ich werde oft gefragt, wie ich denn selbst unsere Musik beschreiben würde und ich gebe verschiedene Antworten. Manchmal einfach „Metal“, weil es ja Metal ist – in einer eigenen Form jedenfalls. Und Leute, die sich in unsere Musik reingehört haben, bekommen oft noch eine komischere Antwort.
G.: Naja, ich stimme Addi zu, was den Death Metal angeht. Ich liebe ebenso oldschool Death Metal aber genau sagen, dass er uns beeinflusst, kann ich auch nicht. Vielleicht im Unterbewusstsein, keine Ahnung. Folk-Einflüsse höre ich überhaupt keine aber ich stimme dir beim Stichwort Jazz zu, auch wenn dieser nur in geringem Maße zur Geltung kommt (wie z.B. in einem langen Part des neuen Stücks „I Myself The Visionary Head“). Und ja, bei der Sache mit dem Screamo gebe ich dir auch Recht, obwohl das eigentlich nicht gewollt ist. Es ist einfach wie Addis Stimme klingt, sogar in unseren neuen Songs, in denen er mehr singt als schreit. Seine Stimme ist noch immer sehr intensiv.

Euer letztes Album kam vor zwei Jahren raus und danach gab es nur noch die „Black Death“ EP und die „Promo 2004“. Wie sieht’s denn mit einem neuen Album aus?
G.: Die drei Songs auf der Promo sind Teil des neuen Albums, das wir schon fertig aufgenommen haben. Darauf werden dann insgesamt so sechs oder sieben Lieder vertreten sein. Jetzt müssen wir nur noch ein gutes Label finden, auf dem das ganze dann erscheint. Hoffentlich ist die Scheibe in ein paar Monaten draußen.
A.: Wir haben etwa 70 Minuten an Songmaterial aufgenommen für das Album und dabei einfach drei Stücke durch den Rough-Mix gejagt, um davon die Promo zusammenzustellen.

A propos Label, seid ihr schon in Kontakt mit welchen oder noch immer auf der Suche?
G.: Wir suchen noch immer. Also, ihr Labels, schickt uns euer Geld!!
A.: Zur Zeit verhandeln wir mit ein paar Labels über einen möglichen Deal. Aber noch ist nichts in trockenen Tüchern. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir einen guten Kontrakt kriegen werden, denn wir haben einfach Klasse-Material in der Hinterhand – und das kann ich sagen, ohne dabei grinsen zu müssen.
G.: Da stimme ich Addi zu, unsere neuen Sachen sind hervorragend und es gibt nichts, in keiner Musik-Szene, das auch nur annähernd so klingt. Ich bin echt zuversichtlich, was das ganze angeht.





Eure „Í Blóði Og Anda“ CD ist ausverkauft und bei keinem Händler mehr zu bekommen. Wieso wurde davon bis heute keine zweite Auflage gepresst?
A.: Sie erscheint gerade auf dem russischen Markt durch Oskorei Prod., die ja auch „Til Valhallar“ noch einmal neu herausbrachten. Außerdem sprechen wir gerade mit Karmageddon Media (Ex-Hammerheart) über ein Re-Release mit Bonus-Material. Schaut auf www.solstafir.com, um diesbezüglich auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie waren denn eigentlich die Reaktionen auf euer Schaffen generell bisher?
G.: Oh, sehr gut! Viel besser als ich zu hoffen gewagt hätte. Ich habe nur ein schlechtes Review zu „Í Blóði Og Anda“ gelesen und das kam auch nur so zustande, weil der Kerl sich darüber aufregte, dass wir keinen typischen Black Metal spielen. Stupid wanker! All die anderen Rezensionen, die ich gesehen habe, waren überdurchschnittlich bewertet (z.B. immer über 5 von 10 bzw. 7,5 von 15 Punkten). Das kannst du auf unserer Homepage nachprüfen, denn wir stellen alle Reviews online, die wir finden, ohne dabei die Schlechten auszusortieren.
A.: Ja, ich muss sagen, dass wir viele gute Reviews über die Jahre erhalten haben. Ich meine, unser erstes Demo bekam fast nur gute und viele verglichen es mit Burzum und alten In The Woods... und das würde ich nicht gerade als schlecht bezeichnen. „Til Valhallar“ bekam sogar manchmal die vollen 5 von 5 oder 10 von 10 Punkte! Verdammt, ich würde die selbst nicht SO gut bewerten, obwohl ich noch immer finde, dass sie gut geworden ist. Auch „Í Blóði Og Anda“ bekam fast nur gute Kritiken, wobei ich mich an ein paar erinnern kann, die sich schlecht über mein Geschreie äußerten und meinten, ich sollte mich besser umbringen, hehehe.

Welche Bands und/oder Stile würdet ihr denn als Einflüsse betrachten?
G.: Keine in besonderem Maße. Wir hören Musik aus einem ziemlich weitläufigen Spektrum, das sich von Pop über Indie Rock, Dark Wave, Gothic Rock/Metal bis hin zu Black/Death/Thrash/Heavy Metal und allem dazwischen erstreckt. Wir versuchen es zu vermeiden, uns direkt von einer Band beeinflussen zu lassen, obwohl das natürlich nicht ganz vermieden werden kann. Aber findet das doch einfach selbst heraus, ich will hier keine Namen nennen.
A.: Ich stimme zu, wir haben natürlich unsere Lieblingsbands und hören allen möglichen Kram. Oft lassen wir uns ein wenig von der eigenartigsten Band durch ihren eigenartigsten Song beeinflussen.

In euren Texten finden sich viele Motive aus der nordischen Mythologie (z.B. „Til Valhallar“ /Ragnarök) oder aus dem isländischen Kultur-Erbe („Hovudlausn“ /das gleichnamige Gedicht des Skalden Egil Skallagrimsson). Wie wichtig sind denn die Eddas und Sagas sowohl für euch persönlich als auch auf Island generell? Welche Rolle spielt Ásatrú, der Glaube an die Asen, für euch?
G.: Das ganze ist uns allen seit langem ziemlich wichtig. Und für die isländische Kultur als Ganzes ist das natürlich unverzichtbar. Doch was die Texte angeht, so entfernen wir uns davon mehr und mehr, denn wir wollen uns nicht dauernd selbst wiederholen, weder musikalisch noch lyrisch. Was aber auf keinen Fall heißt, dass sich unsere Überzeugung dadurch ändert. Von der Einstellung her sind wir Heiden aber wir sehen es nicht als notwendig an, diese Tatsache dauernd zu betonen. Wir sind keine Missionare, die den Zwang verspüren, ihre Spiritualität dauernd anderen zu beweisen.
A.: Zu Demo-Zeiten verwendeten wir alte heidnisch-isländische Gedichte, danach schrieben wir eher unsere eigenen Sachen über die nordische Mythologie und anschließend tobten wir uns ein wenig durch anti-christliche Texte aus. Heute könnte man unsere Lyrics als eher persönlicher Art ansehen, angereichert durch ein paar übernatürliche Themen. Wir schließen nichts aus, sondern erweitern unseren Horizont, würde ich sagen. In gewisser Weise war alles eine natürliche Entwicklung, so wie man Dinge eben über die Jahre mit anderen Augen betrachtet.

Was übt sonst noch Einfluss auf euch aus im Bezug auf’s Texten?
G.: Ich denke die meisten persönlichen Erlebnisse werden durch Kunst in gewisser Weise verarbeitet. Ich selbst bin äußerst fasziniert vom emotionalen und sozialen Aspekt vom Thema „Tod“, d.h. wie jeder Einzelne mit seinem eigenen Tod umgeht und wie das Thema durch die Gesellschaft tabuisiert wird. Sex und Tod, das sind doch die natürlichsten Dinge im Leben – und trotz allem die größten Tabus in der Gesellschaft der westlichen Welt.
A.: Heutzutage schreibe ich gewöhnlich einfach über das, was mir in den Kopf kommt, ohne dabei lange zu überlegen, was mir einfallen SOLLTE. Ich finde es schwer, Lyrics zu schreiben und ich denke nicht, dass es da gewisse direkte Einflüsse gibt.
G.: Genau das ist der beste Weg, Texte zu verfassen. Einfach das aufschreiben, was einem gerade einfällt. Wenn man dahockt und sich sagt „So, jetzt schreibe ich einen Lied-Text“, entstand das Ergebnis nicht aus einem natürlichen Fluss heraus.

Und wie schreibt ihr eure Songs? Gibt es einen, der bestimmt, wo’s lang geht oder wird das ganze doch eher demokratisch angegangen?
G.: Gewöhnlich entwickeln wir die Lieder gemeinsam, nachdem einer mit einer Idee oder einem Riff ankam (meistens ist das Addi – aber auch alle anderen haben diesbezüglich schon Sachen beigesteuert).

Seid ihr auf Island sehr bekannt? Vor wie vielen Leuten spielt ihr denn so gewöhnlich Konzerte in eurer Heimat?
G.: In der Metal/Hardcore/Hard-Rock-Szene sind wir wohl schon ziemlich bekannt aber ich kann nicht sagen wie gut informiert die Allgemeinheit ist über uns. Gewöhnlich spielen wir vor 100-200 Leuten, was ganz in Ordnung ist, wenn man sich mal vor Augen führt, wie klein die Rock-Szene hier ist.
A.: Es war schon immer ziemlich viel los hier und es spielen dauernd Bands, sowohl ältere als auch neuere. Und viele davon sind dann ein, zwei Monate in aller Munde, bis wieder etwas Neues auftaucht. Zum Beispiel waren wir in letzter Zeit live sehr aktiv und haben oft vor unterschiedlichem Publikum gespielt. Letztes Wochenende fühlte ich mich dann wie der „Trend des Monats“, so viele Leute verhielten sich nach dem Motto „Sólstafir hier, Sólstafir da“ usw. Doch ich weiß, dass wir kein monatlicher Trend sind, dafür sind wir schon zu lange aktiv. Und ja, ich denke, dass viele Leute uns kennen – oder zumindest von uns gehört haben.

Ich glaube die einzigen isländischen Acts, die auch im Ausland bekannt sind, sind Sigur Rós und Björk. Was haltet ihr von denen? Und welche Bands des Landes würdet ihr sonst noch empfehlen, sowohl was Metal angeht als auch andere Richtungen?
G.: Sigur Rós sind live einfach brilliant! Aber leider haben sie es meiner Meinung nach noch nicht geschafft, dieses Feeling und diese Kraft auch auf CD zu bannen. Aber ich finde sie eigentlich von Album zu Album weniger interessant. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich mir das nächste kaufen werde. Jedenfalls werde ich es mir vorher lieber erst anhören.
Vor Björk habe ich großen Respekt und ich mag ein paar ihrer Songs (denn einige sind echt hervorragend). Aber im Großen und Ganzen interessiert mich ihre Musik nicht so sehr.
Isländische Bands, die ich empfehlen würde? Sólstafir!! Hehe! Ich habe eigentlich damit aufgehört, für andere Gruppen zu werben, da sie im Gegenzug das Gleiche auch nicht für uns tun. Naja, Forgarður Helvítis ist eine geile Grindcore-Kapelle und Brain Police zocken coolen Stoner Rock. In der Hardcore-Szene geht es wohl auch gut ab aber das ist überhaupt nicht meine Baustelle. Kurz gesagt sind die meisten isländischen Bands eh scheiße!
A.: Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir heutzutage die musikalische Elite Islands repräsentieren. (Ähm, OK, haha... Anm. d. Verf.)





Ihr habt auf Island ein paar Konzerte mit den Österreichern Cadaverous Condition gespielt. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
G.: Wolfgang, ihr Sänger, kontaktierte mich und wollte, dass ich ihm bei der Organisation von ein paar Konzerten helfe. Mit der Hilfe einiger Leute lief auch alles glatt. Ich bin auch gerade dabei, meinem Kumpel Þorsteinn von www.restingmind.com zu helfen, zwei Konzerte mit meinen alten österreichischen Helden Pungent Stench auf die Beine zu stellen. Þorsteinn leistet einfach großartige Arbeit, wenn es darum geht, ausländische Bands hier in Island zu promoten. Er hat auch schon einige gute Konzerte organisiert, wie z.B. eines von Mastodon, die ich zu meinen Faves zähle.

Habt ihr schonmal im Ausland gespielt? Falls nicht: Weshalb? Schon was in Planung?
A.: Nein, haben wir noch nicht. Es gab zwar schon immer Pläne, es zu tun aber irgendwie konnten die dann doch nie realisiert werden. Aber ich denke, dass wir kurz davor stehen. Die neuen Songs sind sehr gut und wir mögen es, sie live zu spielen – was auch schon ganz gut klappt. Erst muss aber das neue Album erschienen sein.

Wart ihr schonmal in Deutschland? Falls ja, wie hat es euch denn gefallen? Irgendwelche netten Anekdoten?
G.: Also ich war schon zweimal in Deutschland, 1988 (da war ich gerademal zehn Jahre alt) und 1990 und ich muss sagen, dass ich Land und Leute sehr mochte. 1988 reiste ich mit meiner Familie sowohl nach West- als auch nach Ost-Deutschland, was beides eine einzigartige und angenehme Erfahrung war. Die Leute im Osten kamen mir dabei ein wenig netter vor als die im Westen. Wir besuchten auch einen Freund meiner Mutter in West-Berlin und hatten dort eine gute Zeit. Ich hoffe, dass ich bald wieder nach Deutschland kommen kann, diesmal dann mit Sólstafir.
A.: Ich war 2002 und 2003 auf dem With Full Force und habe daran viele gute Erinnerungen. Ich war dort als Journalist und konnte somit backstage rumhängen und viele coole Leute treffen. Ich kann mich aber an keine guten Stories mehr erinnern – die waren alle viel zu absurd, hehehe!

Wer ist bzw. sind denn eurer Meinung nach der oder die wichtigste(n) Isländer?
G.: Ich selbst! Hehe. Nein, also... Snorri Sturluson, Halim Al, die Band HAM, Leifur Eiríksson, Crazy Casper, Geir Ólafsson, Sigurgrímur Jónsson und Villi Bensínsprengja.
A.: Albert Guðmundsson, Ásger Sigurvinsson ... Hmm, keine Ahnung.

Was würdet ihr denn einem mit auf den Weg geben, der es in Erwägung ziehen könnte, ein wenig Isländisch zu lernen?
G.: Der einzige Satz, den man auf Island kennen muss, ist „Viltu ríða?“, was natürlich soviel heißt wie „Bock zu ficken?“, hehe.

Was mögt und hasst ihr am meisten im Bezug auf euer Heimatland?
G.: Also die Natur und die große Isolation und Ehrfurcht sind absolut das Beste an Island. Die Menschen sind OK aber die meisten von ihnen leiden unter diesem Kleinstadt-Syndrom (wobei ja sogar unsere Hauptstadt Reykjavík im internationalen Vergleich eher als Kleinstadt gilt), was aber an sich nichts Schlechtes ist, da wir hier nicht diese vielen Spinner, keine große Verschmutzung, Kriminalitätsrate usw. haben, was ja mit echten Großstädten alles Hand in Hand geht. Das Schlechteste hier sind natürlich die hohen Preise und das Wetter ist auch nicht gerade berauschend.

Was meint ihr, wie stark wird Island von Außerhalb, z.B. durch die USA, beeinflusst? Gibt es sowas wie ein „natürliches Misstrauen“ gegenüber allem Fremden? Es wird ja sogar jedes ausländische Wort wie z.B. „Telefon“ oder „Computer“ ins Isländische übersetzt...
G.: Also ich finde, dass Island mehr von der amerikanischen (Sub-)Kultur beeinflusst ist als jedes andere europäische Land. Vor allem die jüngere Generation (Oh, ich glaube, da können wir in Deutschland mittlerweile ganz gut mithalten... Anm. d. Verf.). An sich ist da aber nichts Verwunderliches dran, da Island ja in der Mitte zwischen Europa und Amerika liegt. Außerdem hatten wir hier eine U.S.-Airforce-Basis seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch politisch gesehen, schluckt unsere Regierung jede Scheißidee, mit der die Amis ankommen, obwohl es mir so scheint, als würde die Mehrheit der isländischen Öffentlichkeit es alles andere als begrüßen, wie sehr sich Amerika in die isländische Politik einmischt. 80% aller Isländer waren gegen den Irak-Krieg und trotzdem setzte die Regierung unseren Namen unter die Liste der amerikanischen Kriegsverbrecher-Allianz, was ziemlich traurig ist. Denn bis heute war Island in jedem Krieg neutral und hat auch nie selbst einen angezettelt (außer den Kabeljau-Krieg gegen das britische Empire, den wir gewonnen haben hahaha – aber das war ja kein richtiger Krieg). Aber wir halten unsere Sprache rein und sogar technische Ausdrücke wie Computer, Mobiltelefon und gar das Internet, haben ihre eigenen isländischen Bezeichnungen.

Island wurde – auch aufgrund seiner Abgelegenheit – (am Ende friedlich) erst spät um das Jahr 1000 christianisiert. Wie ist denn heutzutage der Stand dieser „neueren“ Religion auf der Insel und wie steht ihr dem Christentum selbst gegenüber?
G.: Island ist ein christlich-protestantisches Land und die meisten Isländer denken auch, sie seien Christen. Ich hingegen glaube, dass viele im Inneren tief heidnisch geblieben sind – die meisten merken es nur nicht. Niemand fürchtet sich wirklich davor, in die Hölle zu kommen, nur weil er die Gebote missachtet hat und wir bauen auch noch immer Straßen um sogenannte „Elfensteine“ herum, nur um die Elfen nicht zu stören. Generell scheint es mir, als gäbe es viele, die auch heute noch an Elfen, das Hulduvolk oder andere heidnische Dinge glauben.

Ihr wohnt in einem der teuersten Länder der Welt. Was zahlt ihr denn für solch elementare Dinge wie Bier und Zigaretten?
A.: Es ist scheißteuer hier! Für eine Schachtel Kippen zahlen wir sechs Euro und nochmal fünf bis sechs Euro für ein Bier in der Bar. Aber im Alkoholladen bekommt man einen 0,5l-Sixpack ca. 5%iges Bier für etwa 12 bis 14 Euro. Und ja, du brauchst mir nicht erzählen, dass das mörderisch klingt im Vergleich zu Deutschland... Ich weiß alles über euch verdammten Bastarde!

Da ich wohl nicht von eurer Musik leben könnt, wie haltet ihr euch denn finanziell über Wasser?
G.: Ich lebe den Rock’n’Roll – bin arbeitslos, hehe. Aber ich plane, wieder zur Schule zu gehen.
A.: Durch eine VHS- und DVD-Kopier-Anstalt.

Hört der „Otto-Normal-Deutsche“ das Wort „Island“, denkt er gewöhnlich an solche Sachen wie Geysire, Ponnies, Wikinger, „weit weg und kalt“. Mit welchen Worten würdet ihr eine Tourismus-Anzeige gestalten?
G.: Mit genau denen, die du erwähnt hast, hehe. Ich würde das Land als wunderschön beschreiben, mit fantastischen, unberührten und einsamen Landschaften, Eiswüsten, Frieden und dem stillen und erhabenen Gefühl der Isolation. Und genau das ist Reykjavík, hahaha!

Nochmal kurz zurück zur Musik. Auf eurer Homepage habt ihr ein paar Bilder vom Videodreh zu einem Lied von „Í Blóði Og Anda“. Kann man das Video schon irgendwo sehen?
G.: Nein, noch nicht.

Was gibt’s sonst noch zur isländischen Metal-Szene zu sagen?
A.: Verdammt, wieso muss ICH diese Frage beantworten? Es gibt hier jedenfalls nicht viele gute Metal-Bands. Die meisten sind noch Kinder und spielen eine Art newschool Death Metal mit Hardcore-Einflüssen. Überhaupt nicht mein Fall.

Euer erstes Album „Til Valhallar“ wurde von einem russischen Label re-released. Wie kam es denn dazu?
A.: Naja, wir haben halt einfach ein Angebot erhalten. Die Original-CD hat ja vier Songs und ein Cover in schwarz-weiß. Das Re-Release beinhaltet nun sechs Lieder und kommt dazu mit einem Farb-Cover daher. Wir hielten es eben für eine gute Idee und für eine noch bessere, es gerade in Russland zu tun. Und die Arbeit von Oskorei Prod. war mehr als zufriedenstellend, da gibt’s nichts Schlechtes drüber zu berichten.

Mir kam zu Ohren, dass es am Wochenende in Reykjavík übermäßig viele alkoholbedingte Schlägereien gibt. Ist dem wirklich so?
G.: Es stimmt schon, dass hier am Wochenende sehr viel gesoffen wird aber zu vielen ernsthaften Verletzungen kommt es letzten Endes nicht, wobei aber doch ein kleiner Anstieg zu verzeichnen ist.
A.: Kommt darauf an, was man als „ernsthaft“ bezeichnen würde...
G.: Ich habe zumindest noch niemanden bewusstlos geschlagen.

Welche Sehenswürdigkeiten sollte man sich bei einem Island-Besuch auf keinen Fall entgehen lassen?
G.: Mývatn, Vatnajökull, Jökulsárlón, Þórsmörk, Landmannalaugar, Skaftafell, Hallgrímskirkja etc.
A.: Dyrhólaey, die Westfjorde, Þingvellir...

Zum Schluss noch irgendwelche Top und Flop 5 bezüglich kürzlicher musikalischer Neuerscheinungen?
G.: Hmm, ich habe in letzter Zeit nicht wirklich viele gute neue Sachen gehört. Top waren aber auf jeden Fall Mastodon „Leviathan”, Isis „Panopticon” und Sunn O))) „White 2”. Gefloppt hat die neue Rammstein (ja, ich weiß, die deutschen Metalheads hassen Rammstein – Stimmt ja gar nicht! Anm. d. Verf. – aber ich mag die alten Sachen). Hmm, mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Ich habe in letzter Zeit eher alten Vinyl-Kram gekauft, wie z.B. Hawkwind, die mir zur Zeit recht gut reinlaufen.
A.: Sieht so aus, als würde ich mich an nichts erinnern...

Danke für’s Interview, das letzte Wort gehört natürlich euch!
G.: Kauft unsere verdammten Alben, wir brauchen Kohle!!
A.: Oder zieht euch mal was von www.solstafir.com, da gibt’s drei neue Songs und älteres Material. Danke für die Unterstützung!

sk

Autor: Sebastian König [sk] | 02.12.2004 | 18:57 Uhr

Kommentare
HOME |  IMPRESSUM |  RSS |  FACEBOOK |  TWITTER |  DISCLAIMER
@Metalnews_de folgen

METALNEWS.DE - Metal-Magazin