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Reviews von Die Apokalyptischen Reiter
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Die Apokalyptischen Reiter
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Interviewpartner: Ady

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

– Interview mit Gitarrist Ady –

„… wir freuen uns bestimmt noch ein kleines bisschen mehr.“





Bei der Weltpremiere des neuen Albums „Der Rote Reiter“ (Veröffentlichung im Sommer) stand Gitarrist Ady von DIE APOKALYPTISCHEN REITER in sehr entspannter Atmosphäre Frage und Antwort. Was er über das neue Album, die Pause, Werte, Reisen, Yoga, Tabak, Russland und neu gewonnene Härte zu erzählen hat … Inklusive Kurzbesuch von Sänger Fuchs und Keyboarder Dr. Pest.



Ihr habt bezüglich des neuen Albums „Der Rote Reiter“ im Vorfeld eine ziemlich große Klappe gehabt. „Dieses Album ist ein Monster! Die Brutalität ist zurück!“ et cetera. Jetzt, wo wir das Album soeben hören durften, kann ich nur sagen: Zu Recht! Ihr habt nicht übertrieben. Es ist hart, es finster, es ballert an allen Ecken und Kanten.


(Lacht) Danke.


Ende 2015 habt ihr eine Pause eingelegt, die nun gar nicht so lang war. Als einzige Unterbrechung habt ihr die Show bei den Metal Days in Slowenien gespielt und zwischendurch wart ihr alle auf Reisen. Die Apokalyptischen Reiter 2017. Magst du etwas dazu erzählen?


Die Pause ging von Fuchs aus. Und ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verstehen. Aber irgendwann hat das alles einen Sinn ergeben. Einige Dinge bemerkst du nicht, wenn du in der Mühle steckst. Und die Show in Slowenien wollten wir eigentlich nicht spielen, denn es ging uns in erster Linie darum, nicht live aufzutreten. Letztendlich hat es doch großen Spaß gemacht.


War das „Zusammenfinden“ nach der Pause als Band ein ganz natürlicher Prozess? Ihr hattet einfach wieder Bock Mucke zu machen oder musstet ihr auf ein Stichwort von Fuchs warten?


Die Lust kam bei uns allen schneller wieder als gedacht. Es war einfach wieder da. Wir haben uns getroffen, haben zusammen gezockt, und da war klar, die Lust kommt wieder. Es ist ganz natürlich passiert. Wir sind es aber gemächlich angegangen, auch das war gut. Man war ja eh wieder schneller in der Mühle drin, als man gucken konnte.


Gab es vorab Diskussionen, in welche Richtung ihr mit dem Album gehen wollt?


Gar nicht. Fuchs hatte einen Haufen Riffs. Der ist da schon mit viel coolem Material um die Ecke gekommen, hat es mit in den Proberaum gebracht und schon dort hat es gut gefetzt. Es war nicht so, dass einer von uns gesagt hat ‚Das versteh ich nicht‘. Es hat alles gleich gebockt und es ging irgendwie schnell. Aber trotzdem haben die Songs noch eine Wahnsinns Entwicklung hinter sich. Diese Energie, dieses Gefühl hat sich einfach so ergeben und, Gott sei dank, auch gesteigert.


Ich muss auch sagen, die Härte ist definitiv zurück. Allein schon das Gutturale in einigen Songs.


Hehe. Das ist die dämonische Seite von Fuchs.


„Der Rote Reiter“ erscheint im Sommer. Wer kam mit dem Titel und gibt es dazu eine kleine Hintergrundstory bzw. einen „roten“ Faden?


Es war der rote Faden, der schon ziemlich früh da war. Das war bei „Tief. Tiefer“ nicht so. Da stand lange so ein Konzept im Raum, welches keiner so wirklich greifen konnte und sich lange entwickeln musste. Dieses Mal war vieles von Anfang an einfach da. Aus dem Bauch raus. Ich würde jetzt mal sagen, als ich damals angefangen habe, und die anderen auch, das weiß ich, so in der Garage quasi, wo man nicht so viel drüber nachdenkt und es einfach macht. Irgendwann meinte Fuchs: „Der Rote Reiter“. Das Thema stand lange im Raum und alle fanden es alle cool. Es ist geblieben.


Einige Songs sind extrem düster und passend apokalyptisch. „Der Rote Reiter“, „Hört mich an“ oder „Ich nehm Dir Deine Welt“. Letzteres fand ich wirklich finster, auch ziemlich lang und es wirkt wie, ja, fast das Herzstück der Platte.


Das geht uns genau so. Wenn wir den spielen, dann ist es hinterher jedes Mal so … (atmet tief durch).


Beim ersten Durchhören habe ich jeden Song als Live-Kracher empfunden, allein durch die Power, die in den Stücken steckt. Aber zu ein paar einzelnen Songs: „Ich bin weg“. Wurde darin eure Pause thematisiert?


Nicht zwingend. Ich glaube, den hatte Fuchs mal für eine andere Band geschrieben, also nur den Text. Er hatte einfach Bock drauf, glaube ich. Und Fuchs ist jemand, der viel reist. Es passte und wozu jemand anderem geben, lass uns das einfach machen. Bei dem Song hab ich auch immer so viele Bilder im Kopf, wenn ich den höre und spiele. Ich bin froh, dass wir ihn gemacht haben (lacht).


„The Great Experience Of Ecstasy“. Persönliche Erfahrung?


(Lautes Lachen) Das kann ich dir leider nicht beantworten.


Alles klar. Dann weiter … Ich konnte nicht ausmachen, in welchen und wie vielen Sprachen in dem Stück gesungen wird. Englisch ja, der Rest kam fast indianisch rüber.


Gurmukhi (Anm. d. Red.: gehört zum indischen Schriftkreis). Das sind Mantras. Positive Energie. Witzigerweise heißt das erste Mantra, bevor das Stück anfängt, Adi-Mantra. Wahrscheinlich eher ein lustiger Zufall. Fuchs und ich machen ja auch seit ein paar Jahren Yoga und befassen uns mit dieser, ja, wie soll man sagen, Lebenseinstellung. Daher kommt das wahrscheinlich auch. Er hat es letztens schön gesagt: Yoga ist gutes Energie-Management für den Körper.


Also bringt dir persönlich Yoga schon eine Art Ruhe?


Unheimlich, ja. Ich bin seitdem viel ausgeglichener.


Für mich fand ich Yoga immer etwas albern. Außerdem hatte ich Schwierigkeiten, meinen inneren Schweinehund kleinzukriegen und konnte somit gar nicht an den Punkt der Ruhe kommen. Wahrscheinlich bin ich noch nicht so weit …


Das verändert alles, Körper und dann automatisch auch den Geist. Ich mach das immer vorm Frühstück und es kostet mich unheimlich viel Überwindung, aber du bist präsent, du bist da, außerdem ist es auch gut für meinen Rücken (lacht).


Zum Aufnahmeprozess. Meistens geht ihr ins Studio, wenn an Material schon fast alles fertig ist, so dass es „nur noch“ aufgenommen werden muss. Warum war es bei diesem Album so, dass die Aufnahmen gesplittet wurden? Die Drums und das Mixing hier in Hamburg, und den Rest … wo eigentlich? Und warum die Chameleon-Studios?


Ich weiß nicht mehr wie, aber wir sind über Alex und Eike (die beiden Produzenten) gestolpert und haben sie zum Proben eingeladen. Wir wollten uns mal gegenseitig angucken. Es hat sofort gefunkt, man hat gemerkt, menschlich ist man auf einer Wellenlänge und so haben wir uns dafür entscheiden. Außerdem war hier (Chameleon-Studios, Hamburg) einfach der bessere Raum für die Drums. Deswegen haben wir damit hier angefangen und parallel in Bad Kösen mit Alex die Gitarren, Bässe, Synthis, Keys und Gesänge gemacht. Dann weiter mit Eike gemixt, weil Alex auch ein unheimlich viel beschäftigter Typ mit Heaven Shall Burn ist. Das war für uns alle immer ein Fragezeichen, wie macht der das (lacht)? Immer gute Laune, immer so leidenschaftlich voll dabei. Wir haben beide ins Herz geschlossen.


Wie lange haben die Aufnahmen gedauert?


Lang (lacht). Wir haben im Februar mit den Aufnahmen angefangen. Dann gab es durch die Tour von Heaven Shall Burn eine Zwangspause. War aber auch mal gut. So konnte man ein bisschen Abstand gewinnen und immer mal hören, ob es diesen Vibe kriegt. Dann ging’s weiter und wurde von mehreren Krankheiten überschattet. Das hat immer mal gewechselt, wer dann gerade krank war und hat sich nochmal gestreckt. So haben wir vorhin, bevor ihr es gehört habt, noch die letzten fünf Songs gemixt. Eine Stunde vorher fertig geworden.


Ihr habt es selbst zum ersten Mal in voller Länge gehört?


Ja. Es sind dann immer nur noch so Kleinigkeiten. Meiner Freundin habe ich immer mal wieder was vorgespielt, aber wenn ich der jetzt den Mix zeige, ich weiß nicht, ob die diese Unterschiede hört.


Die Perfektion von einem selber. Hören wahrscheinlich nur die Profis und die, die es machen.


Der Aufnahmeprozess war für mich auf jeden Fall der Härteste, seitdem ich Studioerfahrung gemacht habe. Alex und Eike haben uns schon richtig gestresst. Nicht dieses ‚Na ja, machen wir so, wenn du zufrieden bist‘, eher (klopft laut auf den Tisch) ‚Nee, ich will’s dir glauben‘. Und das haben die bei jedem Take knallhart durchgezogen, auch wenn es manchmal nur um vier Töne ging, es war scheißegal. 20 mal gespielt, bis der Produzent dagesessen hat und meinte: ‚Das war’s!‘


Hast du hinterher gemerkt, dass es richtig war, was Alex und Eike angemerkt haben?


Auf jeden Fall!


Sie haben dich schon getriggert?


Die ersten zwei Tage waren die Hölle (lacht). Ich dachte immer, ich kann gut Gitarre spielen, was will der Typ von mir!? Hinterher, ja doch, verdammt, er hat recht. Es war auch gut. Ich will ja nicht immer so leben oder so sein, dass man alles weiß oder alles kann oder alles schon erlebt hat. Man hadert dann mit sich selbst und denkt, die Songs sind doch fertig und wir haben sie schon so gespielt und die haben es schon gehört und jetzt geht dieses Gequengel hier los. Aber nein, es wurde so lange getriezt, bis am Ende wirklich das Beste rauskam. Wir sind alle mega dankbar. Das hat man schon bei den ersten Mixen gehört, nur Rhythmus-Gitarren und Bässe. Wir dachten: ‚Scheiße, das hat ne geile Energie und geht echt nach vorne‘.


Auch wenn ihr noch ein bisschen am Mix machen wollt, ist die Produktion jetzt schon super fett und knackig.


Das war uns ultrawichtig. Wir sind da auch richtig soundaffin, diesen Charaktersound. Fuchs hat so einen ganz speziellen Amp, der funktioniert nur in dieser 3-er-Kombo: Gitarre, dieser Amp mit dieser Box …


Und Fuchs?


(Lacht) Er spielt es natürlich. Und wenn ich es spiele, klingt es halt auch noch mal ein klein ticken anders mit diesem Zeug. Wir haben allein fünf Rhythmus-Spuren für Gitarre, und das ist natürlich schon ein Brett. Aber es hat sich alles gelohnt. Wir haben lange rumgebastelt bis wir zufrieden waren. Trotzdem hat es sich schnell gefügt und letztendlich war es eine klare Bauchentscheidung: Jo, so machen wir’s! Und dann durchgezogen. (Ady bietet mir eine Filterzigarette an, während ich mir eine drehe) Übrigens, du kannst dir auch gern eine nehmen.


Das ist lustig; ich werde von Filterzigaretten-Rauchern fast immer bemitleidet, wenn sie sehen, dass ich mir eine drehe, nach dem Motto: Hier, du kannst dir doch eine „richtige“ Zigarette nehmen (Ady zeigt mir seinen Tabakbeutel). Ja, den hab ich vorhin schon gesehen, fand ich sofort sympathisch.


(Ady grinst, hält wieder die Zigarettenpackung hoch und flüstert:) Ja, aber die hat jemand vergessen (lautes loslachen aller Anwesenden). Ich weiß auch wer, daher nicht geklaut (Wieder lachen alle und ich greife mir eine Filterzigarette).


Danke. Aber Selbstgedrehte rauche ich trotzdem am liebsten. Schmecken mir einfach besser.


Ich bin da auch so. Unparfümiert, dünne Papers, da steh ich total drauf.


Was rauchst du für einen Tabak?


American Spirit.


Der ist mir ein bisschen zu trocken.


Ja, aber der ist noch für andere Sachen gut (lacht).


Hab ich auch schon gehört. Ich rauche Pueblo. Der ist relativ stark und schmeckt (Wir zünden uns die Filterzigaretten an). Sehr gut, Raucher unter sich. Zurück zur Musik: Eike hatte angemerkt, dass ihr wohl jetzt mehr Songs vorgespielt habt, als tatsächlich aufs Album sollen.


Das ist für uns die Frage. Es ist natürlich echt viel und lange Musik. An die 55 Minuten.


Wow. Kam mir nicht so lang vor.


Das ist ein gutes Zeichen. Wir hadern noch selbst mit uns, da wir die Songs alle so lieb gewonnen haben, dass wir gar nicht wissen, welcher dann gehen soll.


Statt dich zu fragen, welcher Song raus soll, welcher darf auf gar keinen Fall raus?


Wenn du die Frage stellst, ist auf einmal Ruhe in der Runde.


Hast du Lieblingssongs auf dem Album?


Das ist bei mir so stimmungsabhängig. Das liebe ich auch so an dieser Band, man darf alles machen, nicht immer nur böse sein. Da erinnere ich mich gut an eine Tour, da waren wir mit Unleashed unterwegs. Ich liebe ja auch diesen Typen, Fredrik (Gitarre), also der hat so ein geilen Ton in den Fingern. Jedenfalls, da saß er mal mit seiner Gitarre draußen, in der Schweiz, zwischen den Bäumen, am Fluss, und Fuchs und ich kommen vorbei und er sagt so: Jungs, ich beneide euch. Ich würde gerne auf der Bühne auch mal so lächeln dürfen und mich so freuen. Wir dachten, mach doch einfach, aber na ja, Unleashed, böse, sind wir zwar auch, aber wir freuen uns über Songs wie „Franz Weiss“ mit einem Text über die Freude am Reisen. Das ist für uns halt alles. Letztens dachte ich wieder, alles wird einem zuviel, alles so anstrengend. Und plötzlich war da dieser „Auf und Nieder“-Refrain im Ohr, und ja, ich dachte, so ist das echte Leben.


Ich finde, ihr seid gar nicht so oder durchgehend böse. Trotz des Bandnamens oder der teils düsteren Songs, über die wir schon gesprochen haben. Da ist eine Menge positives Zeug. In den Texten, was ihr in Interviews von euch gebt. Ganz einfach vielleicht so gesagt, als würde bei euch das reine und bewusste Menschsein im Vordergrund stehen.


Ja genau. Das ist uns total wichtig. „Apokalypse“ ist ja auch griechisch und heißt „Offenbarung“. Nachdem es geknallt hat, wenn man quasi Reine gemacht hat, dann kann es ja auch wieder im Guten weitergehen. Das ist immer so mein Gedanke. Manchmal muss man halt Tabula Rasa machen um gut durchzustarten. Wie mit der Pause zum Beispiel. Auch wenn man es nicht immer gleich versteht, aber es hat schon, nicht unbedingt einen tieferen Sinn, aber wir sind schon unsere eigenen Herren und denken alle in diese Richtung.


Du hast länger gebraucht um in die Pause zu kommen, um das zu verstehen?


Ja. Manchmal ist man so betriebsblind und merkt gar nicht, dass man in der Mühle drinsteckt. Man weiß es natürlich irgendwie und kann es tief in sich nicht verleugnen, aber manchmal hält man an Sachen fest an denen man sich nicht festhalten müsste, die einem nicht gut tun.


Von außen betrachtet. Stehenbleiben, zurückschauen.


Wo ich mich drauf einlassen konnte, mit meiner Reise, das war dann so … (Pause und lacht) … es hat echt Klick gemacht.


Wohin bist du gereist?


Südostasien. Ich war erst mit meiner Freundin unterwegs, die musste dann zurück und ich habe es einfach allein ein bisschen genossen.


Das Alleinsein, gerade im exotischen Ausland macht auch was im Kopf, oder?


Ja. Ich muss auch gestehen, das wird meiner Freundin nicht gefallen (lacht), aber ich reise am liebsten allein. „Kutao“, ach quatsch, wir haben noch so die Arbeitstitel im Kopf, ich meine „Ich werd bleiben“, das war so eine Geschichte. Fuchs war in Kambodscha, ich auch noch in Kambodscha schnell auf der Durchreise, dann bin ich aber straight über Umweg von Bangkok in den Süden runter nach Kutao. Das ist so ein Taucherparadies. Ich bin da morgens um 6 mit der Fähre angekommen, hab mir den Strand gesucht, wo am wenigsten los war und habe mich sofort verliebt. Ich dachte, hier bleib ich. Ich habe mich dort mit der Barfrau angefreundet, eine ältere Dame. Die war schon cool drauf, wie die Thais halt alle so, aber sie war ein bisschen angefressen, weil der Monsoon dort immer so viel Müll anspült. Ich meinte zu ihr, dass ich Zeit hab und wenn sie eine helfende Hand braucht, mach ich gern was. Die hat sich so gefreut.


Hast du gemacht?


Ich hab jeden Tag ein bisschen gemacht. Ich bin aufgestanden, hab erstmal ein bisschen was gelesen und das Wellenrauschen genossen, zwischen den Palmen in der Hängematte, und wenn du dann zwei Stunden am Strand rumläufst und aufräumst, freust du dich und bist einfach nur da. Und die Dame hatte auch eine Gitarre da, die hat sie mir natürlich dankbar überlassen. Damit hab ich ein wenig vor mich hingeklimpert und dachte, das klingt schön, es passte zu dem ganzen Ambiente.


Du hast „Ich werd bleiben“ dort geschrieben?


Quasi das Riff. Ich hab’s dann mitgebracht und alle fanden es gleich schön. Ich hab da gar nicht mit gerechnet. So ein bisschen Geklimper aus dem Urlaub.


Passt wahrscheinlich: „Franz Weiss“. Thema Reisen. Gibt es zu dem Namen irgendeinen Kontext?


Es gibt diesen Menschen wirklich, er heißt nur nicht Franz Weiss.


Und wieso dieser Name?


Das weiß ich gar nicht genau. Aus so einer Laune raus. Wir wollten ihn nicht benennen, dachten aber, dass Franz Weiss ein guter Name ist. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere durch die Häufigkeit angesprochen. Fuchs und der besagte Herr reisen auch öfter mal zusammen. Es sind wirklich so Geschichten, wo ich nicht weiß, ob sie tatsächlich so passiert sind, aber wenn ich an die Zwei denke, kann ich es mir gut vorstellen (lacht).


Hast du zu einzelnen Songs etwas zu sagen? Hintergrundgeschichten, persönliche Interpretationen?


Das ist schwierig. Es sind so viele, die Fuchs einfach mitgebracht hat und ich hab dann dazu immer meine eigenen Bilder entwickelt, wie es halt bei jedem so ist. „The Great Experience Of Ecstasy“, das war ein Song, der ist kurz vor Studioantritt einfach so entstanden. Nach dem Motto: Wollen wir noch ein Song schreiben? Irgendwas schnelles? Ich hab da was. Dann haben wir losgelegt und der war gleich fertig. Das war geil, hatten wir lang nicht mehr so gemacht (überlegt lange).


Nur was dir persönlich am Herzen liegt.


„Die Freiheit ist eine Pflicht“, da finde ich den Text megastark.


Ein Song, indem ihr die Leute wieder direkt ansprecht.


Ja, so ein Bedürfnis. „Ermächtigt euch selbst“, jeder hat es in der Hand. Hm, das hab ich noch nicht gemacht aber sollte ich mal machen, bei Fuchs vorbeigehen und ihm sagen, der Song kriegt mich. Es kriegen mich alle, aber bei diesem Song … ich wünschte, es würden sich viele dieser Eigenverantwortung bewusst werden. Das ist, was der Song für mich ausdrückt. Ja ja!


Ich finde, genau solche Aussagen sind ein roter Faden bei euch. Ihr habt ja immer wieder Songs, in denen ihr genau diese Themen ansprecht. Hinterfragt die Dinge, hinterfragt euch selbst.


Das liebe ich auch an Fuchs seinen Texten, auf jeden Fall. Nicht nur so platte Attitüde. Okay, dieses Apokalypse-Thema kann natürlich auch eine platte Attitüde sein, aber wir haben so oft das Gefühl, dass so viel scheiße läuft.


Brauchst ja nur den Fernseher anmachen.


Hab ich nicht mehr. Es deprimiert mich einfach. Man kann ja gar nichts mehr an Nachrichten konsumieren, so dass man meint, irgendwie mit der Welt klarzukommen. Da könnte man den ganzen Tag nur heulen, und das will ich auch nicht.


Wie die Art der Kommunikation sich verändert hat, finde ich schlimm.


Dieser Kommunikationsüberfluss. Es kommt sowieso zu dir.


Genau das. Du willst vielleicht nur mal eben in deine E-Mails gucken und bekommst durch zugeballerte Homepages den ganzen Scheiß mit, ob du willst oder nicht, schön in mundgerechte Häppchen verpackt. Okay, aber kommen wir zu schöneren Dingen: Im Herbst seid ihr auf Tour. Festivals werden sicherlich erst nächstes Jahr gespielt, weil das Album mitten im Sommer erscheint?


Ja genau. Erst die Platte fertig machen, so dass wir uns darauf konzentrieren können. Nicht gleich wieder alles übereinander und durcheinander, gleichzeitig noch eine Tourplanung. Unser 20 jähriges Jubiläums-Festival hat uns auch soviel Zeit gekostet. Nicht, dass wir es nicht wissen was da alles dranhängt, aber selbst als Veranstalter aufzutreten und dies durchzuführen, ist schon eine andere Nummer. Hat man daran schon gedacht? Nein. Und wer kümmert sich darum? Und um was muss sich noch gekümmert werden?


Wie liefen die drei Tage für euch ab?


Der erste Abend war gemütlich, so dass dieser „Graben“ auch mal gebrochen werden konnte und die Leute uns als Typen erleben. Dann der schmeichelhafte Akustik-Abend, wir können auch anders. Und natürlich der fulminante Abschluss.

(Fuchs kommt hinzu und fragt Ady:) Hast du grad „ein speichelhafter Abend“ gesagt? (alle lachen)

Ady zu Fuchs: Hier, Fuchs, ich hab’s grad schon gesagt, ich muss dir noch was sagen: „Die Freiheit ist eine Pflicht“; es geben mir alle Texte was, aber für den muss ich dir nochmal auf die Schulter klopfen.

Fuchs: Merci beaucoup. (Zündet sich eine Zigarette an und verlässt den Raum) Bis gleich.


Wir sind auch gleich durch.


Kein Stress


Super. Im Herbst erstmal eine etwas kleinere Tour durch Deutschland. Aber im Ausland habt ihr ja auch eure Fans. Aber die sind, wie die Festivals, nächstes Jahr dran?


Genau. Wir hatten auch überlegt, Russland? Da gibt es wieder ein Angebot, sozusagen.


Die feiern euch da ab, ne?


Ja. Dieses Mal kommen wir denen auch ein bisschen entgegen. Ich glaube, Anfang Mai haben die ihren Nationalfeiertag, so wie wir unsere Wiedervereinigung, da haben die alle frei und wir dachten, dass wir hinfahren. Feiern können die echt richtig gut. Und wenn, dann lassen wir es gleich richtig mit denen krachen.


St. Petersburg und Moskau?


Ja. Da wir so gerne reisen, sind wir natürlich auch am hadern, für zwei Tage nach Russland, schlechte Energiebilanz, Flugzeug, so viel Strom, Kohle. Also kommen wahrscheinlich noch ein paar Dates dazu, das würde uns mega freuen. Das letzte Mal als wir in Russland waren, sind wir nämlich mit dem Zug angereist.


Wie funktioniert denn das mit dem Equipment?


(Lacht) Jeder was er tragen kann. Und wenn du dort kein Russisch sprichst, bist du aufgeschmissen. Einmal war es so, dass die Agentur keinen mitgeschickt hatte, der Russisch spricht, aber wir hatten einen Kumpel dabei, der Backline macht, der ist Ukrainer. Der hat uns den Arsch gerettet.


Live lasst ihr euch auch immer was einfallen. Kostüme, Bühnenbild etc. Habt ihr da schon konkrete Pläne?


Klar hat man den Drang, den Leuten was zu bieten, aber dieses Mal wissen wir nicht, ob wir das so durchziehen wollen. Noch keinen Plan. Die Songs müssen ja auch erstmal gespielt sein, aber die Bühnenklamotten sind grad in der Entstehungsphase, vielleicht entwickelt sich dann noch was. Wenn die Band spielt, ist da schon so eine Energie, vielleicht braucht es das alles gar nicht.


Wie schon gesagt, wenn ihr die neuen Songs live spielt, und alle bieten sich an, macht ihr die Leute ja schon fertig.


Denke ich auch. Aber wenn z.B. Metallica nicht „Enter Sandman“ spielen, meckern die Leute auch.


„Der Adler“ von „Riders On The Storm“ ist ja auch ein perfekter Livesong.


Vor ein paar Jahren kamen auf einmal alle an und meinten, dass sie den gern mal live hören wollen. Seitdem ist der auch immer Set und es macht übelst fun den zu spielen.


Ihr habt „Wir sind zurück“ als erstes Zeichen nach außen live gestreamt.


Genau. So als passende Message.

(Dr. Pest sitzt nebenan auf dem Billardtisch)


Dr. Pest, wegen der Weltpremiere auch ein bisschen aufgeregt gewesen?


Dr. Pest: Ein bisschen. Aber wir wussten, dass es gut wird. Wenn du für eine Sache brennst, wird die auch richtig gut, ansonsten wird es immer nur halb.


Hattet ihr künstlerische Freiheit?


Dr. Pest: Da redet uns keiner rein.

Ady: Sonst hätten die Labels auch keinen Spaß an uns (lacht).


Wir sind soweit durch. Euch alles Gute mit dem neuen Album. Eine Menge Leute freuen sich auf euer Comeback, ihr macht sie heiß. Die letzten Worte gehören dir.


Wir genießen das natürlich. Wir wissen, dass wir jetzt nach der Pause alle heiß gemacht haben. Und wir können das auch noch nicht so greifen. Vorhin haben wir das erste Mal die Songs in diesem Sound in dieser Tracklist gehört. Wir freuen uns, dass alle sich auf uns freuen, denn wir freuen uns bestimmt noch ein kleines bisschen mehr (lacht).



Den Bericht zur Listening-Session zu „Der Rote Reiter“ findet Ihr hier.

P. Lugosi

Autor: Jan Termath [P³Hamburg] | 10.05.2017 | 16:21 Uhr

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