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Interviewpartner: Al Jourgensen

Wer hätte das gedacht? Nachdem MINISTRY sich nach „The Last Dubber“ und der „C U La Tour“ offiziell aufgelöst hatten, meldete sich Workaholic Al Jourgensen letztes Jahr mit der überraschenden Nachricht zurück, dass es ein weiteres MINISTRY-Album geben wird. Nun steht das in mehrfacher Hinsicht passend betitelte „Relapse“ in den Startlöchern und wird am 23. März erscheinen. Daher wollen wir Euch das nachfolgende, von Angelina Jourgensen geführte Interview mit dem MINISTRY-Mastermind nicht länger vorenthalten. Los geht’s!




Nun, Mr. Jourgensen, im März erscheint „Relapse“, dicht gefolgt von einer Tour. Kannst Du uns darüber berichten, was dazu führte, MINISTRY wiederzubeleben?

Ja, ich hatte angefangen, Blut zu kotzen. Also, das war auch der Grund für mich, mit MINISTRY aufzuhören. Ich kotzte Blute, dann habe ich Blut geschissen, bekam Anfälle und landete auf der Intensivstation. Dann dachte ich mir „Okay, das reicht jetzt“. Ich habe seit ungefähr acht Jahren während der Touren Blut gespuckt, und ich dachte, das sei Halt Teil dessen, in einer Rock-Band zu sein. Ich habe mich nicht beklagt, sondern einfach acht Jahre lang Blut hochgewürgt. Während der letzten Tour ging mir das aber auf die Nerven, sodass ich sagte „Nein, das ist genug“, sodass ich aufhörte. Ich kam dann aber auf die Intensivstation, wo mich die Ärzte wieder zusammenflickten, mich operierten und mit Lasern behandelten. Sie fanden 13 Geschwüre, von denen sechs immer noch aktiv waren und eins sogar platzte, und das war auch der Grund dafür, warum ich so viel Blut verlor und mich auf Tour und während Studioaufnahmen die ganze Zeit so mies fühlte. Sie haben das aber wieder gerichtet, sodass ich heute bis zu einem gewissen Grad wieder gesund bin. Ich kam also aus der Intensivstation raus, habe mir gut einen Monat Ruhe gegeben und bin dann zusammen mit Mike Scaccia die BUCK SATAN-Geschichte angegangen. Mikey und ich wollten das schon immer machen, und ich sagte, dass ich das über die Bühne bringen würde, ehe ich sterbe. Und da ich nun mal fast den Löffel abgegeben habe, fand ich, dass es an der Zeit war, diese BUCK SATAN-Scheibe zu machen. Also haben Mikey und ich uns daran gemacht und das Teil fertiggestellt. Und als wir damit beschäftigt waren, haben wir zwischen diesen ganzen Country-Songs ein paar Metal-Riffs gejammt, sodass Mikey dann meinte, ich sollte ein neues MINISTRY-Album machen, da die Riffs so gut seien, dass wir das einfach tun müssen. Das sind die Hintergründe. Es hat sich einfach zufällig ergeben, zumal ich das überhaupt nicht geplant hatte. Aber Mikey hat mich überredet, und das ist auch prima so, da es ein großartiges Album ist.


Das Motto der kommenden Tour ist „DefibrillaTour“. Hat das etwas mit Deiner Nahtod-Erfahrung zu tun?

Ja, sicher. Es dreht sich alles darum. Das war das zweite Mal, dass ich wiederbelebt wurde, als ich klinisch tot war. Nun ja, es war das dritte Mal, dass ich praktisch tot war, aber das zweite Mal, dass ein Defibrillator zum Einsatz kam. Das erste Mal war Mund-zu-Mund-Beatmung nach einer Überdosis. Das zweite Mal war es der Defibrillator nach einer Überdosis, und dieses Mal waren es die Magengeschwüre mit hohem Blutverlust, also keine Überdosis oder so. Es ist jedenfalls nicht die tollste Erfahrung, auf der Intensivstation aufzuwachen und das Wort „Clear“ zu hören. [lacht] Und BUMM! – Das ist schon ziemlich heftig.


Die Fans von MINISTRY waren über das Ableben der Band im Jahr 2008 nicht besonders glücklich. Nun geht es aber mit „Relapse“ und der Tour weiter wie bei einem Rückfall.

Oh ja, völlig richtig. Das war ja aber keine Frage, sondern eine Aussage, hehe. Okay, ja, ich bin wieder zurück. Wie eine Küchenschabe. Katzen haben neun Leben. Davon habe ich jetzt drei verbraucht, also müsste ich ja noch sechs übrig haben, finde ich. Vielleicht bekomme ich ja auch mehr hin als Katzen und schaffe es siebenmal?




Nikki Sixx von MÖTLEY CRÜE spricht in seinem Buch „The Heroin Diaries“ über die Musikindustrie und dass sie Dich zum Scheitern bringt, wenn Du nicht ihr Spielchen mitspielst. Seit der Gründung von MINISTRY Anfang der Achtziger warst Du so eine Art einsamer Wolf, bist mit sechs Grammy-Nominierungen aber auch erfolgreich gewesen. Wie hast Du diese Gratwanderung geschafft?

Hm, das ist einfach. Du folgst einfach Deinem Herzen, was Dein eigener Geschmack ist. Folge Deinem Herzen! Hör nicht auf diese ganzen Idioten von den Plattenfirmen, auf Kritiker oder Internetseiten und so weiter, sondern umgehe das. Höre auf niemanden, sondern folge einfach Deinem Herzen! Und natürlich Deinem Kopf, und ich finde, dass ich das jetzt schon seit einer ganzen Weile hinbekomme.


Kürzlich bist Du vom Revolver Magazine als einer der 100 lebenden Top-Rockstars gekürt worden. Da Du immer als eher zurückhaltend rüberkamst, wie fühlt sich das an diesem Punkt Deiner Karriere an?

Das interessiert mich einen Scheiß. Ganz ehrlich, es bedeutet mir nichts. Wie ich schon sagte: Wenn Du selbstsicher bezüglich Dir selbst und Deiner Fähigkeiten bist, dann interessiert es mich nicht, was andere Leute sagen. Man veröffentlicht einfach seine Sachen mit Herz, und wenn die Leute es mögen, klasse, und wenn nicht, auch gut, dann ist mir das doch egal. Und dieses ganze Grammy-Zeug? Ach, ich weiß nicht; es bedeutet mir absolut nichts.


2013 wird ein Buch von Dir mit dem Titel „FiXXXed“ erscheinen. Was kannst Du uns dazu berichten?

Nun ja, jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ziemlich direkt bin. Das Buch dürfte also recht interessant sein, da ich kein Blatt vor den Mund nehme. Es wird von Jon Wiederhorn von MTV und dem Revolver Magazine geschrieben. Ich kenne ihn schon seit ein paar Jahren, und er hat mich während dieser Zeit sechs- oder siebenmal interviewt. Er kommt demnächst für eine Woche her, und wir werden uns dann zusammensetzen. Ich werde in meinen Erinnerungen kramen und er wird sich Notizen machen und daraus ein Buch stricken. Ich glaube, daraus soll dann auch ein Film werden. Oh Gott...


Das klingt schon jetzt nach einem gut gefüllten Jahr. Die BUCK SATAN-Scheibe, die MINISTRY-Veröffentlichung inklusive Tournee – hast Du noch weitere Projekte auf dem Schirm? Produzierst Du noch andere Bands in den 13th Planet Studios?

Oh ja. RIGOR MORTIS waren im Februar da und haben ihre erste Scheibe seit 20 Jahren aufgenommen. Das ist echt verdammt lange; ich glaube, ich werde alt. Danach kommen dann ACRASSICAUDA; das ist diese Band aus Bagdad im Irak, die ebenfalls ein Album hier aufnehmen wird. Gefolgt werden sie im April und Mai von einer Truppe aus Monterey, die so ein bisschen wie die BEASTIE BOYS von Mexiko sind. Ich habe also gut zu tun.



Betrachten wir mal Deine bisherige Musikerkarriere: Wie viele Alben hast Du in den letzten 30 Jahren produziert? Wie viele Touren hast Du absolviert?

Ich habe kürzlich darüber nachgedacht. Inklusive Live-Alben, Greatest Hits und Remix-Alben sowie Bands, die ich produziert habe – LARD, PAILHEAD, 1000 HOMO DJs, REV CO, MINISTRY, BUCK SATAN – ich glaube, das sind insgesamt jetzt 39 Alben, an denen ich innerhalb von 30 Jahren beteiligt waren. Dazu kommen circa 15 Welttourneen in dieser Zeit.
Ich werde jetzt noch zwei Alben machen: Zum einen BUCK SATAN, da die Musik schon mehr als zur Hälfte geschrieben ist, sodass wir das nur noch aufnehmen müssen. Außerdem reden Mikey und ich über eine Blues-Scheibe – also richtig traditioneller, von den Siebzigern inspirierter Blues. Für MINISTRY ist dies aber das Ende, da MINISTRY sehr intensiv ist und das eine ganz andere Atmosphäre als BUCK SATAN oder ein Blues-Album ist. Für das neue Album haben Sammy, mein Toningenieur, und ich dreieinhalb Monate benötigt. Eigentlich hätte es aber sicher sieben Monate oder sogar ein Jahr gebraucht, d.h. wir haben ganz schön Gas gegeben. Vielleicht ist das aber auch der Grund dafür, dass es so gut geworden ist. Jetzt ist aber das Ende erreicht; ich muss das einfach abschließen. BUCK SATAN macht aber einfach Spaß, und das gilt auch für die Blues-Geschichte.


Wie schaffst Du es, so viele Alben in diesem Zeitraum veröffentlicht zu haben, und das kontinuierlich?

Na ja, ich habe einen ziemlich miserablen Schlaf. Die meisten Leute brauchen acht Stunden Schlaf pro Tag, während es bei mir eher zwei Stunden sind. Das hat aber nichts mit Drogen zu tun, sondern ich habe einfach total beschissene Schlafrhythmen. Ich bin also immer wach und denke und trinke und überlege mir neue Sachen. Ich schlafe nicht viel. Das kann ich dann machen, wenn ich tot bin. Schlafen ist doch eh für Poser! Schlafen kann man auch, wenn man tot ist.


Wofür möchtest Du später in Erinnerung bleiben? Was sollte auf Deinem Grabstein stehen?

Weiß nicht, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Hm, ich möchte als ein arbeitsamer Verrückter erinnert werden. Das trifft es. Das sollte auch für die Inschrift gelten, weil ich das einfach bin. Ich lebe hart, ich spiele hart, ich arbeite hart.


Welchen Rat würdest Du jungen Musikern bezüglich der Musikindustrie geben?

„Suche Dir einen richtigen Job! Dieser hier ist Mist!“


Gibt es momentan einige neue Bands, die Dich beeindrucken?

Abgesehen von ACRASSICAUDA aus Bagdad? Nein. Aber die sind richtig heavy, sehr coole Leute, und was mich am meisten beeindruckt: In Bagdad haben die keine Bars oder so, wo Konzerte stattfinden, also wird das in anderen Räumen oder Hallen arrangiert. Und deswegen werden sie dann festgenommen. Um diese Überzeugung zu haben und zu wissen, dass das man dafür büßen wird, und auch selbst für einen Club zu sorgen, das zeugt wirklich von Herzblut. Sie sind total heavy, sehr gut an ihren Instrumenten und total klasse Leute. Wenn man also von ihnen absieht, sind diese ganzen anderen verwöhnten Bands aus den USA und Großbritannien, die überall aus dem Boden schießen, großer Mist. Die ACRASSICAUDA-Jungs sind dagegen total gut, weil sie von sich selbst überzeugt sind. Stellt euch mal vor, in dieser Umgebung zu leben und das trotzdem durchzuziehen – das ist doch großartig!


Bist Du manchmal an dem Punkt, dass Du der Musik überdrüssig bist, oder findest du, dass Musik Dich immer begleiten wird?

Ja. Ich werde dieses Jahr eine Tour fahren, und wenn es meine Gesundheit erlaubt, wird dann nächstes Jahr im Sommer eine US-Tour folgen. Dann ist da das neue BUCK SATAN-Album, die Blues-Scheibe – und danach bin ich dann auch glaube ich ziemlich ausgelaugt. Da könnt ihr mich dann abhaken. Es gibt noch ein paar Sachen, die ich ausprobieren möchte, aber dann ist es auch gut. Ich muss nichts mehr beweisen, ich bin nicht auf das Geld angewiesen, ich möchte einfach zur Ruhe kommen. Vielleicht klappt das in den nächsten Jahren dann ja auch mal mit einem normalen Schlaf.




Früher hast Du oft gesagt, dass Du ein Lehrer geworden wärst, wenn Du nicht als Musiker, Produzent, Songschreiber und Künstler aktiv wärst. Geht Dir das heute noch so bzw. was könntest Du Dir sonst noch vorstellen?

Nun ja, mir fehlt jetzt noch ein Semester, ehe ich meinen Abschluss als Lehrer machen kann. Ich möchte gerade nicht unbedingt zurück an die Schule, aber ich fungiere als Gastdozent an Universitäten zu sozialen und politischen Themen sowie zur wirtschaftlichen Seite der Musik- und Unterhaltungsindustrie. Mein Bedarf als „Lehrer“ wird also hierdurch befriedigt, ohne dass ich an eine Schule zurückgehen muss. Ich kaufe aber außerdem hier in El Paso einen Tätowierladen und eine Bar – „Ministry of Ink“ und „Ministry of Drink“. Ich scheine also ein bisschen mehr meinen Geschäftssinn auszuleben, hehe. Vielleicht, ich hoffe es jedenfalls, da ich die kostenlosen Tattoos brauche, haha.


Manche Leute sind der Auffassung, dass es nicht stimmt, dass Du keine Drogen mehr nimmst. Kannst Du das vielleicht ein für allemal klarstellen?

Ja, im letzten September hatte ich den zehnten Jahrestag, dass ich keinerlei Rückfall zu den harten Drogen hatte. Der Grund dafür, dass das Album „Relapse“ heißt, liegt auch darin, dass ich nach den Magengeschwüren für eine ganze Weile mit dem Rauchen und Trinken aufgehört hatte. Als wir dieses Album machten, habe ich aber wieder mit dem Alkohol und dem Rauchen angefangen. Das ist also mein Rückfall. Davon abgesehen ist das aber seit zehneinhalb Jahren kein Thema, d.h. keine Drogen mehr. Absolut nichts. Ich nehme noch nicht mal Aspirin.


Kommen wir doch somit gleich zu „Relapse“ und zur Entstehung des Albums, die schon im Vorfeld mit einigen Making-of-Videos skizziert wurde. Was kannst Du uns zu den Sessions mit Mike Scaccia, Casey Orr, Tony Campos und Tommy Victor berichten?

Ach, das war klasse. Ich kenne Mikey und Casey seit 28 Jahren, und mit Mikey habe ich an so vielen Sachen gearbeitet. Wir waren ein bisschen wie die Aussätzigen von MINISTRY, da die anderen auf uns herabschauten, weil wir Junkies waren. Wir haben hinten im Bus mit unseren Akustikgitarren viel Country gespielt, was den anderen gar nicht gefiel. Er ist fast wie mein kleinerer Bruder, der nichts falsch machen kann. Und Casey ist so was von bodenständig. Ich kann die beiden nur loben. Punkt.
Danach kamen dann Tony Campos und Tommy Victor dazu. Wenn es nur Tony gewesen wäre, wäre die Stimmung vergleichbar gewesen. Tommy stichelt dafür ganz gerne. Ich mag ihn total gerne, während ihn viele Leute nicht ausstehen können. Er ist einfach ein Arschloch, aber dafür schätze ich ihn total. Im Studio haben wir eine Katze namens Kittie, die alle kratzt und beißt, aber genau dafür liebe ich sie, weil sie so unabhängig ist. Die Stimmung war also ganz anders. Tommy ist sehr ruppig, während Mikey und Casey aus Dallas sehr entspannt sind. Das gilt auch für Tony. Tommy aus unserem Lager in Los Angeles ist dafür ziemlich grob – wir hatten sozusagen das Dallas-Camp und das LA-Camp bei diesem Album. Ich mag sie aber alle sehr, und sie sind alle großartige Musiker, was auf diesem Album auch deutlich wird. Ich weiß, dass man das immer und zu jedem Album sagt, aber „Relapse“ ist meiner Ansicht nach wirklich das beste MINISTRY-Album überhaupt. Ich finde sogar, dass diese Scheibe zu den 50 besten Veröffentlichungen aller Zeiten unter allen Bands ist. Es ist so verdammt gut, und diese Rückmeldung haben wir bislang auch von allen Leuten bekommen, die das Teil gehört haben. Und wir haben da.s Ding in dreieinhalb Monaten durchgezogen! Keine Ahnung, vielleicht ist dies genau das Geheimnis. Einfach Vollgas und keine Fragen!


Was passierte dann nach den Aufnahmesessions?

Für Sammy und mich war es dann an der Zeit, unsere Ärmel hochzukrempeln und alles zu produzieren. Der Gesang, die Samples und die Keyboards und so weiter kamen noch hinzu. Wir haben uns dann überlegt, wie alles am besten zusammenpasst. Eigentlich machen Sammy und ich die ganze Laufarbeit, während die Jungs einfach mit ihren Privatjets einfliegen und den Rockstar markieren, hehe. Sie spielen dann eine Woche lang und gehen danach wieder. Sammy und ich haben dann den Rest an der Backe.




Welche sind Deine Lieblingssongs auf „Relapse“ und warum?

Das ist die wirklich schwierigste Frage, weil alle Stücke auf diesem Album einfach gut sind. Das habe ich vorher noch nie sagen können, auch wenn ich schon verdammt nah dran war. Auf „Rio Grande Blood“ und „The Land Of Rape And Honey“ gab es fünf oder sechs Stücke, die richtig gut waren, Aber bei dieser Scheibe? Puh. Also mein ganz besonderer Liebling ist „Kleptocracy“, aber andere Leute sagen dann wieder „Bloodlust“ oder „Double Tap“, während wiederum Mikey überzeugt ist, dass „Ghouldiggers“ das Beste ist. Es ist also sehr schwer. Für alle ist aber etwas dabei.


Mit „Houses Of The Molé“, „Rio Grande Blood“ und „The Last Sucker“ gab es drei Alben zur Bush-Ära, die sehr kritisch bezüglich dieser Regierung waren. Auf „Relapse“ bist Du zwar immer noch politisch motiviert, scheinst aber viel mehr auf das globale Geschehen zu fokussieren?

Ja, das stimmt. Als ich mit „The Last Sucker“ fertig war, hatte ich fast schon Mitleid mit Bush, nachdem er so viel Prügel von mir bezogen hatte. Er war halt einfach nur ein Trottel mit Geld sowie einer Familie, die ihm diese ganzen Ämter erst ermöglicht hatte. Der arme Bastard tat mir fast Leid. Ich habe mich dann viel mehr auf die Leute konzentriert, die ihn zur Marionette gemacht hatten. Das sind die gleichen Leuten, die das auch schon bei Reagan gemacht haben und auch Clinton und Obama beeinflussten. Das ist einfach überall ersichtlich. Und ich liebe diese aktuelle Bewegung, die „99 Percenters“. Das ist genau wie in den Sechzigern, in denen ich aufwuchs! Ich bin zu den demokratischen Ausschreitungen im Jahr 1968 gegangen. Ich bin von daheim abgehauen, da war ich zehn Jahre alt, weil ich das Gefühl hatte, einfach dort hingehen zu müssen. Sammy, der aus New York stammt, und ich wollten da neulich auch hin, uns Pfefferspray einfangen, verprügelt werden und dort protestieren, da es mich so sehr an meine Jugend erinnert. Das ist eine verdammt gute Bewegung. Wir wollten also hingehen, aber konnten dann aufgrund der Fristen mit MINISTRY nicht, sodass ich den Song „99 Percenters“ schrieb. Das ist also mein Beitrag zu der „Occupy Wallstreet“-Geschichte, da wir nicht vor Ort Prügel beziehen konnten, klare Sache! Diese Leute haben dort viel riskiert. Ob das jetzt Syrien, Ägypten, New York, London, Oakland oder sonst wo ist – diese Welt ist total verrückt. Und ich möchte Teil dessen sein, da ich schon immer davon genervt war.


Wie erklärst Du Dir, dass viele MINISTRY-Fans froh darüber sind, dass Du wieder zurück bist und zudem mit einem neuen Album? Inwiefern vertrittst Du ihre Themen?

Weil ich die Wahrheit sage. Ich beschäftige mich nicht mit Nichtigkeiten oder Beziehungsblödsinn und Blablabla. Manche Leute spricht das sehr an, andere wiederum nicht.


Außerdem hast Du mit „Git Up Get Out 'N Vote“ einen Song zum Wahlkampf und zur Wahlbeteiligung geschrieben, der als Instrument angesehen werden kann. Im letzten Jahrzehnt hast Du mit PunkVoter und MoveOn gearbeitet und auch bei MINISTRY-Konzerten auf das Thema aufmerksam gemacht. Warum?

Weil das unsere einzige Stimme ist. Im Jahr 2000 wurde uns diese Stimme von Bush bzw. Gore gestohlen. Die Leute haben dann einfach aufgegeben, haben die weiße Fahne gehisst und gesagt, dass ihre Stimme ja doch nicht zählt. Nun ja, das war eine Wahl. Unsere Stimme zählt sehr wohl. Unser jetziger Präsident, Obama, ist ein gutes Beispiel dafür. Ich finde aber auch, dass die Leute wieder in eine Art Apathie zurückfallen, also habe ich diesen Song geschrieben, um ihnen Beine zu machen! Ist mir doch egal, ob das Demokraten, Republikaner oder sonst was sind. Bewegt Euch und wählt. Das ist Eure Stimme! Noch mal wird Euch Eure Stimme ganz sicher nicht geklaut!




Hast Du bewusst geplant, in einem US-Wahljahr zu touren?

Nein. Überhaupt nicht, da wir in den USA dieses Jahr nur fünf Konzerte spielen. Da wird es zwar „Voter Registration“ geben – mit MoveOn und Punkvoter –, aber eigentlich sind diese Shows nur zum Aufwärmen für die Europatour gedacht. Wir sind Headliner auf diesen ganzen großen Festivals. Zum Beispiel diese Art Woodstock in Warschau, wo eine Million Leute erwartet werden. Hey, und wir sind die Headliner. Das ist ja ROLLING STONES-Shit! Das ist riesig. Vor so vielen Leuten haben wir noch nie gespielt. Bisher waren das ca. 200.000 Zuschauer, sodass ich noch nicht mal eine Ahnung habe, wie das aussehen könnte. Anscheinend will die polnische Regierung nicht, dass die ganzen Kids demonstrieren und ausflippen, weil sie arbeitslos sind, also haben sie ihnen ein Konzert gekauft, das auch noch gratis ist. Hahaha, und die Regierung versucht, die Leute vom Protestieren abzuhalten, indem sie uns engagiert! [lacht] Verdammt gute Idee, kann ich da nur sagen. Ha!
Dazu kommen noch das Wacken Open Air, Gateway in Schweden, Brutal Assault in Tschechien und Tuska in Finnland. Dazwischen sind einige Clubshows, z.B. in Paris und London, gefolgt von zwei Konzerten in Russland, nämlich in Moskau und St. Petersburg. Dort haben wir noch nie gespielt. Insgesamt werden wir sechs Wochen in Europa unterwegs sein und zwei Wochen in den USA. Alles in allem sind das ungefähr 30 Konzerte. Die USA sind dann wie gesagt nächstes Jahr dran. Vielleicht wärmen wir uns dann in Europa auf und machen das Ganze andersherum. Mal schauen.


Wie sieht das Line-up für diese Tour aus?

Das sind alles verdammt gute Musiker, die obendrein auch noch Freunde sind. Ich habe 17 Jahre lang mit MINISTRY auf Tour verbracht, in denen ich die Leute nicht mochte und andersherum. Diesmal sind Freunde mit im Bus unterwegs. Das ist Mike Scaccia von RIGOR MORTIS an der Gitarre. Dazu kommt Casey Orr von GWAR und RIGOR MORTIS am Bass. Aaron Rossi von PRONG spielt Schlagzeug. Sin von REV CO spielt die andere Gitarre. Dazu kommt noch John Bechdel von FEAR FACTORY und KILLING JOKE an den Keyboards. Und dann fehle nur noch ich. Aaron, John und Sin waren schon bei der „C U La Tour „dabei, sodass eine gewisse Kontinuität besteht. Mikey ist aber wieder zurück, nachdem er vor der letzten Tour Rückenprobleme hatte. Es ist schön, dass er wieder am Start ist, da er meine rechte Hand ist, mein kleiner Bruder.


Freust Du Dich auf die Tour? Freust Du Dich, mit Deinen Kumpels unterwegs zu sein?

Ja, ich denke schon. Keine Ahnung. Eine Tour ist eine Tour. Es ist schön, mit Freunden abzuhängen und unterwegs zu sein. Das macht Spaß, nicht die Tour an sich. Die einzige Sache, die mich wirklich neugierig macht, ist diese Geschichte in Warschau. Ich habe noch nie eine Million Menschen auf einem Flecken gesehen. Das heißt, doch, einmal! 1979 ging ich in den Grand Park in Chicago, und zwar zum Popestock oder Popefest oder wie auch immer das hieß. Der Papst kam jedenfalls. Ich bin hingegangen und habe mir das angeschaut. Da waren eine Million Menschen. Und ich bin natürlich festgenommen worden, weil ich mich daneben benommen habe. Haha! Ich bin vorne durch die Sicherheitsabsperrung gekracht, um ganz vorne mitzumischen, wo sich nur Würdenträger aufhalten durften. Und ich krache da hinein und werde festgenommen, aber auf dem Weg nach draußen habe ich gesehen, dass sie Pope-cicles und Pope-corn vertickt haben. Da fehlte nur noch Pope-on-a-Rope, haha! Er, also Papst Johannes Paul, hatte sogar ein eigenes Album, auf dem er polnische Volksweisen sang. [lacht] Und ich werde ausgerechnet auf einem Papst-Festival festgenommen...

Interview: Angelina Jourgensen; Übersetzung: soulsatzero; Fotos: Omar Mena, Allan Amato

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 11.03.2012 | 13:39 Uhr

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